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Gartenbewässerung dumm vs. smart: Wer braucht welche Bewässerungsanlage?

Dumm vs. smart: Wer braucht welche Bewässerungsanlage?

Rasen sprengen, Hochbeet und Zierpflanzen gießen per Computer und App – muss eine Gartenbewässerung wirklich Smart-Home-fähig sein? Wir zeigen, für welche Anwendungsgebiete sich verschiedene Bewässerungsanlagen eignen.

Timer, mit Computer oder vollautomatisch – es gibt viele Varianten, seinen Garten zu bewässern. Aber nicht jeder Garten braucht gleich die teuerste Bewässerungsanlage. Oft sind günstige Lösungen vollkommen ausreichend. Dieser Ratgeber klärt, für welche Anwendungsgebiete verschiedene Bewässerungssysteme interessant sind.

Smart oder dumm

Vor dem Kauf eines Bewässerungssystems sollte man sich überlegen, wozu man es eigentlich braucht. Will man zu geregelten Zeiten bewässern, ein Austrocknen im Urlaub vermeiden oder möglichst gar keine Arbeit mit der Bewässerung haben? Je nach Bedarf gibt es unterschiedlichste Optionen – vom simplen Wasserstopp über eine Bewässerungsuhr bis hin zum vollautomatischen Smart-Home-System. Und natürlich kommt es darauf an, was man bewässern will. Soll es eine dauerhafte Tröpfchenbewässerung für Zierpflanzen und Gemüse sein oder eine regelmäßige Bodenfeuchte für Rasen & Co.?

Eine gute Nachricht: Egal für welches System man sich entscheidet, alle passen auf den handelsüblichen Wasserhahn, im Zweifelsfall mit einem Adapter.

Wer sich speziell für Tröpfchenbewässerung für Innen und Außen interessiert, findet in unserem Beitrag zu automatischer Bewässerung für Wohnzimmer, Balkon und Terrasse entsprechende Lösungen.

Bewässerungssysteme passen in der Regel an herkömmliche Wasserausläufe im Garten.

Bewässerungsuhr

Der günstigste Einstieg in die automatische Bewässerung ist eine Bewässerungsuhr. Hierbei handelt es sich um ein Zwischenstück, das zwischen Wasserhahn und Schlauch kommt. Die Produkte arbeiten wie eine Zeitschaltuhr, aktivieren oder deaktivieren sich also je nach eingestelltem Rhythmus.

Diverse Modelle wie von Gardena, Kärcher oder der Pearl-Marke Royal Gardineer starten bei rund 20 Euro. Sie bieten eine Einstellung nach Uhrzeit oder nach Stunden und eine Bewässerungsdauer – meist zwischen 5 und 120 Minuten. In der Regel werden die Bewässerungsuhren über klassische AA-Batterien mit Strom versorgt. Wer täglich etwa für 10 Minuten den Rasen wässert, kommt mit einer Batterieladung auf rund ein halbes Jahr.

Überblick: Wer braucht welche Bewässerungsanlage?

BewässerungsuhrBewässerungscomputerSmartes Bewässserungssystem
FunktionenEinfache Bewässerung per ZeitschaltuhrMehrfache Bewässerung zu festen Zeiten; unterschiedliche BewässerungsprogrammeMehrfache Bewässerung zu festen Zeiten, nach Bodenfeuchte (Sensor erforderlich); unterschiedliche Bewässerungsprogramme; kompatibel mit smarten Rasenmährobotern sowie diversen Sensoren
Smart-Home-kompatibelneinneinja (u.a. Homekit, IFTTT, Loxone, Google Home, Amazon Echo)
Anbieteru.a. Gardena, Kärcher, Royal Gardineer (Pearl)u.a. Gardena, Kärcher, Royal Gardineer (Pearl)u.a. Eve, Orbit, Gardena, Miyo
Preisca. 20 bis 30 Euroca. 23 bis 100 Euroca. 80 bis 600 Euro

Die Bewässerungsuhren eignen sich für einen festen Rhythmus. Soll etwa der Rasen oder Büsche zweimal am Tag – idealerweise früh und abends – Wasser bekommen, dann reicht so eine Uhr vollkommen.

Ein neuer Rasen ist gesäht und soll regelmäßig bewässert werden? Dann reicht ein simpler Timer.

Aber Achtung: Die Bewässerungsuhren haben entsprechend ihres günstigen Preises auch einen Nachteil. Unsere eigenen Erfahrungen und diverse Kundenbewertungen berichten von einer relativ kurzen Lebensdauer. Teilweise halten diese Uhren gerade einmal eine Saison, dann sind sie undicht oder anderweitig defekt. Das muss natürlich nicht passieren, ist aber ein realistisches Risiko bei den günstigsten Produkten.

