Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Ryzen 9 für 360 Euro: Der Mini-PC Acemagician AM08 Pro kommt zum absoluten Kampfpreis. Wir testen, was der günstige Computer so kann.
Mit vor Erstaunen offenem Mund hinterlässt einen der Preis des Acemagician AM08 Pro. Denn hier gibt es zum aktuellen Schnäppchenpreis von knapp 399 Euro einen Ryzen 9 6900HX mit der stärkeren Radeon-680M-Grafik. Diese ist im Ansatz schon Gaming-tauglich, genauso wie das altbekannte vertikale Gehäuse der Mini-PC-Union. Dazu gibt es 16 GB Arbeitsspeicher (RAM) und eine 512 GB große SSD. Ob die Hardware im bunt beleuchteten Gaming-Gehäuse überzeugen kann und tatsächlich halbwegs spiele-tauglich ist, haben wir getestet (Testzeitpunkt: 23. Oktober 2024). Das Testgerät hat uns der Hersteller zur Verfügung gestellt.
Für den Preis von nur 360 Euro setzt der Acemagician AM08 Pro auf bemerkenswert starke Hardware. Hier darf ein AMD Ryzen 9 6900HX seine Arbeit verrichten, der auf acht Kerne und 16 Threads setzt. Der maximale Takt beträgt 4,9 GHz. Da es sich um einen Ryzen der sechsten Generation handelt, kommt als integrierte Grafik eine Radeon 680M zum Einsatz, die eine Vega 8 der vorherigen Ryzen-5000-Reihe deutlich übertrifft.
Zurückgreifen kann die 680M auf 16 GB RAM, der als einzelnes DDR5-4800-Modul (SODIMM) von Kingston kommt. Ein zweiter RAM-Slot ist vorhanden und frei, insgesamt sind maximal 64 GB möglich. Die integrierte PCIe-3.0-SSD im Format M.2-2280 hat 512 GB, die sich durch eine bis zu 4 TB große SSD austauschen lässt. Darüber hinaus gibt es einen SATA-Anschluss für eine 2,5-Zoll-Festplatte.
Anschlussseitig verfügt der Acemagician AM08 Pro neben den üblichen USB-Anschlüssen über einen USB-C-Port mit Bildausgabe sowie zweimal HDMI (4K bei 60 Hertz), womit man folglich bis zu drei Bildschirme anschließen kann. Weiterhin gibt es einen einzelnen LAN-Port, womit das System folglich ab Werk für Anwendungsfälle, wie eine Firewall-Appliance, ausfällt. Zur Stromversorgung kommt leider nicht USB-C zum Einsatz, sondern ein klassischer DC-Rundstecker mit 19 Volt. Als Netzteil liegt das bei PCs der Mini-PC-Union übliche Modell von Kuanten bei.
Drahtlos ist das System mit Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.2 mit verhältnismäßig aktuellen Schnittstellen aufgestellt, auch wenn es bereits Wi-Fi 7 und Bluetooth 5.4 gäbe. Diese Standards sind aber selbst bei Modellen über 700 Euro bislang nicht sehr verbreitet. Praktisch ist die uns bereits vom Acemagic AD08 (Testbericht) und Ouvis AMR5 (Testbericht) bekannte manuelle Leistungseinstellung per Stellrad im Gehäuse. Hier besteht die Auswahl zwischen den Modi Silent, Auto und Performance. Damit beeinflusst man das TDP-Limit des Systems und begrenzt so neben der Lautstärke auch die Leistung.
Der Preisbereich des Acemagician AM08 Pro ist hart umkämpft, wenige Euro mehr an Ausgaben bescheren häufig einen deutlichen Sprung in der Systemleistung. Gegenüber den im 300-Euro-Bereich üblichen Ryzen-7-CPUs der fünften Generation weiß sich der Mini-PC mit durchschnittlich 6100 Punkten bei PCmark 10 (Modus: Auto) deutlich abzusetzen; der Ouvis AMR5 (Testbericht) schafft mit etwa 5300 Punkten deutlich weniger. Im Performance-Modus sind es sogar 6446 Punkte – bei entsprechendem Anstieg der Lautstärke.
So richtig spannend wird es allerdings erst mit dem Gaming-Benchmark 3Dmark Time Spy, der auch einen differenzierten Vergleich der GPU-Leistung zulässt. Die Radeon 680M erreicht hier 1499 Punkte (Modus: Performance) gegenüber 1274 Punkten der Vega 8. Die Gesamtwertung des AM08 Pro liegt bei 1706 Punkten, die CPU bei 7850 Punkten. Sowohl PCmark als auch Time Spy attestieren eine deutlich höhere Leistung, womit dann auch Gaming in reduzierten Grafikoptionen möglich ist.
