Was wirklich wahr war, in dieser finalen Sommernacht ...

Zum letzten Mal in diesem Jahr hat ein kleines Rätsel geholfen, das Sommerloch mit Witz und Geist zu füllen. Fast alle Fragen aus dem Bereich Software wurden von den Forumsteilnehmern gelöst.

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Von
  • Detlef Borchers

Zum letzten Mal in diesem Jahr hat ein kleines Rätsel geholfen, das Sommerloch mit Witz und Geist zu füllen. Fast alle Fragen aus dem Bereich Software wurden von den Forumsteilnehmern gelöst.

Werbung der Digital Equipment Corporation fĂĽr Windows NT

In der IT-Branche ist es wie im richtigen Leben. Kaum ist eine Frage gelöst, türmt sich die nächste auf. Das gilt besonders beim Einsatz von Software: Ist es wirklich so schwierig, in einer Software die richtige Schriftgröße zu finden, wie es der Bitkom findet? Der Branchenverband hat einen besonders tückischen digitalen Graben entdeckt: Sagenhafte 47 Prozent aller Computernutzer können Texte am Rechner nicht lesen, weil die Schrift zu klein ist. Dringen wir hier vielleicht zu dem Kern des Problems vor, warum es immer noch "Internetausdrucker" gibt, die eine "Büro-Minimalausstattung" mit sich führen? Besonders gelungen sind die bitkomischen Lösungsvorschläge – etwa die Anregung, doch einen größeren Monitor zu kaufen und in den Tiefen der Systemsteuerung von Windows Vista zu wühlen.

Kommen wir zum Kleingedruckten. Frage 1 hatte den entscheidenden Hinweis schon im Link parat, der zu den Erinnerungen von Bill Gates über das Jahr 1979 führte. Microsoft Adventure war vor der Adaption eines "Quick and Dirty Operating Systems" für den IBM-PC eine "Adaption" eines einflussreichen Spiels. Das von Will Crowther 1976 auf einer PDP-10 entwickelte Colossal Cave ist der Urahn zahlloser Adventure Games, auch wenn es ein sehr einfaches Spiel war. Microsoft produzierte zunächst eine Apple-Version und später eine Version für MS-DOS 1.0.

Frage 2 beschäftigte sich mit Visicalc. Die erste Tabellenkalkulation startete ebenfalls auf dem Apple und wurde von den Hobby-Programmierern belächelt, die es gewohnt waren, selbst kleine Programme zu schreiben. Umso mehr begeisterte es die buchhalterischen Typen, die nicht programmieren konnten. Visicalc debütierte am 17. Oktober 1979, was später im Jahr sicherlich im Newsticker mit einem Geburtstagsständchen gefeiert wird. Am Ende des ersten Monats waren 1293 Kopien verkauft: Visicalc produzierte eben auch den Mythos von der Killerapplikation. Vergessen wir nicht das Kleingedruckte, jene Kommentare, in denen zum Ausdruck gebracht wurde, dass mit Visicalc ein großes Unglück über die Menschheit hereingebrochen sei.

Frage 3 war wieder ein Visitenkartenrätsel. Offenbar sind viele Rätselfreunde auch Leser der unendlichen Geschichte um SCO und den geheimnisvollen Source-Code, der im Kleingedruckten von Linux versteckt sein soll. Der von Suse zur SCO gewechselte Gregory Blepp passte nicht, erkennbar an einer deutschen Telefonnummer und einem Logo, das vage an die alte Santa Cruz Operation erinnert, die Doug Michels gründete.

Frage 4 wurde spät, aber nicht zu spät gelöst. Eine Wordstar-Schablone für die alte XT-Tastatur war gefragt, wurde jedoch häufig mit der ebenso grässlichen Tastenbelegung von WordPerfect (PDF-Datei) verwechselt. Nur selten gab es Spaß mit diesen Funktionstasten-Höllen wie bei Borlands Paradox, wo F2 mit "Do it!" (beziehungsweise ins Deutsche übersetzt mit "Mach was!") belegt war.

