Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Im Internet bekommt man 16 TByte SSD-Speicher für 18 Euro. Können solche Angebote echt sein und mit Markenprodukten mithalten oder ist das glatter Fake? Wir haben einige Testgeräte bestellt und machen den Vergleich in der Praxis.
SSDs waren vor einigen Jahren noch richtig teuer. So kosteten 2 TByte der Crucial BX500 Ende 2019 über 240 Euro. Heute kostet sie nur noch 80 Euro und damit rund 67 Prozent weniger. Im Preisvergleich liegen SSDs mit 1 TByte an Speicher bereits unter 40 Euro. Doch HDDs kosten noch immer deutlich weniger. 1 TByte gibt es hier bereits ab 22 Euro.
Ab und an tauchen aber richtig günstige SSD-Angebote auf, die ein irres Preis-Leistungs-Verhältnis versprechen. 16 TByte an SSD-Speicher für 18 Euro – kann das sein? Wir haben uns ein paar dieser vermeintlichen Schnapper getestet und zeigen, was man bekommt.
Echte Schnapper kann man mit unserem Ratgeber Speicherschnäppchen: Externe Festplatten & SSDs ab 16 Euro pro TByte machen. Günstigen Speicher gibt es auch bei USB-Sticks, die wir in unserem Ratgeber Der beste USB-Stick bis 2 TByte: Günstig & mobil speichern – 512 GByte ab 18 € zeigen. Ebenso können SD-Speicherkarten als günstige Alternative infrage kommen, die der Ratgeber Speicherkarten: Die richtige Karte für Handy, Kamera oder Drohne finden vorstellt.
SSDs sind deutlich schneller als gewöhnliche HDD-Festplatten. Diese setzen auf mechanische Bauteile zum Speichern und Auslesen der Daten, SSDs hingegen auf chipbasierten Flash-Speicher. Dabei gibt es zwei Varianten zu unterscheiden – das klassische SATA, das bis zu 530 MByte/s arbeitet und NVMe, das über die schnellen PCIe-Schnittstellen mit bis zu 7 GByte/s angebunden ist.
Hinzu kommen zwei verschiedene Formfaktoren. Während es NVMe-SSDs nur im Format eines m.2-Riegels gibt, kann man SATA-SSDs sowohl in Riegelform als auch im 2,5-Zoll-Festplattenformat bekommen. Mehr zu NVMe-SSDs zeigt unser Ratgeber NVMe-Speicher: Schnelle SSDs für mehr Leistung, 1 TByte ab 80 Euro.
Geht es um externe SSD-Festplatten, so ist neben der Schreib- und Lesegeschwindigkeit des Speichers auch die Geschwindigkeit des USB-Anschlusses an Speicher und Endgerät von hoher Bedeutung. Eine SSD kann noch so hohe Geschwindigkeiten aufbieten, an einem USB-2.0-Anschluss kommt sie erst gar nicht zum Zug. Bei externen Festplatten hilft ein Blick in den Ratgeber Ratgeber Speicherschnäppchen: Externe Festplatten & SSDs ab 16 Euro pro TByte.
In beiden Fällen gilt: Je schneller ein Speichermedium ist, desto höher ist sein Preis.
Der zweite entscheidende Faktor, welcher bei SSDs den Preis in die Höhe treibt, ist der Speicher – je mehr, desto teurer. Daher sollte man sich genau überlegen, wie viel Speicher man für seinen Einsatzzweck benötigt. In unserem Preisvergleich sind unter den SSDs Modell zwischen 128 GByte (GB) und bis zu 6 TByte (TB) üblich. 16 TByte an Speicher, wie im Beispiel oben genannt, sind eine absolute Ausnahme und kosten dann auch weit über 1000 Euro. Und auch bei den HDDs bekommt man 16 TByte erst ab 238 Euro.
Dennoch gibt es immer wieder Angebote, die 16 TByte für 100 Euro und weniger versprechen. Kann das sein oder handelt es sich um Fake-Festplatten? Diese Frage beantwortet unser nachfolgender Praxistest.
Für den Praxistest bestellen wir in Online-Shops einige billige Noname-SSDs sowie günstige Markenprodukte. Darunter sind Portable SSDs, also externe Festplatten, aber auch per SATA-Schnittstelle angebundene Laufwerke. Hierfür verwenden wir einen Adapter von SATA auf USB-A. Um eventuelle Fakes aufzudecken, kann man Software wie H2testw (Link zu heise Download) oder den FakeFlashTest verwenden.
