Die Umfrage ist deutlich manipulativ: Akzeptanz gegenüber DRM wird
stillschweigend vorausgesetzt, eine DRM grundsätzlich ablehnende
Position (und damit m. E. die Mehrheitsmeinung) ist teilweise gar
nicht auszudrücken (vgl. Seite 6) oder wird extrem erschwert (vgl.
Seite 4).
Es ist in der Psychologie ein alter Hut, dass bei Umfragen mit
"Bewerten Sie von X bis Y"-Fragen ein extremer Drang besteht,
"mittig" zu antworten.
Wenn gefragt wird, ob etwas "'hervorragend', 'sehr gut', 'gut'
oder 'schlecht'" ist, wird das Ergebnis wesentlich besser ausfallen,
als wenn gefragt wird, ob etwas "'gut', 'schlecht', 'sehr schlecht'
oder 'miserabel'" ist. - Insbesondere ist die Hemmung besonders groß,
etwas in sämtlichen Teilfragen ausschließlich mit der negativsten
Bewertung zu beurteilen.
Auf Seite 4 sollen sechs Bezahlmodelle für DRM-kastrierte Medien mit
"Möchte ich nutzen" (1) über "vielleicht" (3) bis "keine Nutzung" (5)
bewertet werden.
DRM-Ablehnung würde sich hier nur in einer von 15.625
Antwortmöglichkeiten wiederfinden (sechs mal Bewertung "5"),
grundsätzliche DRM-Bereitschaft hingegen in allen anderen 15.624
Antwortmöglichkeiten.
Es ist klar, dass eine solche Frageweise ein völlig anderes
Ergebnis bringen wird als etwa die Frage: "Wären Sie grundsätzlich
bereit, Filme oder Musik mit technischen Nutzungsbeschränkungen (DRM)
zu erwerben?"
(Von der Frage "Begrüßen Sie es, wenn zahlreiche Filme oder Musik
nur noch mit technischen Nutzungsbeschränkungen (DRM) angeboten
werden?" ganz zu schweigen.)
Auf Seite 5 wird nach Musik- bzw. Filmformaten gefragt: "Halten Sie
es für wichtig, dass sich die Hersteller auf einen Standard einigen?"
Standards halte ich auf jeden Fall für gut. Aber nur ein einziger
Standard? Das wiederum halte ich für schlecht, denn es verhindert,
dass sich neuere und verbesserte Standards etablieren können.
Wichtig ist, dass Formate a) frei, b) offen und c) standardisiert
sind. Lieber vier verschiedene Formate, die diesen Anforderungen
entsprechen, als ein Format, dass diesen Anforderungen nicht
entspricht.
Solche aktuellen Diskussionen finden auf Seite 5 keinen Raum.
Insbesondere wird nicht deutlich, was diejenigen, die die Befragung
durchführen, unter einem "Standard" verstehen. Gilt bei denen auch
.doc als Standard, gilt bei denen auch ein Monopol (bzw. ein
Oligopol) als Standard???
Auf Seite 6 sollen Vergütungsmodelle beurteilt werden: Individuelle
Vergütung (Bezahlung pro Titel / Album / ...) auf der einen und
pauschale Vergütung ("Kulturflatrate") auf der anderen Seite. Dabei
wird bei individueller Vergütung ausschließlich nach Modellen mit DRM
/ Kopierschutz gefragt.
Das seit Jahrzehnten aktuelle, verbreitete, beliebte und
erfolgreiche Modell "Kauf von Tonträgern ohne DRM" kommt überhaupt
nicht vor. Die Umfrage behauptet einfach: "Das 'individuelle
Vergütungsmodell' [...] - Kopierschutztechniken überwachen [...] die
Einhaltung der vereinbarten Nutzungsbeschränkungen."
Diese Behauptung in der Umfrage ist schlicht und ergreifend
falsch. Zahlreiche individuelle Vergütungsmodelle (insbesondere der
ganz normale Kauf von ganz normalen CDs oder Schallplatten)
verzichten auf DRM.
