Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Führt ein Weg an Smartphones aus China vorbei? Ja! Wir zeigen Alternativen zu Xiaomi & Co. von Herstellern aus Asien und sogar Deutschland.
Ein großer Teil der Smartphones, die weltweit auf dem Markt sind, sowie deren Komponenten, werden in der Hightech-Metropole Shenzhen in China hergestellt und zusammengebaut. Das trifft selbst auf Geräte europäischer Hersteller zu, etwa HMD Global (Nokia) oder Wiko. Sogar das nachhaltige Fairphone 4 (Testbericht) wird in China montiert, auch wenn ein niederländisches Unternehmen dahintersteckt.
Selbst Unternehmen aus Taiwan wie Foxconn oder Asus stellen größtenteils in China her. Hauptproduktionsstandort für das iPhone ist ebenfalls das Reich der Mitte, auch wenn Apple zunehmend die Herstellung nach Indien verlagern möchte. Der taiwanische Hersteller Foxconn produziert auch die Pixel-Smartphones von Google in China, es gibt jedoch Pläne, diese zukünftig in Vietnam fertigen zu lassen.
Die Corona-Pandemie und die damit verbundene, strenge Zero-Covid-Policy in der Volksrepublik China hat Lieferketten ins Wanken gebracht. Dazu bestehen politische Spannungen zwischen den zwei Supermächten China und USA. Es wächst die Sorge vor einem möglichen Konflikt speziell im Hinblick auf Taiwan. Immer wieder konfrontiert die USA zudem Hersteller wie Huawei mit Vorwürfen der Spionage. Das hat dazu geführt, dass seit einigen Jahren Google-Dienste und bestimmte Komponenten Tabu sind beim einstigen Smartphone-Spitzenreiter.
Hersteller wie Xiaomi, Realme, Oppo, Vivo oder OnePlus konnten schnell die Lücke von Huawei füllen. Allerdings soll Oppo Patente von Nokia verletzt haben, weshalb Geräte dieses Herstellers in Deutschland derzeit nicht zu kaufen sind. Wer als Kunde Sorge hat, Opfer politischer Konflikte zu werden oder einem Mobilgerät aus dem Reich der Mitte aus Angst vor Datenschutzverletzungen misstraut, kann einen Blick auf Hersteller werfen, die nicht (mehr) in China produzieren. Eine komplette Beteiligung chinesischer Unternehmen bei allen Komponenten ist allerdings nur schwer zu verhindern.
Gigaset ist aktuell der einzige Hersteller, der Smartphones und Telefone noch in Deutschland fertigt. Die Endmontage erfolgt im Werk in Bocholt. Die Komponenten dazu stammen von Zulieferern aus Asien, was aber auch auf andere Fabrikanten zutrifft, etwa Volkswagen. Das Unternehmen dürften die meisten hierzulande von stationären Telefonen kennen. Das Unternehmen war ursprünglich ein Teil der Siemens Home and Office Communication Devices und ist heute eine unabhängige AG.
Der deutsche Hersteller macht sich einen Namen für Mittelklasse-Smartphones sowie Outdoor-Handys. Das aktuelle Top-Modell ist das Gigaset GX6 (Testbericht), neu hinzugekommen ist auch das preiswertere und robuste Gigaset GX4 (Testbericht). Daneben gibt es auch „normale“ Smartphones wie das Gigaset GS5 (Testbericht). Das Unternehmen bedient auch Nische für Senioren-Handys mit dem Gigaset GS4 Senior (Testbericht).
Typische Merkmale der Gigaset-Handys sind ein austauschbarer Akku sowie das Laden über Induktion, das selbst die günstigen Modelle beherrschen. Die Smartphones von Gigaset eignet sich für alle, die ein preiswertes Smartphone suchen und den Produktionsstandort Deutschland stärken wollen.
Auf den Aspekt Sicherheit hat sich die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft „Hallo Welt Systeme“ spezialisiert. Das aktuelle Modell Volla Phone X23 ähnelt optisch dem Gigaset GX4 (Testbericht), bietet aber 6 GByte RAM, 128 GByte internen Speicher und ein eSIM-Modul. Daneben gibt es mit dem Volla Phone 22 ein weiteres Gerät, das in Deutschland gefertigt wird.
