Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Der Traum vom Fliegen wird heute schon für überraschend wenig Geld wahr: mit einem ferngesteuerten Flugzeug. Wir erklären, was man beim Kauf beachten muss.
Kamera- und FPV-Drohnen wie eine DJI Avata 2 (Testbericht) finden heute immer mehr Verbreitung, doch die sind ziemlich teuer und außerdem bestimmt im echten Leben immer noch ein anderes Fortbewegungsmittel in den Wolken den Alltag: das Flugzeug. Kein Wunder also, dass für Viele der Traum vom Fliegen direkt mit so einem Starrflügler/Fixed Wing aka Flugzeug verbunden ist.
Wer schon seinen Kindheitstraum, Pilot zu werden, im Berufsleben nicht erreichen konnte, hat heute immerhin die Möglichkeit, für wenig Geld trotzdem in die Luft zu gehen, und zwar mit einem ferngesteuerten Flugzeug. Es gibt sogar exotische Flugmodelle wie Wasserflugzeuge. Teuer muss das nicht sein, allerdings gibt es ein paar Dinge zu beachten. Wir erklären, welche das sind.
Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, sein eigenes RC-Flugzeug zu bauen. Früher hat man Flugmodelle in Eigenregie aus Sperrholz, Multiplex und Balsaholz gebaut. Um Gewicht zu sparen, wurden die Tragflächen dann in Rippenbauweise angefertigt, anschließend ggf. mit dünnem Holz beplankt und dann mit Folie versehen. Das ist nicht nur sehr aufwendig, sondern bei Beschädigungen zusätzlich nur zeit- und arbeitsaufwendig zu reparieren. Und ganz ehrlich: Als absoluter Anfänger lassen sich solche Beschädigungen nicht vermeiden – vor allem, wenn man komplett ohne Unterstützung von Außenstehenden loslegt.
Hochwertiger und noch aufwendiger wird es bei RC-Modellen aus GFK. Solche teuren Flugmodelle aus dem Baukasten sind meist größer und komplexer, aber im Vergleich zu den Holzmodellen stabiler und ermöglichen Formen, mit denen Scale-Bauten, also optisch möglichst nah am Original liegende Modelle, viel besser möglich sind. Reparaturen sind allerdings ebenfalls aufwendig und benötigen spezielles Wissen zur GFK-Verarbeitung. Für Anfänger ist das ungeeignet.
Seit einigen Jahren gibt es vermehrt Flugmodelle aus Kunststoffen wie Styropor, EPP (Expanded Polypropylen) oder EPO (Expanded Polyolefine). Dieser Werkstoff lässt sich in jede beliebige Form bringen, ist besonders unempfindlich bei Abstürzen und sehr leicht. Sollten doch einmal Beschädigungen auftreten, lässt sich EPO mit speziellem Sekundenkleber fast rückstandslos wieder flicken. Nicht nur für Anfänger ist dieses Material daher die erste Wahl.
Natürlich können bastelfreudige Enthusiasten mit etwas Vorwissen und Einarbeitungszeit ihr komplettes RC-Modellflugzeug selbst bauen – nicht ohne Grund heißt das Hobby auch Modellbau. Nötig ist dazu nur Material und Werkzeug, von dem sich Vieles auch in unseren Artikeln Tools und Zubehör: Diese Werkzeuge gehören in jede Werkstatt und Silikonmatte, mobiler Lötkolben und Multimeter: Die wichtigsten Tools für die Nerd-Werkstatt wiederfindet. Außerdem benötigt der komplett eigene Entwurf eines RC-Flugzeugs Wissen zu verwendeten Materialien, Aerodynamik, Elektronik und einiges mehr – und natürlich Zeit. Viel davon.
