Mercedes: Die nÀchste A-Klasse als Elektroauto
Die aktuellen Elektroautos von Mercedes, die mit Derivaten der A-Klasse zu vergleichen sind, haben einen 66,5-kWh-Speicher, der sich mit 100 kW befĂŒllen lĂ€sst. In beiderlei Hinsicht werden die Nachfolger zulegen.
(Bild: Mercedes)
Wie die Konkurrenz arbeitet auch Mercedes intensiv an der Antriebsumstellung. Die Studie EQXX zeigt, in welche Richtung es mit der nÀchsten A-Klasse geht.
Noch in diesem Jahr wird die A-Klasse ĂŒberarbeitet, es folgen die inzwischen zahlreichen Derivate. Eine allzu lange Produktionsdauer wird diesen Modellen nicht beschieden sein, denn schon in etwa drei Jahren sollen die komplett neuen Nachfolger fertig sein. Auch sie werden mit Verbrennungsmotor angeboten, doch der soll nur noch eine Nebenrolle spielen. Alles wird darauf ausgerichtet, den batterieelektrischen Antrieb in den Mittelpunkt zu stellen.
Hohe Nachfrage
Bislang hat Mercedes mit dem EQA (Test) [1] in dieser FahrzeuggröĂe nur ein Elektroauto im Angebot, der EQB auf gleicher Basis ist rund 20 cm lĂ€nger. Wer in den anderen Ablegern der A-Klasse elektrisch fahren möchte, kann dies nur mit einem Plug-in-Hybrid. Wie groĂ das Begehren ist, hat Mercedes im Sommer 2020 mit dem Verkaufsstart des A 250e erfahren. Der Plug-in-Hybrid war innerhalb von Tagen vergriffen. Inzwischen ist der Antriebsstrang auch in CLA und B-Klasse zu haben und auch dort ziemlich beliebt. Kein Wunder, wir hatten beide als Testwagen in der Redaktion und fanden den PHEV dort insgesamt durchaus gelungen [2].
Reichweite und Ladetempo
Wie andernorts geht man aber auch bei Mercedes davon aus, dass Plug-in-Hybride nur eine BrĂŒckentechnologie sein werden, auf dem deutschen Markt befeuert durch die aktuelle Subventionspolitik. Noch steht nicht fest, wie diese ab 2023 fortgefĂŒhrt wird, doch kaum einer geht davon aus, dass diese Antriebsart ab dem kommenden Jahr unverĂ€ndert weiter gefördert wird. Die absehbare Zukunft gehört dem batterieelektrischen Antrieb. FĂŒr eine breitere Akzeptanz hat Mercedes zwei entscheidende Themen ausgemacht: Reichweite und Ladetempo.
(Bild:Â Clemens Gleich)
"Mit dem Vision EQXX zeigen wir, in welche Richtung das gehen kann. Wir sehen noch groĂes Potential bei der Zusammensetzung der Zellchemie [3] bei unseren Serienfahrzeugen." sagt Daimler-Entwicklungsvorstand Markus SchĂ€fer. Wie groĂ das Potential ist, deutet der Unterschied zwischen dem noch recht neuen EQS und der Studie EQXX an. Die Batterie ist in beiden mit einem nutzbaren Energiegehalt von rund 100 kWh ausgestattet, im EQXX aber ist der Speicher 50 Prozent kleiner und 30 Prozent leichter. Auch das trĂ€gt dazu bei, dass die Reichweite erheblich steigt. Bis zum Start der elektrischen A-Klasse wird es weitere Fortschritte geben, denn in diesen Forschungsbereich flieĂt derzeit bei allen Hersteller und Lieferanten reichlich Geld.
(Bild:Â Mercedes)
Gegen die Reichweitenangst
Zum einen will man den Kunden die Angst nehmen, mit einem leeren Speicher liegenzubleiben. "Wir glauben, dass die Reichweite noch lĂ€nger ein groĂes Thema bei den Kunden sein wird. Daher werden wir unsere neue Kompaktklasse mit verschiedenen AkkugröĂen anbieten", sagt SchĂ€fer. Im EQA sind es derzeit 66,5 kWh netto. Doch Mercedes will nicht einfach nur gröĂere Batterien einbauen: "Hohe elektrische Reichweiten zu erreichen, klingt einfach, ist aber eine komplexe technische Herausforderung. Der einfachste Weg ist, eine gröĂere Batterie zu verwenden", so Jörg Bartels, Leiter Direktion Fahrzeugintegration bei Mercedes, "Dies fĂŒhrt jedoch aufgrund von GröĂe und Gewicht zu schlechteren Effizienzen. Das ist definitiv nicht der klĂŒgste Weg und auch nicht die beste Nutzung von wertvollen Ressourcen." Leichtbau und eine weiter verbesserte Aerodynamik sollen zu mehr Reichweite beitragen â angesichts der weltweit weiterhin wachsenden SUV-Nachfrage mit dementsprechend vergleichsweise groĂen StirnflĂ€chen ist das durchaus eine Herausforderung.
