Digitaler Behördenfunk: Regionaler Wirkbetrieb Mitte 2008 – flächendeckend 2011

Das BOS-Netz ist dominierendes Thema der Kongressmesse PMRExpo für Anbieter und Nutzer des professionellen Mobilfunks. Die Modernisierung von Leitstellen und Digital Mobile Radio (DMR) sind weitere Schwerpunkte in Leipzig.

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Von
  • Hans Weiß

Der Aufbau des Digitalfunknetzes für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bleibt beherrschend unter den Themen, mit denen sich Anbieter und Nutzer des professionellen Mobilfunks (PMR) auf der Kongressmesse PMRExpo befassen, die bis zum Donnerstag in Leipzig stattfindet.

Erste greifbare Ergebnisse der langwierigen Planungen für das digitale Behördenfunknetz präsentierte Rainer Mantz, Leiter des Referates für IuK der BOS im Bundesministerium des Innern. Er legte Wert auf die Feststellung, dass die schon laufenden Referenzplattformen für den Tetra-Behördenfunk mehr als nur einen Laborbetrieb darstellten: Hersteller und Anwender könnten ihre Erfahrungen mit "echter" Systemtechnik sammeln, die später im Wesentlichen auch in den Wirkbetrieb übernommen würde.

Im Rollout-Plan für das Behördenfunknetz sei der erste Wirkbetrieb einer Startregion bereits für Mitte kommenden Jahres vorgesehen, gab der BMI-Referatsleiter bekannt, bis 2010 sollen rund 90 Prozent des Gesamtnetzes aufgebaut sein. "Es ist bei diesem Netzaufbau wie bei allen Netzen: Am Anfang gibt es nur ein paar wenige Flecken, wo es funktioniert, und ansonsten Skepsis", prognostizierte Mantz. Ab 2010 gebe es dann nur noch wenige weiße Flecken ohne Digitalfunkversorgung – infolge schwieriger funktechnischer Erschließung oder aufwändiger Genehmigungsverfahren in Einzelfällen. Aber auch diese weißen Flecken sollen im Jahr 2011 verschwunden sein, versprach Mantz.

Mit der Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS (BDBOS) gebe es eine Institution zur Koordinierung des Netzaufbaus, der der Bund genauso als "Kunde" gegenüber stehe wie ein jedes Bundesland. Sie sei also keine nachgeordnete Behörde, man könne sie auch als Vorreiter im Sinne der Verwaltungsreform sehen, da sie nach den Regeln kaufmännischer Buchführung anstelle der Kameralistik arbeite.

"Safety first" lautet die Devise der Behördenfunker bei der Anbindung des BOS-Netzes an öffentliche Telefonnetze über Gateways, die es zum Beispiel ermöglichen, ein Gespräch zwischen einem Tetra-Funkgerät und einem herkömmlichen Handy zu führen. Damit könnten Einsatzkräfte vor Ort etwa mit einem weit entfernt sitzenden Spezialisten kommunizieren. Es werde zwar solche Netzübergänge geben, die aber "sehr restriktiv" gehandhabt würden, kündigte Mantz an. Entscheidend sei, dass die Sicherheit des BOS-Netzes gewährleistet bleibe. Definitiv nicht geöffnet werden soll das BOS-Netz hingegen für die Mitbenutzung durch kommunale Einrichtungen oder Verkehrsbetriebe, das gebe die Kapazität nicht her. Der Tetra-Standard ermöglicht jedoch, dass getrennte Nutzergruppen in demselben Netz funken: Zum Beispiel sollen in Niederösterreich auch Straßendienste und Energieversorger das dortige BOS-Netz mitbenutzen können.

Positiv bewertete Mantz die bisherige Zusammenarbeit mit der Industrie und verwies als Beispiel auf einen Workshop von BDBOS und BSI, der vor der Eröffnung der PMRExpo in Leipzig stattfand. Dort konnten die Behördenfunker gemeinsam mit Herstellern Fragen der Endgerätezertifizierung und der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik entwickelten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung beraten.

Peter Damerau, bei Motorola für das PMR-Geschäft zuständig und zugleich Vorstandsmitglied im Verband professioneller Mobilfunk (PMeV), zeigte sich insgesamt zufrieden über die pragmatische Vorgehensweise, die die BDBOS inzwischen an den Tag lege, namentlich bei der anstehenden Endgeräte-Zertifizierung. Gewünscht hätte man sich allerdings die Möglichkeit, schon zu einem früheren Zeitpunkt mitreden zu können. Zum Beispiel seien bei der Gestaltung der Endgeräte für den Bedarf verschiedener Nutzergruppen wie die Feuerwehren noch viele Details ungeklärt.

Als Vertreter der PMR-Anbieter ist der PMeV auch ideeller Träger der PMRExpo, die ihren Ruf als Branchentreff in Deutschland festigen konnte, nachdem sie in den vergangenen Jahren nach Ansicht einiger Aussteller eine Durststrecke zu überstehen hatte. In diesem Jahr reicht das Ausstellungsangebot in Leipzig von analogem PMR-Equipment über die schon etablierte Tetra-Technik bis zum noch jungen Standard Digital Mobile Radio (DMR), der als preiswerte Tetra-Alternative für kleine und mittelständische Firmen konzipiert ist. In Leipzig demonstriert zum Beispiel Selex die Interoperabilität seiner Ecos-D getauften DMR-Basisstation mit MOTOTRBO-Endgeräten, die Motorola im Frühjahr auf der Hannover Messe präsentiert hatte.

Am morgigen Donnerstag findet im Rahmen der PMRExpo ein Leitstellenkongress statt, dessen Themen von der Anbindung von Rettungsleitstellen an das BOS-Netz bis zur Ausbildung von Disponenten für gemeinsame Leitstellen von Polizei, Feuerwehr und Unfallrettung umfasst. Passend dazu stellt Swissphone eine neue Version seines Einsatzleitsystems "secur.CAD" vor, das die Vorplanung von Krankentransporten und die Routenauswahl erleichtern soll.

Uwe Wehrstedt vom PMRExpo-Veranstalter EMW GmbH kann aufgrund wachsender Resonanz nach der Durststrecke wieder mit erfreulichen Zahlen aufwarten: Mit 125 Ausstellern aus vierzehn Ländern, über 300 Teilnehmern am zweitägigen Kolloquium und über 450 gemeldeten Teilnehmern für den Leitstellenkongress könne die PMRExpo durchweg Steigerungen verzeichnen. Die Veranstaltung sei damit auf einem guten Weg und werde im nächsten Jahr – dann vom 25. bis 27. November – wieder im Congress Center Leipzig stattfinden. (Hans Weiß) / (ssu)