Einfacher wird es mit einem Bausatz oder Baukasten (BK), bei dem die vorgefertigten Teile des Flugzeugs normalerweise nur noch zusammengeklebt, aber nicht mehr selbst hergestellt werden müssen. Hochwertige Bausätze stammen von etablierten Herstellern wie Graupner oder Multiplex, inzwischen gibt es aber unzählige weitere Anbieter wie Horizon Hobby oder Carson. Technische Komponenten wie Empfänger, Akku und Motoren sowie eine Fernsteuerung müssen bei Bausätzen separat erstanden werden.
Am einfachsten geht es mit RTF-Paketen. RTF steht für ready to fly (bereit zum Losfliegen) und meint genau das: Alle elektronischen Komponenten sind enthalten und bereits eingebaut, auch Akku, Ladegeräte und Fernsteuerung stecken im Lieferkarton und es müssen nur noch einige wenige Teile zusammengesteckt werden. Anschließend kann es direkt losgehen. Zwischen BK und RTF gibt es noch zahllose Unterarten, etwa PNP (Plug-and-play), ARF (almost ready to fly), RR (ready for radio) oder BNF (bind and fly). Für PNP müssen (in erster Linie für Drohnen) alle technischen Komponenten hinzugekauft werden, ARF setzt den Einbau von Technik samt Verkabelung voraus, bei RR müssen in erster Linie Empfänger und Fernsteuerung besorgt und eingerichtet werden, bei BNF fehlt lediglich die Fernsteuerung. Einige dieser Kategorien überschneiden sich. ARTF meint etwa ein bereits aufgebautes RC-Modell mit Restarbeiten zur Fertigstellung, bei dem noch Zubehör erforderlich ist. Leider werden einige dieser Abkürzungen mit unterschiedlicher Bedeutung verwendet, daher heißt es beim Kauf: Augen auf. Wir werden uns in diesem Artikel in erster Linie mit RTF-Modellen beschäftigen, da Interessenten damit am schnellsten und günstigsten loslegen können.
Hier eine Auswahl an günstigen, anfängerfreundlichen Modellen verschiedener Hersteller:
Wir empfehlen zum Start ausschließlich RC-Modelle mit Elektromotor, vorzugsweise Brushless-Motoren, da diese nicht mit der Zeit verschleißen. Die gibt es außen angebracht wie bei klassischen Kolbenmotor-Flugzeugen oder auch innen angebracht als sogenannte Impeller. Damit können Jets wie die amerikanischen F-15 oder F-16 optisch täuschend echt nachgeahmt werden, da die Propeller im Inneren des Rumpfes untergebracht und daher nicht direkt zu sehen sind.
Außerdem gibt es natürlich auch Modellflugzeuge mit Verbrennungsmotoren oder gar Strahltriebwerken wie in echten Jets. Dafür wird aber zusätzliches Wissen für den Betrieb benötigt, sie sind deutlich teurer und unterliegen anderen Auflagen. So dürfen solche teils sehr lauten Antriebskonzepte nur mit Mindestabstand von 1,5 Kilometern zu Wohnhäusern betrieben werden. Das ist nur was für Profis oder fortgeschrittene Hobbyisten.
Es wurde bereits angedeutet: Ganz ohne Auflagen geht es beim Modellflug nicht. Modellflugzeuge sind Luftfahrzeuge und unterliegen dem Luftverkehrsgesetz. (§ 1 LuftVG). Für den Betrieb von Helikoptern, Drohnen und Modellflugzeugen ist nach § 33, 37, 43.2 LuftVG unabhängig von der Abflugmasse eine Modellhalter-Haftpflichtversicherung nötig, die im Falle eines Schadens an Personen oder Sachgegenständen eintritt. Grundsätzlich ist Fliegen mit Modellen bis 2 Kilogramm auf Privatgrundstücken erlaubt, sofern keine besonderen Bestimmungen dagegensprechen. So ist etwa ein Mindestabstand von 1,5 Kilometern zu Flugplätzen einzuhalten, außerdem gibt es besonders geschützte Objekte wie Militärstandorte oder Kraftwerke, die ebenfalls nicht überflogen werden dürfen. Auch Wohngebiete gehören dazu, sofern das Flugobjekt nicht maximal 250 Gramm wiegt. Grundsätzlich bedürfen Flugzeugmodelle ab 2 Kilogramm Abfluggewicht eines Kenntnisnachweises nach § 21e LuftVG für knapp unter 30 Euro. Generell sollte mit dem Besitzer eines Ackers oder einer Wiese geklärt werden, ob sie etwas gegen die zeitweise Nutzung als „Flugplatz“ haben. Weitere Informationen zum Thema findet man hier.