Damit sind die folgenden vier Teilfragen und Antworten auf diese
Fragen unbrauchbar.
Weiter unten auf Seite 6 wird nach Systemen der pauschalen Vergütung
gefragt. Die gestellten Fragen sind aber m. E. nicht alle zu
beantworten:
"Das Modell bedeutet für mich geringe Kosten." - Woher soll ich
wissen, ob ein Vergütungsmodell für mich kostengünstig ist, wenn ich
nicht weiß, wie teuer es sein soll? Ich finde zum Beispiel, dass die
GEZ-Gebühren fürs Radio sehr günstig sind, während die GEZ-Gebühren
fürs Fernsehen recht teuer sind ... aber immer noch billiger als die
Finanzierung des Kommerzfernsehens (RTL & co.) durch höhere
Produktpreise. Alle drei sind Modelle pauschaler Vergütung. Wo soll
ich ankreuzen?
"Ich kann Musik und Filme nutzen wie ich will." - Ist das eine
Frage oder eine Aussage? Es gehört doch zur Definition der pauschalen
Vergütung, dass ich Musik und Filme nutzen kann, wie ich will.
Erhalten bei dieser Frage alle, die nicht mit "trifft zu" antworten,
eine Meldung "Ihre Antwort ist falsch"?
Der Vergleich der beiden Modelle ganz unten auf Seite 6 ist
unbrauchbar: Es wurde zuvor der falsche Eindruck erweckt,
individuelle Vergütung würde beschränkte Nutzungsmöglichkeiten (DRM)
zwangsläufig beinhalten.
Ich finde die Diskussionen um digitale Restriktionen (DRM) und andere
Formen künstlicher Verknappung von Kulturgütern wichtig und
interessant.
Ich glaube aber nicht, dass die aktuelle Umfrage in diesen
Diskussionen sehr hilfreich sein kann.
Schönen Gruß
Holger
stillschweigend vorausgesetzt, eine DRM grundsätzlich ablehnende
Position (und damit m. E. die Mehrheitsmeinung) ist teilweise gar
nicht auszudrücken (vgl. Seite 6) oder wird extrem erschwert (vgl.
Seite 4).
Es ist in der Psychologie ein alter Hut, dass bei Umfragen mit
"Bewerten Sie von X bis Y"-Fragen ein extremer Drang besteht,
"mittig" zu antworten.
Wenn gefragt wird, ob etwas "'hervorragend', 'sehr gut', 'gut'
oder 'schlecht'" ist, wird das Ergebnis wesentlich besser ausfallen,
als wenn gefragt wird, ob etwas "'gut', 'schlecht', 'sehr schlecht'
oder 'miserabel'" ist. - Insbesondere ist die Hemmung besonders groß,
etwas in sämtlichen Teilfragen ausschließlich mit der negativsten
Bewertung zu beurteilen.
Auf Seite 4 sollen sechs Bezahlmodelle für DRM-kastrierte Medien mit
"Möchte ich nutzen" (1) über "vielleicht" (3) bis "keine Nutzung" (5)
bewertet werden.
DRM-Ablehnung würde sich hier nur in einer von 15.625
Antwortmöglichkeiten wiederfinden (sechs mal Bewertung "5"),
grundsätzliche DRM-Bereitschaft hingegen in allen anderen 15.624
Antwortmöglichkeiten.
Es ist klar, dass eine solche Frageweise ein völlig anderes
Ergebnis bringen wird als etwa die Frage: "Wären Sie grundsätzlich
bereit, Filme oder Musik mit technischen Nutzungsbeschränkungen (DRM)
zu erwerben?"
(Von der Frage "Begrüßen Sie es, wenn zahlreiche Filme oder Musik
nur noch mit technischen Nutzungsbeschränkungen (DRM) angeboten
werden?" ganz zu schweigen.)
