Zehn prÀgende Autos der 80er-Jahre
Ausloten, was geht: Porsche packte in den 959 alles, was an Technik Mitte der 1980er-Jahre zu haben war.
(Bild: Porsche)
Maserati muss gerettet werden, Porsche und Ferrari liefern sich ein WettrĂŒsten und Mercedes geht in die Breite. Zehn bemerkenswerte Autos aus dieser Epoche.
Aus Hippies werden Yuppies und aus Marihuana wird Kokain. Kein Wunder. In den USA regiert Ronald Reagan. Der fĂŒhrt die Reaganomics ein, was zu massiven Steuererleichterungen fĂŒr Besserverdiener fĂŒhrt und zu einem nie dagewesenen Anstieg der Staatsschulden. Kunst und Kultur sind auf der Höhe der Zeit, weswegen der Film "Wall Street" die moralische Verkommenheit der Finanzwelt vorfĂŒhrt. Stichwort: Gier ist gut. Nach zwei Jahrzehnten der Freiheits- und Friedensbewegung wird die Welt wieder bĂŒrgerlicher, konservativer und materialistischer. Die aufkommende Punk-Kultur ist da nur der logische Schritt.
In Deutschland manifestiert sich der neue Biedermeier in Person von Helmut Kohl. Der bleibt erstmal und regiert Deutschland 16 Jahre aus einer Strickjacke heraus. Erst aus Bonn, dann aus Berlin, weil 1989 ein ganzes politisches System kollabiert. AuĂerdem diskutiert Europa ĂŒber sauren Regen und sterbende WĂ€lder, was zur GrĂŒndung der GrĂŒnen und zur EinfĂŒhrung des Katalysators fĂŒhrt.
Zu den Erfindungen, die uns bis heute geblieben sind gehören der Apple-Computer, Teletext und die CD. Die Automobilindustrie lĂ€sst in den 80ern ein paar Fahrzeuge aufs StraĂenbild los, an die man sich heute noch erinnert.
Mercedes 190
Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. Wie schon Doktor Johann Faust steckten auch Mercedes-Fans in einem Dilemma. Einerseits hatten sie die Ălkrise samt Fahrverboten noch in der Erinnerung, andererseits kann es doch nicht sein, dass Mercedes plötzlich ein Massenauto fĂŒr Jedermann wie den W201 baut â auch als 190er Benz bekannt.
(Bild:Â Daimler)
Oder auch als C-Klasse-VorlĂ€ufer. Ausschlaggebend fĂŒr die Entscheidung, eine Mittelklasse zu bauen, könnte gewesen sein, dass der 3er BMW bereits seit Mitte der 70er bewies, dass sich das gute Image einer Marke auch demokratisieren lĂ€sst. Aber was heiĂt das schon? Als der Mercedes 190 im Jahr 1982 auf den Markt kommt, war er zwar dreiĂig Zentimeter kĂŒrzer als der W123, dafĂŒr aber teurer (ein Missstand, den Mercedes 1984 mit EinfĂŒhrung der ersten E-Klasse wieder ausbĂŒgelte).
(Bild:Â Daimler)
Damaliger Designchef und heutige -legende Bruno Sacco gelang es, Formen und Ausstrahlung der S-Klasse nach unten zu transferieren. Die Bescheidenheit des Fahrzeugs war auch am Motorenprogramm abzulesen. Zum Serienstart gab es eher Schonkost. Das Image polierte der 190EÂ 2,5-16 auf. Der startete dann auch in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft.
(Bild:Â Daimler)
Talbot Matra Rancho
Antonis Volanis ist ein griechischer Designer mit einem Talent dafĂŒr, die Zukunft vorherzusehen. Erstmals gelang ihm das mit dem Talbot Matra Rancho, der bereits ab 1977 zu haben war (kommt trotzdem in diese Liste).
(Bild:Â Talbot)
Volanis Idee war, dass es eine gutbĂŒrgerliche Mitte gab, die gerne GelĂ€ndewagen-Flair hĂ€tten, ihn aber nicht bezahlten wollen/können. Chrysler-Europe, denen damals noch Simca, Talbot und Matra gehörte, winkte das Projekt durch. Basis war der Simca 1100, Allradantrieb war zu teuer. Stattdessen gab es Gitter vor die Scheinwerfer, KotflĂŒgelverbreiterung und gegen Aufpreis eine Seilwinde. PSA fiel die Ehre zu, das Auto vertreiben zu dĂŒrfen und entschied sich, es unter der Doppelmarke Talbot Matra zu tun.
