Daniel hat 2001 als Volontär bei der Zeitschrift PC Direkt angefangen. Nach seiner Ausbildung testete er vor allem PC- und IT-Produkte wie WLAN, DVD-Brenner und neue Technologien wie Web Pads, die Vorgänger der Tablets. Darauf folgte noch ein Ausflug in die Redaktion der Multimedia-Zeitschrift AVDC, bevor er in den Online-Journalismus wechselte.
Los ging's im Newsroom von VNUnet, kurze Zeit später verantwortete er die deutsche Ausführung des Gadget-Blogs Gizmodo. Dann baute er den deutschen Ableger von CNET auf, bevor er 2013 zur Gründung von TechStage zu heise medien wechselte. Im Laufe der Zeit entwickelte er TechStage zur Kaufberatungs-Webseite weiter, die 2024 in heise bestenlisten aufgegangen ist.
Märklin H0 hat Generationen geprägt. Große Platten mit vielen Gleisen, Weichen und Signalen; Züge, die dank Digitaltechnik und Computer-Anbindung vollautomatisch über Modelleisenbahn-Platte schnaufen, dampfen und hupen: An der Faszination hat sich bis heute nichts getan. Ein Liebesbrief.
Meine eigene Märklin-Anlage in Spur H0 mit dem alten M-Gleis habe ich zu meinem vierten oder fünften Geburtstag bekommen. Gebraucht, fest aufgebaut auf einer Holzplatte. Zwei Schienenkreise, ein unterer, ein oberer, mit zwei Trafos, um die Züge unabhängig voneinander steuern zu können, und ein kleines Schaltpult mit Knöpfen für zwei Weichen, einen Bahnübergang und ein Signal. Hier hat sich Faszination entwickelt. Mein erster Kontakt mit Stromkabeln und Bananensteckern, mit Kurzschlüssen und dem Unterschied zwischen Gleich- und Wechselstrom.
Bei einem Umzug konnte die Anlage nicht mit. Viele Tränen sind geflossen, bis ich in der Grundschule von meinem Taschengeld eine neue Sperrholzplatte beim örtlichen Holzfachhandel gekauft habe, beklebt mit Kunstrasen, verschönert mit zwei, drei Faller-Bausatz-Häusern und einem Berg aus Bauschaum. Auf den später dann sogar mal eine elektrische Seilbahn gefahren ist. Und dann kamen andere Interessen. Die Platte ist wieder auf dem Sperrmüll gelandet, Lokomotiven, Waggons und Häuser ziehen aber seither brav immer wieder mit um. Das könnte man ja wieder brauchen.
In der Tat: Die Faszination ist zurück. Eigentlich aus beruflichem Antrieb. Zur Weihnachtszeit interessieren sich viele unserer Leser für Carrerabahnen und Autorennbahnen mit App-Steuerung; für Experimentierkästen wie ein Wasserstoff-Auto sowie für RC-Spielzeug wie ferngesteuerte Flugzeuge, Bagger, Offroader, Boote, Autos oder Indoor-Helis. Dann besteht doch bestimmt auch Interesse für Modelleisenbahnen – mal sehen, was der Markt so hergibt.
Mein eigener Sohn ist noch zu klein für Märklin H0. Bahnen findet er trotzdem spannend – los ging es, wenig überraschend, mit Holzzügen von Brio und Ikea. Die mit der Magnetkupplung, mit Holzgleisen zum Zusammenstecken. Wichtige Info für diese Zielgruppe: Natürlich gibt es auch hier inzwischen mehr Technik als nur Kugellager. Loks fahren mit Batterieantrieb selbsttätig über Brücken, durch Täler und an Bauernhöfen und Baustellen vorbei – zumindest, wenn die Holzschienen einigermaßen passend von Kinderhänden zusammengesetzt wurden. Dabei gibt es auch bei den Waggons etwas zu sehen, so dreht sich etwa der Betonmischer hinter der Batterielok fleißig mit. Eine Generation weiter sind die Akkuloks von Brio, die mittels USB-Kabel wieder aufgeladen werden.