Eine Modellflugversicherung ist prinzipiell bei allen im Freien betriebenen RC-Fluggeräten notwendig. Das gilt für handtellergroße Spielzeugdrohnen ebenso wie für Helikopter oder Flugzeuge. Die Kosten für eine solche Versicherung liegen bei etwa 30 bis 40 Euro pro Jahr, manche Haftpflichtversicherungen bieten Schutz für den Modellflug aber auf Anfrage schon für wenige Euro zusätzlich.
Gerade Anfängern raten wir zu einem günstigen RTF-Modell. Die kommen bereits fast vollständig zusammengebaut zum Käufer und haben inklusive Fernsteuerung im 2,4-GHz-Band alles mit dabei, was man für den Erstflug benötigt. Sogar Ersatz-Luftschrauben (im allgemeinen Sprachgebrauch: Propeller) liegen solchen Komplettpaketen häufig bei, sodass auch eine unsanfte Landung nicht gleich in den nächsten Modellbauladen führen muss. Grundsätzlich empfehlen wir blutigen Anfängern, die zum allerersten Mal selbst ein RC-Flugzeug steuern wollen, am ehesten einen Slowflyer. Dabei handelt es sich um ein rudimentäres Flugmodell mit obenliegender Tragfläche (Schulter- oder Hochdecker, auch Air Trainer oder einfach Trainer genannt) und starker V-Form der Flächen zur Eigenstabilisierung. Diese Modelle sind leicht, dadurch robust und dem Namen entsprechend sehr langsam. Das ermöglicht ein schrittweises Erlernen des Flugsports. Slowflyer sind allerdings sehr windempfindlich und eignen sich daher eher für den Flug in einer großen Halle oder bei relativer Windstille.
Eine etwas stabilere und windunabhängigere Form ist der Parkflyer. Als nächster Schritt sind aufgrund ihrer guten Flugeigenschaften Segelflugzeuge mit Elektromotor, sogenannte Motorsegler, eine Überlegung wert, die dann aber größer und meist auch teurer sind. Profis oder Hobbypiloten mit einem gewissen Grad an Erfahrung können später auf besondere ferngesteuerte Fluggeräte wechseln. Dazu gehören alle möglichen Formen von Mittel- und Tiefdeckern, Deltaflügler, VTOLs (vertical takeoff and landing) oder Wasserflugzeuge, die dank Schwimmer auf Wasser landen und von dort starten können. Bei Flugzeugen aus der Weltkriegsära wirken Verbrennungsmotoren zudem viel echter und in Düsenjets sorgen echte Strahltriebwerke nicht nur optisch, sondern auch akustisch für Gänsehaut. Dann wird das Hobby allerdings schnell zum teuren Sport und aus dem vermeintlichen Spielzeug vier- und sogar fünfstellige Geldanlagen.
Die meisten Anfänger-Flugzeuge haben wenig mit schnittigen Militärflugzeugen gemein, die man aus Spielen oder Filmen kennt. Warum solche schicken Modelle trotzdem für Einsteiger nicht völlig ungeeignet sind, obwohl sie kaum Eigenschaften der oben genannten Anfängermodelle besitzen, haben wir am folgenden Beispiel festgehalten. Das Erfolgsrezept: einfache Gimbal-Technik. Sie gleicht zu hastige Flugbewegungen aus und bietet so eine gewisse Hilfestellung.
