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Tipps und Tricks: Urlaubsfotos mit dem Smartphone schießen

Tipps und Tricks: Urlaubsfotos mit dem Smartphone schießen

Sommerzeit ist Urlaubszeit – und Fotozeit. Schließlich wollen die schönsten Wochen des Jahres ja auch festgehalten werden. Ich möchte mit Euch anhand eines beispielhaften Urlaubstages verschiedene Aufnahmeszenarien durchspielen und ein paar Tipps geben, worauf es beim Knipsen mit dem Smartphone ankommt. Zunächst gibt's aber ein bisschen technischen Hintergrund.

Das Licht-Problem

Die wohl größte Schwäche von Smartphone-Kameras gegenüber „richtigen“ Digicams ist der verwendete Bildsensor. Die typischen 1/3-Zoll-Chips haben im Vergleich zu Kompaktkameras nur die Hälfte der Fläche – zu Profi-DSLRs beträgt das Verhältnis sogar eins zu fünfzig. Je kleiner ein Bildsensor ist, desto weniger Licht fängt er ein und desto länger muss er belichten, um ein korrekt belichtetes Foto zu liefern. Eine höhere Ausleseempfindlichkeit verkürzt die Belichtungszeit, sorgt aber für mehr Bildrauschen.

Eine weitere Konsequenz der geringen Sensorgröße ist ein vergleichsweise niedriger Dynamikumfang: Smartphone-Kameras können schlecht helle und dunkle Dinge gleichzeitig abbilden und haben damit Probleme mit kontrastreichen Motiven. Dieses „Licht-Problem“ wird uns in diesem Artikel noch an mehreren Stellen begegnen.

Sonnenaufgang

In unserem imaginären Urlaub sind wir also früh aufgestanden, um uns den Sonnenaufgang anzusehen – und natürlich auch zu knipsen. Und damit stellen wir Smartphone-Kameras direkt vor eine große Herausforderung. Der fotografierte Sonnenaufgang ist nämlich im Vergleich zu anderen Objekten im Bild sehr hell.

Personen oder Gegenstände werden daher je nach Lichtverhältnissen zu dunkel oder gar einfach nur als schwarze Silhouette abgebildet. Soll das nicht bewusst als Stilmittel zum Einsatz kommen, hilft der integrierte Blitz im Smartphone weiter, um zumindest Gegenstände oder Menschen in unmittelbarer Nähe des Fotografen aufzuhellen.

Typisch Sonnenauf- oder -untergang: Der Himmel ist korrekt belichtet, der Vordergrund dafür komplett schwarz. Eine Person im Bild ließe sich mit dem Kamera-Blitz aufhellen – oft wirkt das leider aufgrund des unterschiedlichen Lichtes dann aber unnatürlich.

Sind die Kontrastunterschiede zwischen Vordergrund und Sonnenuntergang nicht allzu groß, hilft auch der im Smartphone integrierte HDR-Modus, um über- und unterbelichtete Bildbereiche zumindest ein bisschen abzumildern. Außerdem lässt sich durch ein Antippen des Handy-Displays nicht nur der Fokus, sondern auch der Punkt für die Belichtungsmessung verschieben. Ist das zu unpräzise, hilft die Belichtungskorrektur in den Kamera-Einstellungen dabei, die gewünschte Balance bei der Helligkeit zu finden.

Geraten die Farben auf den Sonnenaufgangsfotos daneben, hilft möglicherweise die Anpassung des automatischen Weißabgleichs auf die Einstellung „Tageslicht“. Alternativ bieten die meisten Smartphones auch ein paar rudimentäre Funktionen zur nachträglichen Anpassung der Farben.

Mit Blitz (rechts) sieht diese Brezn nicht gerade appetitlich aus.

Essen

Weiter geht's mit dem Frühstück. Um Essen ansprechend zu fotografieren, sind insbesondere die Farben wichtig. Auch hier sind die paar Sekunden gut investiert, die es üblicherweise dauert, den Weißabgleich des Smartphones in den Kamera-Einstellungen an die Aufnahmebedingungen anzupassen.

Idealerweise sollte auch auf den Blitz verzichtet werden – der sorgt nämlich gerne mal für ausgewaschene Farben oder grüne oder blaue Farbstiche. Und dann sieht die leckerste Mahlzeit auf den Fotos aus, als hätte sie schonmal jemand gegessen.