(Bild:Â Talbot)
Die Franzosen hatten nĂ€mlich das Markenwirrwarr in Bausch und Bogen gekauft. Das Chaos hatte auch Auswirkungen auf die ProduktqualitĂ€t. Zeit seines Lebens hatte der Rancho mit Rost zu kĂ€mpfen. Bis zu seiner Einstellung im Jahr 1983 konnte Peugeot rund 56.500 StĂŒck bauen und verkaufen. Am SUV-Trend verdienten spĂ€ter andere aber mehr Geld. Selbst Schuld.
(Bild:Â Talbot)
Renault Espace
Peugeot schmiss den Talbot Matra Rancho aus dem Programm, weil sie keine Verwendung fĂŒr eine GroĂraumlimousine sahen. Und weil sie die defizitĂ€ren Marken loswerden wollten. Das betraf auch Simca. FĂŒr Simca hatte Antonis Volanis aber bereits ein zweites Laderaumwunder kreiert.
(Bild:Â Renault)
Peugeot hatte jedoch kein Interesse und Volanis ging damit zu Renault, dem gröĂten Konkurrenten. Die bauten das Konzept von Volanis ohne groĂartige VerĂ€nderungen, nannten das Auto Espace und begrĂŒndeten damit das Van-Segment in Europa. Von 1984 bis 1990 verkauften sie davon rund 200.000 StĂŒck.
(Bild:Â Renault)
Nochmal 320.000 weitere Exemplare von der zweiten Generation (1991 bis 1996). Peugeot hat also nicht nur die Chance vertan, die SUV-Welle als erster zu surfen, sondern auch noch den Konstrukteur des erfolgreichen Van-Modells zum gröĂten Konkurrenten vergrault. Es gab schon bessere Entscheidungen im Automobilbau.
(Bild:Â Renault)
Audi quattro
Der Allradantrieb steckte in den 1980ern noch in der Schmuddelecke. Der war etwas fĂŒr Förster, Waidleute, Bauern und Soldaten. StraĂenautos, die sich daran versuchten, blieben schrullige AuĂenseiter (Jensen FF, AMC Eagle [1]). Doch die Vorteile lieĂen sich nicht wegdiskutieren.
(Bild:Â Audi)
Jörg Bensinger, Ende der 70er Jahre Versuchsleiter bei Audi, stellte fest, dass der VW Iltis auf Schnee schneller war als die viel krÀftigeren Audi-Limousinen. Ferdinand Piëch genehmigte daraufhin die Entwicklung eines Allrad-Audi. Experten und Journalisten waren von dem Ergebnis so begeistert, dass Audi auf dem Genfer Auto-Salon 1980 den ersten Audi quattro zeigte (die Schreibweise in Kleinbuchstaben hat sich bis heute gehalten).
(Bild:Â Audi)
Vom Ur-quattro baute Audi zwischen 1980 und 1991 zwar nur 11.452 StĂŒck, doch sein Einfluss auf das Modellprogramm ist bis heute spĂŒrbar. Dazu kommt mit Audi Sport quattro E2 eines der beeindruckendsten Monster der Motorsportgeschichte. Walter Röhrl brach damit 1987 auf dem Pikes Peak Rennen alle Rekorde, die er finden konnte.
(Bild:Â Audi)
Fiat Panda
Fiat hatte von seinem Ausflug in die Oberklasse (Fiat 130 in den 70er-Jahren [2]) vor allem gelernt, lieber gĂŒnstigere Autos zu bauen. Modelle, maĂgeschneidert fĂŒr die italienische Masse. Und so ein Wagen musste 1980 dringend her. Denn niemand wollte mehr winzige Heckmotor-Autos. Und genau genommen auch keine geringfĂŒgig gröĂeren Heckmotor-Autos.