Die Hardware selbst stammt von Gigaset, die Smartphones nutzen aber ein eigenes Betriebssystem namens Volla OS. Dieses basiert auf Android, kommt aber ganz ohne Google-Apps und -Dienste aus und soll mit einem Sicherheitsmodus eine höhere Datensicherheit garantieren. Eine eigene Spracherkennung ohne Cloud-Anbindung ist mit an Bord. Zusätzlich steht eine Multi-Boot-Funktion, um das Linux-basierte Ubuntu Touch parallel nutzen zu können.
Der größte Produktionsstandort für Samsung ist Vietnam. Bereits 2019 hat der südkoreanische Hersteller einen Großteil seiner Fertigung von China nach Vietnam und zum Teil auch Indien verlagert. Für die Zukunft plant der Smartphone-Gigant eine weitere Diversifikation seiner Produktionsstandorte und baut weitere Werke in Indien, Brasilien, Indonesien sowie der Türkei. Einige Komponenten wie Chips fertig der Hersteller auch direkt in Südkorea. Die Hälfte der Smartphone-Produktion verbleibt aber in Vietnam.
Die in Vietnam produzierten Samsung-Smartphones und Tablets gehen vorwiegend in die Märkte in Nordamerika und Europa. Das trifft etwa auf die neuen Top-Modelle Samsung Galaxy S23 (Testbericht), Galaxy S23+ (Testbericht) und Galaxy S23 Ultra (Testbericht) zu. Auch die preiswerten Mittelklasse-Geräte Samsung Galaxy A33 (Testbericht), Galaxy A53 (Testbericht) oder das Outdoor-Handy Samsung Galaxy Xcover 6 Pro (Testbericht) und stammen aus Vietnam.
Der japanische Elektronik-Riese hat sein letztes Werk in China 2019 geschlossen. Seither stammen die Smartphones von Sony vor allem aus Thailand. Das trifft etwa auf das Sony Xperia 5 IV (Testbericht) sowie Sony Xperia 10 IV (Testbericht) zu. Einige Komponenten sowie teure Top-Modelle wie das Sony Xperia Pro-I (Testbericht) oder Sony Xperia 1 IV (Testbericht) stammen sogar direkt aus Japan.
Apple lässt das iPhone vom taiwanischen Unternehmen Foxconn fertigen, das mehrheitlich in der Volksrepublik China in Shenzhen produziert. Allerdings verlagern die Zulieferer von Apple die Produktion verstärkt nach Indien, um nicht so abhängig von nur einem Standort zu sein. Das iPhone 14 wird von Pegatron auch in Indien hergestellt. Die Produktion des iPads wird derzeit nach Vietnam verlegt.
Überraschenderweise stellen sogar einige chinesische Hersteller ihre Smartphones zum Teil auch in Indien her. Dazu gehören etwa Motorola, aber auch wie Xiaomi, Realme, Oppo oder OnePlus.
Das gibt es auch noch: ein Handy Made in the USA. Hersteller Purism stellt mit dem Librem 5 ein einfaches Gerät her, das Software auf Basis der Linux-Distribution Pure OS nutzt. Finanziert wurde das Gerät, das ausschließlich auf freie Software setzt, über Crowdfunding. Mittlerweile verkauft das Unternehmen die Geräte direkt.
In der Tat gibt es viele Smartphones, die außerhalb Chinas gefertigt werden. Mit Gigaset findet sich nur ein deutscher Produzent. Viele Komponenten stammen weiterhin aus China und anderen Produktionsstandorten in Asien. Was die Software angeht, besteht durch Android sowie iOS eine extreme Abhängigkeit von Google sowie Apple und damit den USA.
Echte Top-Geräte aus Europa gibt es keine. Das iPhone stammt größtenteils aus China, allerdings verlagert Apple die Produktion verstärkt nach Indien. Der größte Konkurrent zum iPhone und den chinesischen Herstellern ist Samsung, das vor allem in Vietnam, aber zunehmend auch in Indien und an weiteren Standorten fertigen lässt.
Weitere Smartphones präsentieren wir in den Bestenlisten: Top 10: Die besten Smartphones bis 750 Euro – Motorola ist der Geheimtipp, Top 10: Die besten Smartphones 2023 bis 500 Euro – Samsung spitze sowie Top 10: Die besten Outdoor-Handys – Smartphones von Samsung & Gigaset überzeugen.
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