Bei Aliexpress haben wir beispielsweise eine externe SSD mit 16 TByte für 18 Euro entdeckt. Normalerweise kosten selbst langsame HDDs mit dieser Speichergröße 240 Euro und mehr. Für ein Zehntel des Preises nun also 16 TByte mit schnellem SSD-Speicher zu bekommen, klingt schon viel zu gut. Auf den ersten Blick wirkt das Gehäuse dafür eine Spur zu klein, sonst aber könnte man dem Zauber bis hierhin noch etwas glauben. Auch lesen Windows, Linux und macOS die SSD nach Anstecken mit 16 TByte aus.
Also machen wir das Gehäuse auf und finden eine microSD-Karte. Diese ist mit großflächig verteiltem Klebstoff zunächst im Karteneinschub festgeklebt. Auf der Platine ist zudem ein größerer IC-Chip zu sehen, der vermutlich dafür zuständig ist, dem System einen entsprechend hohen Speicher vorzugaukeln. Eine Beschriftung können wir aber nicht auf dem Chip erkennen, da diese durch Ätzen entfernt wurde. So viel Mühe und Aufwand betreiben unseriöse Anbieter also, um Kunden über den Tisch zu ziehen.
Nachdem wir vorsichtig den Kleber entfernen und die Karte ohne den Chip an einen Rechner anschließen, löst sich der Spuk direkt auf. In Wahrheit weist diese nämlich nur 64 GByte auf. Im Speicherbenchmark Crystaldiskmark (Link zu heise Download) krebst die Noname-microSD-Karte bei Schreiben und Lesen bei 20 MByte/s herum. Bereits für rund 4 Euro bekommen wir mit der Transcend 300S R95/W45 64TB eine deutlich schnellere Karte mit 64 GByte. Klar ist, dass sich die 18 Euro hier in keiner Hinsicht gelohnt haben. Hätten wir gleich eine solche microSD-Karte gekauft, wären wir sogar 14 Euro günstiger herausgekommen und hätten ein schnelleres, zuverlässiges Produkt.
Das gleiche Modell bekommen wir für knapp 9 Euro auch als 1-TByte-Variante. Nach Öffnen des Gehäuses finden wir dort immerhin keine microSD-Speicherkarte. Der verbaute Speicherchip aber ist gewiss kein 3D-Nand-SSD-Speicher und bietet auch nicht die versprochenen 1 TByte. Unser Test schafft schnell Gewissheit, immerhin knapp 360 GByte sind nutzbar. Alle weiteren Speicherblöcke aber sind nicht vorhanden oder lesbar und geben Fehlermeldungen aus. Schreibt man nun also mehr Daten auf den Speicher als 360 GByte, so sind diese Daten hinterher nicht lesbar oder nicht vorhanden.
Geben wir etwas mehr Geld bei Aliexpress aus und nehmen nur 4 TByte statt 16 TByte, bekommen wir weiterhin nicht die versprochene reale Speichergröße, aber der Aufwand der Vertuschung wird größer. So schlägt unsere Testsoftware im schnellen Testdurchlauf, bei dem nur die Integrität und Existenz der Speicherblöcke geprüft wird, überhaupt nicht an. Erst als wir wirklich häppchenweise Dateien zu speichern versuchen, bricht der Test nach 107 GByte mit einer Warnmeldung ab. Auch hier ist also Betrug im Gange, aber er ist besser getarnt und damit weniger leicht erkennbar. Eine microSD-Karte kommt hier nicht zum Einsatz, was die Erkennung des Betrugs nicht ganz so leicht macht.
Auch die 1-TByte-Variante dieses Modells liefert nur einen Bruchteil der Speichergröße. Wenigstens zeigt sich dieses Modell im Test als relativ schnell, immerhin 335 MByte/s Schreibgeschwindigkeit und 401 MByte/s an Lesegeschwindigkeit erreicht sie. Beide eint, dass sie daneben auch das Produktdesign der Western Digital WD Blue 3D NAND SATA SSD und der Western Digital WD Green SATA SSD imitieren. Zum Testzeitpunkt am 29.09.2023 sind die Produkte aber bereits ausgelistet.
Um mögliche Alternativen zu den Festplatten zu prüfen, haben wir uns nicht nur SSDs, sondern auch günstige USB-Sticks mit großem Speicher schicken lassen. Unsere zwei Modelle werben mit starken Marken statt Noname. Laut Gravur sollen Lenovo und Xiaomi die Hersteller sein. Auf den ersten Blick sind die handlichen Speichermedien gut verarbeitet.
