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Bauanleitung fĂŒrs Homeschooling: Kamera, Scanner und Tafel-Ersatz in einem

Burkhard Fleischer, Jan-Hendrik Fleischer

Dank einer schwenk- und senkbaren Halterung Marke Eigenbau wird Ihr Smartphone in Videokonferenzen und beim Distanzunterricht vielfÀltig und freihÀndig nutzbar.

Dokumente zu scannen, zu digitalisieren und bei Bedarf in Echtzeit einem ausgewĂ€hlten Publikum zur VerfĂŒgung zu stellen, gewinnt mit dem wachsenden Bedarf an Home-Office, interaktiven Videokonferenzen und digitalen Lernangeboten zunehmend an Bedeutung. Das Ziel der hier vorgestellten Smartphone-Halterungen im Eigenbau besteht darin, aus Videokonferenzen mehr zu machen als sprechende Köpfe. GesprĂ€che werden lebendiger, wenn Sie Ihrem GesprĂ€chspartner Buchstellen ohne Umwege zeigen, Markierungen vornehmen und die gezeigten Inhalte live gemeinsam besprechen können – und all das, ohne die Dokumente vorab etwa mit einem Flachbettscanner digitalisiert zu haben. Das Charmante an den drei hier gezeigten BastelvorschlĂ€gen ist, dass sie ohne schwer zu beschaffende Komponenten auskommen und von regelmĂ€ĂŸigen Bastlern mit wenigen Handgriffen zusammengesetzt sind. Den wichtigsten SchlĂŒssel-Gegenstand dĂŒrften Sie ohnehin bereits besitzen: Ihr Smartphone.

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Die Variante 2 kommt mit einem Minimum an Material aus, das sich in den meisten Bastelkellern so oder in Àhnlicher Form finden sollte.

Im Folgenden sollen drei Alternativen fĂŒr den Bau einer Smartphone-Halterung zum Einsatz als Buchscanner, Dokumentenscanner sowie als Multifunktions-Kamerastativ fĂŒr Webkonferenzen und Homeschooling vorgestellt werden, die trotz prinzipieller Gemeinsamkeiten doch unterschiedlichen AnsprĂŒchen genĂŒgen. Am Ende des Artikels zeigen wir in einem kurzen Video, welche Möglichkeiten alle drei Konstruktionen im Distanzunterricht-Szenario bieten und wir beschreiben außerdem, wie sie in vier Schritten zu Ihrer kostenlosen Konferenzschaltung mit Discord kommen.

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Allen drei gezeigten Konstruktions-Varianten ist gemein, dass sie aus je vier Baugruppen bestehen, einem Auflagebrett, der FĂŒhrungssĂ€ule, einem Laufschlitten und der Handywanne. Die Abmessungen der einzelnen Bauteile richten sich nach den Maßen des eigenen Handys und den individuell zur VerfĂŒgung stehenden Materialien. Der Pandemie wegen wurde weitgehend auf EinkaufsgĂ€nge verzichtet und lieber auf Materialien zurĂŒckgegriffen, die ohnehin im eigenen Materialfundus vorhanden waren – hier ist beim Nachbau etwas KreativitĂ€t und Improvisationstalent gefragt.

Der Dokumentenscanner aus Make 3/16, hier die mit alten Druckerteilen motorisierte Version – im kostenlos online nachzulesenden Artikel [3] wird auch noch eine rein manuelle Version beschrieben.

Die erste Variante ist ein umgebauter Eigenbau-Dokumentenscanner, wie er in der Make-Ausgabe 3/16 ab Seite 94 ausfĂŒhrlich beschrieben wurde (der Artikel steht inzwischen gratis im Volltext [4] zur VerfĂŒgung). Der wesentliche Unterschied der hier vorgestellten neuen Version zu diesem VorlĂ€ufer liegt im Austausch der Kamera: Die Webcam der alten Version ist durch das Handy ersetzt worden. Das Handy vermag nicht nur hochauflösende Fotos zu schießen, sondern ist auch durch die digitale Verarbeitung der Aufnahme in der Lage, selbst schwierige LichtverhĂ€ltnisse zu kompensieren. In der alten Version war noch eine Stromversorgung fĂŒr externe Beleuchtungskörper integriert. Auf diesen Teil der Elektronik kann in der umgebauten Version verzichtet werden. Ist eine externe Beleuchtung dennoch mal notwendig, kann auf einfache kabellose LED-Leuchten zurĂŒckgegriffen werden. FĂŒr ein einfaches Stativ dafĂŒr gibt es ebenfalls eine ausfĂŒhrliche Bauanleitung online [5].