Wer verschiedene Bewässerungszyklen benötigt oder im Alltag deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten braucht, der sollte sich einen Bewässerungscomputer ansehen.

Bewässerungscomputer

Preislich sind die Bewässerungscomputer nicht weit von den Uhren weg – bereits ab 23 Euro gibt es passended Modelle. Es geht aber auch deutlich über 100 Euro. Der Vorteil gegenüber den oben beschriebenen Timern: Die Computer bieten deutlich mehr Funktionen, etwa Bewässerungszyklen von nur einer Sekunde oder wenigen Minuten – beispielsweise für Topfpflanzen auf der Terrasse. Hier sind die Timer oft nicht ausreichend und ertränken mit fünf Minuten Bewässerung im Zweifelsfall die Kräuter im Topf.

Bewässerungscomputer wie der Multicontrol Duo von Gardena haben zwei voneinander getrennt programmierbare Anschlüsse. Auf diese Weise sind eine unabhängige Tröpfchenbewässerungen von Rosen, Kräutern und Sträuchern sowie der Einsatz eines Rasensprengers möglich. Wer es noch intelligenter will, kann bei diversen Produkten von Gardena und Kärcher Bodenfeuchtesensoren kombinieren. Diese erkennen die Bodenfeuchte dort, wo der Sensor ins Erdreich gesteckt ist. Anschließend übermitteln die Sensoren je nach Modell kabellos oder kabelgebunden die Daten an den Computer. Den kabellosen Kärcher Sensotimer ST 6 Duo Ecologic kann man beispielsweise auch anhand von fünf Feuchtigkeitswerten einstellen – je nachdem wie viel Wasser die Pflanzen benötigen. Die Technologie hat aber ebenfalls einen Nachteil, denn die Sensoren messen nur punktuell. Steht der Sensor beispielsweise in der Sonne und ist zwei Meter weiter ein schattiger Ort, stimmt das Verhältnis der Bodenfeuchte schon nicht mehr. Auch auf abschüssigem Gelände haben die Sensoren entsprechend Nachteile. Zudem benötigen die Sensoren erfahrungsgemäß viel Strom. Bereits nach zwei bis drei Monaten braucht der von uns getestete Gardena-Sensor neue Akkus beziehungsweise Batterien.

Von Bewässerungscomputern mit integriertem Regensensor würden wir abraten. Diese Modelle setzen die Bewässerung aus, wenn es regnet – eigentlich eine gute Idee. Doch der Sensor sitzt direkt am Computer, also am Wasseranschluss. Der ist in der Regel wiederum an der Hauswand. Ohne eine empirische Studie durchgeführt zu haben, beträgt der Regeneinfall an so einer Hauswand meist einen sehr geringen Anteil. Hier wird im Zweifelsfall mit falschen Werten bewässert.

Smarte Bewässerungssysteme

Gardena und Eve haben die bekanntesten smarten Bewässerungssysteme im Portfolio. Beide sind in den Top 10 der beliebtesten Gartenbewässerungen in unserem Preisvergleich zu finden. Auch günstige Anbieter wie Pearl haben solche Produkte im Sortiment. Generell sind die Systeme erst einmal alle smart, da sie sich via App steuern lassen. Das ist nett, aber kein wirklicher Mehrwert für eine intelligente Bewässerung. Vielmehr bieten die Systeme eine ganz andere Intelligenz.

Der smarte Royal Gardineer Bewässerungscomputer von Pearl ist der günstigste Einstieg in die smarte Bewässerung – gleichzeitig aber der mit den wenigsten Funktionen. Denn bis auf eine Fernsteuerung via App für Android und iOS gleicht das Pearl-Produkt einen klassischen Bewässerungscomputer. Bedeutet: Man stellt Zyklen ein, legt die Bewässerungsdauer fest und schaltet den Wasserzufluss bei Bedarf manuell ein und aus. Das war's.

Auch smarte Bewässerungssysteme werden über Batterien mit Strom versorgt. Nur der Gardena Smart Irrigation Control wird über ein Netzteil betrieben.
Über das Smartphone konfiguriert man die smarten Bewässerungssysteme.

Eve Aqua, ein smarter Bewässerungscomputer für Apple Homekit ist seit geraumer Zeit auf dem Markt. Entsprechend ist der Preis in den letzten 12 Monaten gefallen: Für rund 90 statt 100 Euro bekommt man das Gerät nun regulär. In Sonderaktionen zahlt man mitunter nur 75 Euro.

