Microsoft schreibt im Reich der Mitte rote Zahlen
Der Redmonder Softwarekonzern hat seit Beginn seines Engagements in China vor zehn Jahren nur Verluste gemacht. Das wird sich in nÀchster Zeit noch nicht Àndern.
"Es kann sein, dass Bill Gates bereits im Ruhestand ist, wenn Microsoft in China endlich keine roten Zahlen mehr schreibt", berichtet das US-Magazin Forbes [1] in seiner kommenden Ausgabe. Auf 60 Prozent der Computer im Reich der Mitte laufen zwar bereits Betriebssysteme des Redmonder Riesen, doch im vergangenen Jahr betrug der Umsatz nur 85 Millionen US-Dollar. Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz angesichts der 7,6 Millionen in China vergangenes Jahr verkauften PCs eigentlich wesentlich höher sein mĂŒsste, mindestens jedoch 400 Millionen US-Dollar.
Die Differenz aus geschĂ€tztem und erzieltem Umsatz lĂ€sst sich leicht erklĂ€ren: Rund 90 Prozent der in China eingesetzten Software stammt von Raubkopien, heiĂt es in dem Bericht. Microsoft selbst rĂ€ume ein, in den vergangenen zehn Jahren dort nur Verlust gemacht zu haben. Das werde in den kommenden fĂŒnf Jahren nicht anders sein. Um wenigstens ein bisschen voranzukommen, will Microsoft in den laufenden drei Jahren 750 Millionen US-Dollar in China investieren [2]. Der Softwareriese war erstmals 1992 in der Volksrepublik tĂ€tig geworden.
Eine chinesische Version von Windows XP kostet etwa 245 US-Dollar, heiĂt es in dem Bericht; das sei etwa das Vierfache des durchschnittlichen Monatslohns eines Arbeiters. WĂ€hrenddessen sind Raubkopien des Betriebssystems auf dem Schwarzmarkt schon fĂŒr 5,50 US-Dollar zu haben. Doch dies ist nicht die einzige Front, an der Microsoft gegen Verluste kĂ€mpft. Die chinesische Regierung ist bereits dabei, sich fĂŒr Microsofts "Konkurrenten Nr. 1 [3]", Linux [4] oder fĂŒr andere Systeme [5] zu engagieren. Daher erscheint es fraglich, wenn auch bereits von Microsoft pessimistisch prognostiziert, ob der Softwarekonzern in den nĂ€chsten ein bis zwei Jahrzehnten in China Gewinne einfĂ€hrt. (anw [6])
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[1] http://www.forbes.com
[2] https://www.heise.de/news/Microsoft-greift-China-unter-die-Arme-67212.html
[3] https://www.heise.de/news/Microsoft-benennt-Linux-als-Konkurrent-Nr-1-68685.html
[4] https://www.heise.de/news/Linux-bei-chinesischen-Entwicklern-auf-dem-Vormarsch-70067.html
[5] https://www.heise.de/news/China-will-Microsoft-Monopol-im-Land-brechen-64561.html
[6] mailto:anw@heise.de
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