Variante 1 im Einsatz als Buchscanner. Gescannt wird eine DIN A4-Vorlage.

Die wesentliche Funktion eines echten Buchscanners ist die Digitalisierung schriftlicher Dokumente. Deshalb ist der Kamerablick dabei stets vertikal auf die SchriftstĂŒcke ausgerichtet. Die Handyaufnahmen werden als Bilddateien abgespeichert. Sollen die fotografierten Dokumente als Texte weiterverarbeitet werden, mĂŒssen sie mittels einer separaten Texterkennungssoftware ausgelesen werden. Die Handyaufnahmen sind qualitativ so gut, dass dies problemlos gelingen sollte.

Handys gibt es in einer großen Vielfalt mit den unterschiedlichsten Abmessungen. Deshalb werden in den folgenden BauvorschlĂ€gen keine verbindlichen Maße angegeben, sondern Richtwerte, die dem jeweils zum Einsatz kommenden Handy angepasst werden mĂŒssen. Mein benutztes Handy ist das iPhone 6S, nach heutigen MaßstĂ€ben ein eher kleines Handy.

Die SĂ€ule der alten Version mit ihrem motorisierten Schlitten ist vollstĂ€ndig ĂŒbernommen worden, nur hat sie ihren Standort verlegt. Durch den Umbau des alten Dokumentenscanners zum kombinierten Buch- und Dokumentenscanner ist der alte Kameraarm durch einen zweigeteilten ersetzt worden. Ein starrer Teil wird fest mit dem durch den motorischen Antrieb nach oben und unten fahrbaren Schlitten verschraubt. FĂŒr das Handy ist eine Wanne vorgesehen, die wie eine flache Zigarrenkiste aussieht. Das Handy wird nicht fest eingebaut, sondern wird locker in die Wanne gelegt und kann jederzeit ohne Schwierigkeiten wieder entnommen werden. Durch die in den Wannenboden geschnittenen Gucklöcher erhĂ€lt die Kamera freien Blick auf das darunterliegende Dokument. Die rechte Seitenwand der Wanne ist mit einer Aussparung in Handybreite versehen. Dadurch lĂ€sst sich das Handy sowohl fĂŒr Hoch- als auch fĂŒr Queraufnahmen positionieren. Dadurch, dass unser GerĂ€t nicht nur fĂŒr Einzelaufnahmen, sondern auch fĂŒr Videoaufnahmen z.B. in Videokonferenzen genutzt wird, könnte der Handyakku schnell erschöpft sein. Zur Sicherheit sollte das Handy deshalb am Ladekabel angehĂ€ngt bleiben. FĂŒr diese Situation sollte fĂŒr Platz in der Wanne und fĂŒr Aussparrungen in der Wannenwand gesorgt werden, durch die das Ladekabel gefĂŒhrt werden kann.

Bauteile von links nach rechts: Adapter fĂŒr den Schlitten; Schraube als Kupplung; Handywanne. Die Handywanne lĂ€sst sich um die LĂ€ngsachse drehen, sodass die Kamera vom lotrechten Blick ausgehend stufenlos in eine beliebige Richtung blicken kann.

