OpenAI schließt Video-KI Sora völlig überraschend
Das ChatGPT-Unternehmen OpenAI verabschiedet die eigene Technik zur Generierung von Videos. Damit endet auch eine groß angekündigte Partnerschaft mit Disney.
(Bild: Ehrere)
OpenAI stampft völlig überraschend seinen KI-Videogenerator Sora ein, nur fünf Monate nachdem die jüngste Version mit großem Aufwand veröffentlicht wurde. Das hat der KI-Konzern auf dem Kurznachrichtendienst X publik gemacht, vorher hatte das Wall Street Journal über den Schritt berichtet. Grund für den drastischen Schritt ist demnach der Versuch von OpenAI, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Auch mit ChatGPT soll man künftig keine Videos generieren können. Zudem endet damit auch ein Abkommen mit dem Medienkonzern Disney, der erst im Dezember mehr als 200 Charaktere für die Nutzung in Sora lizenziert hat und eine Milliarde US-Dollar in OpenAI stecken wollte.
Ein überraschendes Ende
Sora wurde erstmals im Februar 2024 vorgestellt, die aktuelle und deutlich verbesserte zweite Version wurde Ende September freigegeben. Die KI-Technik kann auf Anweisung hin mehrsekündige Videoclips produzieren, bei Sora 2 sollten sie viel konsistenter sein als beim Vorgänger. Zudem konnte die neue Version Videos mit synchronisierten Dialogen, Soundeffekten und Hintergrundgeräuschen generieren. OpenAI hat dafür zudem eine eigene App freigegeben, über die die generierten Inhalte auch weitergegeben werden konnten. Noch vor zwei Wochen hat OpenAI angekündigt, dass Sora in ChatGPT integriert werden soll. Das hat sich nun erledigt.
Laut Reuters kam die Abkehr von Sora nun sogar intern äußerst überraschend. Noch am Montag habe ein Team von OpenAI mit Disney an einem Sora-Projekt gearbeitet, wenige Minuten danach hätten die Partner und Partnerinnen vom anstehenden Aus erfahren. Laut den anonymen Quellen der Nachrichtenagentur hat Sora nicht nur eine Menge an Ressourcen verschlungen, der Videogenerator habe damit sogar dafür gesorgt, dass andere Teams im Haus nicht ausreichend ausgestattet waren. Trotzdem sei der Schritt völlig überraschend gewesen, noch am Dienstag hat OpenAI im Blog einen Artikel über Sicherheitsmaßnahmen bei Sora veröffentlicht, in dem mit keinem Wort auf das anstehende Ende eingegangen wurde.
Videos by heise
Zu den Gründen für das Ende des Videogenerators hat sich OpenAI öffentlich nicht geäußert, an der Technik hat es immer wieder Kritik gegeben. Das verantwortliche Team soll sich laut dem Wall Street Journal künftig um Robotik kümmern. Zuletzt war immer öfter die Rede davon, dass der KI-Konzern die Konkurrenz durch Anthropic und Google immer stärker zu spüren bekommt. Vorige Woche ist dann öffentlich geworden, dass der KI-Konzern von Sam Altman die eigenen Produkte zusammenlegen will und dafür eine „Super-App“ für den Desktop plant. Darin soll man demnach Zugriff auf ChatGPT, den Atlas-Browser und die Coding-Plattform Codex erhalten. Ob das so kommen wird, ist angesichts des unerwarteten Abschieds von Sora unklar. OpenAI will bis Ende des Jahres an die Börse und benötigt dafür ein funktionierendes Kerngeschäft.
(mho)