US-AuĂenministerium setzt Kopfgeld auf Wahl-Manipulierer aus
(Bild: 3dfoto/Shutterstock.com)
Eine neuerliche Einflussnahme auf eine US-PrĂ€sidentschaftswahl soll vermieden werden. Belohnungen gibt es nun fĂŒr Hinweise auf auslĂ€ndische Manipulierer.
Das U.S. Department of State will den Kampf gegen mögliche Manipulationen der US-PrĂ€sidentschaftswahlen durch auslĂ€ndische Akteure verschĂ€rfen. Dazu setzt das US-AuĂenministerium eine Belohnung von bis zu 10 Millionen US-Dollar fĂŒr Informationen aus, die auf Manipulierer der anstehenden Wahlen im September hinweisen.
Eine Belohnung von bis zu 10 Millionen Dollar sollen diejenigen erhalten, die Informationen liefern, die zur "Identifizierung oder zum Aufenthaltsdort einer Person fĂŒhren", die auf Anweisung oder unter Kontrolle einer auslĂ€ndischen Regierung eine Bundes-, Landes- oder Kommunalwahl stören, heiĂt es bei "Rewards for Justice" [1], dem Belohnungsprogramm des US-AuĂenministeriums.
Gegen Wahlbeeinflussung
Bei dem in Aussicht gestellten Kopfgeld im Zusammenhang mit Wahlmanipulationen geht vor allem um "böswillige Cyberoperationen", die die Wahl- und Wahlkampfinfrastruktur beeinflussen und damit das Vertrauen der Ăffentlichkeit in US-Wahlen untergraben. Dies stelle eine "ungewöhnliche und auĂerordentliche Bedrohung fĂŒr die nationale Sicherheit und AuĂenpolitik der Vereinigten Staaten dar". Als Szenario fĂŒhrt das US- AuĂenministerium beispielsweise Cyberangriffe auf WĂ€hlerregistrierungsdatenbanken und Wahlmaschinen von auslĂ€ndischen MĂ€chten an. Das schlieĂt ausdrĂŒcklich böswillige Operationen gegen politische Organisationen und Kampagnen mit ein. Explizit nennt das AuĂenministerium dabei das Stehlen von vertraulichen Informationen mit dem Ziel, politische Organisationen und Kandidaten zu untergraben.
Erfahrungen aus der US-PrÀsidentschaftswahl 2016
Offenbar zielt das Belohnungsprogramm auf die im US-PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2016 gemachten negativen Erfahrungen mit der Einflussnahme auf die Wahlen durch Russland ab. Die US-Geheim- und Nachrichtendienste CIA und NSA hatten zusammen mit der US-Bundespolizei herausgefunden, das Russland versucht hat, die US-PrĂ€sidentschaftswahl 2016 zu beeinflussen. Der Bericht lieferte dabei Hinweise darauf, dass die damalige PrĂ€sidentschaftsanwĂ€rterin der Demokraten, Hillary Clinton diffamiert werden sollte, um dem republikanischen AnwĂ€rter Donald Trump zum Wahlsieg zu verhelfen. Dazu sollen mehrere Computer potenziell von staatlichen russischen Hackern angegriffen worden sein, darunter auch Rechner der Parteizentrale der US-Demokraten. Die so erbeuteten E-Mails mit pikanten Interna der Demokraten wurden dann gegen die Trump-Rivalin eingesetzt und ĂŒber Wikileaks veröffentlicht [2].
ZunĂ€chst hatten sich die Republikaner gegen eine russische Einflussnahme der Wahlen gestellt, wohl auch, um die Legitimation der Wahl ihres Kandidaten nicht zu untergraben. Mit dem Bericht des Geheimdienstausschusses im US-Senat im April 2020 Ă€nderte sich jedoch ihre Sichtweise [3]: Demnach habe es damals aggressive Einflussnahmeversuche auf die damalige US-PrĂ€sidentschaftswahl durch Russland gegeben, was die Auffassung der Demokraten unterstĂŒtzte. Offenbar hat diese Einigkeit nun dazu gefĂŒhrt, dass bereits im Vorfeld der Wahl verschiedene Mittel angewandt werden, um die diesjĂ€hrige Wahl ohne Beeinflussung von auĂen ĂŒber die BĂŒhne zu bringen. Dazu gehört offenbar auch das nun ausgesetzte Kopfgeld.
Russische Hacker?
Ganz unumstritten ist die Einflussnahme durch Russland auf die 2016er PrĂ€sidentschaftswahl jedoch nicht: Wikileaks-Chef Julian Assange, der die Mails aus der Parteizentrale der US-Demokraten auf seiner EnthĂŒllungsplattform veröffentlicht hatte, sah keine Beteiligung Russlands an diesem Angriff [4]. Auch die Geheimdienstberichte waren nicht in allen Punkten schlĂŒssig. Lediglich ein geheimer NSA-Bericht sollte einen eindeutigen Beleg fĂŒr eine russische Beteiligung an Wahlmanipulationen geliefert haben.
(goe [6])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4864230
Links in diesem Artikel:
- https://rewardsforjustice.net/english/election_interference.html
- https://www.heise.de/news/Wikileaks-veroeffentlicht-Wahlkampf-E-Mails-der-US-Demokraten-3277200.html
- https://www.heise.de/news/Russische-Wahleinflussnahme-US-Senatssausschuss-bestaetigt-US-Geheimdienste-4707204.html
- https://www.heise.de/news/US-Aussenministerium-Keine-Zweifel-an-russischen-Hackerangriffen-3587348.html
- https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
- mailto:goe@heise.de
Copyright © 2020 Heise Medien