Und sowohl Züge als auch Zubehör gibt es unter dem Namen Brio Smart Tech sogar mit Soundeffekten. So gibt es eine Smart Tech Sound-Lok, die auf Knopfdruck Geräusche und Sprache aufnimmt – und jedes Mal wieder abspielt, wenn sie durch den zugehörigen Action-Tunnel fährt (schenkt man also besser fremden als eigenen Kindern). Es gibt Streckenteile mit Effekten, etwa Bahnübergänge oder Zugwaschanlagen mit entsprechender akustischer Untermalung bei Durchfahrt. Und wer es gleich ganz groß möchte: Starter-Sets ab 150 Euro bieten alles, was das Holzeisenbahn-Herz begehrt. Etwa mit dem Feuerwehr-Set, mit Gleisen, Zügen und Aktionssymbolen, die man am Gleis platziert. Fährt der Zug vorbei, geht etwa das Licht der Lok an oder ein Hupsignal ertönt.
Bis zu den smarten Brio-Loks ist mein Sohn nicht mehr gekommen. Vorher hat er Duplo-Eisenbahnen bei älteren Kindern gesehen, und der Weg war klar: Duplo-Züge müssen her. Zunächst gebraucht. Bei Schienen ist das eine gute Idee, mit etwas Glück schießt man bei E-Bay oder Vinted gleich Schuhkartons voll alter Ware. Niemals wirklich billig, denn das Zeug hat seinen Wert und hält diesen auch. Auch Waggons sind unproblematisch. Mit der gebrauchten Diesellokomotive haben wir hingegen keine so guten Erfahrungen gemacht; die sind nicht für die Ewigkeit gebaut. Selbst reparieren sollte man sie besser nicht, oder nur mit guter Anleitung – denn wer nicht genau weiß, was er tut, beschädigt nur noch mehr. Es gibt aber diverse Reparatur-Dienstleister für die Lego-Loks.
Oder man kauft Züge und Startpackungen tatsächlich neu. Das lohnt nicht nur wegen der Garantie, sondern auch, weil die aktuelle Generation einfach viel cooler ist als die davor. Es gibt farbige Duplo-Steine mit Symbolen für Richtungswechsel, Licht, Hupe oder Stopp, die die Kleinen ab etwa 3,5 Jahren zwischen die Schienen clipsen. Fährt der Zug darüber, erkennt ein Sensor in der Lokomotive anhand der Farbe des Bausteins, was zu tun ist – und hält die Bahn mit einem Quietschgeräusch an, dreht um oder bimmelt, während virtuelles Wasser in die Dampflok fließt. Auch insgesamt muss man motorisch noch nicht so fit sein, um mit der Duplo-Bahn klarzukommen: Man schiebt die Lokomotive mit Schwung nach vorn, sie fährt vorwärts. Man hält die fahrende Lok mit der Hand kräftig an oder hebt sie vom Gleis – sie bremst. Und schiebt man sie nach hinten, fährt sie rückwärts. So intuitiv kommt damit auch ein Zweijähriger klar.
Im aufsteigenden Alter geht es dann langsam in Richtung maßstabsgetreuer Modellbahnen. Unter dem Namen Märklin My World gibt es stark vereinfachte (und vergünstigte) Züge, Güterwagen und Gleise, die sich per Funkfernsteuerung (Märklin Power Control Stick) bewegen lassen – für den Anfang in passenden Starter-Sets. Bei den Gleisen handelt es sich um ein vereinfachtes Märklin C-Gleis. Es ist mechanisch kompatibel zum großen Bruder, kommt aber ohne Metallteile aus. Damit können die H0-Züge nicht auf den Strecken von Märklin My World fahren, andersherum geht es aber schon. Der Maßstab beträgt wie beim großen Bruder auch hier 1:87.
Der Realismus ist hier deutlich höher als bei Duplo, Brio & Co. Auf Bahnsteigen finden sich Fahrkartenautomaten, Uhren und Infotafeln mit Wiedererkennungsfaktor der DB. Und auch, wenn die Lokomotiven nicht den Anspruch haben, „echte“ Nachbauten zu sein: Die optische Nähe zum Vorbild ist gegeben. Das erhöht den Spaßfaktor, weil man etwas wiedererkennt.