(Bild:Â Fiat)
Auftritt Giorgetto Giugiaro. Der Italiener gilt in der Szene als einflussreichster Autodesigner aller Zeiten. Den Preis "Autodesigner des Jahrhunderts" erhielt er folgerichtig im Jahr 1999. Er warf Rundungen in die Tonne, erfand den rechten Winkel neu und stellte Fiat den Panda vor die TĂŒr. Der Wagen war uneitel und konkurrenzlos gĂŒnstig. Vorne arbeiteten die Motoren, die vorher im Fiat 600 und 860 daheim waren. BewĂ€hrt, robust.
(Bild:Â Fiat)
Bei den Sitzen handelte es sich um stoffbespannte Rohrgestelle, die RĂŒcksitzbank konnte weggefaltet oder einfach demontiert werden, die hinteren Blattfedern zunĂ€chst fĂŒr Komfort und RadaufhĂ€ngung gleichzeitig zustĂ€ndig. Kultstatus gab es ab 1983 dank Panda 4x4, Innovationen ab 1986 in Form einer schraubengefederten Verbundlenkerachse. Im Jahr 2003 ging die erste Generation nach vier Millionen verkauften Exemplaren in Rente.
(Bild:Â Fiat)
Porsche 959
Porsche verfolgte mit dem 959 zwei Ziele. Das erste war, die Gruppe B aufzumischen. Ein Wettbewerb, der auf dem Höhepunkt des Rallyefiebers in den 1980ern ein paar Jahre existierte. Die Gruppe B gilt bis heute als wahnwitzigste Motorsportveranstaltung aller Zeiten.
(Bild:Â Porsche)
Das zweite Ziel war es, die Grenzen des Machbaren zu verschieben. Porsche wollte nicht mehr oder weniger als das schnellste StraĂenfahrzeug anzubieten, das fĂŒr Geld zu kaufen war. Auf der IAA 1983 stand dann der Porsche 959. Klimaanlage, elektrische Fensterheber, so viel DĂ€mmmaterial wie menschenmöglich verbaut werden konnte. Parallel entstand auch eine Version fĂŒr die Rallye Dakar, der Porsche 953. Der holte 1984 auch gleich den Sieg.
(Bild:Â Porsche)
1986 ging der Titel an den dann fertigen 959. Dazwischen liegt ein Produktionschaos, weil unter anderem die Hitzeentwicklung im Motor den Ingenieuren zu schaffen machte. Erst 1986 war der Porsche 959 serienreif. Quasi aus dem Stand hat Porsche dann 292 StĂŒck verkauft â fĂŒr eine Gruppe B Homologation waren 200 Fahrzeuge notwendig. Da hatte die FIA die Gruppe B aber bereits eingestellt.
(Bild:Â Porsche)
Ferrari, BMW, Maserati, Saab
Ferrari F40
So richtig genervt vom Porsche 959 war Enzo Ferrari, der ohnehin nicht fĂŒr seine zurĂŒckhaltende Art bekannt war. Dass sich die Deutschen ins Supercar-WettrĂŒsten einmischten, das ihm und Lamborghini vorbehalten war, passte ihm nicht. Also öffnete er die Schublade. Darin lagen die PlĂ€ne fĂŒr den 288 GTO und den GTO Evoluzione. Unfahrbare Monster, die ebenfalls fĂŒr die Gruppe gedacht waren.
(Bild:Â Ferrari)
Bis bei Ferrari ein schlauer Mensch drauf kam, dass die Marke nichts, aber auch gar nichts, im Rallyesport verloren hat. Das Ergebnis, den Ferrari Le Mans, prÀsentierte Enzo dann am 21. Juli 1987.
(Bild:Â Ferrari)
Es war der 40. Geburtstag der Marke. Von Gino Rancati, einem italienischen Journalisten, auf den Ehrentag angesprochen, Ă€nderte Ferrari den Namen auf F40. Passend dazu rief Enzo 444.000 Mark fĂŒr den Wagen auf. Immerhin brachte es der Brutalo auf eine höhere Endgeschwindigkeit als der Porsche 959. AuĂerdem gewann er das Rennen um die PosterplĂ€tze an den heimischen KinderzimmerwĂ€nden.
(Bild:Â Ferrari)
BMW Z1
Die BMW Technik GmbH war dafĂŒr zustĂ€ndig, Marketing- und Ingenieursfantasien zu Papier zu bringen. Keine EinschrĂ€nkungen, keine GedankengefĂ€ngnisse, aber auch eher keine Serienproduktion. Lockere FingerĂŒbungen sollten entstehen.
