Balkonkraftwerke mit drei oder vier Solarpanels produzieren mehr Energie als Standardausführungen mit nur zwei Solarmodulen. Darauf muss man achten.
Mit Balkonkraftwerken (Bestenliste) kann man Strom produzieren und so die Stromkosten senken. In der Regel sind sie mit zwei Solarmodulen ausgestattet, die Sonnenenergie in Gleichstrom umwandeln, der anschließend vom Wechselrichter in Wechselstrom gewandelt wird, sodass er per Steckdose in das Stromnetz eingespeist werden kann. Derzeit liegt die maximale Wechselrichterleistung bei 600 Watt. Doch mit der Verabschiedung des Solarpaket I soll die Leistung ab 2024 auf 800 Watt angehoben werden. Die maximale Modulleistung beträgt dann 2000 Watt.
Schon jetzt gibt es Balkonkraftwerke, die auf Basis von 600-Watt-Wechselrichtern eine Gesamtmodulleistung von über 1200 Watt bieten. Fachhändler Yuma hat Varianten mit drei oder vier PV-Modulen mit einer Solarleistung von 1260 Wp und 1305 Wp sowie 1680 Wp und 1740 Wp im Angebot.
Liegt die Gesamtleistung der Solarmodule höher als die Ausgangsleistung des Wechselrichters, spricht man vom sogenannten Overpaneling. Der Vorteil einer Überbelegung liegt darin, dass man deutlich mehr Strom produziert, als mit einer klassischen Zwei-Modul-Konfiguration. Denn in der Regel schaffen es Balkonkraftwerke mit zwei 400-Watt-Panels bei sonnigem Wetter nur zur Mittagszeit, die vollen 600 Watt Ausgangsleistung des Wechselrichters voll auszureizen. Und bei bewölktem Himmel bleibt der Wechselrichter den ganzen Tag unterversorgt.
Hinzu kommt, dass mit der für den März geplanten Verabschiedung des Solarpaket I die Einspeiseleistung von Balkonkraftwerken auf 800 Watt angehoben wird und Varianten mit zwei 400-Watt-Panel selbst bei sonnigem Wetter nie die Leistung eines 800-Watt-Wechselrichters ausreizen können. Die Gesamtleistung der Solarmodule sollte daher bei mindestens über 1000 Watt liegen, um somit nicht nur zu Mittagszeit den Wechselrichter voll auszuschöpfen, sondern deutlich länger.
Will man nun ein Balkonkraftwerk mit zwei Modulen und einer Gesamtsolarleistung von über 1000 Watt in Betrieb nehmen, hatte man bisher ein Problem. 500-Watt-Glasmodule sind größer als 2 m² und benötigen deshalb laut Verordnung einen Verwendbarkeitsnachweis durch die allgemein bauaufsichtliche Zulassung, kurz „abZ“. Da eine solche Zulassung für eine Nutzungsdauer von fünf Jahren je nach Produkt und Kategorie aber bis zu 30.000 Euro kosten kann, werden derart große Solarmodule nur für Freiflächen-Anlagen verwendet.
Doch im Herbst 2023 gab es gute Neuigkeiten: Wie das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) Ende Oktober mitteilt, handelt es sich bei Balkonkraftwerken nicht um Bauprodukte, sodass die bislang geltende Begrenzung der Modulgröße auf 2 m² bei Solarpanels für Stecker-Solargeräten nicht gilt. Demnach können Balkonkraftwerke jetzt auch mit Solarmodulen wie dem 545 Watt starken Longi LR5 (Heise-Preisvergleich) oder dem Ja Solar JAM72S30-550 (Preisvergleich) betrieben werden. Und noch eine Grenze fällt mit der Einstufung von Balkonkraftwerken als Nicht-Bauprodukt: Die bisher geltende maximale Installationshöhe von vier Metern für Glasmodule gilt ebenfalls nicht für Stecker-Solargeräte.
