Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Mythos oder Wahrheit: Wer das Top-Smartphone aus dem Vorjahr kauft, spart bares Geld, ohne auf viel verzichten zu müssen. Stimmt das wirklich? Wir haben uns die wichtigsten Smartphones im Vergleich angeschaut.
Die aktuellen Topmodelle der Smartphone-Hersteller sind spitze. Sie sind schnell, machen tolle Fotos, haben viel Speicher und sind vor allem eins: teuer. Da klingt es logisch, zum Vorjahresmodell zu greifen, schließlich ist das nicht mehr aktuell und die Hersteller müssten es eigentlich günstiger anbieten. Und was im vergangenen Jahr spitze war, ist noch längst nicht veraltet. Die Idee klingt gut und logisch – aber stimmt das so auch wirklich? Wir haben die wichtigsten Topmodelle betrachtet und zeigen an den jeweils günstigsten verfügbaren Versionen, wo die Rechnung aufgeht und wo nicht.
Das Topmodell des vergangenen Jahres heißt Oneplus 9 Pro (Testbericht), das aktuelle Modell Oneplus 10 Pro (Testbericht). Viel getan hat sich eigentlich nicht, das bemängelten wir mehr oder weniger auch beim Test des aktuellen Topmodels. Insbesondere die geringe Weiterentwicklung bei der Kamera hat uns etwas enttäuscht. Schlecht ist das aktuelle Modell trotzdem noch lange nicht, schließlich ist es schneller und der Akku ist ausdauernder und lässt sich schneller laden. Das kostet – mit 819 zu 598 Euro ist das neue Modell mal eben rund 220 Euro teurer. Unsere Empfehlung: Hier lohnt ganz klar der Vorgänger!
Im vergangenen Jahr hieß das Spitzenmodell Xiaomi Mi 11 Ultra (Testbericht), in diesem Jahr… gibt es das nicht, zumindest nicht in Deutschland. Denn das wäre das Xiaomi 12S Ultra, das nur in Asien verkauft wird, hierzulande gibt es nur das Xiaomi 12 Pro (Testbericht). Daher fällt die Wahl auf den ersten Blick leicht: Das Mi 11 Ultra hat das größere OLED-Display und ein zweites auf der Rückseite noch dazu, bietet eine zusätzliche Telelinse, mehr RAM, den nominell stärkeren Akku und außerdem eine IP-Zertifizierung. Das Problem: Das Mi 11 Ultra ist so gut wie gar nicht mehr zu bekommen – und wenn, dann kostet es fast das Doppelte der rund 575 Euro des Xiaomi 12 Pro. Hier fällt die Wahl also richtig schwer.
Große Verkaufszahlen erreicht Sony mit seinen Spitzenmodellen längst nicht mehr – daran ist sicherlich der hohe Verkaufspreis nicht ganz unschuldig. Das Vorgängermodell Sony Xperia 1 III (Testbericht) kostet zum Zeitpunkt des Artikels immer noch mindestens 904 Euro, Nachfolger Sony Xperia 1 IV (Testbericht) liegt aktuell bei 1117 Euro. Die Unterschiede sind eher schwer auszumachen: Das neue Modell bietet den derzeit einmaligen echten optischen Zoom statt einer Festbrennweite für Teleaufnahmen, den schnelleren Chipsatz sowie den ausdauernderen Akku. Andererseits sind 200 Euro Aufpreis für das neuere Modell in Ordnung – auch in Hinblick auf die Update-Versorgung in der Zukunft. Wir würden – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – zum neueren Modell greifen.
Samsungs Galaxy S21 Ultra (Testbericht) aus dem vergangenen Jahr machte schon viel richtig, das aktuelle Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) legt aber noch einmal an mehreren Stellen eine Schippe nach. Hauptunterschiede sind die überarbeitete Kamera, der stärkere Chipsatz, der schneller ladende Akku samt besserer Akkuausdauer und der ins Gerät integrierte Stylus. Schaut man aufs Geld, kostet dieser Fortschritt kaum Aufpreis: Das günstigste S21 Ultra liegt derzeit bei 849 Euro, das günstigste S22 Ultra bei 899 Euro. Da fällt die Wahl zugunsten des aktuellen Topmodels leicht. Allerdings soll auch nicht verschwiegen werden, dass das günstigste S21-Ultra-Modell zum Testzeitpunkt 12 statt 8 GByte Speicher bot. Das halten wir aber nicht für ausschlaggebend.
Bei Apple fällt die Wahl definitiv leicht: Zum Artikelzeitpunkt kostete das iPhone 12 Pro Max 1109 Euro, gleiches galt für das iPhone 13 Pro Max. Die Unterschiede sprechen für das neue Modell: 120 Hz beim Display, schnellerer Chipsatz und ein stärkerer Akku. Bei gleichem Preis muss da wohl niemand lange überlegen.
