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Let’s Play: Wie baue ich ein Streaming-Studio auf?

Let’s Play: Wie baue ich ein Streaming-Studio auf?

Streaming ist für viele Gamer ein fester Bestandteil ihres Hobbys. Wir zeigen, was man für ein vernünftiges eigenes Studio braucht.

Aus dem Hobby des Streamers ist in den letzten Jahren ein ernstzunehmender Beruf geworden. Mit über 14.000.000 Zuschauern sitzt Ninja an der Spitze der Weltrangliste und verdiente bei Twitch bis zu 500.000 US-Dollar im Monat, indem er Fortnite spielte. Da wollen vor allem ältere Generationen nur so mit dem Kopf schütteln, bis er abfällt!

Angesichts dieser Zahlen ist es kein Wunder, dass viele Spieler es gerne selbst versuchen würden. Wer möchte nicht “spielend” Geld verdienen? Selbst wenn man nur einen Bruchteil an Zuschauern erreicht, kann das immer noch lukrativ genug sein. Also wie geht man das an? Einfach Kamera einschalten, Spiel laufen lassen und los gehts? Tatsächlich ist es nicht ganz so einfach, denn der technische Anspruch beim Streamen ist ebenso gewachsen wie der Beruf. Der Streamer muss gut ausgeleuchtet sein, damit die zentrale Person wortwörtlich im besten Licht steht. Die Tonqualität muss ebenso stimmen wie das Bild. Und auch für das Abgreifen des Gameplays braucht es einen ordentlichen PC oder zusätzliche Capture-Hardware.

Je nach Quellgerät kann es unterschiedliche Anforderungen an die Signalverarbeitung geben. Hat man das erst einmal geschafft, braucht die Sendung noch ihren eigenen Look, der durch Studio-Software und den Studio-Aufbau entsteht. In unserem Ratgeber für Streaming-Decks haben wir bereits angedeutet, dass der Aufbau nicht ganz trivial ist. Aber: Theoretisch kann das jeder bei sich daheim machen und der Anwendungszweck ist nicht einzig auf Gaming beschränkt. Mit der gleichen Ausrüstung kann man auch klassische TV-Sendungen, (Video-)Podcasts, Lern-Tutorials oder sogar Greenscreen-Kurzfilmprojekte realisieren. Das Niveau eines Late Night-Studios erreicht man natürlich nicht, aber für schmalere Produktionen reichen die eigenen vier Wände trotzdem aus.

Ohne gute Verbindung geht nichts: Die Internetleitung

Um Videos einer angemessenen Live-Qualität von einem Client zu einem Dienst wie Twitch oder Mixer zu senden, braucht es zuallererst eine gute Internetverbindung. Für HD sollten es schon mindestens 5 Mbps für den Upload sein, mehr ist dabei immer besser. Besonders bei schnellen Actionspielen macht sich das bezahlt. 4K-Livestreams aus den heimischen Gefilden sind eher unüblich. Nicht nur benötigt es viel Rechenpower, auch die Anforderungen an den Upload steigen noch einmal exorbitant an. Wer in einer Altbau-Wohnung mit veralteten Kupferleitungen lebt, kommt um vorangehende Geschwindigkeitstests nicht herum. Selbst wenn Internet-Anbieter mit Glasfaser werben, gehen deren Leitungen manchmal nur bis zum Verteilerkasten. Auch nicht zu vergessen sind hohe Auslastungen zu bestimmten Stoßzeiten in Ballungsgebieten. Wenn ein halbes Stadtviertel Freitagabend gemütlich ein paar Serien eines Streaming-Dienst bingen möchte, kann sich das für die Gemeinschaft bemerkbar machen, vor allem bei einem Shared Medium wie Kabel-Internet.

Grundsätzlich sollte man etwa ein Drittel des Durchsatzes für die übrigen Internet-Aufgaben freihalten. Dazu zählt die Kommunikation mit dem Live-Chat, Social-Media-Aktivitäten oder gar der Datenaustausch bei einem Multiplayer-Titel. Das eigene Netz sollte also nicht unter der Belastung des Videostreams zusammenbrechen, denn die Multiplayer-Spiele brauchen natürlich auch etwas Bandbreite.

