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Abus Überwachungskamera-Set im Test: Sicherheit im Paket

Abus Überwachungskamera-Set im Test: Sicherheit im Paket
VORTEILE
  • extrem skalierbar
  • freie Monitorwahl
  • hohe Sicherheit
NACHTEILE
  • Setup kompliziert
  • Software teils veraltet
  • Passwortmanagement aufwendig

Abus liefert mit dem Security Center TVVR36320D ein Set mit zwei Kameras sowie dem passenden Netzwerkrekorder. Wir testen, was das Set auf dem Kasten hat.

Abus bewirbt das Kameraset aus dem IP-Rekorder TVVR36300 und zwei Domkameras TVIP42560 mit flotten Sprüchen. Soll ganz simpel sein: „[…] einfach an Router und Monitor anschließen und per Maus bedienen – fertig.” Nach den Erfahrungen der letzten Tests waren wir sehr gespannt. Abus liefert ein mächtiges System und die sind erfahrungsgemäß selten einfach zu bedienen.

Dieser Test ist Teil unserer Themenwelt zu Sets von Überwachungskameras. Bereits erschienen sind

Es folgt ein Vergleichstest, der alle getesteten Produkte gegenüberstellt.

Lieferumfang

Abus ist spezialisiert auf Sicherheitstechnik – vom Vorhängeschloss über Fahrradhelme bis hin zu Überwachungstechnik jeglicher Couleur gibt es fast alles. Das weckte entsprechende Erwartungshaltungen an das getestete Komplettset aus dem IP-Rekorder TVVR36300 und zwei Domkameras TVIP42560. Der IP-Rekorder hat diverse Schnittstellen für Monitor, Netzwerk und Audio. Die Kameras kann man entweder über LAN oder WLAN betreiben, den Strom gibt es per Netzteil oder über PoE.

Zum Set gehören eine Netzwerkrekorder samt 1-TByte-Festplatte und zwei Dome-IP-Kameras.

Die mitgelieferte Festplatte ist eine 1 TByte Western Digital Purple. Diese sind für den Dauerbetrieb in Überwachungssystemen ausgelegt. Der IP-Rekorder verfügt über einen Ein-/Ausschalter an der Rückseite. Zum Energiesparen ist der Schalter nicht geeignet, das Gerät wird über ein externes Netzteil mit Strom versorgt, obschon im geräumigen Gehäuse genug Platz für ein integriertes Netzteil gewesen wäre.

Die Kameras überzeugen durch ein massives halbkugeliges Design. Man traut ihnen ohne Blick in die Spezifikation (Schutzklasse IP67) zu, dass sie Erdbeben, Wirbelstürme und ähnliche Katastrophen ohne jeden Kratzer filmen und schadlos überstehen. Solange Strom da ist, kann gefilmt werden. Denn im Gehäuse ist auch ein Slot für eine Speicherkarte. Der Kartenslot ist unter dem verschraubten Oberteil vor unbefugten Zugriffen gesichert.

Für eine präzise Montage liefert Abus liefert die benötigte Bohrschablone als Aufkleber mit. Besser als die nur einmal verwendbare Klebeschablone wäre ein wiederverwendbares Modell aus Plastik. Die Montage der Kameras ist trickreich, weil zuerst die Unterplatte der Kamera mit der Wand verschraubt werden muss. Erst im zweiten Schritt kann man das Oberteil mit dem Schutzglas mit der Unterplatte verschrauben. Weil beide Elemente Metall enthalten, sind sie durch ein kleines Erdungskabel verbunden, was die Montage etwas fummelig gestaltet. Es empfiehlt sich, das Erdungskabel abzuschrauben und das Oberteil erst wieder zu montieren, wenn die Kameraposition perfekt passt.

Das Objektiv der TVIP42560 ist manuell verstellbar, dafür muss man die entsprechenden Schrauben lösen und das Oberteil demontieren. Danach lässt sich das Objektiv in einem 90-Grad-Winkel in einer Achse verstellen. Es gibt drei fest Positionen für die Bodenplatte, eine pro Bohrloch. Man sollte die Position der Bohrlöcher also so wählen, dass es nachher mit dem gewünschten Schwenkbereich harmoniert passt. Die Kamera selbst kann zusätzlich noch um ihre eigene Achse bewegt werden, was schiefe Horizonte zuverlässig verhindert. Es wäre schön, wenn Abus diese Informationen mit einer kleinen Zeichnung in die nächste Auflage des mitgelieferten Quick-Guides einfließen lassen könnte. Als Nicht-Experten für Überwachungskameras hat es uns im Test einige Zeit gekostet, herauszufinden, wie das nun genau funktioniert.

