Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
So günstig ist kein kompletter Mini-PC mit i9-Prozessor: Der Acemagic AD08 bringt für 529 Euro ein spannendes Gesamtpaket. Ob dieses auch Haken enthält, zeigen wir im Test.
Vom Hersteller Acemagic haben wir bereits mehrere Mini-PCs getestet, alle eint, dass sie preislich ziemlich attraktiv sind. Das gilt auch für den Acemagic AD08, der für einen Preis von aktuell 529 Euro bei Amazon einen Intel Core i9 der 11. Generation, 16 GByte Arbeitsspeicher (RAM) und eine SSD mit 512 GByte bietet. Damit ist er der günstigste komplette Mini-PC mit einem i9-Prozessor. Im Testbericht schauen wir ihm genau auf die Finger: Gibt es bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis einen Haken? Und wie gut ist der i9 tatsächlich? Kann das System die Erwartungen an die Leistung erfüllen?
Im grau-schwarzen Gehäuse des Acemagic AD08 steckt ein Intel-Flaggschiff der 11. Generation: Der Core i9-11900H, der auf acht Kerne und 16 Threads bei bis zu 4,9 GHz zurückgreifen kann. Die TDP (Thermal Design Power) liegt bei für einen Mini-PC beeindruckenden 45 Watt – einen Preis in der Sparsamkeit bekommt das System also schon einmal nicht.
Zur Seite stehen zwei DDR4-RAM-Module mit jeweils 8 GByte (insgesamt 16 GByte), maximal sind 64 GByte (2x 32 GByte) möglich. Durch SODIMM-Steckplätze und die Wartungsklappe geht der Wechsel leicht von der Hand. Gleiches gilt für die NVMe-SSD, die 512 GByte aufweist. Hier lassen sich bis zu 2 TByte einbauen, es sei denn, man möchte den zusätzlichen, nicht belegten SATA-Anschluss für eine 2,5-Zoll-Festplatte nutzen. Dann nämlich darf die gesamte Speichergröße aller Festplatten zusammen nicht 2 TByte übersteigen.
Was die Anschlüsse angeht, bemerken wir besonders positiv den vorhandenen USB-C-Anschluss, der nicht nur Daten, sondern auch Bild überträgt. Ansonsten stimmt das Schnittstellenangebot, es gibt genug USB-A-Buchsen. Lediglich einen zweiten Ethernet-Port hätten wir uns gewünscht, um den Mini-PC ohne Adapter als Firewall-Appliance nutzen zu können.
Beworben als Gaming-Mini-PC ist uns bereits vor dem Test klar, dass das System dieses Versprechen enttäuschen wird. Denn integrierte Grafikchips haben aktuell zu wenig Leistung, um über Full-HD und reduzierte Einstellungen hinauszukommen. Dabei geht es vor allem um Titel, wie Portal 2 oder Anno 1800 oder Casual-Games. Spiele, die noch mehr Leistungsbedarf haben, sind unspielbar. Das gilt insbesondere für den älteren Grafikchip Iris XE 32EU, wobei integrierte Grafikeinheiten von Intel traditionell ohnehin langsamer sind als die AMD-Pendants.
Das sieht man beispielsweise im Benchmark 3Dmark Time Spy, wo das System 786 Punkte schafft, bei Grafik aber nur 677 Punkte. Der Gegenentwurf von AMD im Ouvis AMR5 (Testbericht) schafft hier 1493 Punkte (System) und auch die Grafikleistung ist mit 1313 Punkten ganz klar besser.
Im Benchmark PCmark 10 kommt das System auf 5234 Punkte, wenn man den Modus auf „Performance“ stellt. Bei „Silent“ sind es noch 4871 – die Einstellung sorgt also für spürbare Unterschiede. Hier schneidet der Abschnitt Digital Content Creation bei AMD mit 5755 Punkten besser ab, als hier bei Intel mit 5277 Punkten. Vor allem bei Photo Bearbeitung ist der Unterschied mit 8862 Punkten (Ouvis AMR5) zu 6230 Punkten (Acemagic AD08) deutlich.
Die NVMe-SSD arbeitet mit hohen Geschwindigkeiten, im Speicher-Benchmark Crystaldiskmark liegt sie bei 3402 MByte/s (Lesen) und 1748 MByte/s (Schreiben).
Insgesamt kann man den Mini-PC also für anspruchsvollere Aufgaben wie Bildbearbeitung verwenden, sollte aber vor allem grafisch anspruchsvolle Anwendungsbereiche, wie Spiele oder 3D-Rendering meiden. Das Versprechen aus dem Amazon-Produkttitel einen „Gaming-Mini-PC“ zu bekommen ist also nach unserem Test nicht zu halten. In jedem Fall aber ist der AD08 der günstigste Komplett-Mini-PC mit einem i9-Prozessor. Bei Amazon sind unter 500 Euro nur Barebone-Modelle (ohne Speicher & RAM) mit i9 gelistet, im Preisvergleich beginnen Komplettsysteme bei über 1200 Euro. Konkurrent Geekom liefert den Geekom Mini IT13 (Testbericht) mit einem i9 der 13. Generation aktuell für 850 Euro aus.
Die Mini-PCs von Acemagic machen aktuell vor allem durch Trojaner-Funde auf den Systemen von sich reden. Acemagic ist eine Marke der Mini-PC-Union, zu der sonst auch Acemagician, Nipogi und Ouvis gehören. So berichten Nutzer in Foren und Technikblogger auf Youtube und Tiktok über Virenmeldungen auf verschiedensten Mini-PCs, die sie vom Hersteller selbst zur Verfügung gestellt bekommen haben. Auch wir wurden schon im vergangenen Jahr von Lesern auf die Meldungen hingewiesen und konnten sie beim Acemagic S1 (Testbericht) und dem Nipogi AK1 Plus (Testbericht) bestätigen. Wir überprüfen daher jeden Mini-PC auf Viren. Andere Modelle der Mini-PC-Union, die wir getestet haben, waren in unserem Fall nicht betroffen.