Wer keine dicke Leitung hat, der muss seine Träume nicht aufgeben. Es gibt zahlreiche Streamer, die Spiele vorab aufzeichnen, lokal bearbeiten und dann auf Youtube, Mixer oder andere Plattformen hochladen. Dieses Format eignet sich auch wunderbar, um Tutorials oder Anleitungen für bestimmte Spiele zu produzieren – oder um die witzigsten Clips zusammenzuschneiden. So lassen sich auch lange Spiele in Videohappen aufteilen, um die Fans regelmäßig mit neuen Inhalten zu versorgen, wie die Kollegen von c’t zockt etwa beim Let’s Play von Stranded Deep zeigen.

Direkt an der Quelle: Video-Capturing

Wer streamt, muss das Gameplay auf irgendeine Weise abgreifen. Je nach Leistungsfähigkeit des eigenen Rechners und der Grafikkarte kann man mit kostenlosen Lösungen arbeiten. Nvidia bringt zum Beispiel mit Shadow Play eine ganze Suite für Videocapturing und Streaming mit, die sich parallel zum Windows-Hardwaretreiber installiert. Die läuft im Hintergrund und kann über Tastenkombinationen aktiviert werden, beansprucht aber Rechenleistung vom gleichen PC, der auch gerade mit dem Spiel beschäftigt ist. Shadow Play arbeitet relativ ressourcenschonend, so dass es sich vor dem Kauf von Game Capture-Hardware unbedingt lohnt, ein paar Tests durchzuführen. Gleiches gilt für die freie Open Broadcaster Software (OBS), die ohnehin von den meisten Streamern eingesetzt wird.

Dedizierte Capture-Hardware lohnt sich dann, wenn die interne Hardware an ihre Grenzen kommt. Wird hauptsächlich am PC gespielt, lohnt sich eine interne Capture-Karte. Die spart nicht nur Platz auf dem Schreibtisch, sondern profitiert von der Performance eines PCIe-Anschlusses. Diese Karten haben meist einen HDMI-Eingang, mit dem sich auch externe Videoquellen einlesen lassen. Weniger hardwarehungrig, dafür aber (bisher) noch nicht HDR10-fähig, sind externe Lösungen über USB. Sie übernehmen einen Teil der Berechnung und können auch auf etwas älteren Rechnern lauffähig sein. 1080P sind da in der Regel kein größeres Problem, aber bei 4K-Auflösungen darf man die H.264-Kompression nicht unterschätzen. Für einen schmalen Laptop ist das nichts mehr.

Eine externe Capture-Lösung, die Ripsaw von Razer.

Anders als die beiden genannten Programme bringt dedizierte Capture-Hardware im Regelfall den effizienteren Videocodec mit. Elgato hat zum Beispiel den besten Kompromiss aus Qualität und Speicherplatzbedarf, der besonders für Produzenten von Youtube-Videos ins Gewicht fällt. Wer eine ganze 30-Stunden-Session eines japanischen Rollenspiels aufzeichnet – man kann ja nie wissen, was Spannendes passiert – braucht entsprechend viel Festplattenkapazität.

Abseits von Spielen auf dem PC sind die Anforderungen für Konsolen und Handhelds sehr unterschiedlich. Wer hauptsächlich Retro-Spiele streamen und dafür keinen Emulator benutzen möchte, braucht weder HDR10 noch 4K. Doch dafür kann ein HDMI-Upscaler fällig werden, um analoge Signale digital aufzubereiten. Studio-Programme können sich mit exotischen Auflösungen schwertun, weshalb eine Konvertierung in Auflösungen wie 720p und 1080p sinnvoll ist. Außerdem kann man so mit Interlacing den Kammeffekten von eigentlich für Zeilensprungverfahren konzipierte Konsolen entgegenwirken. Auflösungen unter 720p sind nicht empfehlenswert, da sie auf viele Zuschauer heutzutage abschreckend wirken – selbst wenn via Smartphone zugeschaltet wird.

Eine interne Capture Card spart Platz.

Noch mehr Informationen zu den verschiedenen Aufnahmegeräten haben wir im Ratgeber: Capture Cards zusammengestellt .