Gute Nachrichten gibt es in puncto Modulgröße aber auch für herkömmliche PV-Anlagen (Ratgeber). Vergangenes Jahr hatten sich neun chinesische Hersteller sich auf die neue Standardgröße von 2382 × 1134 Millimetern mit einer Fläche von 2,7 m² geeinigt, um den Platz in einem in der Seefahrt üblichen 40-Fuß-Container optimal auszunutzen. Und das DIBt hat der Bauministerkonferenz der Länder vorgeschlagen, die Grenze für PV-Module, die mit mechanisch gehaltenen Glasdeckflächen im Dachbereich ohne Verwendbarkeitsnachweis verwendet werden dürfen, von 2 m² auf 3 m² anzuheben. Als erstes Bundesland hat Hessen diesen Vorschlag bereits umgesetzt. Weitere Bundesländer dürften in den nächsten Monaten nachziehen.
Die folgende Tabelle zeigt Solarmodule, die größer als 2 m² sind und eine Leistung von mindestens 460 Wp bieten.
Fachhändler Yuma gibt den Mehrertrag für seine Balkonkraftwerke mit drei Solarmodulen mit 30 Prozent an. Varianten mit vier Modulen liefern laut Yuma einen Mehrertrag von 50 Prozent.
Die Hochschule für HTW Berlin hat einen Simulator entwickelt, mit dem man die höhere Modulleistung von Balkonkraftwerken unter Berücksichtigung von Anschaffungskosten, Strompreis- und -bedarf, sowie Nutzungsdauer untersuchen kann. Auch lässt sich in die Kalkulation ein Stromspeicher einbinden. Das Tool berücksichtigt allerdings noch keine 800-Watt-Wechselrichter. Zudem ist die Solarleistung der Module auf 1200 Watt und die Speicherkapazität der Batterie auf 1,5 kW begrenzt. Das HTW Berin arbeitet aber bereits an einem Update, das auch die kommenden Rahmenbedingungen für Balkonkraftwerke (800 Watt Einspeisung, maximale Solarleistung von 2000 Watt) berücksichtigt.
Doch schon jetzt liefert der Stecker-Solar-Simulator interessante Einblicke, was Leistung und Wirtschaftlichkeit eines Balkonkraftwerks angeht. Unsere Simulation basiert auf zwei Haushalten, die mit 2500 kWh und 3500 kWh unterschiedlich hohe Stromverbräuche aufweisen. Als Balkonkraftwerke haben wir eines mit 800 Watt sowie eines mit 1200 Watt Solarleistung ohne Stromspeicher gewählt. Die Simulation des 1200-Watt-BKWs mit einer 1500 Wattstunden großen Batterie zeigt, wie wirtschaftlich ein Balkonkraftwerk mit Speicher (Ratgeber) ist. Außerdem wollten wir wissen, wie sich die Amortisation eines Balkonkraftwerks bei steigenden Strompreisen entwickelt. Daher haben wir die Simulation mit Preisen für die Kilowattstunde in Höhe von 30, 40 und 50 Cent laufen lassen.
Für die Simulation haben wir für das Balkonkraftwerk einen optimalen Anstellwinkel von 30° sowie eine Ausrichtung nach Süden ausgewählt. Laut Simulator erzeugt unser BKW mit 800-Watt-Solarleistung jährlich 781 kWh und die 1200-Watt-Variante 1035 kWh. Der vermiedene Strombezug beträgt 425 kWh und 504 kWh.