Sowohl die Stirnseite des starren Schlittenteils als auch die der Handywanne werden durch zugeschnittene Sperrholzbrettchen verstĂ€rkt. Diese Brettchen werden mit einer 6 mm starken Bohrung versehen. Über diese Bohrungen lassen sich die beiden Bauteile mit einem ebenfalls 6 mm starken Bolzen so miteinander verschrauben, dass die Wanne sich horizontal drehen lĂ€sst. Die Wanne samt darin abgelegten Handy hat somit zwei Freiheitsgrade. Mittels des motorischen Antriebs ist sie auf der Hochachse verschiebbar. Dies wirkt wie ein optischer Zoom. Durch Heranfahren an die Vorlage wird der Bildausschnitt kleiner, die auf dem Ausschnitt dargestellten Objekte sind vergrĂ¶ĂŸert. Eine gegenteilige Wirkung erziele ich, wenn der Schlitten nach oben gefahren wird.

Einfache Fotoleuchten mit zwei Arbeitsplatzstrahlern vom Discounter, das Stativ ist ausfĂŒhrlich in einem eigenen Online-Artikel [6] beschrieben.

Dadurch, dass die Wanne sich um die LĂ€ngsachse drehen lĂ€sst, ist das GerĂ€t vom reinen Buchscanner zum Dokumentenscanner und zur vielfĂ€ltig nutzbaren Kamerahalterung erweitert worden. Die Kamera blickt nicht mehr nur fest nach unten, sondern der Blick wandert stufenlos ĂŒber den seitlichen Raum und fĂ€ngt alles in den Fokus kommende ein. So kann man beispielsweise live von einem zuerst eingeblendeten Dokument senkrecht unter dem Handy auf ein weiter hinten auf dem Tisch aufgebautes Experiment schwenken, dass man dann vorfĂŒhren kann, wobei man beide HĂ€nde frei hat (siehe auch Video am Ende des Artikels).

Kalibrieren der Handywanne mittels eines Geodreiecks. Die Bodenplatte der Handywanne wird solange ausgerichtet, bis die Seiten der Quadrate parallel sind.

Lediglich um die Querachse ist die Wanne starr. Dies erfordert beim Bau besondere Aufmerksamkeit. Wenn ein schriftliches Dokument gescannt wird, sollten die gegenĂŒberliegenden RĂ€nder paarweise parallel sein. Dies setzt allerdings voraus, dass die vier Kanten des Handywannenbodens den gleich Abstand zur Vorlage haben. Um dies zu erreichen, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise. ZunĂ€chst werden die Wannenseiten zugeschnitten und verklebt. Der Wannenboden wird großzĂŒgig bemessen, sodass er stramm in den Wannenrahmen passt. ZunĂ€chst wird lediglich das Fußende des Bodens in den beiden Ecken mit je einem Tropfen Kaltleim angeheftet. Ist dieser getrocknet, wird das Handy vorsichtig auf den Boden gelegt. Als Kalibrierungswerkzeug habe ich ein großes Geodreieck verwendet. Ziel ist es, die Quadrate des Geodreiecks seitenparallel abzubilden. Es ist ein Leichtes, die Querlinien parallel hinzubekommen, dazu wird die Handywanne vorsichtig um die LĂ€ngsachse gedreht. Um dies mit den senkrechten Geraden zu erreichen, wird das freie Ende des Wannenbodens mit GefĂŒhl hoch oder herunter bewegt, bis auf dem Handy die Quadrate der Vorlage rechtwinklig abgebildet sind. Mit weiteren Tropfen Leim wird die Postion des Wannenbodens in den ĂŒbrigen Ecken fixiert. Ist der Leim getrocknet, ist das GerĂ€t einsatzbereit.

Die Handywanne sollte nicht zu eng bemessen sein, um das Handy bequem abzulegen und wieder entnehmen zu können. Dabei ist zu beachten, dass das Handy nicht versehentlich aus der Wanne fĂ€llt. Das kann leicht passieren, wenn das GerĂ€t als Dokumentenscanner aufrecht eingesetzt wird. Sicherheitsnasen und Halteschienen beugen dieser Gefahr vor. Eleganter ist die Herausfallgefahr mit Magneten zu verhindern. Manche HandyhĂŒllen sind zweigeteilt. Auf das eine Teil, in das ein Metallstreifen integriert ist, wird das Handy aufgesteckt. Die eigentliche HĂŒlle enthĂ€lt einen Magnetstreifen. Auf diese Art bleibt das Handy in der HĂŒlle „kleben“. LĂ€sst man in den Boden der Handywanne eine Anzahl kleinerer Rundmagnete ein, bleibt das Handy auch in der aufgerichteten Position der Wanne „kleben“.