Für den richtigen Ton: Das Mikrofon

Klassisches Streaming lebt von den Kommentaren des Spielers. Wer klein anfängt, wird dazu geneigt sein, das interne Mikrofon der Webcam zu verwenden. Für ein paar erste Gehversuche reicht das sicher aus, aber langfristig lohnt es sich eher, auf ein externes Mikrofon zu setzen. Der nächste Schritt von der Webcam führt zum Headset (Themenwelt: Gaming Headsets ). Das ergibt Sinn, weil der Ton des Spiels über die Kopfhörer abgespielt wird und so nicht zusätzlich über Lautsprecher in das Mikrofon gelangt. Schließlich ist er bereits im Videostream zu hören. Gleichzeitig sind die kleinen Mics am Headset auf Sprache ausgelegt und reagieren so gut wie gar nicht auf Geräusche, die weiter weg als der Mund sind. Ästhetisch sind Headsets zwar nicht, aber ihr Erscheinungsbild ist in der Gamer-Szene etabliert. Die Frisur ruiniert es trotzdem. Die Alternative sind kleine (Bluetooth-) In-Ear-Kopfhörer, die eben nicht den ganzen Kopf umschließen.

Ein ordentliches Headset beinhaltet meist ein brauchbares Mikrofon.

Wer in den Profi-Bereich wechseln möchte, der kommt um ein richtiges Mikrofon nicht herum. Für gute Tonqualität muss ein Großmembran-Kondensator-Mikrofon her. Die technischen Eigenschaften sind ideal für Gesang und Stimme, weil sie etwa Nahbesprechungseffekte reduzieren. Es gibt unterschiedliche Richtcharakteristiken, wobei die Niere oder Superniere für die Abnahme von der Sprache des Streamers am besten geeignet ist. Kondensator-Mikrofone gibt es sowohl mit XLR- oder direkt mit USB-Anschluss. Bei letzterer Variante sind quasi bereits “interne Soundkarten” im Mikrofon verbaut, womit sie im Regelfall nicht nur ohne zusätzliche Treiber, sondern auch ohne zusätzlichen Verstärker in Form eines Audio Device arbeiten. Man schließt sie an und kann über die Audioverwaltung des Betriebssystems Einstellungen vornehmen. Der interne Verstärker im USB-Mikrofon ist für Sprache normalerweise stark genug.

Großmembran-Kondensator-Mikrofone bilden Stimmen umfänglich ab, sind aber anfällig für Windgeräusche, die durch das Ein- und Ausatmen entstehen. Daher sollte man einen Gewebe-Popschutz vorklemmen, der solche Störgeräusche massiv dämmt. Nicht vergessen: Das Mikrofon braucht auch eine Halterung. Meistens ist es für das Setup eines Streamers ästhetisch sinnvoller, das Mikrofon von unten in das Bild ragen zu lassen. Je nach Größe des Schreibtisches kann man da zu einem Mikrofonarm greifen, oder man nimmt einen massiven Standfuß. Beides hat Vor- und Nachteile: Hängt das Mikrofon in der Luft, nimmt es keine Geräusche vom Tisch auf, zum Beispiel beim Tippen auf der Tastatur. Dafür kann man sich schneller versehentlich dran stoßen (was ein ohrenbetäubendes Metallgeräusch erzeugen kann, den Federn des Arms sei Dank).

Ein Standfuß hingegen muss sehr massiv und auf der Unterseite gepolstert sein, um keine Geräusche vom Schreibtisch weiterzuleiten. Abhilfe gegen weitere Störeffekte schafft in beiden Fällen eine sogenannte Spinne. Das ist eine Halterung für das Mikrofon, welche durch eine besondere Feder- und Gummiband-Konstruktion Schwingungen abfängt. Oft gibt es bei Händlern Sets zu kaufen, die alle drei Komponenten beinhalten. Mehr zum Thema Mikrofone und Einzeltests zu Geräten wie dem Blue Yeti Studio, dem Rode Procaster oder dem Thoman Tbone SC 440 USB haben wir in der Themenwelt Mikrofon sowie dem Ratgeber Mikrofone für Podcasts und Let's Plays zusammengestellt.

Das Fenster zur Welt: Die Videokamera

Streamer sind in der Regel nicht voll im Bild zu sehen, sondern in einem kleineren Fenster an den Rand gedrückt. Dennoch ist eine ordentliche Kamera eine vernünftige Investition. Zuschauer mögen wegen eines Spieletitels auf einen Stream gestoßen sein, aber sie bleiben wegen der Person vor der Kamera. Der Charakter ist entscheidend, die Persönlichkeit, das allgemeine Auftreten. Erfolgreiche Streams bilden den Menschen ab, und man bleibt, weil man ihn sympathisch oder auf andere Weise interessant findet. Eine gute Kamera, die auch in halbdunklen Räumen (etwa bei Streams zu Horrorspielen) gute Bilder liefert, sollte daher Pflicht sein.