Die stabile Bauweise richtet sich an ortsfeste Eigenheimbesitzer ohne ausgeprägten Hang zu Experimenten. Wer die Kamera je nach Tagesform ohne Schrauberei mal eben in die eine, mal in die andere Ecke gucken lassen will, braucht anderes Gerät wie etwa die Arlo 2 Pro mit ihrem Kugelgelenk (Testbericht) . Die Alternative ist eine Kamera mit PTZ-Funktion (Pan, Tilt, Zoom), bei der man das Objektiv per Software in verschiedene Richtungen verschwenken kann. Die gibt es auch von Abus.

Lokales Benutzer-Interface am IP-Rekorder

An den IP-Rekorder kann man per USB eine Tastatur anschließen, es nützt nur leider nichts. Im Test wurde sie nicht erkannt. Das Handbuch empfiehlt nur die Bildschirmtastatur, welche mit der Maus gesteuert wird. Abus liefert eine gebrandete Funkmaus mit, wir haben eine kabelgebundene USB-Maus verwendet. Die Passworteingabe per Maus bereitet wenig Freude. Speziell bei den von der GUI geforderten komplexen und langen Passwörtern ist es umständlich und zeitraubend. Weil das eingegebene Passwort nicht einmal auf Wunsch im Klartext angezeigt werden kann, ist die Gefahr von Vertippern groß. Da heißt es Konzentration bewahren: Nach 7 Fehlversuchen ist das Gerät nämlich dauerhaft gesperrt und man muss den Abus-Support um Hilfe ersuchen.

Der IP-Rekorder loggt inaktive User zügig wieder aus. Wenn man einen ganzen Tag lang testet, muss man das Passwort also sehr oft eingeben. Für einfache Operationen wie das Betrachten von Livevideos braucht es kein Login. Man arbeitet dann in einer Art Kiosk-Modus. Für praktisch alles andere muss man sich einloggen. Zum Beispiel dann, wenn man gespeicherte Videos abspielen möchte. Das war im Test, wo man naturgemäß ständig das Setup ändert, sehr nervig. Es wäre ganz angenehm, wenn man sich bei Bedarf einmal einloggen und selbst bestimmen könnte, wann man sich wieder ausloggt.

Sobald die Netzwerkverbindung steht, kann man per Fernzugriff via PC und Clientsoftware Abus IP-Installer komfortabler an der Konfiguration arbeiten.

Gut: Wenn die Netzwerkverbindung unterbrochen ist, gibt es am Bildschirm sofort eine Fehlermeldung. Überhaupt ist das Gerät bei Fehlermeldungen gut aufgestellt. In den „Event Hint“-Einstellungen gibt es eine Vielzahl von Anpassungsmöglichkeiten. Alarmmeldungen kann der Bildschirm beispielsweise ausgeben, wenn jemand einen Raum betritt, wenn er ihn verlässt oder wenn eine Video-Manipulation oder eine Veränderung der Umgebungslautstärke erkannt wird. Abus bietet hier zahlreiche Optionen, die allerdings nicht von jeder Kamera vollumfänglich unterstützt werden.

Abus Software

Eine der PC-Programme zur Steuerung und Konfiguration des Sets.

Für den IP-Rekorder gibt es einen kleinen Zoo kompatibler Software. Wer das System wirklich ausreizen möchte, greift zur Desktop-Software Abus CMS . Hierbei handelt es sich um eine extrem skalierbare Anwendung für den professionellen Einsatz. Sie kann bis zu 256 IP-Rekorder und 1024 Video Kanäle verwalten, das reicht dann schon für ein ganzes Viertel. Aufgrund der Komplexität von Abus CMS empfiehlt der Hersteller “ausdrücklich die Installation durch einen ausgewiesenen Fachmann”.

Der von uns getestete Abus IP-Installer ist eine einfach gehaltene Desktop-Software. Im Installer selbst sind nur einige Grundkonfigurationen möglich. Der Zugriff auf Geräte wie die Kameras und den IP-Rekorder erfolgt per Browser, hier ist dann die komplette Benutzeroberfläche der Geräte verfügbar.