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Nicht jedermann, der sich einen derartigen Scanner bauen möchte, kann als Basis auf einen defekten Drucker zurĂŒckgreifen, wie ich seinerzeit, als ich meinen ersten Dokumentenscanner baute, der jetzt die Basis fĂŒr meine Variante 1 darstellte. Aus diesem Grund entstand die Idee fĂŒr Variante 2, einen rein manuellen Scanner, fĂŒr den die Zutaten in einem etwas grĂ¶ĂŸeren Bastelkeller vorhanden sein sollten.

Diese Variante des Buch- und Dokumentenscanners ist rein manuell zu bedienen. Damit der Schlitten auf der SĂ€ule zuverlĂ€ssig hinauf- und hinuntererfĂ€hrt, gilt diesem Bauteil die besondere Aufmerksamkeit. Der Schlitten ist um die HolzsĂ€ule herumgebaut, die bei mir aus einer gehobelten Latte mit dem Querschnittsmaß 25 mm × 55 mm besteht. Er ist nach einem einfachen Kastenprinzip konstruiert: Zwei Seitenteile werden mit zwei Spanten verbunden, wobei die Enden der Seiten nach hinten wie zwei Fahnen ĂŒber den zweiten Spanten hinausragen. Diese Fahnen werden durchbohrt, durch die Bohrungen ein Stahldraht mit aufgeschobener Gummiwalze gesteckt und auf die Außenseiten der Fahnen passende Unterlegscheiben als Lager fĂŒr den Stahldraht mit einem Metallkleber geklebt.

Varante 2: Schlitten und Handywanne sind im Prinzip wie bei der Variante 1 aufgebaut. Lediglich der Schlitten ist an die Besonderheit dieses GerÀtes angepasst.

Nun zu den Details: Ein ausrangierter Drucker lieferte sowohl die passenden Gummiwalzen als auch den Stahldraht. Dort sorgten sie fĂŒr den Papiervorschub. Die Walzen haben einen Außendurchmesser von 15 mm und einen Innendurchmesser von 12 mm, der Stahldraht einen Durchmesser von 8 mm. Um die Differenz auszugleichen, wurden zwei RohrstĂŒcke mit 8 mm und 10 mm Innendurchmesser bei einer WandstĂ€rke von 1 mm ineinandergeschoben und miteinander verklebt. Erst wenn die Welle so prĂ€pariert und die Gummiwalzen aufgezogen worden sind, kann sie in die Lager der noch losen SeitenwĂ€nde aufgesteckt werden.

Die SeitenwĂ€nde werden bewusst mit den Spanten verschraubt und nicht verklebt, denn dadurch lĂ€sst sich der Abstand zwischen der SĂ€ule und den Gummiwalzen passgenau einstellen und gegebenenfalls auch regulieren. Die Walzen sollten auf dem Holz der SĂ€ule den richtigen Grip haben, sodass der Schlitten durch sein Eigengewicht nicht nach unten rutscht, aber auch nicht zu stramm sitzt, denn dann ließe er sich auf der SĂ€ule nur mit großem Kraftaufwand bewegen.

Variante 2: Schlittenantrieb mittels zwei Gummiwalzen eines ausrangierten Druckers. Die Gummiwalzen sind durch die Antriebswelle so positioniert, dass auf die SĂ€ule ein Anpressdruck ausgeĂŒbt wird, der so stark ist, dass der Schlitten nicht von alleine hinabrutscht, andererseits die Welle sich leicht durchdrehen lĂ€sst, um den Schlitten nach oben oder unten zu bewegen.

