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3D-Drucker Anet A8 Plus im Test: Kit statt Bausatz kaufen!

3D-Drucker Anet A8 Plus im Test: Kit statt Bausatz kaufen!
VORTEILE
  • Sehr günstig
  • Großer Bauraum
  • Direct-Drive-Extruder
NACHTEILE
  • Auf­wen­diger Aufbau
  • Mangelhafte Anleitung
  • Riemenspanner defekt

Der FDM-Drucker A8 Plus lockt mit großem Bauraum, Direct-Drive-Extruder und niedrigem Preis. TechStage verrät, warum man beim Kauf genau hinsehen sollte.  

Nach den über 300 Euro teuren Druckern Two Trees Sapphire Pro (Testbericht) , Sapphire Plus (Testbericht) , Tronxy X5SA (Testbericht) und X5A-Pro (Testbericht) folgt nun ein Testbericht zu einem sehr günstigen Budget-Modell.

Der A8 Plus von Anet ist trotz des großen Bauraums für unter 200 Euro erhältlich. In dieser Preisklasse finden sich ansonsten nur deutlich kleinere Drucker, weshalb das Gerät nicht nur als Zweit-Drucker, sondern auch für Einsteiger sehr interessant zu sein scheint.

Ausstattung

Der A8 Plus ist trotz des großen Abmessungen ein klassischer Bettschubser, bei dem sich das Druckbett entlang der y-Achse bewegt, während der Druckkopf für die Bewegungen auf x- und z-Achse zuständig ist.  

Trotz des günstigen Preises setzt der Hersteller auf ein abnehmbares Glasdruckbett, statt auf eine aufgeklebte Kunststoffoberfläche. Das vereinfacht das Handling deutlich und sorgt im Gegensatz zu anderen günstigen 3D-Druckern für eine vergleichsweise ebene Druckfläche. Die maximale Temperatur der Druckplattform liegt bei 90 °C, der Druckkopf erreicht 250 °C. 

Die 0,4-mm-Nozzle wird mit 1,75-mm-Filament gefüttert und ermöglicht Schichtdicken zwischen 0,1 und 0,3 mm. Laut Hersteller funktioniert der Drucker mit PLA, ABS, PETG und Wood-Filament. Aus eigener Erfahrung wissen wir allerdings, dass ABS bei offenem Bauraum und einer Heizbett-Temperatur unter 100 °C schwierig zu drucken ist. Die Verarbeitung von flexiblem TPU ist mit entsprechend angepassten Druckeinstellungen möglich. 

Eine Seltenheit bei Selbstbau-Druckern ist der im A8 Plus verwendete Direct-Drive-Extruder. Hier sitzt der Motor zur Filament-Förderung direkt oberhalb des Hotends. Sogenannte Bowden-Extruder, wie sie beispielsweise bei allen weiter oben genannten Druckern zum Einsatz kommen, sind hingegen irgendwo am Gehäuse montiert und schieben das Filament durch einen Schlauch ins Hotend. Bei den meisten Filament-Sorten ist der Unterschied zwar unerheblich, für flexibles Filament (TPU) ist diese Bauweise aber deutlich besser geeignet. Viele Hersteller sparen sich diesen Aufbau, da die bewegte Masse durch den zusätzlichen Schrittmotor direkt am Druckkopf größer ist, was eine höhere Stabilität des Rahmens erfordert.

Der Direct-Drive-Extruder des A8 Plus.

Der Bauraum misst 30 × 30 × 35 cm, was deutlich über dem Durchschnitt liegt. Die günstigen Drucker kommen gerade mal auf eine maximale Größe von 20 × 20 × 20 cm bis 25 × 25 × 25 cm. Die Außenmaße des Druckers sind mit 61 × 46 × 57 cm dementsprechend ausladend und die auf der Oberseite des Gehäuses aufgesetzte Filament-Rollenhalterung macht das Gerät noch sperriger. 

Zur Bedienung kommt ein einfaches LCD mit einem Dreh-Drück-Steller zum Einsatz. Dies funktioniert gut, ist aber weniger komfortabel als ein farbiger Touchscreen, wie er beispielsweise bei den Modellen Sapphire Pro, Sapphire Plus oder Tronxy X5SA zum Einsatz kommt. Das Bedienteil durch eine magnetische Befestigung mit dem Drucker verbunden und nicht fest verschraubt, was aus unserer Sicht allerdings negativ zu bewerten ist. Die Druckdaten gelangen per Micro-SD-Speicherkarte oder direkt über eine USB-Verbindung auf den A8 Plus. 

