Ein NAS kann cloudbasierte Dienste wie Onedrive ersetzen. Doch die kleinen Rechner mit Festplatten oder SSDs können noch deutlich mehr. Wir stellen die wichtigsten Einsatzbereiche vor und zeigen die besten NAS-Lösungen.
Ein Network Attached Storage, kurz NAS, ist ein Gerät, das in der Regel mit mindestens zwei Festplatten oder SSDs ausgestattet ist und einen zentralen Speicher für das lokale Netzwerk bereitstellt. NAS-Lösungen gibt es für Firmen und auch für Privatanwender. Für letztere bieten etwa Synology (Testbericht), Qnap (Testbericht) und Asustor (Testbericht) zahlreiche Varianten. Laut Analysten betrug der Umsatz für Consumer-NAS-Lösungen im vergangenen Jahr etwa 5 Milliarden US-Dollar. Bis 2032 erwarten sie einen jährlichen Zuwachs von 11 Prozent, sodass der Markt auf über 13 Milliarden US-Dollar anwächst. Und so verwundert es nicht, dass mit Ugreen nun ein weiterer Player in den NAS-Markt einsteigt.
Für private Anwender sind NAS-Lösungen vorwiegend für folgende Einsatzgebiete attraktiv:
Der Vorteil einer NAS-Lösung umfasst also mehrere Aspekte. Zum einen werden Anwender unabhängiger von der Cloud und zum anderen erleichtert ein NAS etwa das automatische Backup für eine Vielzahl von Geräten, indem es zentralen Speicherplatz bereitstellt. Zusätzliche Dienste wie die Installation eines E-Mail-Servers oder einer leistungsfähigen Smart-Home-Zentrale erweitern die Funktionalität beträchtlich. Und mit der Integration von Überwachungskameras kann ein NAS sogar als Netzwerk-Video-Rekorder dienen.
Für die verschiedenen Einsatzbereiche stellen die Firmen unterschiedlich leistungsstarke Lösungen bereit. Von einfachen und preiswerten Speicherlösungen ab etwa 120 Euro bis zu Profi-Varianten mit 64 GB RAM und 264 TB Speicher für mehrere Tausend Euro ist alles dabei.
Für einen zentralen Netzwerkspeicher, etwa für das automatische Backup von PC oder Mac, sind einfache Varianten ausreichend. Sie sind zu den Boardmitteln der Betriebssysteme wie Time Machine kompatibel, sodass das Setup für das automatische Backup in wenigen Minuten erledigt ist.
Wer zudem plant, ein NAS als Multimedia-Center (Ratgeber) zu verwenden, der sollte sich Geräte mit dediziertem HDMI-Ausgang ansehen. Diese werden wie ein Mediacenter direkt am Fernseher angeschlossen. Inhalte landen direkt vom NAS auf dem TV, müssen also nicht übers Netzwerk gestreamt und damit umgerechnet werden. Das lohnt sich für Filmfans ebenso wie für alle, die etwa hochaufgelöstes Videomaterial von Drohnen besitzen und auf dem TV vorführen möchten. Wir empfehlen mindestens Geräte mit HDMI 1.4, da ab dieser Version ARC und die Unterstützung für 4K eingeführt wurde. Mehr Informationen dazu geben unserer Einzeltests zu Asustor AS6302T (Testbericht) oder QNAP TS-251B (Testbericht), beide NAS-Systeme kommen mit HDMI-Anschluss.
NAS-Lösungen von Synology bieten keinen HDMI-Ausgang. Trotzdem kann ein Synology-NAS auch als Multimedia-Center dienen. Wegen des höheren Rechenaufwands bei der Umkodierung der Multimedia-Dateien sollten diese allerdings mit einer leistungsfähigen CPU ausgestattet sein. Laut Synology-NAS-Berater sind folgende Lösungen auch für den Einsatz als Multimedia-Server geeignet.
Soll ein NAS auch als Smart-Home-Zentrale (Bestenliste) dienen, sind Varianten empfehlenswert, die mindestens 4 GB RAM bieten. Zwar funktioniert etwa Home Assistant auch mit weniger Arbeitsspeicher, doch schließlich laufen auf dem NAS noch andere Dienste, sodass mehr RAM eine höhere Flexibilität bietet.