Wer ausschließlich streamt, kommt schon mit einer sehr guten Webcam aus, 1080P reicht oft. Und wie ist es mit der Framerate? Besonders kompetitive Spiele setzen auf 60FPS; eine passende Facecam mit vergleichbarer Framerate wäre also ideal. Derzeit nutzen viele Streamer aber weiterhin 30FPS, weil die gängigen Webcams in diesem Modus eine bessere Bildqualität liefern. Bei externen Kameras, etwa einer Action-Cam, kann der 60FPS-Modus ziemlich gut sein.

Die einfachste und kostengünstigste Lösung sind Webcams. Die schließt man einfach per USB an und man kann sie direkt mit entsprechender Software ansprechen. Die meisten Lösungen sind für Videokonferenzen konzipiert, daher ist meistens auch ein halbwegs brauchbares Mikrofon verbaut, dass aber viel vom Raumhall mitnimmt. Für den unkomplizierten Einstieg in erste Teststreams oder als Zweitkamera taugt eine Webcam aber erst einmal.

Entscheidet man sich für eine externe Kamera, ist wichtig, dass sie während des Betriebs sofort einen Video-Feed ausgeben kann. Auch wenn viele Geräte über einen (Mini- oder Micro-)HDMI-Ausgang verfügen, wird er manchmal nur angesprochen, wenn die Kamera sich im Playback-Modus befindet. Eine Live-Bild-Ausgabe ist wichtig, damit Programme wie OBS das Signal direkt weiterverarbeiten können.

Ein Tiefeneffekt kann die Wertigkeit des Bildes anheben. Der Streamer ist dann im Fokus, während Vorder- und Hintergrund verschwimmen. Mit einer klassischen DV-Kamera lässt sich das nur schwer bewerkstelligen, sofern eine interne Software das nicht künstlich berechnet. Um einen solchen Effekt ansatzweise zu erreichen, müsste die Kamera weit weggestellt und herangezoomt sein, was in geschlossenen vier Wänden wenig praktikabel ist. Sinnvoller ist eine Systemkamera mit austauschbaren Objektiven. Mit einer Portraitlinse, etwa mit Brennweite von 50mm, kriegt man nicht nur eine schnelle bzw. lichtstarke f1.8 oder f1.4 Linse, sondern man kann auch einen Schärfebereich in Handreichweite definieren, der zumindest am klassischen Schreibtisch genug Spielraum für Bewegungen bietet.

Wer Wert auf einen Weitwinkel legt, weil zum Beispiel mehrere Personen oder eine aufwendige Studio-Kulisse abgebildet werden sollen, verzichtet selbstredend auf ein klassisches Portrait-Objektiv. Systemkameras bieten eine reichhaltige Auswahl an weitwinkligen Linsen, die aber ziemlich teuer sein können. DV-Kameras ohne Wechselobjektiv sind für Innenräume aber meistens weitwinklig genug.

Im Notfall kann man auch mit dem Smartphone streamen. Mittlerweile sind selbst Geräte aus der Mittelklasse zu erstaunlich guter Bildqualität fähig. Der Nachteil ist aber der Akku, denn selbst Geräte mit etwas größeren Batterien sind bei gleichzeitiger Belastung von Kamera und Netzwerkfunktionen nach einigen Minuten leergesaugt. Das Smartphone ist also eher eine Lösung für kurze Clips von unterwegs - am besten mit einer Powerbank.

Von der Schreibtischlampe bis hin zur Lightbox: Die Beleuchtung

Während das menschliche Auge sich irgendwann an die Dunkelheit gewöhnt, braucht eine Kamera viel Licht. Höhere ISO-Werte gleichen eine schwache Beleuchtung zwar aus, aber dann rauscht das Bild stärker. Daher sollte es zumindest eine Lichtquelle geben, die den Streamer anleuchtet. Damit vermeidet man auch, dass einen nur das fahle Monitorlicht anstrahlt, weil das meistens zu einem eher unattraktiven Erscheinungsbild führt.