Wir haben die Eachine Warbird Series 400 ausprobiert, die es bei Banggood für 67 Euro mit Lieferung aus Tschechien gibt – vor einigen Monaten waren es noch 75 Euro. Viele dieser Modelle gibt es außerdem bei Amazon, dort werden sie teilweise unter anderem Namen vertrieben und kosten locker 30 bis über 100 Prozent mehr.
Die Semi-Scale-Modelle der Warbird-Reihe stellen wahlweise eine F4U Corsair aus dem Zweiten Weltkrieg dar, zudem gibt es P-51D Mustang, P-40 Warhawk, A6M Zero, Bf-109, Spitfire oder eine T-28 Trojan aus der gleichen Epoche. Die Modelle sind geradezu Winzlinge: Die Spannweite beträgt nur 40 Zentimeter, das Fluggewicht abflugfertig mit Akku deutlich unter 200 Gramm. Trotzdem lassen sich die Servos der Quer-, Seiten- und Höhenruder einzeln sowie der Motor stufenlos ansteuern. Die beiliegende Fernsteuerung im 2,4-GHz-Band mit drei Kanälen wirkt zwar eher wie ein Spielzeug, hat uns aber bei den Testflügen bis auf Reichweiten von geschätzt rund 50 bis 100 Metern zu keinem Zeitpunkt im Stich gelassen – dann wird es ohnehin schon schwer, das kleine Flugzeug noch richtig zu erkennen. Die Steuerung ist als Mode 2 konfiguriert, also Gas und Seitenruder auf dem linken Flugstick, Quer- und Höhenruder auf dem rechten Stick. Eine Umbelegung ist nicht möglich.
In der Luft liegt das winzige Fluggerät überraschend stabil, sofern es halbwegs windstill ist. Selbst bei Wind von 5 Metern pro Sekunde (18 km/h) klappte das im Test erstaunlich gut, da der Flieger Luftbewegungen direkt wieder auszugleichen versucht. Von Hand klappt das ohne Übung weit schlechter. Grund für die überraschend ruhige Lage ist die Gimbal-gesteuerte Stabilisierung des Flugzeugs. Das sieht man schön in der Hand: Dreht man das Flugzeug auf die linke Tragfläche, steuert das Luftfahrzeug automatisch per Querruder dagegen. Drückt man die Nase runter, zieht die Stabilisierung sofort das Höhenruder. Ziel ist es immer, das Flugzeug wieder in eine gerade und stabile Fluglage zu bringen. Dafür werden Ruderbefehle des Piloten abgemildert und begrenzt. Das führt dazu, dass das Flugmodell sehr stabil fliegt und Übersteuern kaum möglich ist. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass der Pilot in seiner Freiheit stark eingeschränkt ist. Für Anfänger ist das ideal: Die Maschine lässt sich nicht überziehen oder um die eigene Achse rollen und reagiert halbwegs überschaubar und dank verminderter maximaler Ruderausschläge langsamer als normal. Nur die Fluggeschwindigkeit dürfte die meisten Anfänger überfordern, denn die ist in Relation zur Modellgröße erstaunlich hoch.
