Kappe misst Einschläge

Nicht nur Profis können sich bei Football und anderen Kontaktsportarten problematische Gehirnerschütterungen zuziehen. Eine neue Kopfbedeckung mit zahlreichen Sensoren soll warnen, bevor es zu ernsthaften Hirnverletzungen kommt.

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Von
  • David Talbot

Nicht nur Profis können sich bei Football und anderen Kontaktsportarten problematische Gehirnerschütterungen zuziehen. Eine neue Kopfbedeckung mit zahlreichen Sensoren soll warnen, bevor es zu ernsthaften Hirnverletzungen kommt.

Ein neues Produkt, das der Sportartikelhersteller Reebok zusammen mit dem Start-up MC10 entwickelt hat, soll Amateur- und Profisportler vor Gehirnschädigungen schützen. Das System besteht aus einer Schädelkappe, die Sensoren und biegsame Elektronik enthält. Sie kann während des Trainings direkt oder unter einem Helm getragen werden und warnt, wenn es zu problematischen Prellungen kommt.

Der sogenannte Sports Impact Indicator wird Anfang 2013 auf den Markt gelangen. MC10-Chef David Icke ist besonders auf die einfache Bedienung stolz: Nach einem Zusammenstoß zeigen rote, gelbe und grüne LEDs, wie schwer der Einschlag war. Dann können Trainer oder Sportler entscheiden, ob besser ein Time-out erfolgt. Es habe bislang oft an verlässlichen Daten gemangelt, sagt Icke. "Kopfverletzungen kommen bei vielen Sportarten vor – und es ist oft schwer zu sehen, was auf dem Feld wirklich passiert ist."

Football-Helme mit Sensoren werden mittlerweile zu Preisen zwischen 200 und 400 US-Dollar verkauft, Profimodelle können durchaus 1000 Dollar kosten. Die Reebok-MC10-Technik soll dagegen so billig sein, dass sie auch in Jugendclubs oder in der Schule verwendet werden kann. "Wir liefern viel zu einem geringeren Preis", sagt Icke. Wie viel genau der Sports Impact Indicator kosten wird, verrieten die Partner allerdings noch nicht.

Das Thema betrifft nicht nur Football. In den USA treiben 30 Millionen Menschen regelmäßig Sportarten wie Hockey, Lacrosse, Ski, Snowboarding oder Fahrradfahren, bei denen Helme normaler Bestandteil sind. Und auch Sportarten wie Basketball oder Fußball, die helmfrei gespielt werden, ziehen nicht selten Kollisionen und harte Stürze nach sich. Icke betont, dass die Schädelkappe mit und ohne Helm und bei jeder Sportart eingesetzt werden kann. MC10 arbeitet auch an weiteren Geräten, die auf flexibler Elektronik basieren – beispielsweise an Implantaten.

Die Gefahr durch Kopfverletzungen im Sport wird bereits seit längerem untersucht. Eine Studie von 2010 zeigte, dass auch kleinere Treffer auf längere Sicht so gefährlich sein können wie schwere Gehirnerschütterungen. Zudem wirken problematische Kräfte nicht nur von hinten oder von vorne, sondern auch seitlich und dann, wenn der Kopf verdreht wird. Spielt ein getroffener Sportler einfach weiter, riskiert er größere Probleme – Kinder sind besonders gefährdet. (bsc)