Falls kein alter Drucker zur VerfĂŒgung steht, stellt die Beschaffung der Gummiwalze das grĂ¶ĂŸte logistische Problem dieses Scanners dar. Es gibt aber SchlĂ€uche vom Meter, zum Beispiel zum Selbstbau von Expandern oder als AblaufschlĂ€uche bei Waschmaschinen. Jedoch sollten PVC-Materialien vermieden werden, denn diese sind zu spröde und zu glatt. SchlĂ€uche aus Naturkautschuk sind eindeutig die bessere Wahl.

Variante 2 im Homeschooling-Einsatz (5 Bilder) [8]

[9]
Variante 2 im Einsatz als Buchscanner: Eine Buchdoppelseite wird quer eingescannt. Mit einer Scannersoftware können die Seiten z.B. in Einzelseiten aufgeteilt und weiter verarbeitet werden. Ist das Handy in Discord eingebunden, können die Adressaten live verfolgen, was ich lese ...

Die Handywanne muss nicht gesondert beschrieben werden, denn sie ist mit der aus der 1. Variante identisch. Dennoch ergibt sich bei diesem Scanner eine Besonderheit. Der Schlitten lĂ€sst sich von der SĂ€ule nach oben hin abziehen und um 180 Grad geschwenkt wieder aufstecken. Wird der Scanner an eine Tischkante gerĂŒckt, hat die Kamera freien Blick in die Tiefe. Auf diese Weise sind auch Aufnahmen von besonders großformatigen Vorlagen möglich, die auf dem Boden liegen.

Und wenn man denn will, könnte auch diese Variante motorisiert werden. Hinter der SĂ€ule könnte auf der Grundplatte ein Gleichstrommotor montiert werden, der ĂŒber ein Schneckengetriebe – eine Gewindestange ist dabei eine simple Lösung – den Schlitten hinauf und hinab bewegt. Um die Laufrichtung des Motors zu Ă€ndern, ist eine sogenannte H-BrĂŒcke notwendig, wie schon im Artikel zum alten Dokumentenscanner aus Make 3/16 beschrieben worden ist.

Der Schlitten des Opemus III hat eine Bohrung von 29mm Durchmesser. FĂŒr diese Bohrung ist ein AdapterstĂŒck passgenau gedreht worden.

Diese dritte Version ist ohne grĂ¶ĂŸeren Aufwand zu fertigen. Die Grundplatte, die SĂ€ule und der Schlitten werden von einem alten KleinbildvergrĂ¶ĂŸerer unverĂ€ndert ĂŒbernommen. Derartige GerĂ€te aus den 50er und 60er Jahren können bei eBay fĂŒr etwa 20 Euro ersteigert werden. Der zentrale Bestandteil des GerĂ€tes, die Optik- und die Beleuchtungseinheit, werden vom Schlitten entfernt. Oftmals ist diese Einheit – genau wie die bisher beschriebene selbstgebaute Handywanne – mittels eines Zapfens oder eines Bolzens um die LĂ€ngsachse drehbar gelagert. Diese Befestigungsart gilt es so weit nachzubauen, dass das KupplungsstĂŒck einerseits in den Schlitten des KleinbildvergrĂ¶ĂŸerers passt, andererseits sich drehbar mit der Handywanne verbinden lĂ€sst.

Bei dem von mir erstandenen GerĂ€t, einer Opemus III, ist die Optikeinheit mit einem krĂ€ftigen Bolzen versehen, der in eine 29 mm starke Bohrung des Schlittens geschoben und mit einer Feststellschraube fixiert wird. Den Bolzen baute ich aus zwei 15 mm dicken Sperrholzresten mittels einer LochsĂ€ge nach. Die Scheiben werden zusammengeklebt und mit einer Tischbohrmaschine so weit nachgearbeitet, bis sie den erforderlichen Durchmesser haben. Auf den Zapfen kommt noch ein Auflagebrett, um die technisch bedingten Nuten des Originalschlittens auszugleichen. Und damit ist das GerĂ€t bereit, um eine Handywanne, wie sie bereits fĂŒr die beiden anderen Versionen beschrieben worden ist, angeschraubt zu bekommen.

Die Handywanne ist im Prinzip wie bei den anderen Varianten gebaut und durch die Kupplungsschraube drehbar gelagert.