Stellt man einen Button an der Fernsteuerung um, wird die Stabilisierung deaktiviert und der Pilot hat komplett freie Hand. Dadurch wird der Winzling regelrecht giftig, Kurvenradien schrumpfen auf ein Minimum zusammen und es ist sogar eingeschränkt Kunstflug möglich. Wer dann zu niedrig einen Looping fliegt oder in Bodennähe zu stark einlenkt, endet unter Umständen in Sekundenbruchteilen unsanft auf dem Boden der Flugwiese und der Tatsachen. Zum Glück ist das kleine RC-Modell hart im Nehmen: Bei unseren Testflügen überlebte das Flugmodell zwei leichtere Einschläge in eine Wiese und eine Nacht in einem Baum nach dortiger unfreiwilliger „Landung“ unbeschadet. Nur die Luftschraube (aka Propeller) mussten wir jeweils etwas länger suchen. Sie löst sich bei zu viel Gewalt, um nicht die Motorwelle zu verbiegen oder selbst zu brechen. Ersatz liegt dem Lieferumfang aber bei. Das gilt auch für einen zweiten Akku, Ersatz gibt es aber etwa bei Amazon für wenige Euros. Mit einem Akku kann man je nach Flugstil aber schon 10 (ständig Vollgas) bis 20 Minuten (langsame Flugpassagen) fliegen. Geladen wird am USB-Port des Laptops mittels beiliegendem Kabel. Ersatzakkus inklusive 3-fach-Ladegerät gibt es etwa bei Amazon, hier kosten fünf Stück nur 18 Euro. Noch mehr Auswahl gibt es hier.
Wer Kunstflugfiguren auch als blutiger Anfänger fliegen will, darf auf einen Trick zurückgreifen: Eine weitere Taste aktiviert nach dreimaligem Piepen einen automatischen Trickmodus. Wer anschließend das Querruder bewegt, fliegt ganz ohne Zutun eine Rolle, ein Zug am Höhenruder lässt die Maschinen einen Looping fliegen. Dazu sollte man zuvor natürlich in stabiler Fluglage unterwegs und nicht zu niedrig sein.
Insgesamt fliegt solch ein winziges RC-Flugzeug mit seinen technischen Tricks trotz des niedrigen Preises erstaunlich gut und halbwegs anfängerfreundlich. Auch Fortgeschrittene haben länger ihren Spaß daran, denn sie können mit zunehmenden Flugfähigkeiten die Stabilisierung in zwei Schritten abschalten und haben dann Zugriff auf das volle Leistungsspektrum des kleinen Fliegers. Wegen seiner geringen Größe reagiert das Modell dann aber insgesamt immer vergleichsweise nervös. Bodenstarts und auch schöne Landungen sind übrigens ohne weitere Modifikationen am günstigen Modell unmöglich. Zwar reicht die Kraft für einen Bodenstart von Asphalt locker, allerdings ist der Rollwiderstand der Räder so groß, dass sich das Modell auch bei vorsichtigen Versuchen immer auf die Nase legt. Wir haben sie daher bei einem anderen RC-Flugzeug einfach weggelassen und landeten fortan auf dem Bauch. Ohne Fahrwerk sieht das Flugzeug in der Luft ohnehin besser aus.
Technisch ist das Modell insgesamt recht simpel aufgebaut und die verwendete Elektronik ist sehr einfach. So verlaufen die Steuerstangen für die Ruder außen am Rumpf entlang und der Detailgrad der Flieger ist eher gering. Wer Flugmodellsport als Hobby betreiben will, wird schnell auf ein „echtes“ und größeres Modell umsteigen. Zum Reinschnuppern ist das aber dank des niedrigen Preises geradezu perfekt – auch wenn es zum Fliegenlernen grenzwertig anspruchsvoll ist. Immerhin ist das Modell so leicht, dass damit bei einem Absturz kaum Schaden angerichtet werden kann.
Eine riesige Auswahl an allen möglichen Flugzeugen bis zum Weltkriegsbomber (B-26 Marauder) mit 1,5 m Spannweite für über 400 Euro findet man bei Banggood. Wer lieber bei Amazon bestellen möchte, findet sogar noch eine größere Auswahl, allerdings meist zu höheren Preisen.
Eine Nummer verrückter als mit den Warbirds von Eachine wird es beim Raptor H650, den wir ebenfalls von Banggood zur Verfügung gestellt bekommen haben. Mit dem Coupon-Code BGc6edab kostet es dort aktuell nur 67 Euro. Die Lieferung erfolgt ebenfalls aus Tschechien binnen weniger Tage.