Größentechnisch darüber liegen etwa Spur 1 oder die LGB-Gartenbahn. Allerdings treiben die größeren Modelle die Kosten für die größeren Bahnen kräftig nach oben. Demzufolge ist eine Gartenbahn oder eine Spur-1-Modellbahn wohl nur dann sinnvoll, wenn sich Papa oder Opa mit dem gleichen Elan an die Sache heranwagen und hier auf ein gemeinsames Hobby mit dem Nachwuchs spekulieren. Kleiner als H0 wird es etwa bei Märklin Mini Club respektive Märklin Spur Z. Doch das ist nichts für jungen Nachwuchs, denn das Zusammenbauen der Gleise und das Aufsetzen von Zügen ist schon bei Spur H0 herausfordernd genug.
Die Einsteiger-Variante Start-up von Märklin liegt ein Level über der Marke My World und richtet sich an Kinder ab sechs Jahren. Hier fahren auch noch keine originalgetreuen Lizenzmodelle auf den Gleisen, aber das geht hinsichtlich des günstigeren Preises und der insgesamt trotzdem gut aussehenden Züge voll in Ordnung. Bei uns musste das Set Start-up-Baustelle im Praxistest mit zwei Jungs im Alter von acht und zwölf Jahren beweisen, ob das Konzept aufgeht. Und es geht auf, zumindest grundsätzlich. Die speziellen Themen der Starter-Sets zielen auf die Interessengebiete der Kinder – lieferbar etwa mit einem Feuerwehr- oder Baustellenzug mit passenden Wagen, unabhängig davon, ob es das in der Realität gibt oder nicht. Der Maßstab ist ebenfalls H0, also 1:87.
Der etwa drei Meter lange Rundkurs inklusive einer kleinen Abzweigung und einem Zug aus Diesellokomotive und drei Anhängern ist ordentlich und übersichtlich verpackt. Ferner packt der Hersteller eine vorbildliche Anleitung in den Karton. Den Zusammenbau schaffen die Kinder zwar auch ohne Mama und Papa. Ohne Hilfe des großen Bruders müssten wir hier aber eingreifen. Die Schienen passen zwar perfekt aneinander, ganz ohne Kraftaufwand geht es aber nicht. Wer Schäden an den Teilen oder gar Wunden an den Kinderhänden vermeiden will, sollte hier zumindest am Anfang mithelfen. Hat man den Mechanismus einmal verstanden, gibt es hier aber keine Risiken und offenen Fragen mehr.
Sobald der Rundkurs steht, geht es ans Aufsetzen von Zug und Waggons. Das ist vergleichsweise fummelig und keine Sache für Ungeduldige. Wäre hier kein älterer Bruder dabei, käme hier auf jeden Fall Frust auf – allerdings kann man das vermeiden. Der Hersteller bietet für fünf Euro eine sogenannte Aufgleishilfe im Online-Shop an, mit der man die Wagen einfach auf das Gleis rollen lassen kann. Ist endlich alles aufgebaut, stecken wir das Netzteil in die Steckdose und bestücken den Infrarot-Controller mit Batterien.
Wie die Steuerung funktioniert, haben die kleinen Lokführer schnell herausgefunden. Jetzt setzt der große Spaß ein. Mit viel Freude wird immer wieder gestartet, gestoppt, die Richtung gewechselt und die Weiche gestellt. Beim Größeren stieß die Märklin-Modelleisenbahn zwar auf Interesse, dieses klang allerdings recht schnell ab. Der kleine Bruder war hingegen sofort Feuer und Flamme. Nach etwa 15 Minuten kam bereits der Vorschlag, einen Bahnhof und ein paar Tiere in die Strecke zu integrieren – noch cooler wären aber natürlich mehr Züge und viel mehr Schienen! Wie praktisch, dass es tausende Märklin-Artikel gibt, die hier Abhilfe schaffen – etwa mit einer C-Gleis-Ergänzungspackung, mit Dampflokomotive Baureihe 74, 81 oder 89.0, einem ICE als Triebwagen oder mit einer kleinen Elektrolokomotive Baureihe Henschel 290. Mit Kränen, Autotransportwaggons, Güter- und Kühlwaggons, mit Personenwagen oder Posttransportern.
Nach einigen Tagen und den ersten Erweiterungen mit Legosteinen und -Figuren klang das Interesse wieder ab. Das Hauptproblem ist der Platz: Wer keinen dauerhaften Ort für eine Platte hat, verliert schnell den Spaß am aufwendigen Auf- und Abbau. In der Konsequenz wird die Bahn dann nur selten bespielt, wenn sie nicht aufgebaut ist.