Eve Aqua eignet sich ausschließlich für Apple-User. Das Gerät findet seinen Platz im Homekit-Ökosystem. Über entsprechende Regeln arbeitet Eva Aqua beispielsweise wetterabhängig. Das ergibt im Zweifelsfall Sinn, wenn Homkit-fähige Gardena-Mähroboter im Smart Home angebunden sind. Mäht der Roboter beispielsweise den Rasen, bewässert Aqua nicht. Zusätzlich steuert man Eve Aqua via Smartphone fern, sieht den Wasserverbrauch ein und legt Zeitpläne fest – mehr oder weniger wie bei einem klassischen Bewässerungscomputer.

Wer kein Smart Home mit Apple-Technik besitzt, bekommt vergleichbare Technologie von Gardena, und zwar mit den Produkten Smart Irrigation sowie Smart Water Control. Der Bewässerungscomputer Smart Water Control benötigt eine Bridge (Gardena Smart Gateway) für die Verknüpfung mit dem Heimnetz. Über die zugehörige App ist dann das Einstellen von Programmen, das Aktivieren der Bewässerung und der Blick in die Statistik zum Wasserverbrauch möglich. Die Kombination mit weiteren smarten Gardena-Produkten ist möglich. Der Vorteil: Smart Water Control kann man wahlweise mit Apple-Geräten, also auch Homekit, Android-Smartphones oder via IFTTT in weiteren Smart-Home-Systeme nutzen. Das System benötigt allerdings viel Strom. Smart Water Control wird per Akku oder Batterien betrieben. Die mussten wir bereits nach durchschnittlich zwei bis drei Monaten austauschen. Eve Aqua hat hier nahezu die doppelte Zeit geschafft. Bis auf den erhöhten Strombedarf ist das aber nicht weiter tragisch, denn die Gardena-App informiert, wenn der Ladestand zu niedrig ist.

Gardena Smart Irrigation Control ist für alle sinnvoll, die bereits eine Bewässerungsanlage im Einsatz haben. Denn diese Steuereinheit ersetzt die alte Einheit und nutzt bereits installierte Sprenger, Bewässerungssysteme & Co. Bis zu sechs Geräte mit 24 Volt kann man anschließen. Das bedeutet zwar anfangs etwas Fummelei mit Kabeln, dafür kann man aber alte Systeme fast vollständig erhalten. Über das Gardena Smart Gateway ist anschließend auch die Steuerung via Smartphone oder Smart-Home-Automation möglich – etwa via Homekit oder IFTTT.

Beide Systeme von Eve und Gardena haben ihre Vor- und Nachteile; je nach Anwendungszweck oder Betriebssystem – Apple oder Android. In unserem Vergleichstest haben wir uns die Geräte genauer angesehen.

Daneben gibt es noch ein paar wenige weitere Systeme. Der einst insolvente Anbieter Miyo hat etwa ein Set für Android und iOS im Sortiment, dass mit Bewässerungscomputer, Gateway und Feuchtigkeitssensor zum Käufer kommt. Die Besonderheit: Das Produkt spricht mit Smart-Home-Systemen wie Loxone und Google Home und lässt sich per API auch individuell anbinden. Dafür verlangt der Hersteller rund 350 Euro.

Orbit B-hyve ähnelt sich in der Funktionalität Eve Aqua. Das System für Android und iOS spricht jedoch nicht mit Homekit, sondern mit Amazon Echo. Laut unserer Recherche ist es damit die bisher einzige Lösung, die im Amazon-Ökosystem arbeitet.

Fazit

Es muss nicht immer gleich die teuerste Anlage für die Bewässerung von Rasen, Rosen und Gemüse sein. Je nach Bedarf reichen auch schon simple Timer für rund 20 Euro. Auch Bewässerungscomputer haben ihre Daseinsberechtigung – vor allem, wenn man etwa zwei separate Bewässerungen regelmäßig automatisieren will. Wer wirklich intelligente Systeme braucht oder beispielsweise körperlich nicht mehr im Stande ist viel im Garten zu tun, sollte aber gleich zu den smarten Systemen greifen.

Mehr zum Thema Garten haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst. Wer es im Sommer kühl will, sollte den Ratgeber: Terrasse und Balkon günstig per Sprühnebler kühlen lesen. Im Ratgeber: Schnelleres WLAN im Garten geben wir Aufschluss, wie man bis zur letzten Hecke stabiles Internet bekommt.