Variante 3 im Einsatz als Buchscanner. Der Hub ist so groß, dass selbst Doppelseiten großformatiger KunstbĂŒcher kopiert werden können.

Die hier vorgestellten Konstruktionen sind drei Variationen des gleichen Grundmusters: Stative fĂŒr das Handy, um fĂŒr das Fotografieren und Filmen in der lotrechten bis horizontalen Ausrichtung beide HĂ€nde frei zu haben. Möchte man damit etwa ein ganzes Buch scannen, ist es hilfreich, die Auslöseverzögerung des Handys zu nutzen, die man meistens einstellen kann. Drei Sekunden zwischen Tippen auf den Auslöser und Aufnahme sind lang genug, um etwa umzublĂ€ttern und die Seiten mit beiden HĂ€nden glattzustreichen. Vorlagen in der GrĂ¶ĂŸe DIN A4 lassen sich mit allen hier gezeigten Varianten gleich gut kopieren. SchriftstĂŒcke, die per Post kamen, haben in der Regel Knickfalten. Diese lassen sich ausbĂŒgeln, wenn man eine Glasscheibe (etwa von einem alten Bilderrahmen oder defekten Flachbettscanner) auf das SchriftstĂŒck legt. Allerdings sollten dabei störende Lichtreflexe auf der Scheibe vermieden werden.

Auch BĂŒcher in den gĂ€ngigen Formaten lassen sich mit allen GerĂ€ten einlesen, selbst Doppelseiten des aufgeschlagenen Buches stellen kein Problem dar. Dennoch ermöglichen die verschiedenen baulichen Unterschiede der drei Varianten die Lösung spezieller Aufgaben.

Variante 3 im Homeschooling-Einsatz. Das Bild zeigt das GerĂ€t im hĂ€uslichen Umfeld. Die Handywanne ist um 90 Grad gekippt, die Blick der Kamera ist auf das davor stehende Klemmbrett (90cm × 60cm) gerichtet ...

Sollen in einer Videokonferenz aus dem Homeoffice oder im Distanzunterricht schriftliche Dokumente oder dreidimensionale Modelle diskutiert werden, die auf dem Schreibtisch neben dem GerĂ€t stehen, so lĂ€sst sich rasch mit dem motorischen Scanner (1. Variante) auf zu besprechende Details des Dokumentes heranfahren, um diese zu erlĂ€utern. Die Kamera lĂ€sst sich rasch auf das Modell neben dem Scanner umschwenken. Genauso rasch kann fĂŒr den Selfie-Modus die Kamera gedreht werden, um mit dem GegenĂŒber Blickkontakt aufzunehmen. Und bei all diesen Situationen hat man beide HĂ€nde frei, um zu zeigen, umzublĂ€ttern oder um zu demonstrieren. Einzig störend wirkt lediglich das MotorengerĂ€usch wĂ€hrend der Schlittenfahrt.

... und so sieht das Klemmbrett aus SchĂŒlerperspektive aus. Diese Konstellation lĂ€sst sich durch den Lehrervortrag – der Lehrer steht neben dem Klemmbrett im Bild – ergĂ€nzen. SchĂŒler verfolgen den Vortrag live oder schauen sich das Video an, wenn es vorher auf einem Server gespeichert wurde. FĂŒr diese Situation ist aber ein externes Mikrofon empfehlenswert.

GerĂ€uschlos ist die Schlittenfahrt bei der 2. Variante. Allerdings ist sie des Handbetriebs wegen nicht so flĂŒssig und auch nicht so flott. Jedoch ist sie das Leichtgewicht unter den Dreien. Dadurch ist diese Variante fĂŒr den mobilen Einsatz geeignet, z.B. in Zukunft als Hilfsmittel bei der Recherche in einer Bibliothek, um schnell mal einige Seiten aus verschiedenen Quellen zu kopieren. Zu diesem Zweck wĂ€re es denkbar, die SĂ€ule als StecksĂ€ule zu konzipieren, um fĂŒr den Transport ein flaches GepĂ€ckstĂŒck zu haben.