Bevor man sich teure Lampen anschafft, lohnt es sich, zunächst die Beschaffenheit des Raums anzusehen. Will man auch tagsüber streamen und kann das natürliche Licht vom Fenster nutzen? In dem Fall könnte man zum Beispiel das Licht über einen Reflektor auf das Gesicht umleiten. Gibt es eine gute Deckenbeleuchtung oder eine ausreichend starke Schreibtischlampe? Manchmal reicht es auch schon, eine Lampe aus dem Haushalt geschickt zu platzieren, um ein ansprechendes Ergebnis zu erzielen. Ob man auf Kunstlicht- oder Tageslicht-Lampen setzen sollte, ist von der eigenen Person und den dominierenden Farben der Inneneinrichtung abhängig. Menschen mit sehr heller Haut können zum Beispiel bei Kunstlicht wie blasse Vampire aussehen. Wenn die Haut zu sehr glänzt, sollte man in Erwägung ziehen, sein Gesicht etwas zu pudern. In jeder Drogerie gibt es Puder in verschiedenen Hauttönen, die nicht viel kostet und die man sich leicht selbst auftragen kann. Das leichte Bedecken von den Problemzonen Stirn und Nase reicht da meistens aus, kann aber schon unterbunden werden, wenn man Licht nicht frontal auf das Gesicht strahlen lässt.

Generell helfen Kontraste, den man durch Beleuchtung herstellen kann. So kann man den Hintergrund zum Beispiel dunkler gestalten als den Vordergrund, um den Streamer stärker zu fokussieren. Die einzelnen Bildebenen sollten sich absetzen, da es sonst zu einem sich ineinander vermengenden Brei aus Strukturen und Mustern kommen kann. Es sieht zum Beispiel unschön aus, wenn ein Spieleregal mit lauter deutlich lesbaren Beschriftungen im Hintergrund vom Streamer ablenkt oder sich gar “mit dem Kopf vermischt”, weil es keinen visuellen Abstand und keine Tiefe gibt. Farbliche Lampen wie LEDs oder Leuchtpanels wie von Nanoleaf (Themenwelt) können den Hintergrund absetzen und für ein interessantes Bild sorgen.

Eine gleichmäßige Raumbeleuchtung ohne starken Helligkeitskontrast könnte bei Tiefenschärfe und einer farblich dezenten Einrichtung sinnvoll sein. Gleichmäßiges Licht erzeugen Fotografen gerne mit sogenannten Softboxen. Das sind Lampen, um die ein großer Diffuser gewickelt ist, der das Licht gleichmäßig im Raum verteilt. Die angesprochenen Glanzeffekte auf Gesichtern reduziert man damit übrigens als Nebeneffekt. Softboxen brauchen Platz, da sie großen Umfang haben und zudem auf Lampen kommen, die auf einem eigenen Stativ platziert werden. Außerdem kosten Ersatzbirnen mehr als reguläre Glühbirnen.

Sind große Softboxen dann doch zu umfangreich und ambitioniert, tut es vielleicht ein kleines LED-Panel. Diese kommen hauptsächlich bei Reportage-Drehs zum Einsatz und werden auf den Blitzschuh der Kamera montiert. Es gibt aber auch Adapter für Stative, womit man sie zum Beispiel mit einem Tischstativ vor sich platzieren kann. Es gibt maßgeschneiderte Lösungen, wie etwa die Elgato Key Light, aber manchmal kommt man schon mit günstigen Lösungen aus. Ist das Licht vom Panel zu aggressiv und hell, kann man noch Farbfolien vorschalten, die bei manchen Produkten mitgeliefert werden. Mit einer orangenen Folie kann man das Licht so zum Beispiel wärmer machen. Normalerweise kann man LED-Panels (oder Ringleuchten) allerdings dimmen, was oft schon hilft.

Für besondere Kulissen: Greenscreen

Ein Greenscreen dient dazu, ein Objekt oder eine Person auszustanzen. Dazu definiert man in einem Bildbearbeitungs- oder Live-Studio-Programm eine Farbe, die gegen Transparenz ersetzt werden soll. Das extreme Grün es Greenscreens eignet sich gut dazu, weil diese Farbe im Kontrast zu den natürlichen Farben eines Menschen steht. Niemand hat eine grüne Hautfarbe und selbst grüne Augen haben einen anderen Ton. Damit das aber funktioniert, braucht es eine gleichmäßige Ausleuchtung und Aufhängung, damit die Grünfläche flach und einfarbig bleibt. Schatten und Falten resultieren in einem anderen Grünton, der dann natürlich auch nicht mehr automatisch entfernt wird.

