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Intel-Chipfertigung: 7-nm-Prozess um mindestens 1 Jahr verzögert

Mark Mantel
Intel: 7-nm-Prozess um mindestens 1 Jahr verzögert, Auftragsfertiger helfen aus

(Bild: Intel)

Nach dem 10-nm-Fiasko droht Intels Chipfertigung weiter ins Hintertreffen zu geraten. Prestige-Projekte wie die HPC-GPU Ponte Vecchio wandern offenbar zu TSMC.

Intels Firmenchef Bob Swan hat zur Veröffentlichung der jĂŒngsten GeschĂ€ftszahlen Probleme mit dem eigenen 7-Nanometer-Prozess zugegeben: "[Das Problem] ist die Ausbeute unseres 7-nm-Prozesses, die etwa 12 Monate hinter unseren internen Zielvorgaben liegt. Wir haben eine Fehlerquelle in unserem 7-nm-Prozess ausfindig gemacht, welche die Ausbeute verschlechtert hat". Heißt: zu viele Chips haben Defekte.

Prozessoren, die Intel im eigenen 7-nm-Prozess herstellt, verschieben sich von Mitte 2022 auf bestenfalls Ende 2022 oder Anfang 2023. Zum Start sollen zunĂ€chst Client-CPUs erscheinen, vermutlich Notebook-Modelle. Die erste eigene 7-nm-GPU mit Codenamen Ponte Vecchio [1] wollte Intel eigentlich schon Ende 2021 an Betreiber von Rechenzentren ausliefern. Um nicht schon vor dem GPU-Start ins Hintertreffen zu geraten, greift der Chiphersteller zumindest teilweise auf externe Fertiger zurĂŒck. Das erklĂ€rte CEO Swan in einer Analystenkonferenz (Webcast ab 11:19 [2], Transkript bei Seeking Alpha [3]). Ponte Vecchio stellt ein Multi-Chip-Package dar – Teile davon werden zu einem Chipauftragsfertiger ausgelagert, vermutlich bei TSMC.

Damit gibt Intel nicht nur Kleinprojekte wie ChipsĂ€tze oder Atom-Prozessoren ab, um die ProduktionskapazitĂ€t zu erhöhen, sondern legt seine Kronjuwelen offen. Spekulationen zufolge soll der ehemalige Chip-Chefentwickler Jim Keller um eine großangelegte Auslagerung der Fertigung zu TSMC gekĂ€mpft haben, was zu seinem Abgang gefĂŒhrt hĂ€tte [4].

Im FrĂŒhling dieses Jahres ließ Intels Finanzchef George Davis noch verlauten, dass der eigene 7-nm-Prozess den RĂŒckstand zu TSMC wieder aufholen sollte. Mit dem darauffolgenden 5-nm-Prozess wollte Intel den Konkurrenten schließlich einholen [5]. Wirkten die PlĂ€ne bisher ambitioniert, erscheinen sie jetzt kaum noch realisierbar.

Intels 7-nm-Strukturen sind mit TSMCs 5 nm vergleichbar, entsprechend dĂŒrfte der eigene 5-nm-Prozess Ă€hnliche elektrische Eigenschaften wie TSMCs 3-nm-Fertigung aufweisen. Bloß funktioniert die Entwicklung der Taiwaner derzeit wie ein Uhrwerk: 5-nm-Chips laufen bereits vom Fließband und bei 3-nm-Ablegern liegt der Auftragsfertiger im Zeitplan fĂŒr einen Start im Jahr 2022. Intel setzt in seiner nĂ€chsten Fertigungsgeneration derweil zum ersten Mal extrem-ultraviolette Belichtungstechnik (EUV) ein, die neue Fehlergefahren birgt, darunter der Schutz der Belichtungsmasken. TSMC sammelt seit dem verbesserten 7-nm-Prozess N7+ Erfahrung mit EUV.

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(mma [7])


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https://www.heise.de/-4851672

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  1. https://www.heise.de/news/Intel-kuendigt-Xe-GPU-Ponte-Vecchio-mit-PCIe-5-0-fuer-Aurora-Supercomputer-an-4589179.html
  2. https://edge.media-server.com/mmc/p/n3i4zwz6
  3. https://seekingalpha.com/article/4360453-intel-corporation-intc-ceo-bob-swan-on-q2-2020-results-earnings-call-transcript
  4. https://www.reddit.com/r/AMD_Stock/comments/hr38ko/charlie_has_another_susquehana_call/fy1s3gv/
  5. https://www.heise.de/news/Intel-moechte-mit-5-nm-wieder-den-besten-Chipfertigungsprozess-haben-4675897.html
  6. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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