Peer-to-Peer-Netze machen Mobilfunkern Konkurrenz
Vor allem in den USA ist der Internet-Zugang fĂŒr Endkunden mangels Wettbewerb oft teuer und langsam. Aus weniger weit entwickelten LĂ€ndern kommen Beispiele dafĂŒr, wie geschicktere Regulierung aussehen könnte.
Vor allem in den USA ist der Internet-Zugang fĂŒr Endkunden mangels Wettbewerb oft teuer und langsam. Aus weniger weit entwickelten LĂ€ndern kommen Beispiele dafĂŒr, wie geschicktere Regulierung aussehen könnte.
In den USA versuchen die Regulierungsbehörden zu verhindern, dass einige wenige groĂe Internet-Provider den Wettbewerb ausbremsen. Anderswo auf der Welt treten unterdessen neue Technologien auf den Plan, die fĂŒr mehr Konkurrenz sorgen könnten.
Beim Mobile World Congress Anfang MĂ€rz in Barcelona warb Tom Wheeler, Chairman der US-Telekommunikationsaufsicht FCC, fĂŒr die vor kurzem von seiner Behörde verabschiedeten Regeln zur NetzneutralitĂ€t. Die USA seien damit âweiterhin weltweit fĂŒhrendâ bei Hightech-Kommunikation, brĂŒstete er sich. Die FCC-Regeln wĂŒrden verhindern, dass Internet-Provider bestimmten Inhalten Vorrang einrĂ€umen. Laut Kritikern untergraben solche Schnellspuren die Prinzipien untergraben, die Innovationen im Netz erst möglich gemacht haben.
In anderen LĂ€ndern haben groĂe Provider eine weniger beherrschende Stellung, und neue Drahtlostechnologie sorgt fĂŒr offenere MĂ€rkte. Das experimentelle Protokoll LTE Direct zum Beispiel ermöglicht Peer-to-Peer-Kommunikation ohne Mobilfunkmasten.
In Spanien haben Techniker und freiwillige Helfer bereits ein Peer-to-Peer-Netz namens Guifi.net [1] aufgebaut, das mit Drahtlosknoten mit groĂer Reichweite arbeitet. Seine Betreiber sind AnhĂ€nger der NetzneutralitĂ€t und können dafĂŒr sorgen, dass sĂ€mtliche Daten in ihrem Netz mit der gleichen PrioritĂ€t behandelt werden.
In manchen MĂ€rkten aber â darunter groĂe Teile der USA â haben nur ein oder zwei Unternehmen Funklizenzen fĂŒr die Nutzung der wichtigsten Frequenzen oder Wegerechte fĂŒr die Verlegung von Leitungen. Damit können diese Anbieter Preise und Bedingungen weitgehend diktieren. Als Folge davon ist Internetzugang in den meisten US-StĂ€dten teurer und langsamer als in vergleichbaren LĂ€ndern, hat die New American Foundation festgestellt [2].
âWenn auf allen Ebenen des Internet Wettbewerb herrschen wĂŒrde, mĂŒsste es gar keine Debatte um NetzneutralitĂ€t gebenâ, sagt Steve Song [3], Teilzeit-Forscher am Network Startup Resource Center [4] der University of Oregon, der auch BausĂ€tze fĂŒr Peer-to-Peer-Mobilnetze zusammenstellt und verkauft.
Zunehmender Wettbewerb könnte Telecom-Netzbetreiber tatsĂ€chlich dazu zwingen, Inhalte auch ohne Disziplinierung durch Bundesbehörden neutraler zu behandeln. Ein Modell dafĂŒr bietet Kampala in Uganda: Google bietet dort als GroĂhĂ€ndler Glasfaser-Verbindungen [5] fĂŒr jeden an, der sie kaufen möchte. ZunĂ€chst, so Song, hĂ€tten die etablierten Telecom-Firmen den geteilten Dienst abgelehnt und argumentiert, sie brĂ€uchten eigene Kontrolle ĂŒber die Infrastruktur, um ihre QualitĂ€t zu garantieren. Als sie aber sahen, wie viele ihrer Kunden zu kleinen Providern abwanderten, die den Google-Dienst nutzten und weiterverkauften, Ă€nderten sie ihre Meinung.
Oft haben Drahtlostechnologien besondere Kostenvorteile. In Kenia zum Beispiel bietet der Glasfaser-Netzbetreiber Liquid Telecom [6] öffentliche WLAN-Netze im Central Business District von Nairobi an; Nutzer können damit kostenlos im Web surfen oder telefonieren. Eines Tages soll der Dienst mit den etablierten Netzwerken konkurrieren, sagt Ben Roberts, CEO von Liquid Telecom Kenya. In abgelegenen Regionen von Mexiko wiederum lohnt sich die Verlegung von Glasfasern oft nicht. Doch mehr als ein Dutzend lÀndliche Gemeinschaften haben hier in Eigenregie Mobilnetze aufgebaut, bei denen sie die landesweiten Mobilfunkanbieter mit billiger offener Software und Hardware umgehen.
FĂŒr die USA und andere LĂ€nder entstehen unterdessen neue Chancen, weil durch verbesserte Antennen-Technologie mehr Funkspektrum verfĂŒgbar wird. Auch durch den Ăbergang von analogem auf digitales Fernsehen werden Frequenzen frei. Statt landesweite Frequenzblöcke an den höchsten Bieter zu versteigern, könnten Regierungen laut Song Regeln einfĂŒhren, nach denen kleinere Anbieter in schlecht versorgten Regionen Zugriff auf Frequenzen bekommen.
An manchen Orten, fĂŒr die es keine Alternativen gibt, geschieht das bereits: Nach einer erfolgreichen Demonstration einer Organisation namens Rhizomatica [7] im sĂŒdlichen mexikanischen Bundesstaat Oaxaca hat der Telecom-Regulierer des Landes 10 Prozent der landesweiten Funkfrequenzen fĂŒr die Nutzung durch indigene Gruppen reserviert. Damit ist der Weg frei zu von lokalen Gemeinschaften betriebenen Netzwerken.
(sma [8])
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Links in diesem Artikel:
[1] https://guifi.net/en/what_is_guifinet
[2] http://www.newamerica.org/oti/the-cost-of-connectivity-2014/
[3] https://manypossibilities.net/about/
[4] http://www.nsrc.org/
[5] http://www.google.com/get/projectlink/
[6] http://liquidtelecom.com/
[7] http://rhizomatica.org/
[8] mailto:s.mattke@gmail.com
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