Zum Aufhängen eines Greenscreens reicht manchmal schon ein Bücherregal, sofern man eines hinter sich stehen hat. Ansonsten benutzt man entweder das (oft mitgelieferte) Stativ oder eine Deckenaufhängung. Das Material darf nicht dreckig werden und bedarf daher einer pfleglichen Behandlung.

Sinn ergibt ein Greenscreen zum Beispiel dann, wenn man bei einer Youtube-Sendung den Moderator alleinstehend vor einem beliebigen Hintergrund zeigen möchte. Im Falle von Streams kommt er oft bei Facecams im Einsatz. Der Bildausschnitt muss dann nicht mehr quadratisch sein, sondern man gibt mehr von dem Spielinhalt frei, indem der Bereich um den Kopf nicht mehr sichtbar ist. Im ersten Moment wirkt es zwar ein wenig merkwürdig und wie in einer 90er-Gameshow aus dem Fernsehen, aber auf Dauer lenkt es weniger ab als die unnötigen Bildinformationen eines klassisch-quadratischen Ausschnitts. Auf die Weise kann sich ein Streamer bei der Bildgestaltung auch stärker in die Ecke schieben, sozusagen.

Sendung und Sendeplan

Hat man sich Gedanken über sein Sendekonzept und den Studioaufbau gemacht, wollen Benutzerprofile auf Streaming-Plattformen und die lokale Software eingerichtet werden. Mit der bloßen Anmeldung und einem pfiffigen Namen ist es nicht getan. Man braucht aussagekräftige Teaserbilder, ein Logo, womöglich einen Kanal-Trailer und Offline-Banner. Letztere sind zu sehen, wenn der Streamer offline ist. Ideal wäre dann sogar schon ein Wochenplan mit den Sendezeiten. Mit sogenanntem “automatischem Hosting” kann man während der eigenen Abwesenheit zu einem anderen Streamer weiterleiten. Auf die Weise unterstützt man sich gegenseitig.

Streamdecks

Sogenannten Streamdecks sind praktische Helfer für den Alltag. Mit ihnen kann man zwischen verschiedenen Bildquellen umschalten oder schnell vordefinierte Overlays einblenden. Gerade bein einer Live-Sendung helfen sie, dem Streamer einen Überblick zu behalten. Im Artikel „Elgato Stream Deck und Alternativen für Streamer “ stellen wir nicht nur die Geräte von Elgato genauer vor, sondern geben Tipps für Alternativen mit USB-Tastaturen oder mobilen Apps.

Streamdecks können Streamer sinnvoll untertützten.

Fazit

Abitur-Prüfung nicht geschafft? Dann ist die letzte Hoffnung eine Youtube-Karriere! Scherz beiseite: Wer sich als Entertainer sieht und Spaß daran hat, mit einer Online-Community gemeinsam Spiele zu erleben, findet in Streaming ein spannendes Hobby. Und wenn eSportler oder besonders enthusiastische Spieler zusammenkommen, ergeben sich manchmal tolle Aktionen für einen guten Zweck. Die Charity-Veranstaltung „Games Done Quick“, die auf Twitch übertragen wurde, hat im Sommer 2019 über 3 Millionen US-Dollar für wohltätige Organisationen gesammelt. Im Januar 2020 findet die nächste Veranstaltung statt, die für die Prevent Cancer Foundation stiftet.

Streaming ist erst einmal eine Darbietungsform, ein Werkzeug. Am Ende ist entscheidend, was man damit macht. Neben Charity-Streams sind auch etliche andere Formate möglich, bei denen es nicht ausschließlich um den Personenkult, ja, noch nicht einmal Spiele gehen muss. Bob Ross hat schon den 80ern eine Fernsehsendung produziert, wo er vor der Kamera ein Bild malt und all seine Schritte erklärt. Nicht nur seine Werke, sondern auch seine ruhige Art hat viele Menschen fasziniert. Nicht umsonst hat Twitch Bob Ross zu ehren all seine Sendungen gestreamt, denn er war seiner Zeit voraus.

Mit einem guten technischen Setup schafft man sich die richtigen Voraussetzungen und muss dabei nicht unbedingt das letzte Sparschwein schlachten. Der Einstieg ist günstig oder dank Shadow Play und OBS sogar kostenlos möglich. Mit dem steigenden Anspruch an die eigene Produktion kann man sein Setup immer weiter ausbauen. Ein komplettes, ordentliches Streaming-Studio ist auch unter 400 Euro möglich und danach kann man es immer noch erweitern.