Das Gleiche gilt für den Einsatz als Überwachungszentrale für Überwachungskameras. Anschluss an NAS-Systeme finden in der Regel aber nur Überwachungskameras, die kompatibel zu Onvif (Open Network Video Interface) sind. Der Standard garantiert, dass man Überwachungskameras lokal ohne Hersteller-Cloud oder App ansteuern kann. Weitere Informationen zu diesem Thema bietet der Beitrag Überwachungskameras ohne Cloud: Keine monatlichen Kosten & mehr Datenschutz.
Soll das NAS noch höheren Ansprüchen, etwa durch den Einsatz von virtuellen Maschinen, genügen, sollte man zudem einen Blick auf den Prozessor sowie die Möglichkeiten des Speicherausbaus überprüfen. Einfache ARM-CPUs reichen für diesen Einsatzzweck oft nicht aus, sodass in den entsprechenden Lösungen meist leistungsstärker Ryzen-Prozessoren von AMD oder entsprechende Intel-Pendants zum Einsatz kommen.
In der folgenden Tabelle zeigen wir die günstigsten und die beliebtesten NAS-Lösungen mit mindestens 4 GB RAM (Preisvergleich) sowie Varianten mit 8 GByte RAM (Preisvergleich).
Musik und Bilder, aber vor allem Videos nehmen viel Platz weg. Wer seinen Netzwerkspeicher zugleich für die Sicherung nutzen möchte, der sollte beim Platz nicht sparen. Bei weniger als 4 TByte Speicherplatz kann es mittelfristig zu Platzproblemen kommen, wir sehen dies als Untergrenze. Unser Tipp ist es, zwei identische Platten zu nutzen, idealerweise sollten sie für den NAS-Einsatz zertifiziert sein. Anders als im Desktop-PC sind NAS-Platten für längere Betriebszeiten ausgelegt. Die Netzwerkspeicher versuchen zwar, die Gerät in einen Standby-Modus zu fahren, das funktioniert aber nur, solange keine Anwendungen auf die Festplatten zugreifen.
Beim Thema RAID oder JBOD scheiden sich die Geister. RAID (Redundant Array of Independent Discs) fasst mehrere Festplatten zu einem großen Speicher-Pool zusammen. Normalerweise verwendet man in 2-Bay-NAS, also Netzwerkspeichern mit zwei Einschüben, RAID 1. Dabei werden die Inhalte von der ersten auf eine zweite Festplatte gespiegelt. Alle Daten liegen also eigentlich zweimal vor. Der Vorteil: Fällt Festplatte 1 aus, kann man die Informationen von Festplatte 2 wiederherstellen. Der Nachteil: Man hat nur die Hälfte des eingebauten Speicherplatzes zur Verfügung. RAID 1 ist zudem kein Backup im klassischen Sinne, geht der Hardware-Controller in dem NAS kaputt, sind die Daten nur schwer zu retten. Wer wirkliche Datensicherheit möchte, der sollte nach dem 3-2-1-Modell verfahren: Drei aktuelle Versionen der Datei auf zwei unterschiedlichen Medien an mindestens einem anderen Ort. Fotos könnte man beispielsweise von dem NAS noch in einen Cloud-Speicher sichern lassen. Wie das genau funktioniert, zeigen wir in unserem Artikel Grundlagen Datensicherung: Backup für Windows.
RAID 0 oder JBOD (Just a Bunch Of Discs) verzichtet auf eine Spiegelung der Inhalte und schreibt die Daten in einen Speicherpool, der sich auf alle Festplatten erstreckt. Das kann einen Leistungszuwachs bringen, wobei der in der NAS in der Regel durch die Netzwerkschnittstelle begrenzt ist. JBOD stellt den vollen Speicher zur Verfügung, fällt allerdings eine Festplatte aus, dürfte ein Großteil der gespeicherten Daten unbrauchbar sein. Wir würden JBOD dann empfehlen, wenn die Inhalte wiederherstellbar sind (etwa, weil man die DVDs notfalls noch einmal rippen kann) oder wenn man eine solide Backup-Strategie in petto hat. Weiter Informationen geben wir im Vergleich: Die beste Festplatte fürs NAS von 4 bis 12 TByte und Grundlagen Datensicherung: Backup unter Windows.
