Spammer drohen nach GestÀndnis 26 Jahre Haft
Der in Seattle (US-Bundesstaat Washington) angeklagte Robert Soloway hat sich in drei von 40 Anklagepunkten schuldig bekannt. FĂŒr das TeilgestĂ€ndnis wird der Rest der Anklage fallen gelassen.
Der in den USA angeklagte Spammer Robert Soloway [1] hat kurz vor Eröffnung seines Prozesses vor einem Bundesgericht in Seattle ein TeilgestĂ€ndnis abgelegt. Der 28-JĂ€hrige, dem auĂer VerstöĂen gegen das US-Anti-Spam-Gesetz (CAN SPAM Act [2]) auch IdentitĂ€tsdiebstahl, GeldwĂ€sche und Steuerhinterziehung vorgeworfen werden, habe sich in drei von 40 Anklagepunkten schuldig bekannt, berichtet [3] der Seattle Post Intelligencer. Im Gegenzug fĂŒr das Schuldanerkenntnis in je einem Fall von Betrug, E-Mail-Betrug und Steuerhinterziehung habe die Staatsanwaltschaft die anderen Anklagepunkte fallen gelassen.
Mit dem Schuldanerkenntnis und dem Deal wird das Verfahren abgekĂŒrzt. Die Verhandlung vor einer Geschworenenkammer war ursprĂŒnglich fĂŒr den 24. MĂ€rz angesetzt. Nach dem GestĂ€ndnis entscheidet Richterin Marsha Pechman ĂŒber das StrafmaĂ und möglichen Schadensersatz. Staatsanwaltschaft und Verteidigung dĂŒrften bei der Festsetzung des StrafmaĂes vor allem um die Fragen der Opferzahl und des entstandenen wirtschaftlichen Schadens ringen. Soloway kann fĂŒr die drei Anklagepunkte insgesamt zu maximal 26 Jahren Haft verurteilt werden, auĂerdem droht ihm zusĂ€tzlich eine Geldstrafe von bis zu 625.000 US-Dollar. Das Urteil soll am 20. Juni gesprochen werden.
Im FrĂŒhjahr 2007 war der von den Ermittlern "Spam King" genannte Soloway verhaftet [4] worden. Soloway soll mit seinem Unternehmen Newport Internet Marketing Corporation (NIM) seit November 2003 fĂŒr den Versand von Millionen von unerwĂŒnschten Werbe-E-Mails unter anderem ĂŒber Bot-Netze verantwortlich sein. Zudem habe er eine Software namens "Dark Mailer" fĂŒr Massenmailings sowie entsprechende Dienstleistungen angeboten und damit gegen den CAN-SPAM Act verstoĂen, hieĂ es in der Anklageschrift. Dabei habe er die Absenderangaben in E-Mail-Header mitunter so manipuliert, dass der EmpfĂ€nger gleichzeitig als Absender der unerwĂŒnschten Nachricht erschien. FĂŒr knapp 500 US-Dollar soll er E-Mails an 20 Millionen Adressen verschickt haben.
Ob fĂŒr Geldstrafe oder Schadensersatz genug Mittel vorhanden sind, darf bezweifelt werden. Zwar konnten die Behörden einige Konten einfrieren und persönlichen Besitz beschlagnahmen â laut US-Zeitungsberichten Sonnenbrillen, Schuhe und Bekleidung im Wert von rund 25.000 US-Dollar. Die Behörden glauben, dass Soloway ĂŒber 700.000 US-Dollar mit seinen Spam-AktivitĂ€ten verdient hat. "Tatsache ist, er ist pleite", sagte [5] sein Anwalt dazu der Seattle Times. Das schicke Apartment und der Mercedes seien nur geleast gewesen.
Auch andere GlĂ€ubiger warten bisher auf ihr Geld. In zwei Zivilverfahren hatten Microsoft und ein US-Provider Schadensersatz von 7,8 und 10 Millionen US-Dollar erstritten, was Soloway allerdings nicht daran hinderte, weiter seine GeschĂ€fte zu betreiben â und sich im Internet darĂŒber zu mokieren, dass Microsoft von den Millionen nie auch nur einen Groschen sehen werde. (vbr [6])
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- http://en.wikipedia.org/wiki/Can_Spam_Act
- http://seattlepi.nwsource.com/local/355083_spamking15.html?source=mypi
- https://www.heise.de/news/Spam-Koenig-in-den-USA-verhaftet-134317.html
- http://seattletimes.nwsource.com/html/localnews/2004283998_spamking15m.html
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