Die Druckgeschwindigkeit liegt laut Datenblatt bei maximal 60 mm/s, was durchschnittlich ist. Zum Vergleich, die kürzlich getesteten Sapphire-Modelle in XY-Core-Bauweise arbeiten bei über 100 mm/s noch akkurat.

Auto-Leveling-Funktion oder Filament-Sensor sind nicht vorhanden, was erfahrungsgemäß aber nicht weiter schlimm ist. Dafür hat Anet den A8 Plus mit Riemenspannern ausgestattet, was die Montage zumindest theoretisch vereinfacht. 

Während des Tests nutzen wir das ohnehin kostenlose und hier auf der mitgelieferten Speicherkarte hinterlegte Slicing-Programm Cura, welches weitverbreitet und leistungsstark ist. Mehr dazu in unserem Ratgeber 3D-Drucker: Alle wichtigen Informationen für den Einstieg .

VerfahrenSchmelzschichtung
Anordnung1x beweglicher Druckkopf (links/rechts, auf/ab), 1x bewegliches Druckbett (vor/zurück), Bettschubser
Aufbauoffener Druckraum, Vollmetallrahmen, Steuergerät abnehmbar, integrierte Filamenthalterung
Materialien Herstellerempfehlung1.75mm Filament, offenes System, ABS, PLA, HIPS, Wood, Flex
Druckgröße300 × 300 × 350 mm
Konturbildung Direct-Extruder mono-Feed, austauschbare Messing-Nozzle 0,4 mm 
Layer-Höhe0,10 bis 0,30mm
Geschwindigkeiten60 mm/s
Druckbett quadratisch, abnehmbar und beheizt aus Glas
Schnittstellen Cardreader (micro-SD), USB-B 2.0
Bildschirm LCD, abnehmbar (kabelgebunden)
SteuerungDreh-Drück-Steller oder per PC
Stromversorgung110/220 V, 360 W
Lieferumfang1x Drucker, 1x Werkzeug-Set

Varianten

Den Anet A8 Plus gibt es in zwei unterschiedlichen Varianten: als vormontiertes Kit und als Bausatz. Aktuell sind im Preisvergleich lediglich Angebote für den Bausatz zu finden, welchen auch wir für den Test zur Verfügung gestellt bekommen haben. 

Das vormontierte Kit muss zwar ebenfalls zusammengeschraubt und verkabelt werden, letztlich sind dafür aber deutlich weniger Arbeitsschritte und weniger Zeit nötig. Der Bausatz ist deutlich kleinteiliger, hier wirklich nichts vormontiert: Selbst den Druckkopf muss man erst zusammenbauen. Alleine diese Komponente besteht aus sechs Einzelteilen und sogar die Heizpatrone muss der Nutzer erst verschrauben. So haben wir das bei unseren bisherigen Tests selbst beim klapprigen i3-Prusa-Klon (Testbericht) und beim 69-Euro-Drucker Labists X1 (Testbericht) noch nicht erlebt.  Alleine dieser Arbeitsschritt hat über 10 Minuten gedauert.

Wer sich für den Drucker entscheidet, sollte deshalb unbedingt genau hinsehen, um welche Variante es sich handelt. Wir haben, trotz Erfahrung mit 3D-Druckern, gut eineinhalb Tage für den gewissenhaften Zusammenbau gebraucht. Das vormontierte Kit sollte hingegen nach etwa zwei bis drei Stunden einsatzbereit sein. 

Aufbau

Gleich vorweg: Wir haben selten so viel Frust beim Aufbau eines Druckers erlebt und derart viel geflucht. Wäre der A8-Plus-Bausatz unser erster Drucker, wäre er höchstwahrscheinlich früher oder später aus dem Fenster geflogen!

Neben Drucker, USB-Kabel und ein paar Metern Filament gehören auch USB-Kartenleser und Speicherkarte zum Lieferumfang. Das benötigte Werkzeug ist ebenfalls enthalten. Die Einzelteile sind ordentlich verpackt. Schrauben und Kleinteile sind in beschrifteten Tüten verpackt, die Teils die korrekten Größenbezeichnungen der Schrauben tragen. Auf anderen Tüten steht einfach nur Zubehör. Immerhin legt Anet ein Lineal bei, was es zumindest ermöglicht, die Schraubenlängen selbst nachzumessen. Zumindest die Einzelteile sind ordentlich verarbeitet und die Aluprofile entgratet. 

