Ein Pulsoxymeter misst schnell den Puls und die Sauerstoffsättigung im Blut. Das hilft Sportlern und kann bei COVID-19-Infektionen hilfreich sein. TechStage sieht sich ein günstiges und ein teures Gerät an.
Eins der Krankheitsbilder von COVID-19 ist die schlechtere Versorgung mit Sauerstoff. Davon merkt man zu Beginn wenig, doch fällt die Sauerstoffversorgung im Blut, kann der Gesundheitszustand schnell kritisch werden.
Zur Vorbeugung gibt es spezielle Messgeräte, die den Puls und die Sauerstoffsättigung im Blut (SpO2) am Finger messen können. Wir erklären in diesem Ratgeber, wie die Geräte funktionieren, wo ihre Einschränkungen liegen und ob sich günstige China-Pulsoxymeter groß von teureren Markenprodukten unterscheiden.
Die Messung des Sauerstoffgehalts im Blut ist mit den Pulsoxymetern nicht invasiv. Das bedeutet, dass keine Körperflüssigkeiten notwendig sind, es muss also kein Blut genommen werden oder Ähnliches. Die Geräte arbeiten mit Leuchtdioden, die Licht in verschiedenen Wellenlängen durch den Finger schicken. Abhängig davon, wie viel Licht absorbiert wird, kann das Gerät die prozentuale Sauerstoffsättigung im Blut messen. Bei gesunden Nutzern sollte die Sättigung zwischen 94 und 100 Prozent liegen. Liegt die Messung kontinuierlich bei oder unter 90 bis 92 Prozent, sollte man einen Arzt kontaktieren.
Allerdings darf man sich nicht von einer Messung allein in Panik versetzen lassen. Tatsächlich können mehrere Punkte das Ergebnis beeinflussen. Zunächst ist alles schlecht, was das Licht “bremst”, hauptsächlich dunkel lackierte Nägel können die Messung verfälschen. Auch bei dunkler Hautfarbe kann es sein, dass die Geräte die Sättigung überschätzen, wie eine Untersuchung zeigte.
Zuletzt ist es wichtig, welcher Finger gemessen wird. Eine Versuchsreihe von 2015 ergab, dass der Mittelfinger der dominanten Hand in der Versuchsreihe den höchsten Blutsauerstoffanteil anzeigt, gefolgt vom Daumen der dominanten Hand. Kalte Hände sollte man zudem vorher anwärmen, außerdem sollte man die Hand ruhig neben dem Körper ablegen.
Kommt man also in einen niedrigen SpO2-Bereich, sollte man die Messung zunächst an anderen Fingern verifizieren. Parallel dazu sollte man die Atemzüge pro Minute zählen. Dieser Wert liegt laut der Fachzeitschrift Lungenärzte im Netz bei 12 bis 16. Ein erhöhter Wert, etwa 22 bis 24 Züge, können auf eine niedrigere Sauerstoffaufnahme hinweisen, ohne dass man konkrete Luftnot hat.
Die meisten Pulsoxymeter messen zugleich den Puls, beides erscheint nach kurzer Zeit auf dem Bildschirm. Ein dauerhaft erhöhter Ruhepuls kann ebenfalls auf eine Erkrankung hinweisen.
Man sollte sich nicht auf eine einzelne Messung verlassen. Vielmehr ist es wichtig, regelmäßig zu messen, die Ergebnisse aufzuzeichnen und den Trend zu verfolgen. Dazu sollte man Ergebnisse immer wieder verifizieren, etwa, indem man an beiden Händen misst.
Für diesen Ratgeber haben wir zwei Pulsoxymeter länger ausprobiert. Den günstigen Teil übernimmt das “Fingertip Pulse Oximeter YK-80C” von Yonker. Es ist baugleich mit vielen anderen Produkten, die Händler wie Aliexpress, Amazon oder Banggood für Preise zwischen 6 Euro und 10 Euro verkauft. Auf der anderen Seite haben wir das Medisana PM100 Pulsoxymeter geholt, das bei etwa 30 Euro liegt.
Bei der Nutzung sind beide Geräte gleich einfach: Man schaltet sie ein, legt den Finger ein und wartet kurz. Nach knapp sieben Sekunden zeigt das Mediasana-Gerät die Sauerstoffsättigung als SpO2-Wert samt aktuellem Puls an. Das Oxymeter von Yonker ist ähnlich schnell. Im direkten Vergleich war es aber etwas schwieriger, den Finger korrekt zu platzieren. Hier macht das Medisana-Gerät einen besseren Job.