Und wo wir schon beim Essen sind: Smartphone-Kameras fehlt etwas, das praktisch alle anderen Kameras haben: eine Linsenabdeckung. Und nachdem man die Rückseite permanent mit den Fingern angrabbelt, ist das Objektiv nicht nur beim Essen chronisch verschmiert. Ein Fettfleck auf der Linse sorgt für Unschärfe, flaue Kontraste und störende Geisterbilder. Wer das nicht zur kreativen Gestaltung einsetzen möchte, sollte es sich zur Gewohnheit machen, vor dem Knipsen stets einmal kurz über die Linse zu wischen, beispielsweise mit dem T-Shirt.

Die allermeisten Smartphones bringen Filter mit, um Fotos nachträglich noch aufzupeppen.

Sport

Weiter geht's zum Beachvolleyball. Auch hier stolpern wir mit dem Smartphone wieder über das Lichtproblem. Um Actionszenen scharf abzubilden, sind kurze Belichtungszeiten erforderlich. Diese allerdings kollidieren damit, dass der kleine Sensor in kurzer Zeit nicht viel Licht einfängt. Wenn die spektakulären Hechtsprünge nicht scharf im Kasten landen, hilft es, die ISO-Empfindlichkeit nach oben zu schrauben. Dadurch reichen dem Smartphone kürzere Belichtungszeiten aus, um genug Licht für ein helles Foto zu sammeln.

Manche Smartphones haben auch einen spezifischen Sport-Modus, der idealerweise das Gleiche macht. Aber Vorsicht: Eine höhere ISO-Empfindlichkeit bedeutet auch, dass die Fotos stärker rauschen. Hier gilt es, den idealen Kompromiss zwischen scharfen Fotos und möglichst niedriger Empfindlichkeit zu finden. In der Regel ist aber zu viel Rauschen besser zu ertragen als ein unscharfes Bild.

Apropos unscharfes Bild: Viele insbesondere ältere Smartphones fokussieren sehr langsam und/oder unzuverlässig. Hier schafft es Abhilfe, den Fokus in den Kamera-Einstellungen auf „unendlich“ zu setzen. Anschließend setzt das Handy den Fokus auf die Hyperfokaldistanz, und schießt ohne Fokussieren scharfe Fotos, solange sich das Motiv ganz grob einen Meter oder weiter von der Kamera entfernt befindet. Das gilt für die Smartphones üblichen Sensoren der 1/3-Zoll-Klasse.

Ganz ähnlich wie mit Sportfotos verhält es sich übrigens auch mit Tierfotos – die Fauna hat nämlich üblicherweise auch keine Lust, für ein Foto stillzuhalten. In beiden Fällen sollte man übrigens vom digitalen Zoom absehen, um Motive näher heranzuholen. Hier wird nämlich interpoliert, was kräftig Bildqualität kostet. Es ist besser, die Fotos nachträglich mit den Bordwerkzeugen auf einen kleineren Bereich mit dem Objekt der Begierde zurechtzuschneiden.

Vorsicht mit dem Fokus: Bei Makro-Fotos ist die Schärfentiefe nämlich auch bei Handys sehr gering – und entsprechend hat die Kamera den kleinen Frosch hier knapp verfehlt.

Makro

Auf dem Rückweg vom Strand zum Ferienhaus finden wir ein paar exotische Blumen – und wollen die Blüten im Großformat abfotografieren. Erfreulicherweise leisten die meisten Smartphone-Kameras bei Makro-Aufnahmen sehr gute Dienste und liefern beeindruckend scharfe Fotos. Hier ist es allerdings besonders wichtig, auf eine korrekte Fokussierung zu achten. Denn wenn der Fokuspunkt sehr nah am Objektiv sitzt, dann ist die Schärfentiefe auch sehr gering.

Und auch wenn Euch schon kleine Bildsensoren aus den Ohren kommen: Der winzige Chip beziehungsweise die damit verbundene sehr niedrige Realbrennweite der Optik ist auch dafür verantwortlich, dass auf den Fotos von Smartphones-Kameras immer fast alles scharf ist. Ausnahmen bilden die erwähnten Makrofotos – oder diverse Software- und Hardware-Tricks, mit denen die Mobiltelefone Vorder- und Hintergrund unterscheiden können und dann mit einem Weichzeichner mehr oder weniger die Bildwirkung von großsensorigen Spiegelreflexkameras imitieren.

Portraits

Personen zu fotografieren, ist keine leichte Aufgabe. Nicht nur muss der Fotograf die Kamera beziehungsweise das Smartphone korrekt bedienen, sondern idealerweise auch noch die Menschen bespaßen, dass diese nicht so unbegeistert wie Leonardo Di Caprio bei den Oscar-Verleihungen der vergangenen Jahre gucken.

