Abgeschaltetes Ubisoft-Rennspiel: Piratenpartei wendet sich an EU-Kommission

Am 1. April hat Ubisoft das Online-Rennspiel "The Crew" abgeschaltet. Die Piratenpartei möchte nun von der EU-Kommission wissen, ob das überhaupt erlaubt ist.

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Screenshot aus "The Crew"

"The Crew" kann seit dem 1. April nicht mehr gespielt werden.

(Bild: Ubisoft)

Lesezeit: 3 Min.

Dürfen Hersteller ihre Online-Spiele einfach abschalten? Das möchte die Piratenpartei nun von der EU-Kommission erfahren. Hintergrund ist Ubisofts Vorgehen bei seinem MMO-Rennspiel "The Crew": Am 1. April schaltete Ubisoft die Server des Rennspiels ab, das dadurch unspielbar wurde. Angekündigt hatte Ubisoft diesen Schritt im vergangenen Dezember. Damals stellte das französische Unternehmen auch den Verkauf von "The Crew" ein.

Diese Praxis könnte gegen EU-Recht verstoßen, meint nun der Europaabgeordnete der Piratenpartei, Patrick Breyer: "Die Abschaltung von 'The Crew 1' durch Ubisoft ist ein alarmierendes Beispiel dafür, wie die Interessen der Spieler ignoriert werden. Es ist inakzeptabel und wahrscheinlich auch illegal, dass Unternehmen beliebte Spiele erst gewinnbringend verkaufen und dann kurzfristig lahmlegen", schreibt Breyer in einer Mitteilung.

Software sei mehr als nur ein Produkt im Regal, führt Breyer aus. Er fordert Möglichkeiten für Communitys, verwaiste Software übernehmen und weiterentwickeln zu können. Mit seiner Anfrage an die EU-Kommission wolle er klären, ob Ubisofts Vorgehen gegen das EU-Verbraucherschutzrecht verstößt.

Dass Server älterer Spiele abgeschaltet werden, ist in der Branche gängig. Bei vielen Titeln bleibt zumindest der Einzelspielermodus erhalten, MMO-Spiele werden dadurch aber gänzlich unspielbar – ein Schicksal, das neben "The Crew" auch zahlreiche andere Spiele wie etwa "Star Wars Galaxies", "Wildstar" oder "Warhammer Online: Age of Reckoning" ereilt hat. "The Crew" kam 2014 in den Handel, mittlerweile gibt es mit "The Crew 2" und "The Crew Motorfest" zwei Nachfolger. Inoffizielle Spielerzahlen von "The Crew" lassen vermuten, dass die Spielerbasis in den vergangenen Monaten nur noch sehr klein war. Ubisoft hatte die Abschaltung mit "Lizenzbeschränkungen" begründet.

"Täglich kommen neue Videospiele auf den Markt, da klingt es zunächst banal, wenn eines davon wieder verschwindet", schreibt Anja Hirschel von der Piratenpartei. "Es geht hierbei jedoch nicht nur um Fans, die nicht von ihrem Lieblingsspiel lassen können. Die Diskussion dreht sich vielmehr darum, was mit Produkten und Werken geschehen soll, wenn der Eigentümer kein Interesse mehr daran hat."

Videospiele sind ein besonders kurzlebiges Medium – nicht nur, weil früher oder später Server abgeschaltet werden, sondern auch, weil Games zu modernen Systemen inkompatibel werden und aus Spiele-Stores verschwinden. Eine Studie der Video Game History Foundation zeigt etwa, dass 87 Prozent aller vor 2010 veröffentlichten Videospiele nicht mehr auf den aktuellen Plattformen gekauft werden können. Besonders alte Spiele sind kaum noch zu bekommen: Nur 3,6 Prozent der von 1980 bis 1984 entwickelten Spiele können heute noch gekauft werden.

(dahe)