Bei den Werten gibt es dagegen keinen Grund zur Kritik. Beide Produkte zeigen in mehreren Messungen die gleichen Werte für die Sauerstoffsättigung an. Auch die Pulsangabe unterscheidet sich höchstens minimal und innerhalb der Toleranzgrenzen von wenigen Schlägen.
Beide Geräte decken einen Bereich von 70 bis 100 Prozent Sauerstoffsättigung ab, sind also ausreichend, um bei einer Unterversorgung zu warnen. Gleichzeitig warnen die Hersteller davor, dass man sich nicht nur auf dieses Gerät verlassen sollte.
Tatsächlich konnten wir in der praktischen Nutzung keine großen Unterschiede zwischen den Produkten feststellen, es gab bei Messungen kaum Abweichungen zwischen den Produkten. Wer es noch genauer möchte, der kann sich Produkte mit einem Messbereich ab 0 Prozent oder ab 35 Prozent Sauerstoffsättigung holen. Das dürfte aber vor allem für den medizinischen Gebrauch gedacht sein, für den Hausgebrauch reicht der Bereich von 70 bis 100 Prozent.
Neben einem dedizierten Oxymeter ist diese Messung der Sauerstoffsättigung immer häufiger Teil von Sportuhren und Fitness-Trackern. Kein Wunder, schließlich arbeiten die Sensoren ähnlich wie Puls-Erkennung, da liegt es nahe, die Daten mit auszuwerten. Bei Multisportuhren wie etwa der Polar Vantage M2 (Testbericht) oder Garmin Enduro (Testbericht) fließen diese Werte auch in die Trainingsinformationen mit ein und werden aktiv auswertet.
Empfehlenswert sind zudem Uhren, die EKG-Messungen durchführen und für den medizinischen Einsatz zertifiziert sind. Das sind etwa die Apple Watch 7 (Testbericht), die Withings Scanwatch (Testbericht) oder Samsung Galaxy Watch 4 (Testbericht).
Nachdem der Autor eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht hatte, nutze er die Zeit, um die Sauerstoffsättigung parallel mit einem Pulsoxymeter und mehreren Sportuhren zu überwachen. Über mehrere Tage führten wir regelmäßige Messungen durch, während wir zugleich die Garmin Fenix 7S und die Garmin Epix 2 zur Messung am Handgelenk verwendeten.
Dabei zeigte sich klar, dass die Sportuhren sehr eng am Handgelenk anliegen müssen, damit sie dauerhaft korrekte Angaben machen. Die Epix 2 lieferte dabei etwas niedrigere Sauerstoffwerte, die Fenix 7S, etwas schmaler, zeigte am gleichen Arm und einer ähnlichen Position deutlich höhere Sättigungswerte. Gute Werte zeigt auch die Withings Scanwatch (Testbericht).
Neben der Sportuhr haben wir die Werte kontinuierlich mit dem Pulsoxymeter von Medisana überprüft. Dessen Werte lagen dauerhaft etwas über den Werten der Sportuhren und Smartwatches, eignen sich aber gut, um deren Werte zu überprüfen.
Insgesamt lieferte die Kombination aus Pulsoxymeter und Sportuhr während der gesamten stärkeren Phase der Krankheit einen soliden Trend zur Sauerstoffsättigung.
Ein Oxymeter ist eine sinnvolle und günstige Erweiterung für die Hausapotheke. Die Geräte sind simpel zu bedienen und liefern eine schnelle Einschätzung dazu, ob hinter einem schlechten Gefühl ein tatsächliches Problem stecken könnte.
Natürlich haben sie nicht die Genauigkeit eines medizinischen Produktes. In unserer Stichprobe haben wir im normalen Betrieb kaum Unterschied zwischen einem Markenprodukt und einem günstigen Gerät aus Fernost bemerkt.
Unserer Meinung nach kann man, wenn man gesund ist und so ein Gerät in der normalen Hausapotheke haben möchte, ohne Probleme zur günstigeren Variante greifen. Wenn man eine Vorerkrankung im Bereich der Lunge hat, sollte man aber auf jeden Fall seinen Arzt konsultieren.
Mehr zu diesem Thema zeigen wir in der Themenwelt Gesundheit, beispielsweise in den Artikeln Smarte Gesundheit: Kuriose Health Gadgets für Tech-Freak, dem Ratgeber Low- bis High-End: Drei Fieberthermometer im Vergleich oder im Beitrag Volkskrankheit Bluthochdruck: Smarte Messgeräte unter 40 Euro.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.