Die gedruckte Anleitung in Englisch verfasst, was wegen der Bebilderung eigentlich egal sein sollte. Sollte… denn die Anleitung ist zumindest für Einsteiger schlicht ungenügend. Das beginnt mit den zu kleinen und kontrastarmen Abbildungen, die keinerlei Details erkennen lassen, und endet mit falschen Bezeichnungen bei den Schrauben. So ist in der Anleitung beispielsweise immer wieder von M5-Schrauben die Rede, obwohl es sich um M4-Schrauben handelt. Auch bei der Länge der Schrauben nimmt es die Anleitung nicht allzu genau. Einige Arbeitsschritte, wie das Einsetzen von Heizpatrone und Hotend-Thermistor, werden in der Anleitung nicht mal ansatzweise erwähnt. Auch die korrekte Positionierung des z-Achsen-Endstops bleibt dem Erbauer überlassen. Die Anleitung erklärt zwar, wo das Bauteil ungefähr hinsoll, die exakte Position ist allerdings unklar. Wer bereits Erfahrung mitbringt, dürfte keine Probleme mit der korrekten Montage haben. Bei Einsteigern wird allerdings die ein oder andere Nozzle direkt beim Probelauf in das Druckbett rauschen, da der Endschalter zu tief verschraubt wurde. 

Am meisten Zeit hat uns der Riemenspanner der x-Achse gekostet. Dieser ist, anders als die meisten Teile, nicht aus Spitzguss-Kunststoff gefertigt, sondern ein 3D gedrucktes Bauteil; allerdings in einer zweifelhaften Qualität. Eines der Schraublöcher mussten wir zunächst aufbohren, um es überhaupt benutzen zu können. Bei der anschließenden Montage ist das Teil dann beim zweiten Schraubloch gebrochen – was auch schon zahlreichen anderen Usern passiert ist, wie wir bei unserer darauffolgenden Recherche erfahren haben. Da wir glücklicherweise noch andere 3D-Drucker zur Verfügung haben, konnten wir uns das Ersatzteil bequem ausdrucken. Die Vorlage dazu haben wir auf thingiverse gefunden. Wir mussten zwar noch etwas schleifen und feilen, bis es perfekt gepasst hat, aber letztlich konnten wir nach gut einer Stunde weitermachen. Wer keine anderen Drucker zu Hause hat, müsste sich in dieser Situation anderweitig um Ersatz kümmern oder die Riemen ohne zusätzlichen Spanner am Druckkopf befestigen. Das ist extrem schade. Wenn schon ein komfortabler Riemenspanner dabei ist, sollte dieser bitte auch funktionieren und möglichst massiv sein, so wie der an der y-Achse. Der Hersteller kann es ja, wenn er will.

Viele Nerven hat uns auch die Verkabelung gekostet, da die Anleitung außer einem Schaubild zum Anschluss praktisch nicht darauf eingeht. Wie und wo die Kabel verlegt werden, darüber schweigt sich Anet aus. Selbst die Produktbilder des Herstellers sind keine Hilfe, denn auf denen ist der Drucker komplett unverkabelt abgebildet. Mit Erfahrung und logischem Verstand ist aber auch dieser Arbeitsschritt zu schaffen. Man sollte sich allerdings ausreichend Zeit nehmen, um keine Fehler zu machen. 

Das Anschließen und Ordnen der Kabel braucht Geduld.

Letztlich ist der Aufbau mit ausreichend Geduld und Recherche machbar, aber extrem zeitaufwendig. Zum Vergleich: Mit dem vormontierten Bausatz des Anet ET5 Pro (Testbericht) konnten wir nach etwa 20 Minuten losdrucken. Selbst die verhältnismäßig kleinteiligen Modelle Tronxy X5SA und X5SA Pro waren deutlich schneller montiert.

Inbetriebnahme

Nach dem Einschalten dauert etwa fünf Sekunden, bis der A8 Plus hochgefahren ist. Die englische Menüführung ist gut verständlich und intuitiv aufgebaut. Unser erster Praxis-Check, das manuelle Ansteuern der Achsen und das Anheizen von Druckbett und Druckkopf zeigt, dass der Drucker korrekt zusammengebaut und verkabelt ist. Die manuelle Kalibrierung des Heizbettes dauert keine drei Minuten. Das Druckbett ist erfreulich eben und so gibt es hier keinerlei Probleme.  

