AutorenverbÀnde verklagen US-Hochschulen wegen Google Books
Die US-Autorenvereinigung Authors Guild und ihre Partnerorganisationen in Australien und Quebec gehen gerichtlich gegen die Digitalisierungsprojekte von fĂŒnf UniversitĂ€ten in Zusammenarbeit mit Google Books vor.
Die US-Autorenvereinigung Authors Guild [1] und ihre Partnerorganisationen in Australien und Kanada gehen gerichtlich gegen die Digitalisierungsprojekte von fĂŒnf US-UniversitĂ€ten vor, die diese in zusammen mit Google betreiben. Die vor einem Bundesgericht in New York eingebracht Klage wirft den Hochschuleinrichtungen laut einer Mitteilung [2] der Authors Guild vor, von Google unautorisiert die Scans von rund sieben Millionen geschĂŒtzter BĂŒcher erhalten zu haben. Die Rechte daran lĂ€gen in den HĂ€nden von Autoren.
Besonderer Stein des AnstoĂes der AutorenverbĂ€nde und mehrerer EinzelklĂ€ger aus der Schreibzunft ist der von der University of Michigan eingerichtete HathiTrust [3], ein zentrales Archiv der fĂŒr Google Books [4] digitalisierten Werke. DarĂŒber sollen von Oktober an erste BĂŒcher zugĂ€nglich gemacht werden, deren Urheber nicht mehr ausfindig zu machen sind. Dabei handle es sich um einen unerhörten Versuch, die Rechte der Autoren zu umgehen, schimpft Angelo Loukakis, Direktor der Australian Society of Authors [5]. Es gehe nicht um "verwaiste, sondern um entfĂŒhrte BĂŒcher".
Auch fĂŒrchten die VerbĂ€nde Hackerangriffe auf das Online-Register und eine damit eventuell verknĂŒpfte Verbreitung der nicht-lizenzierten Kopien ĂŒber den Hochschulbereich hinaus. Die UniversitĂ€ten hĂ€tten ohne Erlaubnis tausende Editionen von Schriften von Autoren wie Umberto Eco, GĂŒnter Grass, Peter Handke, Michel Houellebecq und Herta MĂŒller in verschiedenen Ăbersetzungen auf die Server des HathiTrust geladen. Dazu gehörten 65.000 BĂŒcher, die erst 2001 publiziert worden seien. Diese Werke unterlĂ€gen nun unnötigerweise dem Risiko der unkontrollierten Nutzung, monierte der PrĂ€sident der Authors Guild, Scott Turow.
Die AutorenverbĂ€nde wollen erreichen, dass die angeblich massiven Copyright-Verletzungen durch das Einscannen aufhören und die Stecker fĂŒr das Archivierungsprojekt gezogen werden. Jedes Computersystem, das digitale Kopien der BĂŒcher enthalte, sei herunterzufahren und offline zu stellen, heiĂt es in der Klageschrift. Der weitere Betrieb des HathiTrust könne höchstens vom US-Kongress per Gesetz geregelt werden.
Die Authors Guild gehört einem Zusammenschluss von US-Verlagen und anderen Einrichtungen der Buchbranche in den Vereinigten Staaten an, die nach einer Sammelklage [6] einen Vergleichsvorschlag [7] mit Google wegen dessen Digitalisierungsprojekts ausgearbeitet hatten. Google sollte demnach gegen Zahlung von 125 Millionen US-Dollar das Recht bekommt, Millionen BĂŒcher von UniversitĂ€ten und BĂŒchereien einzuscannen und ins Netz zu stellen. Das zustĂ€ndige Gericht, vor dem nun der neue Fall ebenfalls anhĂ€ngig ist, wies im MĂ€rz aber auch einen ĂŒberarbeiteten Schlichtungsentwurf [8] zurĂŒck. Am Donnerstag soll erneut in New York ĂŒber den Fall und die vom federfĂŒhrenden Richter angemahnte rasche Lösung [9] verhandelt werden. (jh [10])
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- http://www.authorsguild.org/
- http://blog.authorsguild.org/2011/09/12/authors-guild-australian-society%20-of-authors-quebec-writers-union-sue-five-u-s-universities/
- http://www.hathitrust.org/
- https://www.heise.de/news/Google-will-digitale-Bibliothek-fuer-Wettbewerber-oeffnen-755573.html
- http://www.asauthors.org/
- https://www.heise.de/news/Google-wegen-massiver-Copyright-Verletzungen-verklagt-131561.html
- https://www.heise.de/news/Autoren-und-Verleger-beenden-Rechtsstreit-mit-Google-ueber-Buch-Suche-213949.html
- https://www.heise.de/news/Google-und-US-Verlage-legen-neuen-Buch-Deal-vor-859783.html
- https://www.heise.de/news/Ultimatum-fuer-neuen-Vergleichsvorschlag-zu-Google-Books-1282715.html
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