KPNQwest: The Show must go on
Nachdem der Netzwerkbetrieb des insolventen IP-Carriers KPNQWwest vorerst gesichert scheint, laufen die Verhandlungen um die Konkursmasse auf Hochtouren.
Nachdem der Netzwerkbetrieb des insolventen IP-Carriers KPNQWwest jetzt vorerst gesichert scheint [1], laufen die Verhandlungen um die Konkursmasse offenbar auf Hochtouren. Angaben des deutschen Firmensprechers Thilo Huys zufolge haben etwa ein Dutzend Mitbewerber groĂes Interesse an der KPNQwest-Infrastruktur gezeigt. Eine entsprechende Zahl vorlĂ€ufiger Angebote lĂ€gen den hollĂ€ndischen Insolvenzverwaltern in der Amsterdamer Firmenzentrale von KPNQwest NV vor.
Am gestrigen Dienstag verhandelten der deutsche Insolvenzverwalter Ulrich Bert und GeschĂ€ftsfĂŒhrer Michael MĂŒller-Berg in Amsterdam um die FortfĂŒhrung der KPNQwest Germany GmbH. Dort seien drei mögliche Szenarien zur Sprache gekommen, erlĂ€uterte Huys im GesprĂ€ch mit heise online. Zum einen sei es denkbar, den KPNQwest-Konzern als Ganzes zu verkaufen und als paneuropĂ€isches Unternehmen weiterzufĂŒhren. Als zweite Option kĂ€me die Reduzierung des Firmenverbunds auf die KPNQwest-Gesellschaften in den Benelux-Staaten, in Frankreich und in Deutschland, ein so genanntes "Golden Triangle", in Frage. Es sei aber auch möglich, dass sich die KPNQwest Germany GmbH vollstĂ€ndig löst und ihr GlĂŒck als selbststĂ€ndige Firma versucht.
Dazu möchte die deutsche Gesellschaft den Betrieb des "German Euroring" ĂŒbernehmen. Dieses Glasfasernetzwerk besteht aus drei miteinander verbundenen Sub-Ringen und versorgt 16 deutsche GroĂstĂ€dte. Insgesamt hat KPNQwest in den Jahren 1999 und 2000 dafĂŒr 2700 Kilometer Kabel in Deutschland verlegt. Der Backbone kann theoretisch bis zu 96 Terabit/s transportieren, ist aber derzeit nur zu einem geringen Prozentsatz genutzt. Er kostete das Unternehmen seinerzeit nach eigenen Angaben rund 255 Millionen Euro. In welcher Form eine Ăbernahme dieses Segments durch KPNQwest Germany erfolgen könnte, ist noch offen.
GrundsĂ€tzlich hĂ€tten die hollĂ€ndischen Insolvenzverwalter aber grĂŒnes Licht gegeben, versicherte Firmensprecher Huys. Schon jetzt sei KPNQwest Germany in der Lage, den IP-Traffic auf den Ringen selbst zu regeln. Gestern wurde mit den NiederlĂ€ndern eine Frist von sechs Wochen vereinbart, um auch die technische Infrastrukur auf SDH-Ebene (Synchrone Digitale Hierarchie [2]) von Deutschland aus steuern zu können. Dass damit auch gewĂ€hrleistet sei, dass der Netzwerkbetrieb in dieser Zeitspanne vom Network Operation Center Den Haag aufrecht erhalten wird, wollte Huys jedoch nicht bestĂ€tigen.
Die KPNQwest-FĂŒhrungsriege gerĂ€t derweil zunehmend in die öffentliche Kritik. Es könne nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein, wenn das Unternehmen im Februar profitabel zu arbeiten schien, im MĂ€rz eine Gewinnwarnung herausgegeben habe und Ende Mai bereits insolvent gewesen sei, lautet der Tenor. KPNQwest-Chef Jack McMaster mĂŒsse die Banken angelogen haben, um noch weitere Kredite zu bekommen, sagte etwa Analyst Bert Siebrand von SNS Securities. Seiner Ansicht nach mĂŒssten jetzt die US-amerikanische und niederlĂ€ndische Börsenaufsicht auf den Plan treten.
Der Vorwurf lautet, die GeschĂ€ftsfĂŒhrung von KPNQwest habe im vergangenen Jahr LĂŒcken im US-amerikanischen Bilanzrecht genutzt, um Einkommen doppelt zu verbuchen. AuĂerdem soll Joint-Venture-Teilhaber Qwest die Bilanzen "aufgepumpt" haben, indem man mit KPNQwest viel gröĂere Traffic-AbnahmevertrĂ€ge abgeschlossen habe als nötig gewesen sei.