Der Aufbau-Klassiker Anno 1800 läuft mit etwa 25 bis 35 FPS noch halbwegs flüssig bei hohen Optionen, jedoch stellen wir dazu die Schatten auf „Mittel“. Das noch immer schlecht optimierte Cities Skylines 2 ist bedienbar, macht bei maximal 17 FPS und niedrigen Einstellungen aber kaum Freude. Counter Strike 2 läuft immerhin in niedrigen Grafikoptionen mit bis zu 40 FPS, für einen Shooter ist das allerdings zu wenig.
Abschließend haben wir den AM08 Pro noch mit Geekbench getestet, wo er 2042 Punkte im Single Core und 7631 Punkte im Multi Core erreicht. Das ist ein ausgesprochen gutes Ergebnis, jedoch noch weit entfernt von der aktuellen Ryzen-Generation.
Im Gegensatz zum Acemagic AD08 (Testbericht), der im gleichen Gehäuse auf eine Intel-CPU setzt, gibt es beim AM08 Pro keine vorinstallierten Viren – beziehungsweise Hersteller-Apps zur Beleuchtungssteuerung, bei denen der Windows Defender anschlägt: Unser Virentest findet keine erfreulicherweise keine Trojaner.
Überraschend war, dass sich Windows 11 Home hier bei gekappter Internetverbindung ohne Microsoft-Account einrichten lässt. Bloatware ist nicht vorinstalliert, die AMD-Treiber-Software hat nicht ab Werk funktioniert und es gab Probleme bei der Neuinstallation. Ein Neustart des Rechners hat hierbei Abhilfe geschafft.
Durch eine besonders geringe Lautstärke zeichnet sich der Acemagician AM08 Pro nicht unbedingt aus, zumindest im Performance-Modus. Dann nämlich erreichen wir in unserer Messung bei Volllast am Gehäuse knapp 50 dB, was für einen kleinen PC schon allerhand ist. Im Modus Silent reduziert sich die Lautstärke am Gehäuse merklich auf 34 dB.
Je nach Leistungsmodus verbraucht das System unter Volllast bei Prime95 zwischen 22 Watt (Silent) und 81 Watt (Performance). Der Modus Auto liegt dazwischen mit etwa 45 Watt. Den Basistakt von 3,3 GHz kann das System nach einer halben Stunde Prime95 aber nicht mehr ganz halten, fällt jedoch nur auf 3,15 GHz.
Das graue Kunststoffgehäuse mit Gaming-Schriftzügen und RGB-Beleuchtung kennen wir, wie angesprochen, bereits vom Acemagic AD08 (Testbericht). Bis auf den anderen Markennamen – Acemagician statt Acemagic (beide gleiche Mutterfirma „Mini-PC-Union“) – unterscheidet sich das Gehäuse kaum. Wir bekommen hier also dieselben Vor- und Nachteile: Die praktische magnetische Wartungsklappe zum einfachen Austausch von RAM und SSD sowie das etwas billig anmutende Material.
Die Beleuchtung auf der Oberseite lässt sich wieder über eine vorinstallierte Anwendung mit mehreren vordefinierten Profilen steuern oder komplett ausschalten. Eine freie Einstellung von Farben oder Leuchtmustern ist nicht vorgesehen. Wertig fühlt sich der Stellknopf aus Metall an, der nicht nur die Leistung einstellen kann, sondern auch als Ein-/Aus-Knopf fungiert. Die Maße des Gehäuses betragen 149,6 x 77,8 x 188,5 mm.
Standardmäßig kostet der Acemagician AM08 Pro mit 16/512 GB knapp 500 Euro. Aktuell bekommt man ihn aber schon für 399 Euro.
Der Acemagician AM08 Pro ist mit seinem Ryzen 9 der sechsten Generation schon recht stark aufgestellt – der Preis von nur 360 Euro ist dafür eine echte Kampfansage. Zu diesem Kurs bekommt man sonst nur die fünfte Generation mit deutlich schwächerer iGPU. Bei RAM und SSD ist er mit 16/512 GB solide aufgestellt, durch die magnetische Wartungsklappe fällt ein künftiges Aufrüsten nicht schwer.
Damit die Kalkulation aufgeht, hat Acemagician aber bei der Ausstattung auch einsparen müssen und so ist die Optimierung der Lautstärke dem günstigen Preis zum Opfer gefallen. Knapp 50 dB im Performance-Modus sind für einen Mini-PC schon extrem laut. Das Kunststoffgehäuse ist zwar solide und ausreichend, aber nicht so hochwertig. Schade ist außerdem, dass wieder ein DC-Rundstecker zur Stromversorgung zum Einsatz kommt und nicht USB-C, was die flexible Nutzung von USB-Netzteilen (Bestenliste) erlaubt hätte. Für diesen guten Preis aber ist das eine kleinliche Kritik und selbst in höheren Preisbereichen eine Seltenheit. Insgesamt ein guter Auftritt zum beachtlichen Preis, wir vergeben im Test vier Sterne.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.