Für Mobilgeräte (Android, iOS) gibt es gleich zwei App-Varianten. Die App iDVR Plus HD ist für Tablets optimiert, die von uns auf Android getestete App iDVR Plus (ohne HD) ist für Smartphones gedacht.

PC: IP-Installer & Webzugriff

Die PC-Software Abus IP-Installer ist ein rudimentärer Client, mit dem man Firmware updaten und Netzwerkeinstellungen für die verschiedenen Abus-Geräte wie die getesteten Kameras und den Netzwerkrekorder vornehmen kann. Antiquiert: Die Anwendung hat eine feste Fenstergröße, einen Vollbildmodus gibt es auch. Frei skalierbar wie ein normales Windows-Fenster ist sie nicht.

Es gibt in der Anwendung eine einfache Livebild-Vorschau. Man nutzt sie nach der Erstkonfiguration eigentlich nur noch, um die Web-GUIs der Einzelgeräte zu starten. Egal ob Kamera oder IP-Rekorder: Alle Geräte erlauben den Zugriff per Browser. Der Zugriff erfolgt über den nur noch von wenigen Anwendern geliebten Legacy-Browser Microsoft Internet Explorer mit ActiveX-Client. Für jedes Gerät öffnet der Browser ein eigenes Browserfenster.

Ein Passwort-Abgleich zwischen IP-Installer -Software und nachgeschaltetem Browser findet nicht statt. Man muss sich in jeder Anwendung separat einloggen. Das Browserfenster kann nur auf eine Kamera zugreifen, weil es sich nicht mit dem IP-Rekorder, sondern mit der Kamera selbst verbindet.

Unschön fiel im Test auf, dass die Seitenverhältnisse des Kamerabildes im Browserfenster der Kamera nicht richtig skalieren. Das von der Kamera in 16:9 produzierte Bild wurde aus unerfindlichen Gründen in 14:9 angezeigt. Auch die Vollbildansicht wird einfach in die Monitorgröße (beim Testsystem 1920x1200 Pixel) gequetscht. Das gilt auch für die App, dort mutiert zumindest im Übersichtsfenster das Bild zum Quadrat. Das könnte man nachbessern. Es geht ja schließlich bei einer Kamerasoftware vorwiegend um Bilder.

In bestimmten Konstellationen gibt es Abstürze im Browserfenster und lustige Sicherheitswarnungen, die am ActiveX-Addon leise Kritik üben. Das sei angeblich nicht besonders sicher. Die in die Jahre gekommene Anwendung und die moderne Sicherheitsarchitektur von Windows 10 passen diesbezüglich nicht so recht zusammen.

Kurz gesagt: Man hat man nicht den Eindruck, dass Abus seiner Desktop-Anwendung aktuell besondere Aufmerksamkeit schenkt. Man kann aber durchaus damit arbeiten. Für viele Aufgaben ist die Arbeit mit dem Remotezugriff per Browser eindeutig komfortabler als der Direktzugriff am IP-Rekorder.

Smartphone: iDVR Plus

Die mobile App von Abus.

Die Smartphone-App iDVR Plus greift ohne Umweg über den IP-Rekorder direkt per Netzwerk auf die Kameras zu. Die App funktioniert standardmäßig nur im LAN. Wer über das Internet auf seine Abus-Geräte zugreifen möchte, muss ein Benutzerkonto auf www.abus-server.com einrichten und das entsprechend konfigurieren.

Über die App kann man bis zu 16 Kameras hinzufügen, Videos aufzeichnen, Screenshots machen und sich die Livebilder anzeigen lassen. Alle Aufnahmen der App werden auf dem Mobilgerät gespeichert, nicht auf dem IP-Rekorder. Funktionen wie der Digitalzoom sind sehr nützlich. Nützlich wäre auch eine Hilfefunktion in der App. Es ist nicht immer auf Anhieb klar, wofür die vielen schicken Buttons denn nun alle gedacht sind. Gemeinerweise zeigt die App nur manchmal an, wenn die Hardware ein bestimmtes Feature nicht unterstützt. Einen fehlenden Alarmausgang der Kamera meckert die App zutreffenderweise an, wenn man auf den Alarmknopf drückt. Eine nicht unterstützte PTZ-Funktion (Kameraschwenk via App) wird nicht angezeigt. Stattdessen präsentiert das Liveview ganz unschuldig grüne Pfeile, mit denen sich aber bei den Testkameras ohne PTZ nichts schwenken lässt.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass man für die App sicherheitshalber auch noch ein Passwort anlegen kann. Abus macht in Sicherheit, das gehört zur Unternehmens-DNA.