Essenziell für Portrait-Fotos ist die Ausleuchtung der Personen. Schmeichelhaft sind hier etwa weiche Lichtquellen, die keine harten Schatten auf das Gesicht werfen. Beispiele für weiche Lichtquellen wären etwa Fenster oder die Abendsonne. Außerdem kann es sich lohnen, mit der Richtung zu spielen, aus der das Licht kommt. Eine seitliche Beleuchtung mit weichem Licht sorgt dafür, dass die Person viel plastischer wirkt als durch eine Frontalbeleuchtung.

Hartes Licht dagegen stammt von punktförmigen Lichtquellen, beispielsweise der Mittagssonne. Hier hilft es, das Motiv im Schatten zu platzieren – und gegebenenfalls dafür zu sorgen, dass das Licht über eine Fläche auf das Gesicht reflektiert wird. Professionelle Fotografen haben dafür Assistenten mit Reflektoren, aber auch eine hell angestrahlte weiße Wand neben der fotografierten Person kann Wunder bewirken.

Dieses Bild illustriert, wie die Drittel-Regel funktioniert. Diese ist natürlich weder zwingend für ein gutes Foto noch auf Portraits beschränkt.

Wenn die Portrait-Fotos wie Passfotos aussehen, dann hilft die Drittelregel weiter: Mit Hilfe von jeweils zwei horizontalen und zwei vertikalen imaginären Linien wird dabei das Bild in neun gleich große Abschnitte unterteilt. Beim Ausrichten der Kamera orientiert der Fotograf dann die wichtigen Bildteile entlang der Linien beziehungsweise idealerweise entlang deren Schnittpunkte.

Diese Regel ist natürlich nicht auf Portrait-Fotos beschränkt – auch Landschaftsfotos sehen beispielsweise oft spannender aus, wenn sich der Horizont nicht wie ein Messer durch die Bildmitte zieht. Und natürlich ist die Drittel-Regel nicht in Stein gemeißelt, sondern lediglich eine von vielen Möglichkeiten, wie sich Fotos oft mit wenig Aufwand etwas aufpeppen lassen. In den meisten Kamera-Apps gibt es übrigens die Möglichkeit, die Hilfslinien für die Drittel-Regel in der Bildvorschau einzublenden.

Nacht

Bei schlechten Lichtverhältnissen haben es Smartphones extrem schwer, mit ihren kleinen Sensoren noch ausreichend Licht zu sammeln. Leider begrenzen viele Telefone die maximale Belichtungszeit, sodass Aufnahmen im Dunkeln einfach nur noch schwarz oder zumindest extrem dunkel werden.

Manche Modelle haben immerhin einen speziellen Nachtmodus beziehungsweise eine Funktion für Langzeitbelichtungen an Bord, in der sich die Verschlusszeit bis auf mehrere Sekunden nach oben drehen lässt. Hier ist es allerdings ein Stativ unabdingbar, damit die Bilder nicht völlig verwackeln. Wer wie üblich keines zur Hand hat, muss improvisieren und das Smartphone beispielsweise an irgendeinen Gegenstand anlehnen, etwa eine Flasche.

Mit langen Belichtungszeiten lassen sich übrigens nicht nur bei Nacht helle Fotos schießen, sondern auch andere Effekte erzielen. Die Scheinwerfer von Autos oder die Lichter vorbeifahrender Züge beispielsweise verwandeln sich bei mehrsekündigen Verschlusszeiten zu langen, leuchtenden Streifen.

Eine Belichtungszeit von vier Sekunden sorgt hier für ein hell ausgeleuchtetes Bild – und dafür, dass die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Fahrzeuge zu Leuchtstreifen werden.

Im gleichen Zug ist es allerdings auch wichtig, dass sich Motive nicht bewegen, wenn sie scharf abgebildet werden sollen – beispielsweise Personen. Wenn das in der lauten Stranddisco nicht zu vermitteln ist, dann hiflt letztenendes doch nur der Blitz weiter. Mit den Dual- oder sogar Triple-LED-Blitzen in aktuellen Smartphones geben sich die Hersteller ja zumindest redlich Mühe, die Qualität der Blitz-Bilder zu verbessern.

Fazit

Mit Smartphone-Kameras lassen sich durchaus ansehnliche Fotos schießen – wichtig ist allerdings, dass man sich mit den Limitierungen auseinandersetzt, die die üblicherweise sehr kleinen Bildsensoren mitbringen und weiß, wie man der Knipse mit dem einen oder anderen Trick auf die Sprünge helfen kann. In diesem Sinne: Ich wünsche Euch einen schönen Sommer und viele tolle Erinnerungen.