Beim angeblichen Xiaomi-Stick mit USB-C und USB-A werden uns ganze 2 TByte versprochen, was wir natürlich sofort testen. Dabei stellt sich heraus: Unsere Testsoftware schlägt recht schnell Alarm, dass der Speicher nur maximal 300 GByte bietet und Speicherblöcke defekt oder nicht existent sind. 300 GByte sind nicht schlecht, gerade für 7 Euro, aber weit weg von den versprochenen 2 TByte. Ernsthaft empfehlen können wir solche USB-Sticks aber auf gar keinen Fall.
Beim USB-Stick, welcher laut Branding von Lenovo kommen soll, ist das Problem aber noch mal größer. Hier gibt unser Test von Anfang an bereits Warnmeldungen auf, kann auf die Speicherblöcke nicht zugreifen. Der Test bricht schließlich ab, unser Testgerät kann gar nicht beschrieben werden. Das ist selbst für den Preis von 4 Euro ein absolutes Desaster. In unserem Fall haben wir also zwei eindeutig gefälschte USB-Sticks entdeckt, die so auch niemals von den namhaften Herstellern angeboten würden. Das Branding mit den Marken Xiaomi und Lenovo ist also dreist und ein absoluter Fake.
Von namhaften Herstellern gesprochen: auch dort gibt es hervorragende Angebote. Vor allem aber lohnen sich die dort angebotenen Produkte, da sie nicht nur die Speichergröße aufweisen, die sie versprechen, sondern auch eine deutlich höhere Lebensdauer haben. Zudem profitiert man von einer Garantie und Kundenservice, falls es doch mal Probleme mit der Qualität eines Produktes gibt.
Ein solch günstiges und lohnendes Produkt ist die Intenso Top Performance SSD 1TB. Zum Recherchezeitpunkt am 29.09.2023 liegt sie im Preisvergleich bei exakt 38 Euro. Bei Amazon kostet sie 40 Euro. Dafür bekommt man echte 1 TByte Speicher, der über SATA angebunden ist und damit bis zu 500 MByte/s liest und schreibt. Im Test pendelte sich die günstige SSD meist zwischen 300 und 400 MByte/s ein. Für einen Euro mehr gibt es bei Amazon dann schon mit der Crucial P3 eine 1 TByte große NVMe-SSD, die bis zu 3 GByte/s schreibt und bis zu 3,5 GByte liest.
Eine weitere gute, günstige SSD ist die Crucial BX500, die es ebenfalls in verschiedenen Speicherausstattungen gibt. Kostete beispielsweise die Variante Crucial BX500 2 TB vor einem Jahr noch 149 Euro, liegt der Preis nun bei 80 Euro. Vor vier Jahren lag der Preis sogar mal bei 242 Euro. Das entspricht einem Preisverfall von satten 67 Prozent und damit einem attraktiven Angebot. Unsere 1-TByte-Ausführung liegt bei 40 Euro und liefert 463 MByte/s beim Lesen und zwischen 350 und 400 MByte/s an Schreibgeschwindigkeit.
Klügere Alternativen zu billigen Speichermedien, können auch USB-Sticks sein. Beispielsweise der Sandisk Ultra Fit mit 128 GByte ist seit 2018 um über 70 Prozent im Preis gefallen, von 37 Euro auf nun nur noch 11 Euro. Dabei ist er kleiner als ein Daumennagel und ist prädestiniert als günstiger Fotospeicher.
Neben solchen eher kleineren Sticks gibt es auch Modelle, die tatsächlich 1 TByte bieten. Für 40 Euro bekommt man ausweislich unseres Preisvergleichs Modelle, wie den PNY Attaché 4 3.1 1TB. Er bietet allerdings eine eher geringe Schreib-/Lesegeschwindigkeit von unter 100 MByte/s. Möchte man dagegen SSD-ähnliche Geschwindigkeiten, muss man mit über 60 Euro schon das Doppelte zahlen. So kostet der Transcend ESD310 Silver 1TB bereits 72 Euro. Wer mehr zu den handlichen Datenträgern wissen will, liest unseren Ratgeber Der beste USB-Stick bis 2 TByte: Günstig & mobil speichern – 512 GByte ab 18 €.
Möchte man Speicher extern verfügbar haben, kann neben einem USB-Stick auch der Einsatz einer SD-Karte oder gar microSD-Karte sinnvoll sein. 500 GByte kosten hier inzwischen unter 30 Euro, wie bei der Transcend 300S R100/W85 SDXC 512 GB.