| BKW bei Strombedarf von 2500 kWh | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Modulleistung (Gesamt) | 800 Watt | 1200 Watt | 1200 Watt | 800 Watt | 1200 Watt | 1200 Watt | 800 Watt | 1200 Watt | 1200 Watt |
| Wechselrichter Einspeiseleistung | 600 Watt | 600 Watt | 600 Watt | 600 Watt | 600 Watt | 600 Watt | 600 Watt | 600 Watt | 600 Watt |
| Systemkosten | 580 Euro | 970 Euro | 1720 Euro | 580 Euro | 970 Euro | 1720 Euro | 580 Euro | 970 Euro | 1720 Euro |
| Stromerzeugung pro Jahr (35°, Süd) | 781 kWh | 1035 kWh | 1035 kWh | 781 kWh | 1035 kWh | 1035 kWh | 781 kWh | 1035 kWh | 1035 kWh |
| Vermiedener Strombezug pro Jahr | 425 kWh | 504 kWh | 815 kWh | 425 kWh | 504 kWh | 815 kWh | 425 kWh | 504 kWh | 815 kWh |
| Strompreis ct pro kWh | 30 | 30 | 30 | 40 | 40 | 40 | 50 | 50 | 50 |
| Stromspeicher (1500 Wh, 750 Euro) | nein | nein | ja | nein | nein | ja | nein | nein | ja |
| Stromgestehungskosten pro kWh | 9,1 | 12,9 | 14,1 | 9,1 | 12,9 | 14,1 | 9,1 | 12,9 | 14,1 |
| Jährliche Ersparnis | 128 | 152 | 245 | 170 | 202 | 326 | 213 | 253 | 408 |
| Ersparnis während der Betriebszeit (15 Jahre) | 1914 | 2275 | 3669 | 2552 | 3033 | 4893 | 3190 | 3791 | 6116 |
| Amortisation | 5 | 7 | 8 | 4 | 5 | 6 | 3 | 4 | 5 |
Bislang gilt bei Balkonkraftwerken eine Begrenzung der Ausgangsleistung des Wechselrichters von 600 Watt. Für die Gesamtsolarleistung der daran angeschlossenen Module gibt es derzeit keine Begrenzung. Es ist also möglich, ein Balkonkraftwerk mit einer Gesamtmodulleistung von mehr als 2000 Watt legal in Betrieb zunehmen.
Ab 2024 profitiert man dann von der Erhöhung der Wechselrichterausgangsleistung auf 800 Watt, die man per Software bei den meisten Wechselrichtern einstellen kann. Mit dem Solarpakt I gilt ab 2024 jedoch eine Begrenzung der Modulgesamtleistung auf 2000 Watt. Wer ein besonders leistungsfähiges Balkonkraftwerk mit einer Gesamtmodulleistung plant, sollte sich dieses, wie das Pri Flat Quattro XL (2200 Wp) ab 1229 Euro, bis Jahresende anschaffen, denn danach ist der Anschluss einer solchen Anlage nicht mehr gesetzeskonform.
Die folgende Tabelle zeigt Balkonkraftwerke mit mehr als 2000 Watt Gesamtsolarleistung.
Balkonkraftwerke mit mehr als zwei Solarmodulen erzeugen mehr Strom als Standardvarianten mit nur zwei PV-Modulen. Da es für Balkonkraftwerke allerdings keine Einspeisevergütung gibt, wird der nicht verbrauchte Strom kostenlos ins Netz eingespeist. Um das zu verhindern und den Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms zu erhöhen, wird ein Akku benötigt. Dieser speichert den während des Tages produzierten Strom und gibt ihn abends dann ab, wenn alle Bewohner eines Haushalts zu Hause sind und der Strombedarf steigt. Mehr Informationen dazu bietet unser Beitrag Top 4: Der beste Speicher fürs Balkonkraftwerk kostet 799 Euro.
Ob sich der Einsatz eines Speichers lohnt, kann man pauschal nicht beantworten. Wer aber, aus welchen Gründen auch immer, eine mobile Powerstation (Bestenliste) benötigt und diese auch als Speicher für sein Balkonkraftwerk verwenden kann, für den ist eine Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht interessant. Entsprechende Lösungen gibt es mit dem Wechselrichter Ecoflow Powerstream (Testbericht) und der Powerstation Ecoflow Delta 2 Max (Testbericht).