Das gilt auch für den Acemagic AD08, wo der integrierte Windows Defender nicht anschlägt. Wir haben dabei die vollständige Überprüfung als auch die Offline-Überprüfung genutzt – diese startet das System neu, um den Rechner in einer separaten Systemebene vollständig scannen zu können. Der Defender reicht inzwischen als alleiniges Antivirenprogramm vollkommen aus, da Microsoft seine Genauigkeit über die letzten Jahre deutlich verbessert hat. So nutzten alle der Blogger dieses Tool und wurden damit bereits auf die vorinstallierten Trojaner aufmerksam.
Ferner setzen wir die Scan-Software vom Antivirus-Experten Avast ein, der das Ergebnis des Windows Defender bestätigt: kein Virenbefund. Vermutlich haben wir bereits ein angepasstes Modell erhalten, denn in Reaktion auf die vermehrten Meldungen bestätigte Acemagic öffentlich, dass das Problem bei einer Produktionsreihe der Systeme teils bestehe, neue Chargen aber nicht mehr betroffen seien. Wie viele belastete Mini-PCs des Herstellers aber noch im Umlauf sind, lässt sich nur schwer sagen. Einen Rückruf hat man bisher nicht gestartet.
In jedem Fall empfehlen wir den Rechner neu aufzusetzen, was grundsätzlich nie schaden kann, um das System um vorinstallierte Bloatware zu entschlacken. Wer einen Linux-Desktop oder Home Asisstant (Ratgeber), beispielsweise mit Proxmox nutzen will, formatiert damit ohnehin die SSD. Es sei aber gesagt, dass es auch Trojaner gibt, die sich über eine unsichtbare Recovery-Partition direkt wieder auf das frische Windows installieren können. Wer sich davor schützen will, kommt um einen Austausch der SSD nicht umher. Insgesamt rücken die Befunde den Hersteller allemal in kein gutes Licht. Der Nachgeschmack bleibt bitter, selbst wenn aktuelle Systeme keine Trojaner mehr aufweisen.
Die Lautstärke variiert je nach eingestelltem Leistungsmodus. Während die Lautstärke im Modus „Silent“ bei rund 30 Dezibel liegt, erklimmt sie bei „Performance“ doch schon recht nervige Höhen – 43 Dezibel halten wir für einen Mini-PC für sehr hoch. Während man dies in Bezug auf die Prozessor-Leistung nachvollziehen kann, kommt aufseiten der Grafik für diese Lautstärke wenig rüber. Insgesamt ein wechselhafter Eindruck. Zwar ist der Modus „Silent“ wirklich leise, doch dafür sinkt auch die Leistung des Prozessors deutlich, da die Modi die TDP beeinflussen, „Silent“ deckelt also die Leistung. Und dann stellt sich die Frage: Wer kauft einen i9, um diesen dann künstlich zu kappen? Was die Lautstärke angeht, sind wir folglich etwas enttäuscht.
Beim Acemagic AD08 erfolgt der Austausch oder die Erweiterung von RAM und Festplatte ganz ohne Schrauben, denn man kann einfach das Seitenteil abnehmen. Die Verarbeitung ist deutlich hochwertiger, als beim ähnlichen Gehäuse des Ouvis AMR5 (Testbericht). Dort hatten wir Angst die Zacken zur Einhängung der Wartungsklappe abzubrechen, beim AD08 hingegen nicht. Insgesamt fühlt sich das Kunststoffgehäuse deutlich hochwertiger und bei Weitem nicht so stumpf wie beim AMR5 an.
Der Acemagic AD08 kostet bei Amazon mit Intel Core i9, 16 GByte RAM und 512 GByte Speicher aktuell 529 Euro. Zum Testzeitpunkt am 14. Februar waren es 479 Euro. Regulär liegt der Preis bei 720 Euro.
Wie schon beim Nipogi AK1 Plus fällt uns auch beim Acemagic AD08 eine klassische Empfehlung schwer. Die Meldungen über vorinstallierte Trojaner sind, gelinde gesagt, unschön und haben dem Vertrauen in den Hersteller nachhaltig geschadet. Zwar haben wir selbst keinen Trojaner gefunden, es besteht aber nach wie vor das Risiko einen Mini-PC aus der belasteten Charge zu erwischen. Abgesehen der Virenfunde von Netznutzern, bekommt man hier eine beeindruckende Leistung und einen schicken Mini-PC mit einer wenn auch etwas eigenwilligen Formgebung.
Schön ist, dass USB-C vorhanden ist, wodurch man den Mini-PC mit bis zu drei Bildschirmen verbinden kann. Der Preis ist für ein i9-Modell sehr attraktiv, andere Rechner mit diesem Prozessor kosten deutlich mehr oder kommen als Barebone ohne RAM und SSD.
Einen Gaming-Mini-PC wie versprochen bekommt man am Ende aber auch hier nicht, die reine Prozessor-Leistung ist dennoch stark. Setzen wir jedoch den Vergleich mit AMD-Prozessoren an, verliert der i9 gegen den Ryzen 7. Der Ouvis AMR5 ist nicht nur schneller, sondern auch 170 Euro günstiger. Aktuell fährt man also mit AMD besser, bekommt hier aber kein grundsätzlich schlechtes Gesamtpaket. Eine Empfehlung gibt es aber trotzdem, auch wenn wir vom i9 insgesamt mehr erwartet hätten.
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