Das Highlight für die „erwachsenen Kinder“ ist die Digital-Startpackung in H0, die uns Märklin zur Verfügung gestellt hat. Gleise, vorbildgerechte, liebevoll verarbeitete und hochwertige Züge und ein Güterwagen-Set. Und viel spannende Technik. Wer Modelleisenbahnen noch mit gewickeltem Trafo gesteuert hat, muss sich auf eine Revolution einstellen. Für den Gleichstrom sorgt ein Schaltnetzteil im Format eines Steckernetzgeräts. Das versorgt zunächst die sogenannte Gleisbox mit Strom, die wiederum mit zwei Flachsteckern am Gleis angeschlossen wird. Das geht im Gegensatz zu früher beim M-Gleis oder K-Gleis beim aktuellen C-Gleis an jeder Stelle; alle Gleise haben die entsprechenden Anschlüsse.
Die Gleisbox hat zwei weitere Anschlüsse. In der Startpackung befindet sich eine Mobile Station, das ist sozusagen das Bedienpult für die Modelleisenbahn. Diese bietet den bekannten Drehregler für die Geschwindigkeit sowie ein Display zur Auswahl der angesteuerten Züge und Knöpfen für Sonderfunktionen wie Licht, Sound (Hupe, Quietschen der Bremsen, Durchsagen) oder Dampfgenerator für Dampflokomotiven. Sie funktioniert bei Märklin und Trix. Auch Weichen, Signale und Verbraucher wie Lichteffekte kann man darüber schalten, wenn sie digital angeschlossen sind. Die Verbindung zwischen Mobile Station und Gleisbox erfolgt über einen proprietären Stecker; die Datenübertragung über den CAN-Bus – und hier stellen bei Bastlern, Entwicklern und Computer-Fans gleich die Ohren auf.
Statt die Mobile Station oder zusätzlich dazu kann man einen Computer, einen Raspberry oder was auch immer anschließen. Das CAN-Protokoll ist offengelegt (PDF), entsprechend viel gibt es aus der Community. Steuerung per App und Software wie mit der Open-Source-Software Rocrail, selbstgebaute Weichenantriebe mit realistischer Bewegung und Schrittmotor oder smarte Lichtsteuerung mit Mobaledlib: Wer basteln, löten oder programmieren möchte, findet so viele spannende Möglichkeiten im Umfeld der Modellbahnen, dass es eine wahre Freude ist.
Wer das erst mal nicht möchte, wird mit der Märklin Digital Startpackung glücklich. Als unser kleiner Zug die ersten Meter fuhr, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. So langsam und ruckelfrei fuhren die Loks früher nicht; so leise war das auch nicht. Nach einer kurzen Einstiegshürde haben wir das Bedienkonzept des Steuerpults lieben gelernt; jetzt wünschen wir uns mehr Gleise, Weichen, Signale und natürlich: Züge. Neue Artikel lassen sich komfortabel über die Steuerung anlernen.
Das erste Wochenende nach dem Auspacken der Startpackung hat der Autor dieser Zeilen Stunden über Stunden bei E-Bay verbracht, auf der Suche nach attraktiven Modellen, Ergänzungen, Neuheiten, alten Komplettanlagen und Gleisen. Letztlich kam auch hier die Realität dazwischen: Wer das Hobby aufrichtig und nachhaltig betreiben möchte, muss sich einen passenden Platz dafür suchen.
Der Platz ist die große Hürde. Wer das lösen kann, steht vor einer faszinierenden Welt. Egal, ob in der Duplo-Ausführung für kleine Kinder, als Holzplatte mit Digitalsteuerung oder als komplett automatisierte Nerdbahn mit automatischer Steuerung, selbstfahrenden Autos, Vergnügungspark & Flughafen: Das Hobby der Modelleisenbahn ist so vielseitig, dass sich für fast jeden etwas findet. Häuser zusammenkleben und liebevoll bemalen, Platinen löten und Microcontroller flashen, Open-Source-Software installieren und Abläufe planen – wir finden jetzt erst mal den nötigen Platz.
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