zurück zum Artikel

Abwasser erzeugt Strom

Ben Schwan

Eine Start-up will Bio-Brennstoffzelle erfolgreich kommerzialisieren, indem es diese direkt in KlÀranlagen integriert.

Die Biotechnikfirma Emefcy [1] hat einen neuartigen Prozess entwickelt, der Wasserwerken dabei helfen soll, in ihren KlÀranlagen deutlich weniger Energie zu verbrauchen als bisher, berichtet [2] Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Das Verfahren nutzt eine bereits seit lÀngerem bekannte Brennstoffzellentechnik auf Basis von Mikroorganismen [3], die ihre Nahrung aus dem Abwasser beziehen. Emefcy, das seinen Sitz im israelischen Caesarea hat, konnte den Ansatz deutlich verbessern.

Im Idealfall kann eine solche Anlage auf Basis der Bio-Brennstoffzellen die notwendige Energie fĂŒr mechanische und chemische Reinigungsverfahren gleich selbst erzeugen. Immerhin 30 bis 40 Prozent billiger soll die KlĂ€rung so insgesamt werden können, heißt es in einer Modellrechnung. KlĂ€ranlagen sind erstaunlich energieintensiv. Zwei Prozent des weltweiten Strombedarfs gehen laut aktuellen Statistiken bislang dafĂŒr drauf, Wasser wieder auf ein der Umwelt zumutbares Maß zu reinigen – 80.000 Megawatt, fĂŒr gut 40 Milliarden Dollar im Jahr.

Lital Alfonta, Bioingenieur an der Ben-Gurion-University, hĂ€lt das Verfahren fĂŒr interessant: "Emefcy nutzt sehr kostengĂŒnstige Materialien, die trotzdem eine hohe Energieproduktion zulassen." Der Prozess des sogenannten Stacking, bei dem einzelne Brennstoffzellen nebeneinander angesiedelt sind, erlaube es beispielsweise, die Elektroden besser zu verteilen, was die OberflĂ€che erhöhe.

Emefcy will nun zeigen, dass die Idee umsetzbar ist. Durch eine vor kurzem abgeschlossene Finanzierungsrunde, bei der die Risikokapitalfirma Energy Technology Ventures (ETV) einstieg, kann Emefcy die Hochskalierung des Verfahrens abschließen. Danach soll zunĂ€chst eine eigene Produktion im Industriemaßstab beginnen. Ab dem kommenden Jahr will das Unternehmen die Technik dann auch an andere Interessenten verkaufen. Neugier aus der Industrie ist schon vorhanden: So gehört der Investor ETV dem Elektrokonzern GE und den Energieriesen NRG Energy und ConocoPhillips.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1288830

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.emefcy.com/
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Stromsparende-Klaerung-1288828.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Mikroorganismen-erzeugen-Strom-fuer-die-Dritte-Welt-275630.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Stromsparende-Klaerung-1288828.html
[5] mailto:bsc@heise.de