Russland und China sollen Snowden-Dokumente entschlüsselt haben – Kritik an Medienberichten

Zwei große britische Medien berichten am Sonntag, dass Russland und China Zugriff auf die geheimen Dokumente von Edward Snowden haben. Snowden-Vertraute weisen dies zurück und kritisieren den Artikel scharf.

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Edward Snowden

Wer hat Zugriff auf Snowdens Dokumente

(Bild: dpa, Guardian/Greenwald/Poitras)

Lesezeit: 2 Min.

Mit den Snowden-Dokumenten vertraute Journalisten haben einen Bericht zurückgewiesen, wonach Russland und China das Archiv des NSA-Whistleblowers geknackt haben. Der Sunday Times und der BBC zufolge sollen bereits Agenten das britischen Geheimdiensts MI6 aus ihrem Einsatzgebiet in "feindlichen Staaten" abgezogen worden sein – zum Schutz vor ihrer Enttarnung. Das hätten Mitarbeiter aus Kreisen der britischen Regierung und der Geheimdienste des Landes mitgeteilt, aber nicht ohne auf ihrer Anonymität zu beharren.

NSA-Skandal

Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dazu hat Edward Snowden enthüllt.

Die Darstellung wurde von dem Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald auf Twitter umgehend zurückgewiesen. Der Artikel sei gefüllt mit "nachweisbar falschen Angaben" und ein Beispiel für den "schlimmsten Journalismus". Ryan Gallagher, der wie Greenwald für The Intercept schreibt und nach eigenen Angaben die Snowden-Dokumente eingesehen hat, schließt sich dieser Kritik an. In einem Blogeintrag geht er auf zentrale Punkte der neuerlichen Medienberichte ein, um sie zu entkräften.

Unter anderem erklärt Gallagher, die Aussage, fremde Geheimdienste hätten Zugriff auf Snowden-Material, bedeute nicht, dass sie unveröffentlichte Dokumente einsehen könnten. Fraglich sei auch, wie Russland überhaupt an die Dokumente gelangt sein soll. Edward Snowden habe immer versichert, die Dokumente nicht mit nach Moskau genommen zu haben. Eindeutig falsch sei, dass Greenwalds Lebensgefährte David Miranda in London mit Snowden-Dokumenten aufgegriffen wurde, als er aus Russland gekommen sei. Miranda sei aus Berlin gekommen, wo er Laura Poitras besucht hatte.

Ganz allgemein kritisiert Gallagher noch, dass der Artikel in der Sunday Times keinerlei Skepsis gegenüber den Aussagen staatlicher Quellen zeige. Die Regierung wolle Snowden als "Helfer des Gegners" charakterisieren, weswegen ihre Aussagen besonders geprüft werden müssten. Für Behauptungen mit solch schwerwiegenden Konsequenzen müssten deshalb auch Beweise vorgelegt werden.

Mit den Dokumenten, die Snowden 2013 mehreren Journalisten übergaben hat, begann vor zwei Jahren einer der größten Geheimdienstskandale überhaupt. Als Systemadministrator bei einem NSA-Dienstleister hatte er Zugriff auf viele Dokumente – und kopierte Tausende Unterlagen. Die hat er an Journalisten übergeben, damit sie öffentlich machen, was sie für wichtig halten, ohne gleichzeitig die seiner Meinung auch wichtige Arbeit der Dienste zu gefährden. Er selbst hat nach eigenen Angaben seitdem keinen Zugriff mehr auf die Dokumente. Weil er von den USA verfolgt wird, ist er in Russland gestrandet, wo ihm Asyl gewährt worden war. (mho)