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UMTS-Chips: EU verhÀngt Millionen-Strafe gegen Qualcomm

Volker Briegleb
UMTS-Chips: EU verhÀngt Millionen-Strafe gegen Qualcomm

Im Blick der WettbewerbswÀchter: US-Chipriese Qualcomm.

(Bild: heise online/vbr)

Nach der Milliardenstrafe im vergangenen Jahr legt die EU-Kommission nochmal nach: Auch bei UMTS-Basebandchips hat Qualcomm den Wettbewerb geschÀdigt.

Die EU-Kommission hat dem US-Chiphersteller Qualcomm eine Kartellstrafe in Höhe von 242 Millionen Euro aufgebrummt. Die EU-WettbewerbshĂŒter halten es fĂŒr erwiesen, dass Qualcomm zwischen Mitte 2009 und Mitte 2011 seine Baseband-ChipsĂ€tze fĂŒr UMTS-Smartphones nicht kostendeckend verkauft hat. Der Hersteller habe in diesem Zeitraum "bestimmte Mengen von drei UMTS-ChipsĂ€tzen zu nicht kostendeckenden Preisen an Huawei und ZTE" verkauft, "um Icera, seinen damaligen Hauptkonkurrenten im Marktsegment fĂŒr hohe Übertragungsraten, vom Markt zu verdrĂ€ngen", teilte die Kommission am Donnerstag mit.

"Baseband-ChipsĂ€tze sind wichtige Komponenten mobiler GerĂ€te, da sie deren Verbindung mit dem Internet ermöglichen", erklĂ€rte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager [1]. "Qualcomm verkaufte diese Produkte seinen wichtigsten Kunden zu nicht kostendeckenden Preisen, um einen Wettbewerber auszuschalten. Das strategische Vorgehen von Qualcomm verhinderte Wettbewerb und Innovation auf diesem Markt und beschrĂ€nkte die Auswahl der Verbraucher in einer Branche, in der die Nachfrage nach innovativen Technologien und das Potenzial dafĂŒr sehr hoch sind."

Die Kommission hatte das Verfahren im Jahr 2015 eingeleitet [2]. FĂŒr den britischen Chiphersteller Icera, der sich laut Kommission "zu einem rentablen Anbieter von UMTS-ChipsĂ€tzen" entwickelte, kommt die Entscheidung allerdings zu spĂ€t. Icera war 2011 von Nvidia ĂŒbernommen worden [3] und sollte Modemchips fĂŒr die Tegra-Plattform beisteuern. Auf dem Mobile World Congress 2012 hatte ZTE das erste Smartphone mit einem Tegra-Chipsatz vorgestellt [4]. Nachdem Nvidia seine PlĂ€ne, groß ihm GeschĂ€ft mit Smartphone-SoCs mitzumischen, aufgegeben hat, sollte Icera abgewickelt oder verkauft werden [5].

Qualcomm bestreitet die EU-VorwĂŒrfe. Auch im aktuellen Fall wolle das Unternehmen vor das EU-Gericht in Luxemburg ziehen, hieß es in einer Stellungnahme. Der US-Konzern zog unter anderem die Kostenrechnung der Kommission in Zweifel und erklĂ€rte, die Kunden hĂ€tten sich seinerzeit nicht wegen der Preise fĂŒr Qualcomm-Chips entschieden, sondern weil sie technologisch ĂŒberlegen gewesen seien.

Ein parallel gegen Qualcomm eingeleitetes Verfahren war bereits im vergangenen Jahr mit einer Kartellstrafe von knapp einer Milliarde Euro [6] zu Ende gegangen. Dabei ging es um WettbewerbsverstĂ¶ĂŸe beim Handel mit LTE-Basband-Chips. Der Chiphersteller soll Apple "erhebliche Zahlungen" geleistet haben, damit Apple in den iPhones und iPads ausschließlich Baseband-Chips von Qualcomm verwendet. Auch mit den US-Behörden hat Qualcomm derzeit Ärger [7] wegen seines GeschĂ€ftsgebarens. (vbr [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4474502

Links in diesem Artikel:

  1. http://europa.eu/rapid/press-release_IP-19-4350_de.htm
  2. https://www.heise.de/news/Kartellverfahren-EU-Kommission-ermittelt-gegen-Qualcomm-2751381.html
  3. https://www.heise.de/news/Nvidia-uebernimmt-Mobilfunk-Chiphersteller-Icera-1240256.html
  4. https://www.heise.de/news/Smartphone-mit-Prozessor-und-Modem-von-Nvidia-1438725.html
  5. https://www.heise.de/news/Nvidia-schliesst-LTE-Modem-Sparte-Icera-2636289.html
  6. https://www.heise.de/news/EU-Kartellverfahren-Apple-Zulieferer-Qualcomm-soll-knapp-eine-Milliarde-Euro-Strafe-zahlen-3950019.html
  7. https://www.heise.de/news/Smartphone-Chips-Qualcomm-muss-Kaeufern-fairere-Bedingungen-einraeumen-4429510.html
  8. mailto:vbr@heise.de