Nun laden wir den Extruder mit Filament und starten den Ausdruck eines Würfels. Nach einer fünfminütigen Aufwärmphase nimmt der A8 Plus die Arbeit auf. Der graue Würfel sieht klasse aus, obwohl wir die Standard-Settings nutzen und diese bisher nicht weiter angepasst haben. Was während des Druckvorgangs auffällt, ist die hohe Lautstärke der Lüfter und mechanisches Klappern. Dieses kommt vom Bedienteil, welches nur magnetisch mit dem Rahmen verbunden ist. Nach dem Fixieren mit Klebeband verschwindet das Geräusch. Warum Anet diese Art der Befestigung gewählt hat, ist uns rätselhaft. Wir sehen keinerlei Vorteile. Im Gegenteil, das Teil sitzt nicht fest und verschiebt sich bei der Benutzung.  

Als Nächstes kommt der bekannte Stresstest, das Schiffchen Benchy dran. Auch dieser Ausdruck gelingt auf Anhieb in ordentlicher Qualität und weitgehend ohne Stringing. Die folgenden Drucke, ein Linsenschutz für eine Actioncam und ein Elefant, gelingen ebenfalls in guter Qualität. 

Die Unterseite der fertigen Druckobjekte ist spiegelglatt.

Was uns sehr gut gefällt, ist das Glasdruckbett. Nach dem Abkühlen können wir die Druckobjekte ohne Kraftaufwand abnehmen und so müssen wir das Druckbett auch nicht nach jedem Job nachkalibrieren. Ein weiterer Vorteil ist die ansehnliche und perfekt glatte Unterseite der Druckobjekte.  

Mit einigen Tuning-Maßnahmen, wie dem Entfernen einiger Lüftungsgitter und dem Einsatz von Silent-Lüftern bekommt man den A8 Plus laut einiger Forenbeiträge annähernd flüsterleise. Im Auslieferungszustand ist der Drucker allerdings ähnlich laut wie die Drucker von Tronxy. Die Sapphire-Drucker sind da schon ein ganzes Stück leiser. Der Anet ET5 Pro ist im Vergleich geradezu flüsterleise.

Preis

Die Preise für deen A8 Plus variieren je nach Händler. Bei Banggood ist der kleinteilige Bausatz beispielsweise für 150 Euro aus einem europäischen Lager zu finden. Auf Amazon und im Preisvergleich sind zum Veröffentlichungszeitpunkt nur Angebote für den Bausatz zum Preis von 199 Euro zu finden. Bei Aliexpress gibt es das vormontierte Kit mit Lieferung aus einem deutschen Lager ab 193 Euro. Bei der Bestellung muss dafür die Variante Semi-DIY (vormontiert) gewählt werden.

Trotz des Ärgers beim Aufbau, sind diese Preise sehr verlockend. Andere Drucker dieser Größe schlagen mit über 300 Euro zu Buche.

Fazit

Der Test des A8 Plus hinterlässt sehr gemischte Gefühle. Auf der Negativseite stehen der extrem zeitaufwendige Aufbau des Bausatzes und die hohe Geräuschentwicklung. Dem gegenüber stehen der sehr günstige Preis, ein großer Druckraum und die ansehnliche Druckqualität. Auch der Direct-Extruder bekommt einen Pluspunkt, da er sich auch für flexibles Filament eignet. Tests dazu stehen allerdings noch aus, da das bestellte TPU noch auf dem Weg in die Redaktion ist.

Unterm Strich sind wir mit dem A8 Plus zufrieden. Lediglich der Aufbau ist so stressig, dass wir den Drucker nicht für Anfänger empfehlen können. Der kleinteilige Bausatz ist nur für ambitionierte Nutzer mit Vorkenntnissen viel Geduld geeignet. Wer sich den A8 Plus als Zeitdrucker anschaffen möchte, sollte unbedingt versuchen an das vormontierte Kit zu kommen. Wer sich nicht lange mit dem Drucker, sondern lieber mit den fertigen Druckerzeugnissen beschäftigen möchte, sollte lieber zu einer Alternative greifen.

So bekommt man mit dem 280 Euro teuren Anet ET5 Pro (Testbericht einen ähnlich großen FDM-Drucker, der in unter 20 Minuten einsatzbereit und deutlich leiser ist. Soll es die XY-Core-Bauweise sein, empfehlen wir die Modelle Sapphire Plus (Testbericht) oder Tronxy X5A-Pro (Testbericht) . Auch wenn dieser Aufbau stabiler ist, spürbare Vorteile bei der Druckqualität sind auch dort nicht zu erwarten.

Wer lediglich drucken und nicht schrauben will, sollte einen Blick auf den kleineren aber dafür fertig aufgebauten Qidi X-Plus (Testbericht) werfen.