Wie der Name mit dem Zusatz „Sea Land Air“ bereits andeutet, kann der Raptor H650 nicht bloß auf Land, sondern sogar auf Wasser landen und im Gegensatz zu den Warbirds auch starten. Möglich macht das ein flacher Rumpf als Schwimmer sowie als Schulterdecker ausgelegte Deltaflügel mit zusätzlichem Höhenleitwerk. Außerdem ist der Motor mit Dreiblatt-Luftschraube hoch am Seitenleitwerk positioniert.
Vor dem Fliegen kommt aber erst einmal der Zusammenbau, denn Flügel, Nase, bunte LED-Beleuchtung und Seitenleitwerk wollen zuvor zusammengesteckt und verklebt werden. Mit RTF hat das hier also nur bedingt zu tun, aber es sind alle benötigten Teile dabei. Der Hersteller legt Versteifungen und Kunststoffkleber für die Tragwerke aus EPP bereit, eine spartanische Anleitung gibt es ebenfalls.
Da unser Chinesisch allerdings etwas eingerostet ist und eine einzige DIN-A4-Seite ohnehin nicht sonderlich hilfreich zu sein scheint, haben wir uns kurzerhand selbst ans Werk gemacht. Mit etwas technischem Grundverständnis ist das kein Problem, allerdings benötigt der Kleber sehr lange zum Trocknen (er wirkt selbst Tage nach Verarbeitung noch leicht klebrig). Außerdem passen die Einzelteile nicht immer perfekt zusammen, weshalb einige unserer Klebenähte nicht gerade schön aussehen. Wir haben daher vorsichtig Schraubzwingen zu Hilfe genommen und den Flieger zwei Tage trocknen lassen.
Ein wichtiger Tipp vorweg: Der „Akkuschacht“ hinter dem angedeuteten Cockpit ist eigentlich kein Akkufach. Stattdessen erlaubt es dem Nutzer lediglich, den Akku durch eine winzige Öffnung noch weiter nach vorn, gewissermaßen unter dem Cockpit, zu platzieren – nur dann stimmt der Schwerpunkt. Mangels Hinweis des Herstellers haben wir den Akku stattdessen anfangs bewusst noch mit Klettband im vermeintlichen Akkufach gesichert und waren ob unserer Weitsicht sehr mit uns zufrieden. Schließlich schien wegen der weit nach vorn gezogenen Delta-Tragflächen der Schwerpunkt auch so zu stimmen – dem war allerdings nicht so.
Bemerkbar machte sich das bei den ersten Flugversuchen, die wir entgegen jeglicher Vernunft direkt aus dem Wasser starteten. Schnell stellte sich dabei heraus, dass das Wasserflugzeug nicht richtig getrimmt war (dafür sind die kleinen Schiebeschalter unter und neben den Sticks der Fernsteuerung) und entsprechend keine Rechtskurven auf dem Wasser fahren konnte. Der erste Ausflug landete daher unfreiwillig im Schilf des Testsees – weswegen wir hier absolut ernst gemeint Schlauchboot, elektrische Bootspumpe (Ratgeber) und Powerstation (Bestenliste) als Tipp anbieten. Denn nur mithilfe dieser drei Gerätschaften konnten wir trockenen Fußes das Schwimmflugzeug wieder bergen. Oder zumindest fast trocken. Pro-Tipp: Auch Schlauchboote haben bisweilen Lenzöffnungen – diese sollte man vor Nutzung des Bootes immer schließen …
Mit der richtigen Trimmung klappte das Steuern auf dem Wasser deutlich besser. Zwar muss man immer manuell gegenlenken, da je nach Geschwindigkeit mal die eine, dann wieder die andere Tragflächenspitze die Wasseroberfläche stärker berührt und daher eine ungewollte Kurve einleitet. Insgesamt klappt das aber sehr passabel und deutlich besser als mit viel zu weit hinten liegendem Schwerpunkt.