Mit der Superbase V6400 (Testbericht) und der Superbase V4600 bietet Zendure in Kombination mit dem PV-Hub Mini ebenfalls eine Lösung, die Powerstations als Speicher für Balkonkraftwerke verwendet. Sie ist kompatibel zu dem Hoymiles-Wechselrichter HMS-800-2T, den Zendure im Set optional anbietet.
Weitere Informationen zu diesem Thema bietet auch der bekannte Youtuber Andreas Schmitz alias Akkudoktor.
Dank des Preisverfalls der letzten Monate kosten Balkonkraftwerke mit mehr als zwei Solarpanels ungefähr so viel wie ein Standard-Balkonkraftwerk mit zwei Modulen im letzten Jahr. Balkonkraftwerke mit drei Solarpanels und 1260 Wp Leistung sind von Fachhändler wie Priwatt oder Yuma bereits ab 1029 Euro erhältlich. Mit vier PV-Modulen und 1680 Watt Wp kosten mindestens 1109 Euro.
Weitere Angebote von Balkonkraftwerken mit mehr als zwei Solarpanels finden sich in folgender Tabelle:
Wer zusätzlich Geld sparen will, sollte derzeit Strompreise vergleichen. Zum Dezember 2023 fällt die Strompreisbremse. Erwartungsgemäß werden dann die Strompreise wieder anziehen. Wir selbst wechseln daher gerade jetzt unsere Stromtarife. Hier kann man sich derzeit für 2024 Angebote mit einem Arbeitspreis ab 23 Cent statt 48 Cent pro kWh sichern – im Vergleich zu den Preisen im Januar 2023.
Gleiches gilt für Gastarife. Diese gibt es derzeit ab 9 Cent pro kWh statt zuletzt 20 Cent im Januar 2023. Auch hierfür bieten wir ein entsprechendes Vergleichsangebot im heise Tarifvergleich.
Wer möglichst viel Strom mit einem Balkonkraftwerk erzeugen möchte, greift zu einem Modell mit drei oder vier Solarmodulen. Sie produzieren im Jahr zwischen 30 Prozent und 50 Prozent mehr Strom als ein Modell mit nur zwei Modulen. Noch bis Jahresende kann man Balkonkraftwerke mit mehr als 2000 Watt wie das Pri Flat Quattro XL (2200 Wp) ab 1229 Euro noch legal in Betrieb nehmen. Ab 2024 ist die Solargesamtleistung auf 2000 Watt begrenzt.
Mit den geplanten Gesetzesänderungen zum Jahreswechsel könnten Balkonkraftwerke noch beliebter werden als sie es ohnehin schon sind. Denn mit der Erhöhung der Einspeisegrenze von 600 Watt auf 800 Watt kann man noch mehr Strom sparen als bisher – besonders mit den in diesem Beitrag erwähnten Modellen mit drei oder vier Solarmodulen. Durch den Preisverfall der letzten Monate sind diese aktuell besonders günstig. Einige Branchenvertreter rechnen in Zukunft aber wieder mit steigenden Preisen.
Einen zusätzlichen Boom für Balkonkraftwerke könnte auch die gesetzlichen Neuregelungen in Bezug auf Mieter bringen. Diese benötigen nicht länger die Zustimmung des Vermieters respektive der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG): Denn ab 2024 gelten Steckersolargeräte als privilegierte Maßnahmen, die von der WEG nicht länger blockiert werden können. Und dass die bestehenden Regelungen bezüglich der 2-m²-Grenze für Solarmodule und der bislang geltende maximalen Bauhöhe von vier Metern für Balkonkraftwerke ebenfalls nicht mehr gelten, dürfte den Absatz ebenfalls beschleunigen.
Noch mehr Informationen rund um das Thema Balkonkraftwerke und Powerstations bieten folgende Beiträge:
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