Klimatisieren von Batterien
Das gilt auch fĂŒr die Ladeleistung. Zwar wirbt es sich mit spektakulĂ€ren Peakleistungen ganz hervorragend, doch die Hersteller machen gerade die Erfahrung, dass die Kunden enttĂ€uscht sind, wenn sich diese im Alltag nicht nachvollziehen lassen. FĂŒr eine möglichst in einem weiten SoC-Bereich hohe Ladeleistung muss die Batterie in einem gewissen Temperaturfenster sein, was die Klimatisierung des Speichers anspruchsvoll macht. Denn bei Frost die Batterie aufzuladen ist schon heute möglich, kostet aber Reichweite. Zudem spielt auch in diesem Bereich die Zellchemie eine wichtige Rolle: Ein geringerer Kobalt-Anteil in der Zelle etwa macht die Batterien empfindlicher bei Frost.
Display in Fahrzeugbreite
Die Studie EQXX [4] zeigt aber nicht nur beim Antrieb, in welche Richtung es bei Mercedes gehen wird. Das Armaturenbrett ziert dort ein Display, das sich ĂŒber die gesamte Fahrzeugbreite spannt â bei gleichbleibender Höhe. Das ist relevant fĂŒr die Herstellung. Denn die vergleichsweise komplexe Form des Riesen-Bildschirms "Hyper-Screen", den es fĂŒr reichlich Aufgeld in S-Klasse und im Elektroauto EQS (Test) [5] gibt, kostet in der Produktion so viel, dass sich nicht einmal Mercedes Hoffnungen darauf macht, ihn in nennenswerter Anzahl in der A-Klasse verkaufen zu können.
(Bild:Â Mercedes)
Die nĂ€chste Stufe des Displays in der kommenden A-Klasse wird wieder per BerĂŒhrung bedient. Wobei Mercedes darauf baut, dass die weiter perfektionierte Sprachsteuerung immer mehr genutzt wird. Hier hat der Konzern 2018 ein Niveau vorgelegt, fĂŒr das andere vier Jahre spĂ€ter noch einen sehr weiten Weg vor sich haben.
(Bild:Â Mercedes)
Leder bleibt im Angebot
Einen anderen sich abzeichnenden Trend will Mercedes dagegen nicht mitmachen: Auch weiterhin soll es SitzbezĂŒge aus Leder geben. "Wir wollen unseren Kunden auch in Zukunft die Wahl beim Material der Innenausstattung lassen", sagt Markus SchĂ€fer. "FĂŒr uns dabei allerdings ganz klar: Es muss nachhaltig sein â und das in seiner gesamten Kette; egal ob es ein natĂŒrliches Produkt wie unter Tierwohl-Aspekten gewonnenes Echtleder ist oder biotechnologisch hergestellte Materialien der Zukunft wie im Vision EQXX." Polestar hatte angekĂŒndigt, kĂŒnftig kein Leder mehr als Bezug anzubieten. Andere Hersteller vollziehen diesen Wegfall weniger öffentlichkeitswirksam. Im aktuellen VW Golf (Test) [6] sind bis heute keine Ledersitze mehr zu haben.
(mfz [7])
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[1] https://www.heise.de/tests/Triple-A-Test-Mercedes-Benz-EQA-250-6139354.html
[2] https://www.heise.de/tests/Test-Mercedes-B-250e-Konsumgut-4664037.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Batteriezellen-fuer-Elektroautos-Auf-der-Suche-nach-der-Welt-Zelle-6176430.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/E-Auto-Mercedes-Vision-EQXX-soll-mit-unter-100-kWh-ueber-1000-km-schaffen-6316625.html
[5] https://www.heise.de/tests/Luxus-kostet-Test-Mercedes-Benz-EQS-580-6290625.html
[6] https://www.heise.de/tests/VW-Golf-1-5-TSI-im-Test-Bestseller-auf-Mutkurs-4716668.html
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