Kamera & Bildqualität

Die Kamera liefert eine Bildqualität, wie man sie sich von Überwachungssystemen wünscht. Das Full-HD-Bild betrachtet man auch auf einem 23-Zoll-Monitor im Liveview noch mit Freude. Gelegentlich gibt es lustige Artefakte wie Möwen, die im schnellen Flug Schmauchspuren in den Himmel zeichnen. Insbesondere das Liveview am Netzwerkrekorder macht wirklich Spaß!

Beispielbild am Tag.

Moderne Technik wie WLAN und Fernzugriff sind sexy. Beides beherrschen die getesteten Kameras. Aber die Oldschool-mäßige Verkabelung – Abus liefert zwei 18 Meter Kabel in freundlichem Steingrau – und der Direktzugriff am Netzwerkrekorder sind tendenziell robuster und leistungsfähiger. Beim Fernzugriff ist wieder ein Gerät mehr in der Kette, das macht alles komplizierter.

Beispielbild in der Nacht.

Das Abspielen von Videoaufnahmen bereitet auf dem Rekorder weniger Freude als das Livebild. Der Player im Rekorder ist recht unergonomisch gestaltet, das Browsen nach einer bestimmten Aufnahme mühsam. Das Objektiv hat einen mit 106 Grad eher gemäßigten Weitwinkel, die starken IR-LEDs sollen bis zu 20 Meter weit ausleuchten. Wer die Möglichkeiten des IP-Rekorders ausreizen möchte, kann statt der Full-HD-Kameras auch 4K-Modelle ordern.

Fazit

Das getestete Set von Abus erscheint in der Summe durchdacht, vielfältig erweiterbar und konfigurierbar. Dem tun die im Test angemerkten Haken und Ösen keinen Abbruch. Zudem macht die Lösung einen sicheren Eindruck. Für ein IoT-Device, welches potenziell Hans und Franz über das Internet erreichen können, ist Sicherheit essentiell. Alle Komponenten sind mit Passwörtern geschützt. Man benötigt allerdings viele Passwörter und schreibt sie am besten auf einen Zettel. Mit Gerät und IP-Adresse, versteht sich. Gelegentlich ist die viele Sicherheit sehr nervig. Zum Beispiel war im Test nach einem Reboot einmal die Verbindung zur Kamera weg und konnte nicht neu initialisiert werden. Es bedurfte einer längeren Suche um herauszufinden, dass das Kamera-Passwort noch einmal eingegeben werden muss. Zusätzlich zum Rekorder-Passwort mit dem man sich ohnehin schon eingeloggt hat. Man muss schon sehr nerdig sein, um das im Gesamten benutzerfreundlich zu finden.

Ähnlich ambivalent sieht es bei den mächtigen Konfigurationsoptionen aus. Die sind Fluch und Segen zugleich. Man kann wirklich alles mit dem Abus-System machen, aber man muss sich im Dschungel der Möglichkeiten erst einmal zurechtfinden. Die Einarbeitungszeit im Test war nicht unerheblich. Das System erinnert an SAP: Experten lieben es, aber auch nur die. Setup und Troubleshooting bei Abus sind kein interaktiv erklärter Spaziergang wie bei Blink XT (Testbericht) oder Arlo 2 Pro (Testbericht) . Insoweit finden wir den flotten Werbetext „Die Systemeinrichtung ist leicht: das Gerät einfach an Router und Monitor anschließen und per Maus bedienen – fertig“ trotz beigelegter Quickguides irreführend. Wenn das System einmal läuft, sieht es je nach Nutzungsszenario anders aus. Lokal zwischen die Livestreams der Kameras gucken, geht beispielsweise ohne Login. Und das dürfte ja die Hauptanwendung sein.

Die mechanische Qualität bei Abus ist top und das System lief im Testzeitraum zuverlässig. Wie bei vielen vernetzten Geräten, zumal solchen mit einer derartigen Komplexität, zeigt sich erst im Dauerbetrieb, wie es um die Robustheit der Gesamtlösung und um die Brauchbarkeit einzelner Features bestellt ist. Das kann man selbst in einem ausführlichen Test nicht klären. Alles in allem eine verdiente Kaufempfehlung, insbesondere für professionelle Anwender.