Auf Seite 5 wird nach Musik- bzw. Filmformaten gefragt: "Halten Sie
es für wichtig, dass sich die Hersteller auf einen Standard einigen?"
Standards halte ich auf jeden Fall für gut. Aber nur ein einziger
Standard? Das wiederum halte ich für schlecht, denn es verhindert,
dass sich neuere und verbesserte Standards etablieren können.
Wichtig ist, dass Formate a) frei, b) offen und c) standardisiert
sind. Lieber vier verschiedene Formate, die diesen Anforderungen
entsprechen, als ein Format, dass diesen Anforderungen nicht
entspricht.
Solche aktuellen Diskussionen finden auf Seite 5 keinen Raum.
Insbesondere wird nicht deutlich, was diejenigen, die die Befragung
durchführen, unter einem "Standard" verstehen. Gilt bei denen auch
.doc als Standard, gilt bei denen auch ein Monopol (bzw. ein
Oligopol) als Standard???
Auf Seite 6 sollen Vergütungsmodelle beurteilt werden: Individuelle
Vergütung (Bezahlung pro Titel / Album / ...) auf der einen und
pauschale Vergütung ("Kulturflatrate") auf der anderen Seite. Dabei
wird bei individueller Vergütung ausschließlich nach Modellen mit DRM
/ Kopierschutz gefragt.
Das seit Jahrzehnten aktuelle, verbreitete, beliebte und
erfolgreiche Modell "Kauf von Tonträgern ohne DRM" kommt überhaupt
nicht vor. Die Umfrage behauptet einfach: "Das 'individuelle
Vergütungsmodell' [...] - Kopierschutztechniken überwachen [...] die
Einhaltung der vereinbarten Nutzungsbeschränkungen."
Diese Behauptung in der Umfrage ist schlicht und ergreifend
falsch. Zahlreiche individuelle Vergütungsmodelle (insbesondere der
ganz normale Kauf von ganz normalen CDs oder Schallplatten)
verzichten auf DRM.
Damit sind die folgenden vier Teilfragen und Antworten auf diese
Fragen unbrauchbar.
Weiter unten auf Seite 6 wird nach Systemen der pauschalen Vergütung
gefragt. Die gestellten Fragen sind aber m. E. nicht alle zu
beantworten:
"Das Modell bedeutet für mich geringe Kosten." - Woher soll ich
wissen, ob ein Vergütungsmodell für mich kostengünstig ist, wenn ich
nicht weiß, wie teuer es sein soll? Ich finde zum Beispiel, dass die
GEZ-Gebühren fürs Radio sehr günstig sind, während die GEZ-Gebühren
fürs Fernsehen recht teuer sind ... aber immer noch billiger als die
Finanzierung des Kommerzfernsehens (RTL & co.) durch höhere
Produktpreise. Alle drei sind Modelle pauschaler Vergütung. Wo soll
ich ankreuzen?
"Ich kann Musik und Filme nutzen wie ich will." - Ist das eine
Frage oder eine Aussage? Es gehört doch zur Definition der pauschalen
Vergütung, dass ich Musik und Filme nutzen kann, wie ich will.
Erhalten bei dieser Frage alle, die nicht mit "trifft zu" antworten,
eine Meldung "Ihre Antwort ist falsch"?
Der Vergleich der beiden Modelle ganz unten auf Seite 6 ist
unbrauchbar: Es wurde zuvor der falsche Eindruck erweckt,
individuelle Vergütung würde beschränkte Nutzungsmöglichkeiten (DRM)
zwangsläufig beinhalten.
Ich finde die Diskussionen um digitale Restriktionen (DRM) und andere
Formen künstlicher Verknappung von Kulturgütern wichtig und
interessant.
Ich glaube aber nicht, dass die aktuelle Umfrage in diesen
Diskussionen sehr hilfreich sein kann.
Schönen Gruß
Holger