Dank der automatischen Gyrostabilisierung konnten wir das Modell anfangs mit falschem Schwerpunkt zwar grob in der Luft halten, insgesamt klappte das aber nur mit mindestens 90 Prozent Motorleistung und wurde von heftigen Kurskorrekturen begleitet. Entsprechend schwierig gestaltete sich die sichere Rückkehr aufs spiegelglatte Nass – immerhin durften wir dadurch herausfinden, dass der Raptor auch „harte Landungen“ aka „Eintauchen im 45-Grad-Winkel“ überlebt. Denn der Hersteller hat für diesen Zweck vorgesorgt und die Steuerungselektronik wasserdicht verklebt. Entsprechend flog das Modell auch noch nach mehreren Tauchgängen und dem Ausschütten kleinerer Wassermengen aus dem hinteren Technik-Teil des H650. Später, mit richtigem Schwerpunkt, flog das Modell deutlich entspannter und zeitweise auch mal mit 50 Prozent Leistung.
Überziehen oder seitliches Rollen ist in diesem Modus nicht möglich, Rollen funktionieren aber immerhin mit dem Trickknopf oben links auf der Fernsteuerung. Wer beide Schulterknöpfe drückt, wechselt angeblich in den Rückenflug (tatsächlich vollführte das Modell bei uns dabei eine plumpe Fassrolle), der rechte Knopf länger gehalten deaktiviert angeblich die Stabilisierung. Das funktionierte bei uns gar nicht, mag aber auch nicht sinnvoll sein. Da Quer- und Seitenruder gleichzeitig angesteuert werden, wäre präziser Kunstflug ohnehin unmöglich.
Das macht aber nichts, denn die Faszination des Raptor H650 liegt bestimmt nicht im Fliegen allein, sondern vielmehr im Starten und Landen vom und auf Wasser. Das will zwar anfangs etwas geübt sein, funktioniert dann aber problemlos. Zum Starten reicht es, das Modell gerade zu halten, langsam (nicht ruckartig!) Gas zu geben und bei höherer Geschwindigkeit das Höhenruder zu ziehen. Das kann schon mal eine gute Strecke dauern, bevor sich das Flugzeug vom spiegelglatten Wasser löst. Mit leichtem Wellengang „stößt“ sich der Flieger schneller ab. Landen ist schwieriger, aber Angst vor etwas Schieflage braucht man dabei wie bereits geschrieben nicht zu haben – das Flugzeug ist hart im Nehmen und verzeiht viel. Nur von Eintauchen in Rückenlage oder Wasserkontakt bei hoher Geschwindigkeit würden wir abraten. Dem Landevorgang kommt die Gutmütigkeit des Deltaflügels sehr zugute. Dadurch sackt das Fluggerät gerade in der Luft durch, statt über eine Tragfläche zu rollen und dann ins Trudeln zu geraten. Mit etwas Übung kann man diese aerodynamische Sonderheit gut bei der Landung einsetzen.
Denn insgesamt ist der Raptor relativ zahm zu fliegen, zumindest mit aktivierter Gyrostabilisierung und richtigem Schwerpunkt. Ein Strömungsabriss ist bei vorhandener Motorleistung leicht zu erkennen und abzuwehren. Denn die Gutmütigkeit bezieht sich wie schon erwähnt auch auf das Verhalten bei Strömungsabriss. Der wird wie bei Deltaflüglern gewohnt frühzeitig angekündigt und macht sich durch starkes Durchsacken trotz gehobener Nase bemerkbar. Dann sollte der Pilot allerdings schnell reagieren, denn anschließend kippt der Raptor dann doch noch über eine Flügelspitze ab. Ins Trudeln gerät er dabei aber nicht, sondern nimmt lediglich wieder Fahrt auf. Anschließend ist er entsprechend mit gesteigerter Motorleistung zumindest im Gyro-stabilisierten Modus leicht wieder abzufangen und verliert bei richtiger Anwendung nur einige wenige Höhenmeter.