Aber auch fĂŒr einige Top-Manager von Global Telesystems (GTS) könnte die Insolvenz Konsequenzen zeitigen. GTS hatte in diesem MĂ€rz das Ebone- und sein "Central-Europe"-Netzwerk an die NiederlĂ€nder verkauft. Jetzt haben 95 erzĂŒrnte AktionĂ€re eine Klage gegen die drei GTS-VorstĂ€nde eingereicht. Sie hĂ€tten GTS unter dem Deckmantel der "Restrukturierung" in den Konkurs gefahren, wĂ€hrend sich die Top-Manager stĂ€ndig die GehĂ€lter erhöhten und heimlich einen Bonus nach dem anderen ausschĂŒtteten. "Die drei haben sich auf diese Weise im Jahr 2001 21 Millionen US-Dollar genehmigt, also 52 Prozent dessen, was die Firma zu dieser Zeit an der Börse wert war", sagte ein klagender AktionĂ€rs-Vertreter. Der Vertrag zur Ăbernahme durch KPNQwest sei dann ausgerechnet von Geoffrey von Deylen unterzeichnet worden, Deylen, zuvor Finanzvorstand von GTS, war wĂ€hrend der Verhandlungen zu KPNQwest gewechselt.
Zur Situation bei KPNQwest siehe auch:
- Internet-Backbone Ebone bleibt vorerst aktiv [3]
- Internet-Backbone Ebone droht die Abschaltung [4]
- Tauziehen um Karlsruher KPNQwest-Rechenzentrum [5]
- Weitere Frist fĂŒr Netzbetrieb bei KPNQwest bis Ende Juni [6]
- Betrieb des KPNQwest-Backbones in der Schwebe [7]
- 1&1 an Karlsruher KPNQwest-Rechenzentrum interessiert [8]
- Strato erklÀrt seine UnabhÀngigkeit von KPNQwest [9]
- Aufstand in der KPNQwest-Netzwerkzentrale [10]
- KPNQwest NV kĂŒndigt fast allen Mitarbeitern [11]
- KPNQwest-Insolvenz sorgt fĂŒr erste Netz-Unsicherheiten [12]
- KPNQwest: Netzwerkbetrieb fĂŒr vier Wochen garantiert [13]
- Das Netz des Internet-Carriers KPNQwest lÀuft -- noch [14]
- KPNQwest NV endgĂŒltig insolvent [15]
- Gnadenfrist fĂŒr KPNQwest
- Teles erwĂ€gt Ăbernahme von KPNQwest-Rechenzentrum [16]
- KPNQwest Germany will Insolvenz anmelden [17]
- KPNQwest beantragt GlÀubigerschutz [18]
Thereâs an English article about KPNQwestâs bankruptcy available with some background information from prior German articles: KPNQwest Files For Bankruptcy [19]. (hob [20])
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[1] https://www.heise.de/news/Weitere-Frist-fuer-Netzbetrieb-bei-KPNQwest-bis-Ende-Juni-63864.html
[2] http://www.rvs.uni-hannover.de/arbeiten/studien/sa-neitzner/online/node33.html
[3] https://www.heise.de/news/Internet-Backbone-Ebone-bleibt-vorerst-aktiv-65046.html
[4] https://www.heise.de/news/Internet-Backbone-Ebone-droht-die-Abschaltung-64741.html
[5] https://www.heise.de/news/Tauziehen-um-Karlsruher-KPNQwest-Rechenzentrum-64579.html
[6] https://www.heise.de/news/Weitere-Frist-fuer-Netzbetrieb-bei-KPNQwest-bis-Ende-Juni-63864.html
[7] https://www.heise.de/news/Betrieb-des-KPNQwest-Backbones-in-der-Schwebe-63389.html
[8] https://www.heise.de/news/1-1-an-Karlsruher-KPNQwest-Rechenzentrum-interessiert-62817.html
[9] https://www.heise.de/news/Strato-erklaert-seine-Unabhaengigkeit-von-KPNQwest-62673.html
[10] https://www.heise.de/news/Aufstand-in-der-KPNQwest-Netzwerkzentrale-Update-62605.html
[11] https://www.heise.de/news/KPNQwest-NV-kuendigt-fast-allen-Mitarbeitern-62076.html
[12] https://www.heise.de/news/KPNQwest-Insolvenz-sorgt-fuer-erste-Netz-Unsicherheiten-64955.html
[13] https://www.heise.de/news/KPNQwest-Netzwerkbetrieb-fuer-vier-Wochen-garantiert-63920.html
[14] https://www.heise.de/news/Das-Netz-des-Internet-Carriers-KPNQwest-laeuft-noch-63526.html
[15] https://www.heise.de/news/KPNQwest-NV-endgueltig-insolvent-63338.html
[16] https://www.heise.de/news/Teles-erwaegt-uebernahme-von-KPNQwest-Rechenzentrum-62526.html
[17] https://www.heise.de/news/KPNQwest-Germany-will-Insolvenz-anmelden-62789.html
[18] https://www.heise.de/news/KPNQwest-beantragt-Glaeubigerschutz-Update-61120.html
[19] http://www.heise.de/english/newsticker/data/jk-31.05.02-005/
[20] mailto:hob@ct.de
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