Die Samsung PRO Plus microSD-Karte 512 GB ist aktuell im Angebot und bei Amazon für 41 Euro zu haben. Auf den ersten Blick ist das deutlich teurer als bei erstgenannter Speicherkarte, jedoch ist hier die Schreib-/Lesegeschwindigkeit höher, was gerade für die Aufnahme von 4K-Videos in Kameras von großer Bedeutung ist. Mehr über SD-Karten und wie man das richtige Produkt für den eigenen Bedarf findet, zeigen wir in unserem Ratgeber Speicherkarten: Die richtige Karte für Handy, Kamera oder Drohne finden.
Insgesamt bekommt man auch die Markenprodukte mittlerweile zu guten Preisen. Gerade ein demnächst anstehender Prime Day oder die Deals rund um Black Friday oder Cyber Monday können sinnvolle Zeitpunkte sein, um sich günstig mit qualitativem Markenspeicher einzudecken.
Generell sollte man sich vor dem Kauf online zur Hardware informieren. Unser Preisvergleich bietet dazu beispielsweise Angaben zum verbauten Controller, dem Speicher und weiteren Dingen. Auch ist immer eine Webseite zur Information beim Hersteller verlinkt. Weiterhin ist es sinnvoll, Kundenrezensionen zu lesen. Dabei ist rein positiven Bewertungen aber nicht blind zu vertrauen, da auch diese mittlerweile gezielt aufgehübscht werden. Mehr Seriosität können Recherchen der Fachpresse bieten oder Video-Reviews auf YouTube.
Nach den Erfahrungen aus unseren Tests, sowie den Berichten von Kunden und Kollegen, die solche Fälschungen aufdecken und davor warnen, ist unser eindeutiges Resümee: Was zu günstig ist, um wahr zu sein, ist auch nicht wahr. 16 TByte kann man unter keinen Umständen für 18 Euro erwarten – egal ob HDD, SSD oder USB-Stick. Selbst 100 Euro wären für eine HDD mit dieser Speichergröße zu wenig, um echt zu sein. Produkte, die man für einen solchen Kurs bestellt, können nur gefälscht sein.
Technisch sieht man es den Produkten nicht direkt an und auch Betriebssysteme geben selten die wirkliche Speichermenge an. Das liegt an findigen Produzenten, die einen Controller auf die SSDs platzieren, mit dessen Hilfe das System getäuscht wird. Bemerkt man eine Fake-SSD zu spät, führt das in den meisten Fällen zu Datenverlust. Denn bereits kopierte Daten werden einfach überschrieben, sobald man mehr als die tatsächliche Speichermenge beschreibt.
Allgemein gilt also Vorsicht beim Internet-Kauf. Wenn man sich nicht sicher ist, ob das gekaufte Speichermedium nun integer ist, kann man mithilfe von Tools die tatsächliche Speichergröße in Erfahrung bringen. Zusammenfassend waren in unserem Test nur die Markenprodukte wirklich zuverlässig, billige Noname-Produkte waren nicht überzeugend und zum Teil sogar übel gefälscht. Lieber also nur 1 TByte für 38 Euro kaufen, statt einer vermeintlich 16 TByte großen SSD, auf der Daten kaputtgehen.
Günstige externe Festplatten zeigt unser Artikel Speicherschnäppchen: Externe Festplatten & SSDs ab 16 Euro pro TByte. In unserem Ratgeber Wasserdichte SSDs und USB-Hubs mit NVMe-Slot: Externe Speicher ab 50 Euro sehen wir uns Modelle an, die dank Wasserdichtigkeit besonders haltbar sind. Eine günstige Alternative kann auch eine externe Festplatte im Selbstbau sein. Alles Wichtige erklärt unser Ratgeber SSD im Eigenbau: Externe USB-Festplatten – besser, günstiger & mehr Funktionen.
Statt einer Billig-SSD kann sich der Kauf eines USB-Sticks anbieten, welche unser Ratgeber Der beste USB-Stick bis 2 TByte: Günstig & mobil speichern – 512 GByte ab 18 € zeigt. Alternativ können SD-Speicherkarten infrage kommen, die der Ratgeber Speicherkarten: Die richtige Karte für Handy, Kamera oder Drohne finden vorstellt. Wenn dafür nicht mehr genug Steckplätze frei sind, kann man auf Adapter und Hubs setzen, welche unser Ratgeber USB-C-Docks, eGPUs, Monitore mit Hub: HDMI, USB & mehr für Laptop & Macbook präsentiert.
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