Nur beim Eindrehen im Landeanflug oder wenn die Elektronik bei schwachem Akku die Motorleistung auf zu niedriger Höhe halbiert, kann es kniffelig werden, da der Deltaflügler in Kurven schnell Energie verliert. Ist die Motorleistung gedrosselt, ist sofortiges Landen angesagt – und zwar in Ufernähe. Denn schon wenige Sekunden später verweigert der Motor ganz seine Leistung. Ist der Flieger dann nämlich in der Mitte des Sees gelandet, kapituliert der Akku, ohne dem Raptor bis ans Ufer verholfen zu haben. Wir hatten Glück, der Wind trieb das Testmodell die letzten Meter an Land.
Auch wenn der Vogel sehr robust ist, würden wir ihn wegen der geringen Größe und der daraus resultierenden hohen relativen Geschwindigkeit kompletten Anfängern trotzdem nicht empfehlen – erst recht nicht auf Wasser. Für alle anderen ist die Schwimmfähigkeit des Modells aber ein echtes Highlight, das bei den meisten Käufern das Interesse am Fliegen weiter anheizen dürfte.
Generell empfehlen wir bei gesteigertem Interesse, nach Flugmodellsport-Vereinen zu suchen. Dort bekommt man Tipps und Tricks aus erster Hand vermittelt und abgesehen von einem Flugfeld, auf dem man auch garantiert fliegen darf und einer Versicherung, gibt es hier normalerweise auch Flugkollegen, die einem das Fliegen Schritt für Schritt beibringen. Wie beim PKW-Führerschein kann der Fluglehrer bei Bedarf dann die Steuerung des Fliegers übernehmen und so einen teuren Absturz verhindern. Holm- und Rippenbruch!
Wer lieber auch schweben oder rückwärts fliegen können möchte, sollte einen Blick auf die vielen Helikopter werfen, die es schon für wenig Geld gibt. Gute Anlaufpunkte dafür sind erneut Banggood und Amazon. Auch hier kommen inzwischen dank automatischer Stabilisierung selbst Anfänger gut mit zurecht. Im Zweifel sind die meisten RC-Motorflugmodelle robust, sodass auch unsanfte Landungen meist glimpflich ablaufen. Mehr dazu haben wir in unserem Ratgeber RC-Helicopter ab 15 Euro: Ferngesteuerte Hubschrauber & Quadrocopter für Anfänger zusammengefasst. Unsere Bestenliste verrät zudem die 5 besten RC-Helikopter bis 100 Euro.
Wer RC-Flugzeuge nur mal ausprobieren will, ist mit modernen RTF-Modellen für unter 100 Euro gut bedient. Da ist alles mit dabei, was zum Loslegen nötig ist – wenn auch sehr einfach gehalten. Eine Versicherung für das Hobby ist natürlich auch hier vorgeschrieben.
Wir empfehlen einen Slowflyer oder Parkflyer, alternativ mit wachsenden Piloten-Fähigkeiten einen Hochdecker oder ein Segelflugzeug mit Elektromotor. Der von uns getestete „Warbird“ oder gar das Wasserflugzeug richtet sich eher an Fortgeschrittene oder sehr begabte Anfänger, die dann aber auch viel Spaß damit haben können. Wer dann „Blut geleckt“ hat, ist am besten in einem Flugverein aufgehoben und kann dort Schritt für Schritt zum richtigen (Groß)Modell und zum Fliegen generell geführt werden. Für „mal eben zwischendurch“ sind RTF-Modelle unter 250 Gramm aber auch danach noch genau das richtige auf der Wiese nebenan. Anfrage beim Besitzer stellen nicht vergessen!
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