Der umgebaute KleinbildvergrĂ¶ĂŸerer ist das schwerste und sperrigste GerĂ€t dieser Sammlung. Es ist dabei aber auch das robusteste. Wenn der Kameraschlitten bis in die oberste Position gefahren wird, befindet sich die Kamera mit dem Referenten in Augenhöhe, selbst wenn er steht. Im Distanzunterricht kann der Lehrer zum Beispiel im Stehen mit seinen SchĂŒlern kommunizieren, dabei umfangreiche Experimente unmittelbar vorfĂŒhren und erlĂ€uternde Texte an die Tafel schreiben. Diese vielfĂ€ltigen Funktionen lassen sich auf diese Weise mit einem einzigen GerĂ€t realisieren.

Wenn die GerĂ€te als Buchscanner benutzt werden sollen, mĂŒssen einige Punkte beachtet werden. Die mit diesen GerĂ€ten geschossenen Aufnahmen sind Rohmaterialien. Man kann es hierbei bewenden lassen, wenn bei der Aufnahme, also bei der Ausrichtung der Vorlage und der Ausschnittswahl, sorgfĂ€ltig vorgegangen wurde. Ein grundsĂ€tzliches Problem stellen Kopien von Schwarz-Weiß-Vorlagen dar. Da das Handy Farbaufnahmen macht, haben die Kopien einen Farbstich. Viele der Aufnahmeprobleme lassen sich mit einer Scannersoftware wie ScanTailor [10] (etwas in die Jahre gekommen, dafĂŒr aber kostenlos) oder teuren Profiprogrammen samt OCR (optischer Zeichenerkennung) nachtrĂ€glich korrigieren.

Die GerĂ€te lassen sich als Stative fĂŒr Videoaufnahmen mit dem eigenen Handy nutzen. Dies gilt besonders fĂŒr Aufnahmen von GegenstĂ€nden, Experimenten und VortrĂ€gen. Geht die Blickrichtung allerdings im Querformat senkrecht nach unten, kann es bei der Wiedergabe Probleme geben. Obwohl das Motiv auf dem Display korrekt dargestellt wurde, war das Wiedergabeformat in unseren Experimenten oftmals hochkant. Abhilfe schuf ein kleiner Trick: Vor der Aufnahme wird die Handywanne so gedreht, dass das Handy zunĂ€chst nach vorne schaut, dann dreht man die Wanne in die Senkrechte und startet die Aufnahme, was bei unseren Versuchen ein korrektes Wiedergabeformat ergab.

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Um eine BrĂŒcke zwischen dem Dokumentenscanner und der Außenwelt zu schlagen, ist eine Software erforderlich. Aus der FĂŒlle an Videokonferenz-Softwares setzen wir in diesem Beispiel aus praktischen ErwĂ€gungen Discord ein. Die in ihren Grundfunktionen kostenlose Plattform [12] deckt unsere AnsprĂŒche ab. Sie ermöglicht (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels) Videokonferenzen in solider Bild- und TonqualitĂ€t fĂŒr bis zu 50 Teilnehmer, erlaubt kleine DateianhĂ€nge, ist plattformunabhĂ€ngig ĂŒber den Web-Bowser einsetzbar oder als installierbare Anwendung fĂŒr Windows, Mac, Linux sowie als App fĂŒr gĂ€ngige Smartphones mit iOS oder Android verfĂŒgbar. GrĂ¶ĂŸere DateianhĂ€nge oder Video-Auflösungen oberhalb von 720p setzen den Abschluss eines kostenpflichtigen Abonnements voraus, sind aber fĂŒr den hier getesteten Einsatzbereich nicht erforderlich. Je nach Einsatzzweck – besonders im schulischen Bereich – sollten vor dem Einsatz von Discord gegebenenfalls die Datenschutzbestimmungen geprĂŒft werden, da viele persönliche Daten ĂŒber Server außerhalb der EU ĂŒbertragen werden. Denkbar ist in EinzelfĂ€llen, auf einen alternativen Dienst wie iServ zurĂŒckzugreifen. Der Anbieter von iServ hat sich auf Schulen als Anwender spezialisiert. FĂŒr private Verwendung ist die Software nicht zugĂ€nglich.