Frage 5 gehörte zu den beliebten wirren Fragen. Novell mit der Hausfarbe rot war einstmals eine Marktmacht – so stark, dass man vom "roten Kontinent" sprach. Die Microsoft-Programmierer, die zunächst den LAN Manager und später Windows NT entwickelten, trugen T-Shirts mit einer zerstampften Netware-Box und der Aufschrift "Better Dead than Red." Und ja, es gab eine blaue Edition der roten Boxen, die IBM verkaufte, wie die Abbildung zeigt.

Werbung fĂĽr ein vermeintliches Wundermittel

Frage 6 blieb ungelöst. Wie dieses Bild zeigt, wurde die Firma Synchronys gesucht, die einst mit einer Placebo-Software namens SoftRAM an den Start ging. Es gab Journalisten, die stumpf die Behauptungen der Firma wiederholten, dass die Software den Arbeitsspeicher verdoppele. Es gab Testlabore, die dieses Verhalten "zertifizierten" und SoftRAM im November 1995 zur Nummer 1 bei den in den USA verkauften Software-Programmen machten – vor Microsoft Plus, Microsoft Windows 95 und dem Netscape Navigator.

Auch Frage 7 entzog sich der Lösung, weil tatsächlich um die Ecke gedacht werden musste. Als kleine Rache inszenierte DEC seinen Werbefeldzug für das neue Windows NT von Microsoft, entwickelt vom ehemaligen DEC-Star Dave Cutler. Die Microsoft-Richtlinien verboten zwar herabsetzende Werbung, doch der DEC-Schimpanse (siehe Bild am Anfang des Artikel) musste hingenommen werden, ist doch der NT-benutzende Mensch als Krone der Schöpfung adressiert.

Klarer Fall, dass in Frage 8 die Konkurrenz zum Zuge kommt. Der Pink Panther, auch als Paulchen Panther bekannt, wurde von IBM eingekauft, um OS/2 ein "frisches Bild" zu geben. Der Kauf der Rechte war so teuer, dass IBM den Grinsepanther auch fĂĽr die Werbung bei seinen 486er-Rechnern nutzte.

Frage 9 suchte eine Tickermeldung zum Tätowieren, doch es wurde eine Reihe verschiedener Tattoos, von denen schließlich kurz vor Schluss der Sommerrätselei die Sache mit den Wäscheklammern überzeugte. Schließlich werden auch zur HAR 2009 wieder Wäscheklammern verteilt.

Der Wahlkampf naht mit Riesenschritten, die Lebenszeit der Sommerlöcher ist auch nicht mehr das, was sie früher einmal war. Frank-Walter Steinmeiers Versprechen, eine Software-Hochschule zu gründen, passte bestens in das Sommerrätsel, in dem Frage 10 nach dem Sieger des Road Ahead Preises fragte. An 130 Schulen programmierten Schüler Webseiten zum Thema der Bundestagswahl 1998. Der Gewinner wurde schnell geraten, die Vision von Bundeskanzler Schröder, dass alle deutschen Schulen ans Netz gehören, wurde schnell vergessen. Heute ist das Internet kein schickes Thema für die Politiker mehr, sondern eine Bedrohung, die geregelt und gegängelt werden muss und das möglichst schnell.

Ja, die Meinungsfreiheit wird zum Sondermüll erklärt. Sperrbereite Politiker erklären umständlich, was sie unter ihrer Definitionsmacht verstehen, die sie nicht dem digitalen Pöbel überlassen wollen. Der haut ordentlich zurück, wie die Debatte auf Netzpolitik zeigt. Vielleicht sollte an dieser Stelle einmal daran erinnert werden, dass dieses Land nicht nur eine Rosa Luxemburg, sondern auch einen Wau Holland hatte, dessen Todestag gerade war: "Wir müssen die Rechte der Andersdenkenden selbst dann beachten, wenn sie Idioten oder schädlich sind. Wir müssen aufpassen." (Hal Faber) / (pmz)