4,5 Milliarden Jahre: Der Mond ist wohl fast so alt wie das Sonnensystem
Wie alt der Mond ist, ist in der Forschung weiterhin nicht geklärt. Jetzt verdichten sich aber die Hinweise, dass er fast so alt ist wie unser Sonnensystem.
(Bild: NASA)
Der Mond ist wohl noch älter als angenommen und wurde nur 65 Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems aus der Erde geschlagen. Zu dem Schluss kommen zwei Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS), die ihre Forschung jetzt auf einer Fachkonferenz in den USA vorgestellt haben. Ermittelt haben sie ein Alter von 4,5 Milliarden Jahren für den Mond. Weil andere Analysen zuletzt zu einem ähnlichen Wert gekommen waren, könnte die Theorie vom "jungen Mond" vor dem Aus stehen. Das schreibt das US-Wissenschaftsmagazin Science. Diese Theorie besagt, dass der Mond erst 200 Millionen Jahre nach dem Sonnensystem entstanden ist. Ein abschließender Gegenbeweis könnte bald aus China kommen.
Kollision mit Theia erfolgte sehr frĂĽh
Wie Thorsten Kleine und Jonas Schneider vom MPS nun erläutern, haben sie Mineralien vom Mond anhand des Zerfalls des Rubidiumisotops 87Rb zu Strontium (87Sr) ermittelt. Egal, welche Modelle sie für die Entstehung des Monds angenommen hätten, das auf diesem Weg ermittelte Alter habe immer 4,5 Milliarden Jahre betragen. Dabei sei Kleine selbst einst noch davon ausgegangen, dass der Mond viel später entstanden ist, hat er Science erklärt. Jetzt gehört seine Arbeit zur wachsenden Zahl von Studien, die darauf hindeuten, dass der Mond gewissermaßen direkt nach der Entstehung der Erde aus ihr herausgeschlagen wurde.
Science erläutert, dass erste Analysen von Mondproben der Apollo-Missionen darauf hingedeutet haben, dass der Mond 200 Millionen Jahre jünger ist als das Sonnensystem. Damit würde er als "jung" gelten, denn die meisten Analysen hätten später nahegelegt, dass das Sonnensystem schon etwa 100 Millionen Jahre nach seiner Entstehung "zur Ruhe gekommen" war. Die Gasriesen hatten da also aufgehört, große Objekte ins innere Sonnensystem zu schleudern. Der gigantische Einschlag des Protoplaneten Theia auf der Erde müsste also vorher stattgefunden haben und nicht 100 Millionen Jahre nach dieser Beruhigung. Den gängigen Erklärungen zufolge ist bei dieser Kollision der Mond entstanden.
In den vergangenen Jahren haben nun immer Studien darauf hingedeutet, dass der Mond älter ist als angenommen, schreibt Science. Eine abschließende Antwort auf die Altersfrage gebe es aber bislang nicht. Die könnte die Untersuchung des Materials liefern, das die chinesische Sonde Chang’e 6 im vergangenen Jahr zur Erde gebracht hat. Sollten dort gefundene Mineralien zur Theorie des "alten Monds" passen, könnte das die Entscheidung liefern, zitiert das Magazin die Einschätzung des Planetologen Steven Desch. Neuere Analysen der Apollo-Proben haben bereits darauf hingewiesen, dass das ursprünglich ermittelte Alter nicht gestimmt hat.
(mho)