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NASA: Boeing und SpaceX sollen ab 2017 Menschen zur ISS fliegen

Daniel AJ Sokolov

Die USA wollen nicht lÀnger von Russland abhÀngig sein, um ins All zu fliegen. Boeing und SpaceX sollen deswegen ab 2017 NASA-Astronauten von den USA aus zur Internationalen Raumstation befördern.

Ab 2017 möchten die USA wieder aus eigener Kraft Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen können. Zu diesem Zweck hat die NASA AuftrÀge an Boeing und SpaceX erteilt. Das hat die Regierungsorganisation am Dienstagabend bekannt gegeben [1]. Der Gesamtauftragswert könnte 6,8 Milliarden US-Dollar erreichen.

SpaceX und Boeing arbeiten unabhÀngig voneinander. Obwohl die beiden Unternehmen die selben Leistungen erbringen sollen, bekommt Boeing einen deutlichen höheren Anteil der Gesamtsumme. "Wir haben die VertrÀge auf Basis der Angebote (der Unternehmen) erteilt", sagte Kathy Lueders, Leiterin des Commercial Crew Program der NASA, bei einer Pressekonferenz am Kennedy Space Center in Florida.

Launch America Logo

Die Vergabe der AuftrÀge wird in den USA als patriotische Errungenschaft gefeiert.

(Bild: NASA)

Bis 2017 mĂŒssen die beiden Unternehmen mehrere Tests bestehen, darunter einen Testflug mit einem NASA-Mitarbeiter an Bord. Anschließend sollen sie jeweils mindestens zwei, höchstens sechs FlĂŒge mit Astronauten und Fracht zur ISS und zurĂŒck durchfĂŒhren. Der Erfolg des Programms ist selbstredend von technischen Parametern abhĂ€ngig. Aber auch das US-Parlament muss noch das von der NASA begehrte Budget genehmigen.

Unterdessen will die NASA die Auftragsvergabe an Privatunternehmen dazu nutzen, um sich selbst auf das Fernziel eines bemannten Flugs zum Mars zu konzentrieren. Dazu arbeite man akribisch weiter an dem Space Launch System [2] und der Orionkapsel. Damit wollen die USA noch vor dem Flug zum Mars außerdem auch Raumfahrer zu einem Asteroiden schicken [3].

Boeing und SpaceX (0 Bilder) [4]

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[Update 17.09.2014 7:57]:

Da es ja auch noch die russischen FlĂŒge zu ISS gibt, wĂŒrden mit den US-FlĂŒgen die TransportkapazitĂ€ten deutlich steigen. Auch die Verbleibedauer der Crew könnte deutlich erhöht werden. Das soll annĂ€hernd eine Verdoppelung der ForschungsaktivitĂ€ten auf der ISS ermöglichen. Und bereits zwei Stunden nach RĂŒckkehr einer Raumkapsel sollen sich Forscher auf die damit zurĂŒckgebrachten Experiment-Objekte stĂŒrzen können.

Übrigens ist der Großteil des Auftragswertes nicht fĂŒr die TransportflĂŒge selbst vorgesehen, sondern fĂŒr die Fertigentwicklung der dafĂŒr erforderlichen Systeme. Die Auftragnehmer mĂŒssen das selbstĂ€ndig erreichen und ihre LeistungsfĂ€higkeiten in mehreren Stufen unter Beweis stellen. Die NASA zieht sich auf eine prĂŒfende Rolle zurĂŒck. Jeden erreichten Meilenstein belohnt sie mit der Auszahlung einer Teilsumme.

Die Vergabe von AuftrĂ€gen an zwei Unternehmen hat die US-amerikanischen Fachjournalisten ĂŒberrascht. Sie hatten erwartet, dass ein einzelnes Unternehmen aus dem Vergabeverfahren als Gewinner hervorgeht. Dabei macht es durchaus Sinn, nicht auf nur ein einzelnes Pferd zu setzen: Einerseits liegen sie mit einander im Wettbewerb und können im Verlauf des Projekts weniger einfach auf zusĂ€tzliche Zahlungen drĂ€ngen.

Zweitens können unterschiedliche technische Lösungen im echten Einsatz getestet werden. Daraus werden die Entwickler und die NASA ihre Lehren ziehen. Und es könnte einen Einfluss darauf haben, welches Unternehmen nach Absolvierungen aller Tests wieviele FlĂŒge durchfĂŒhren darf. Garantiert sind nur zwei, aber mehr FlĂŒge bedeuten auch mehr Einnahmen.

Der dritte Vorteil zweier Dienstleister liegt auf der Hand: Wenn bei einem Partner irgend etwas schief geht gibt es immer noch den anderen. Denn angesichts des ambitionierten Programms der bemannten Raumfahrt jenseits des Mondes will sich die NASA nicht durch Probleme bei der Versorgung des "Wohnzimmers" ISS aufhalten lassen.

FĂŒr RĂ€tselraten sorgt der große Unterschied bei den höchstmöglichen Auftragswerten. Boeing könnte bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar bekommen, SpaceX nur bis zu 2,6 Milliarden. Im Anschluss an die im NASA TV ĂŒbertragene Pressekonferenz beantwortete Lueders noch in einer Telefonkonferenz Journalistenfragen. Die meisten Fragen drehten sich um genau diese Diskrepanz.

NASA-Managerin Kathy Lueders

Den großen Preisunterschied zwischen Boeing und SpaceX konnte oder wollte NASA-Managerin Kathy Lueders nicht begrĂŒnden.

(Bild: NASA-TV Screenshot)

ErklĂ€rung lieferte Lueders aber auch dort keine. Mehrmals betonte sie, dass beide Unternehmen die selben Vorgaben erfĂŒllen mĂŒssen. Das zustĂ€ndige NASA-Gremium habe die Anbote der Unternehmen erhalten und diese Anbote angenommen. Aber warum Boeings Vorschlag einen so viel höheren Preis hat wurde trotz wiederholter Fragen nicht erlĂ€utert. Denkbar wĂ€re, dass Boeing zusĂ€tzliche Leistungen anbietet, die ĂŒber die NASA-Vorgaben hinausgehen. Doch darauf gab es in den Äußerungen der NASA-Vertreter nicht den geringsten Hinweis. Vielleicht ist SpaceX einfach der Auffassung, die gleiche Leistung wirklich so viel billiger erbringen zu können.

Überhaupt hĂ€lt die NASA Details zu den VertrĂ€ge noch geheim. BegrĂŒndet wurde dies damit, dass das Vergabeverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Offen blieb, warum das Ergebnis trotzdem schon jetzt bekanntgegeben wurde. Politische GrĂŒnde [6] sind nicht auszuschließen. (ds [7])


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  1. http://blogs.nasa.gov/bolden/2014/09/16/american-companies-selected-to-return-astronaut-launches-to-american-soil/
  2. https://www.heise.de/news/NASA-Marsrakete-soll-2018-erstmals-starten-2303648.html
  3. https://www.heise.de/news/NASA-will-Asteroiden-einfangen-und-neu-positionieren-1857642.html
  4. https://www.heise.de/bilderstrecke/1342723.html?back=2392401;back=2392401
  5. https://www.heise.de/bilderstrecke/1342723.html?back=2392401;back=2392401
  6. https://www.heise.de/news/NASA-Mit-Patriotismus-zurueck-ins-All-2392487.html
  7. mailto:ds@heise.de