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Bezahl-Inhalte im Web haben schlechte Chancen

Torge Löding

Zwei Studien sehen schlechte Chancen fĂŒr den Verkauf von Web-Inhalten.

Verlage wollen ihre Angebote verstĂ€rkt im Internet verkaufen [1]. Seit rund einem Jahr rĂ€tseln BranchengrĂ¶ĂŸen wie der Bild.de/T-Online-Chef Peter WĂŒrtemnberger, wie sie die Internetnutzer umerziehen können. "Die Gratis-MentalitĂ€t muß endlich durchbrochen werden", fordern die BefĂŒrworter der bezahlten Internet-Inhalte. Zwei Studien widersprechen dem jetzt allerdings.

Das Schweizer Meinungsforschungsinstitut Prognos [2] kommt zu dem Ergebnis, dass der Verkauf publizistischer Inhalte an Enduser im Internet auf kleine Marktnischen beschrĂ€nkt bleiben werde. "General-Interest-Inhalte haben kaum eine Chance auf direkte Finanzierung durch die Internetuser", heißt es in dem Bericht. Prognos warnt daher vor einem ĂŒbereilten Umstieg auf das Bezahl-Modell, das viele Nutzer verĂ€rgern und im schlimmsten Fall das Image der Offline-Marke beschĂ€digen könne.

Weiter ergibt sich aus der Studie die Erkenntnis, dass sich Online-Medien als viertes Medium neben TV, Radio und Print fest etablieren werden. Zudem werde sich der Online-Werbemarkt erholen. General-Interest-Angebote im WWW hĂ€tten bessere Chancen auf dem Werbemarkt als bisher angenommen. Die Werbewirtschaft habe in einem irrationalen Reflex auf die Wirtschaftsflaute reagiert und sich in TV und Print geflĂŒchtet. In den nĂ€chsten Jahre werde das Pendel zurĂŒckschlagen.

Die zweite Studie mit dem Titel "WWW-Benutzer-Analyse W3B" prĂ€sentiert das Marktforschungsunternehmen Fittkau und Maaß [3] anlĂ€sslich des hamburger dialog [4] am 23. April 2002. Beleuchtet werden dabei die Erfolgsaussichten der neuen Refinanzierungskonzepte fĂŒr Online-Content.

Das Ergebnis: Nur 20 Prozent der Nutzer seien bereit, fĂŒr Online-Informationen, Software-Nutzung und Datei-Download zu bezahlen, genau so viele wie im vorigen Jahr. Die HĂ€lfte der Nutzer lehne dies grundsĂ€tzlich ab, rund 4 Prozent mehr als im Jahr 2001. 12,8 Prozent hĂ€tten sich noch keine Meinung zum Thema "Pay for Content" gebildet. Im Rahmen der W3B-Umfragen werden rund 96.000 Personen mit Internet-Zugang befragt. (tol [5])


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[1] https://www.heise.de/news/Financial-Times-bald-mit-Bezahl-Inhalten-auf-Website-59151.html
[2] http://www.prognos.com
[3] http://www.fittkaumaass.de
[4] http://www.hamburger-dialog.de/
[5] mailto:tol@heise.de