Keiner ist perfekt

Den optimalen PC möchte jeder haben. Extrem leistungsfĂ€hig, fĂŒr jede Anwendung bestens geeignet, absolut zuverlĂ€ssig soll er sein - und natĂŒrlich möglichst preisgĂŒnstig. Gibt es solche Computer wirklich oder bleibt ‘der optimale PC’ eine Utopie?

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Von
  • Georg Schnurer
Inhaltsverzeichnis

Den schnellsten und am besten ausgestatteten PC zusammenzustelle, ist ziemlich simpel: Man nimmt den leistungsstĂ€rksten Prozessor, kombiniert ihn mit dem besten verfĂŒgbaren Systemboard, gibt die performanteste AGP-Grafikkarte hinzu und wĂŒrzt mit möglichst viel Hauptspeicher. In die reichlich vorhandenen PCI-SteckplĂ€tze steckt man eine monstermĂ€ĂŸige Soundkarte sowie einen TV- oder DVB-Tuner. ISDN- und Netzwerkanschluss dĂŒrfen natĂŒrlich auch nicht fehlen. Jetzt noch eine gigantisch große und rasend schnelle Festplatte hinzufĂŒgen, das DVD-Laufwerk und den CD-Brenner nicht vergessen, das Ganze in ein solides TowergehĂ€use montieren - und fertig ist der Super-PC.

Fast fertig. Ein paar ‘Kleinigkeiten’ wie Betriebssystem und Treiber sind natĂŒrlich zusĂ€tzlich nötig. Das gute StĂŒck kostet dann fast so viel wie ein Kleinwagen und funktioniert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur eingeschrĂ€nkt. Hochmoderne PC-Komponenten haben halt so ihre Kinderkrankheiten, dafĂŒr muss man als KĂ€ufer wohl einfach VerstĂ€ndnis haben. Obendrein ist die Kiste laut, denn Netzteil, GHz-CPU, hochtourige Festplatte und auch der ach so schnelle 3D-Beschleuniger wollen wirksam gekĂŒhlt werden.

Ihr optimaler PC sieht anders aus? Meiner auch, denn ich brauche keinen wackeligen Boliden, sondern ein solides und vor allem leises ArbeitsgerĂ€t, mit dem ich Briefe schreiben, kleine Grafiken erstellen und natĂŒrlich im Internet surfen kann. Mit so einem Rechner kann mein Freund Michael wiederum gar nichts anfangen: Es sucht eine rasend schnelle Maschine, auf dem auch die neuesten Spiele in höchster Auflösung flĂŒssig laufen. Klar, bezahlbar soll sie trotzdem sein, aber die LĂ€rmentwicklung zum Beispiel spielt eine ganz untergeordnete Rolle, schließlich gehört zu einem ordentlichen Spiel ohnehin eine satte Sound-Untermalung. Tja, und Gerd andererseits möchte in seinem optimalen PC auf jeden Fall eine TV-Karte haben, um sich so den Zweit-Fernseher fĂŒrs Arbeitszimmer zu sparen.

Unter einen Hut bekommt man all die unterschiedlichen WĂŒnsche eigentlich nicht. ZuverlĂ€ssig und rasend schnell, leise und billig - das gibt es nun mal nicht. Den optimalen PC fĂŒr jedermann kann es folglich nicht geben, wohl aber verschiedene, auf individuelle Anforderungen hin optimierte Rechner. Dies ist denn auch unser Ansatz. In den folgenden Artikeln stellen wir verschiedene Systeme vor, die jeweils auf ein bestimmtes Anwendungsprofil hin optimiert wurden.

Den Anfang macht ab Seite 106 der ‘Office-PC’. Auf diesem sollen moderne BĂŒroanwendungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, PrĂ€sentationsgrafik und so weiter flĂŒssig und vor allem zuverlĂ€ssig laufen. Auch zum Surfen im Internet soll sich das gute StĂŒck natĂŒrlich eignen. Ein Netzwerkanschluss ist Pflicht - schließlich gibt es selbst in vielen ‘Home Offices’ mehr als einen Rechner, mit denen man sich den Internet-Zugang oder den Drucker teilt.

NatĂŒrlich darf der Rechner fĂŒrs BĂŒro nicht laut sein, damit konzentriertes Arbeiten möglich ist. Andererseits muss das GerĂ€t schnell genug arbeiten, um den Anforderungen moderner Office-Programme gerecht zu werden. Unnötig viel kosten soll der BĂŒro-PC natĂŒrlich trotzdem nicht. Es gilt also, einen akzeptablen Kompromiss zwischen Rechenleistung, LĂ€rmentwicklung und dem Anschaffungspreis zu finden.

FĂŒr Spieler mit gehobenen AnsprĂŒchen ist der ab Seite 108 beschriebene PC gedacht. Gemeint ist hier aber nicht die Minderheit der Freaks mit prall gefĂŒlltem Geldbeutel, denen kein Rechner schnell genug sein kann. Wir denken vielmehr an diejenigen, die Spaß an rasanten Action-Games haben, aber dennoch nicht jeden verfĂŒgbaren Euro in ihren Computer stecken wollen.