Die taiwanischen Firmen Synology und Qnap sind die Marktführer bei NAS-Lösungen für den Heimbereich. Sie fertigen eine Vielzahl von qualitativ hochwertigen Geräten. NAS-Varianten beider Firmen bieten eine bedienerfreundliche Oberfläche mit einer Vielzahl an Apps, etwa zum Anschluss von Überwachungskameras. Auch unterstützen beide Plattformen die Installation von Docker und virtuellen Maschinen, etwa für Home Assistant oder anderen Diensten. Qnap-NAS-Lösungen sind in der Regel etwas günstiger als Pendants von Synology. Letztere bieten dafür eine etwas bessere Software-Ausstattung. Zudem bietet die Mac-OS-ähnliche Bedienoberfläche primär für Apple-Anwender einen leichten Zugang. Apropos Mac OS: Qnap und Synology unterstützen die Dateisuche im Finder.
Dicht den Platzhirschen auf den Fersen ist Asustor, deren NAS-Angebote ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und auch in puncto Software-Ausstattung zu überzeugen wissen. Noch günstiger sind NAS-Geräte von Terramaster, die ebenfalls eine moderne Oberfläche und Apps bieten. Und wer auf Docker oder virtuelle Maschinen verzichten kann, ist auch mit NAS-Geräten von Western Digital gut bedient.
Newcomer Ugreen bietet seine NAS-Lösungen zum Marktstart auf Kickstarter zu besonders attraktiven Konditionen. Die Oberfläche ähnelt der von Synology, hat aber bezüglich App-Support noch deutlich Luft nach oben. Die Docker-Konfiguration ist eher rudimentär und für virtuelle Maschinen fehlt bislang jede Unterstützung.
Ein NAS ist im Grunde nichts anderes als ein Mini-Server mit einer in der Regel deutlich einfacheren Bedienoberfläche als klassische Serverbetriebssysteme. Doch mit True NAS und Unraid gibt es Lösungen, die auf einem gewöhnlichen PC ein relativ einfach zu bedienendes NAS-System bereitstellen. Allerdings ist die Installation und Bedienung nicht so einfach wie bei einer fertigen NAS-Lösung von Synology, Qnap oder Asustor. Weitere Informationen zu diesem Thema bieten unsere Kollegen von Heise Online im Beitrag Warum du einen Homeserver willst | Unraid ausprobiert.
NAS-Lösungen bieten in der Regel eine einfach zu bedienende Oberfläche, mit der sie eine Vielzahl an Diensten im lokalen Netzwerk bereitstellen. Damit können Anwender zahlreiche Cloud-Dienste ersetzen, auf einen zentralen Speicher für Backups und Dateisynchronisation für all ihre Geräte zurückgreifen, einen Multimedia-Server konfigurieren oder eine Smart-Home-Zentrale betreiben. Und das ist längst nicht alles: Es würde wahrscheinlich Wochen dauern, bis man sämtliche Funktionen der NAS-Lösungen von Synology, Qnap und Asustor erkundet hat. Im Wesentlichen sind die Systeme in puncto Funktionalität vergleichbar.
Für Qnap und Asustor spricht das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis ihrer Produkte und für Synology die umfangreicheren und moderner designten Medien-Apps, sowie die beste Integration für Mac-OS-Anwender. Ugreen überzeugt zum Marktstart mit attraktiven Preisen, doch die Funktionalität hat noch Luft nach oben. Etwas besser ist Terramaster aufgestellt, deren Systeme schon länger erhältlich sind, die aber in puncto Apps und Funktionalität bisher nicht mit Systemen von Synology und Qnap mithalten können. Doch das könnte sich mit der aktuelle als Betaversion vorliegenden neuen Variante ihres Betriebssystems TOS6 bald ändern.
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