(Bild:Â BMW)
Als Ende der 1980er der Roadster vom Aussterben bedroht war (auĂer dem neuen Mazda MX5 [3] und dem alten Alfa Spider gab es keine mehr) sollte diese Tochterfirma unter Ulrich Bez ein entsprechendes Konzept abliefern. Das Ergebnis war der BMW Z1. Eigentlich war nie eine Serienproduktion geplant. Ganz uneigentlich sagte Eberhard von Kuenheim, immerhin BMW-Vorstandchef, dass der Wagen etwas fĂŒr seinen Sohn sei.
(Bild:Â BMW)
Bez ergriff die Chance beim Schopf und orderte den ersten BMW Z1. Der groĂe Clou sind die TĂŒren, die nach unten in den Schweller abtauchen, statt sich nach auĂen zu öffnen. 30.000 StĂŒck pro Jahr hĂ€tte BMW bauen und verkaufen mĂŒssen, um Gewinn zu erwirtschaften. Zwischen 1989 und 1991 liefen allerdings nur 8000 vom Band.
(Bild:Â BMW)
Maserati Biturbo
Mitte der 1970er gehörte Maserati zu CitroĂ«n und war mal wieder pleite. Diesmal war es aber existenzbedrohend. Die Mitarbeiter besetzten die Werkshallen, um eine SchlieĂung zu verhindern und der italienische Staat kaufte den Franzosen die Anteile ab, um eine Eskalation zu verhindern.
(Bild:Â Maserati)
Die Rettung kam in Person von Alejandro de Tomaso, der fĂŒr den maroden Laden 300.000 Lire (150 Euro) zahlte. De Tomaso erkannte das Problem von Maserati: die Autos waren zu teuer. Also lieĂ er den Maserati Biturbo entwickeln, der sich am BMW 3er orientieren sollte. HerzstĂŒck des Wagens war ein Sechszylinder mit â nomen est omen â zwei Turboladern. Der Biturbo pushte ab 1981 die StĂŒckzahlen massiv.
(Bild:Â Maserati)
Doch weder Fabrik noch Mitarbeiter schienen darauf ausgelegt zu sein. Die VerarbeitungsqualitĂ€t war lausig, immer wieder litten die Fahrzeuge auĂerdem an technischen Problemen. Unter Biturbo-Besitzern kursiert bis heute der Witz, dass die Ersatzteilversorgung kein Problem wĂ€re, weil man nur einem anderen hinterherfahren mĂŒsse, bis das gebrauchte Teil abfalle. Immerhin rettete de Tomaso mit dem Wagen die ganze Marke.
(Bild:Â Maserati)
Saab 900 Cabrio
Konnte ja keiner ahnen, dass die neue Freude an der MobilitĂ€t ausgerechnet aus Schweden kommen sollte. Saab befand sich Mitte der 1980er gerade auf dem RĂŒckzug von der mobilen Landkarte. Rallyeerfolge lieferten jetzt andere ab. Genauso wie technische Innovationen. Also taten die Schweden das Einzige, was ihnen blieb: die Flucht in die Nische.
(Bild:Â Saab)
Da fĂŒhlte sich die Marke mit dem Saab 900 ohnehin wohl. Die Fans hatte alle UnzulĂ€nglichkeiten lĂ€ngst zur IndividualitĂ€t verklĂ€rt. Das Saab 900 Cabrio kam 1986 auf den Markt und bot Kunden etwas Seltenes: vier wirklich vollwertige SitzplĂ€tze. Das konnte sonst nur das BMW 3er Cabrio von sich behaupten. Theoretisch auch der Rolls-Royce Corniche, der Ford Fiesta und der VW Golf, die traten aber in anderen Klassen an.
(Bild:Â Saab)
Das Stoffverdeck war vorbildlich gedÀmmt. War das Cabrio geschlossen unterwegs, war es so komfortabel wie kaum ein Konkurrent. Kein Wunder. Die Heizung war auf schwedische Winter geeicht. War das Cabrio offen unterwegs, jubilierten Passanten der Schönheit zu. 1993 kam die zweite Generation auf den Markt. Damals gehörte Saab schon zu General Motors und die Gleichteilestrategie machte aus dem Saab 900 Cabrio eine MonstrositÀt.
(Bild:Â Saab)
(fpi [4])
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