Um mit Discord auf Sendung zu gehen, sind fĂŒr eine erfolgreiche Videokonferenz vier Schritte nötig. Erstens benötigen alle Teilnehmer ein kostenloses Discord-Benutzerkonto. Zweitens ist es nötig, einen Server einzurichten. Das klingt zunĂ€chst kompliziert, ist aber bei der ersten Anmeldung auf Discord mit wenigen Klicks erledigt. Es sind keine besonderen Konfigurationen nötig, ein ganz normaler Standard-Server genĂŒgt fĂŒr einen ersten Test. Anpassungen können spĂ€ter ĂŒber die BenutzeroberflĂ€che durchgefĂŒhrt werden, falls gewĂŒnscht. Damit Konferenz-Teilnehmer den soeben eingerichteten Server finden, lassen sie sich in Schritt drei einladen. Über die SchaltflĂ€che Freunde einladen kann man einen Link auf den eben eingerichteten Server erstellen. Diesen Link verteilt der Konferenzleiter an die Teilnehmer, beispielsweise per Mail. In Schritt vier geht es dann auf Sendung, indem auf dem Server Konferenz-Leiter und Konferenz-Teilnehmer den Sprach-Kanal betreten. ZunĂ€chst ist nur die SprachĂŒbertragung mit dem Mikrofon aktiv. Um zusĂ€tzlich die VideoĂŒbertragung zu beginnen, genĂŒgt ein Finger-Druck auf das Kamera-Symbol in der BenutzeroberflĂ€che der Discord-App auf dem Handy oder ein Klick auf das Kamera-Symbol auf dem PC.

Haben sich Konferenzleiter und Teilnehmer auf dem Server eingefunden, kann die PrĂ€sentation beginnen und die Teilnehmer folgen der Live-Übertragung. Es ist möglich, wĂ€hrend der Übertragung zwischen der Selfie-Kamera und der rĂŒckwĂ€rtigen Kamera zu wechseln. Das ist beispielsweise sinnvoll, um zunĂ€chst den Sprecher vorzustellen und spĂ€ter auf das PrĂ€sentationsobjekt zu wechseln. Die Übertragung lĂ€sst sich beenden, indem der rote Knopf mit dem Kreuz neben dem Kopfhörer gedrĂŒckt wird.

Damit ist der Grundstein gelegt. Konferenzleiter können auf diesem GerĂŒst fußend eine Vielzahl von Feineinstellungen vornehmen. Es lassen sich auf Discord Benutzerrechte zuweisen, Dateien hochladen und fĂŒr eine bessere Struktur Ordner anlegen. Discord nennt diese Ordner KanĂ€le. So ist beispielsweise denkbar, in einem eigenen Kanal im Anschluss an einen Vortrag Manuskripte als PDF hochzuladen und Teilnehmern zur VerfĂŒgung zu stellen, die an der Live-Übertragung nicht teilnehmen konnten. Falls sich RĂŒckfragen ergeben, können diese im Text-Chat gestellt und beantwortet werden. Sinnvoll ist, dass in einem der KanĂ€le per Text-AnkĂŒndigung auf kommende Live-Übertragungen hingewiesen wird. Damit alle Teilnehmer eine Benachrichtigung erhalten, kann man eine AnkĂŒndigung mit dem Kommando @everyone versehen und hervorheben. Alle Benutzer erhalten dann einen Hinweis in Discord.

Im Distanzunterricht wird durch unsere Buch- und Dokumentenscanner der Schwerpunkt auf analoge Unterrichtsverfahren gelegt, deren Inhalte digital mit den EmpfĂ€ngern ausgetauscht werden. Die GerĂ€te sind „um das eigene Handy“ herumgebaut. Dadurch ist die EinstiegshĂŒrde fĂŒr den Distanzunterricht bewusst niedrig gehalten worden. (pek [13])


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