Ganz billig wird unser Spiele-PC allerdings dennoch nicht. Damit auch Details bei aktuellen Spielen gut erkennbar sind, gehen wir von einer Standardauflösung von 1024 x 768 Bildpunkten aus. Ruckelfreien Spielfluss bei Action-Spielen - und zwar auch bei den Spielen, die nĂ€chstes Jahr unterm Weihnachtsbaum liegen - stellt hier nur eine Grafikkarte mit schnellem 3D-Beschleuniger sicher. Auch der Prozessor darf hier nicht zu schwachbrĂŒstig sein. Guter 3D-Sound gehört natĂŒrlich ebenfalls zu einem ordentlichen Spiele-Rechner, also mĂŒssen eine moderne Soundkarte und ein brauchbares 5.1-Soundsystem her. Bei der Festplatte darf man ruhig sparen, nur zu klein sollte sie nicht sein, schließlich sollen möglichst viele Spiele drauf passen.

Ein kleines finanzielles Polster sollte man auch noch fĂŒr das Drumherum einplanen, denn ohne ordentliche Maus, langlebige und robuste Tastatur rĂŒcken Highscores in weite Ferne.

Den optimalen Entertainment-PC suchen wir ab Seite 112. Dieser soll besonders leise sein und sich dazu eignen, Spielfilme von DVD ruckelfrei und mit perfektem 5.1-Sound abzuspielen. 3D-Beschleunigung ist hier also nicht so sehr gefragt wie eine stabile Grafikkarte mit gutem TV-Ausgang. SelbstverstĂ€ndlich ist so ein Rechner auch als MP3-Player nutzbar. Obendrein wollen wir mit unserem Entertainment-System auch noch den Videorecorder ersetzen. Dazu mĂŒssen wir es mit einer komfortabel zu bedienenden TV-Karte ausstatten. Besonderen Wert legen wir auf Timeshift, die FĂ€higkeit zur zeitversetzten Wiedergabe schon wĂ€hrend des Aufnehmens.

Da es bei den Komponenten fĂŒr unsere optimalen PCs viele Gemeinsamkeiten gibt, haben wir noch einen Artikel vorangestellt (Seite 102), der erklĂ€rt, worauf es bei der Auswahl von Prozessor, Motherboard, Hauptspeicher, Festplatte, Netzteil und GehĂ€use grundsĂ€tzlich ankommt.

Ob man einen optimalen PC in Form eines Komplettsystems im Technik-Supermarkt erwerben kann, haben wir ebenfalls getestet. Unsere TestkĂ€ufer ließen sich Systeme empfehlen, die besonders fĂŒr Spiele- und Multimedia-Anwendungen geeignet sein sollen. Das Ergebnis dieser verdeckten Einkaufsaktion fassen wir im folgenden Beitrag ab Seite 94 zusammen.

Neben den fĂŒr die spezielle PC-Gattung typischen Tests fĂŒhrten wir einige Benchmarks durchgĂ€ngig bei allen Systemen durch, um so einen Vergleich auch ĂŒber die speziellen Anwendungsbereiche hinaus zu ermöglichen. Als Maß fĂŒr die Spieletauglichkeit verwendeten wir dabei Quake III und die synthetischen Tests der 3DMark-Suite in der Version 2000 und 2001. Die Eignung fĂŒr moderne BĂŒroanwendungen und fĂŒrs Surfen prĂŒften wir mit Hilfe der BAPCo SysMark 2001.

Bei allen zusammengestellten Systemen haben wir - so weit möglich - versucht, gleichwertige Produkte verschiedener Hersteller mit einzubeziehen. Dadurch ergibt sich fĂŒr jeden die Möglichkeit, auch eigene Vorlieben fĂŒr bestimmte Marken mit zu berĂŒcksichtigen. Einen Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit erhebt unsere Auswahlliste jedoch nicht, denn wir haben nur Produkte berĂŒcksichtigt, die im Fachhandel leicht zu beschaffen sind.

Trotz dieser EinschrĂ€nkung ergeben sich aber diverse Konfigurations- und Kombinationsmöglichkeiten, die wir weitestgehend auf KompatibilitĂ€t zueinander getestet haben. Alle denkbaren Permutationen konnten wir freilich nicht prĂŒfen. Immerhin ergibt die Auswahl von vier Motherboards, drei CPUs, vier Grafikkarten, zwei Soundkarten, drei GehĂ€usen, zwei DVD-Laufwerken und drei Festplatten 1728 Kombinationsmöglichkeiten. Ob dieser enormen Zahl mussten sich unsere Tests auf die jeweiligen Kernanwendungen der betreffenden Systeme beschrĂ€nken. Eine Garantie fĂŒr absolute KompatibilitĂ€t - insbesondere wenn noch andere, von uns nicht geprĂŒfte Hard- oder Software ins Spiel kommt - können wir naturgemĂ€ĂŸ nicht ĂŒbernehmen.

(gs)