Bei Vivo ist die Entscheidung auf den ersten Blick ebenfalls recht einfach. Denn vor dem aktuellen X80 Pro gab es in Deutschland nur das X60 Pro, das deutlich schwächer ausgestattet ist. Das aktuelle Modell bietet das größere OLED-Display, eine deutlich überarbeitete Kamera mit zwei Teleobjektiven, USB 3.1, Snapdragon 8 Gen 1 statt Snapdragon 870 und einen stärkeren Akku, der noch dazu deutlich schneller lädt. Außerdem ist das neue Modell wasserdicht nach IP68. Beim Blick auf den Preis fällt die Wahl dann vielleicht doch nicht mehr so leicht. Während das ältere Modell zum Testzeitpunkt rund 699 Euro kostete, waren es beim aktuellen Topmodell 1049 Euro – immerhin 33 Prozent Unterschied!
Bei Oppo ist es zumindest bei der Namensgebung ähnlich wie bei Vivo: Der in Deutschland erhältliche Vorgänger zum aktuellen Find X5 Pro ist nicht das Find X4 Pro, sondern das Find X3 Pro (Testbericht). Anders als bei Vivo war der aber auch schon ein Topmodell mit Spitzenausstattung, sodass die Wahl hier schwerer fällt. Für das neuere Modell sprechen in erster Linie die überarbeitete Kamera, der schnellere Chipsatz (SD 8 Gen 1 statt SD 888) und der stärkere und schneller ladende Akku. Ist das den Aufpreis von 639 auf 1049 Euro wert? In unseren Augen nicht.
Google macht es Kaufinteressenten leicht. Wer sich für das aktuelle Google Pixel 6 Pro (Testbericht) interessiert, bekommt erst gar keinen direkten Vorgänger, denn in der 5er-Generation gab es keine Pro-Version. Konkurrent wäre dann also das Google Pixel 5 (Testbericht) und das kann mit dem neuen Pro-Modell nicht mithalten. Denn es bietet das kleinere, niedriger auflösende Display mit 90 statt 120 Hz, eine Kamera ohne Teleobjektiv, Wifi-5 statt Wifi-6e, den langsameren Snapdragon 765G statt des kräftigen Google Tensor, 8 statt 12 GByte RAM und den leicht schwächeren und langsamer ladenden Akku. Da das alte Modell kaum noch zu bekommen ist, ist der Preis zudem viel zu hoch: 794 zu 699 Euro – da fällt die Wahl eindeutig zugunsten des neuen Modells aus.
Vorgänger oder aktuelles Topmodell? Vermutlich ist das selten eine rein objektive Entscheidung, denn die neuesten Spitzen-Smartphones faszinieren und lösen den Menschen-typischen „will-haben-Reflex“ aus. Anders sieht das beim Blick aufs Konto aus, hier kann das Vorjahresmodell durchaus für finanzielle Entlastung sorgen. Am meisten trifft das in unserem Artikel auf die Modelle von Oneplus und Oppo zu, denn hier sparten Interessenten nicht nur knapp 30 sowie knapp 40 Prozent, sondern der Vorgänger ist im Vergleich zum derzeitigen Spitzenmodell in Relation zum Preis auch gar nicht so viel schlechter. Anders ist das bei Vivo: Hier spart man zwar rund ein Drittel der Anschaffungskosten, allerdings bietet das aktuelle Modell die deutlich bessere Technik.
Schwer macht es auch das Modell von Xiaomi. Klar ist das ältere Modell in den meisten Belangen technisch klar besser, allerdings hinkt der Vergleich: Das 2022er-Ultra-Modell wird in Deutschland offiziell nicht verkauft, außerdem ist der Vorgänger kaum noch zu bekommen. Interessenten werden daher zwangsläufig zum aktuellen Modell greifen und dabei auch noch kräftig sparen – über 90 Prozent ist das derzeitige Spitzenmodell in etwa günstiger.
Einfach machen es Kaufinteressenten Samsung, Apple, Google und auch noch Sony. Bei Samsung und Apple ist der Preisunterschied von Vorjahres- zu aktuellem Spitzenmodell so gering, dass ein Griff zum alten Gerät nicht lohnt. Sonys neues Smartphone ist mit knapp 20 Prozent so wenig teurer, dass aus unserer Sicht auch hier das aktuelle Modell die bessere Wahl ist. Und Google? Wer hier das Maximum will, muss das derzeitige Modell aus 2022 nehmen – und spart mangels Verfügbarkeit und viel zu hoher Preise des Vorgängers sogar noch Geld dabei. Leichter kann die Entscheidung nicht fallen.
Wer noch weniger Geld ausgeben will, sollte einen Blick in unsere Bestenlisten der Smartphones bis 300 Euro, 400 Euro oder 500 Euro werfen.
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