Thomas Joos ist Autor von mehr als 100 Fachbüchern und tausenden Texten. Er ist erfolgreicher Autor zahlreicher IT-Bücher für Microsoft Press, Addison Wesley, Markt und Technik, Data Becker, Springer-Vieweg und außerdem freiberuflicher Journalist für die Deutsche Presseagentur (dpa) sowie zahlreiche Zeitschriften und Portale. Thomas ist zudem Online-Trainer bei LinkedIn Learning. Mehr Informationen finden sich auf seinem Blog unter thomas-joos.com
Ein Mini-PC mit Fingerabdrucksensor, Thunderbolt und integrierten Lautsprechern: Das ist der Acemagician TK11-A0, den es aktuell mit i5 für 389 Euro gibt. Was er sonst leistet, zeigt der Testbericht.
Mini-PCs sind so populär wie nie. Die kleinen Computer mit effizienten Laptop-Prozessoren sind im meist würfelförmigen Gehäuse nicht nur handlich, sondern bleiben auch kühl und leise. Damit heizen sie Räume nicht zu sehr auf und eignen sich primär für Orte, an denen wenig Platz ist oder man den PC nicht sehen sollte. Außerdem sind sie weniger sperrig als Laptops. Das Leistungsspektrum reicht vom absoluten Einstieg um Celeron und Athlon bis zu Core i9 und Ryzen 9.
Mit einem Intel Core i7-11390H der 11. Generation, 16 GByte Arbeitsspeicher (RAM) und 512 GByte SSD-Speicher liegt der Fokus des Acemagician TK11-A0 eher im Homeoffice-Bereich. Er bietet aber einige Highlights, die wir in den nächsten Abschnitten vertiefen wollen. Beispielsweise kann man am seltenen und extrem flotten Thunderbolt 4-Anschluss eine externe Grafikkarte anschließen, was die Grafikleistung deutlich aufbohrt. Dadurch ist es dann sogar möglich, High-End-Games zu spielen. Für einen flotten Login per Windows Hello hilft der ungewöhnliche, aber nützliche Fingerabdrucksensor. Die Details und Möglichkeiten zeigen wir in diesem Testbericht.
Den Einstieg macht eine Variante mit einem i5-11320H, 32 GByte RAM und 512 GByte SSD-Speicher. Die hier getestete Ausführung unterscheidet sich nur durch Prozessor (i7 statt i5) und Größe des Arbeitsspeichers (16 statt 32 GByte). Sie ist aktuell leider vergriffen, eine Rückkehr in die Lagerregale ist ungewiss.
Den Mini-PC haben wir vom Hersteller zur Verfügung gestellt bekommen. Zur namentlichen Erklärung: Die scheinbar eigenständigen Marken Acemagic, Acemagician und Nipogi gehören zusammen zum Unternehmen Mini-PC-Union. Die einzelnen Produkte ähneln sich mitunter bei Optik, Nomenklatur und Ausstattung. Dieser Mini-PC war der erste der Marke Acemagician, den wir getestet haben (Testzeitpunkt: 19. Januar 2024).
Der Acemagician TK11-A0 kommt in verschiedenen Ausstattungsstufen mit Intel-Prozessoren der elften Generation. Unser Testexemplar setzt auf einen i7-11390H (maximal 5 GHz Taktung), 16 GByte RAM (DDR4-2666, 2x 8 GB verbaut) und eine NVMe-SSD mit 512 GByte. Die aktuell verfügbare i5-Variante setzt auf einen i5-11320H, satte 32 GByte an RAM und eine 512 GByte große SSD.
Der Mini-PC ist erweiterbar, dank zweier RAM-Steckplätze lassen sich insgesamt bis zu 64 GByte verbauen. Für den M.2-Slot (NVMe-2280) gelten 2 TByte als maximale Speichergröße, gegen die man das integrierte Modul tauschen kann. Beim Speicher bietet das Gerät aber auch noch einen zusätzlichen 2,5-Zoll-Steckplatz für Datenträger mit ebenfalls bis zu 2 TByte Kapazität. So kann man bereits vorhandene Festplatte mit Daten auf das neue System übernehmen. Im Lieferumfang befinden sich eine Vesa-Halterung sowie das etwas klobige Netzteil mit 65 Watt.
Die meisten Mini-PCs verfügen nur über eingeschränkte Schnittstellen. Das lässt sich beim TK11-A0 aber nicht behaupten, denn es gibt auf Vorder- und Rückseite einen bunten Strauß an Anschlüssen. Das Highlight ist ohne Frage der Thunderbolt-4-Anschluss an der Vorderseite – bisher eine Seltenheit auf dem Mini-PC-Markt und daher auch der Erste in einem unserer Tests, der darüber verfügt. Damit und mit dem Displayport-Anschluss und dem HDMI-2-Port lassen sich so insgesamt problemlos drei Monitore verbinden. Der Thunderbolt-Anschluss und der DP-Port bieten jeweils 8K. Außerdem kann der Thunderbolt-4-Port eine externe Grafikkarte ansteuern und Daten mit 40 GByte/s übertragen. Da nur ein LAN-Anschluss vorhanden ist, kann man den Mini-PC leider nicht als Firewall-Appliance für OPNsense, Pfsense oder andere Open Source-Firewalls nutzen.
Für einen Mini-PC sehr ungewöhnlich ist auch der eingebaute Lautsprecher, der laut Hersteller Stereo und Surround bietet. Natürlich ist die Soundqualität erwartbar schwach, reicht aber für den Bürobetrieb aus. So spart man sich separate, externe Lautsprecher. Richtig erstaunlich und noch seltener zu finden, ist der im Gehäuse integrierte Fingerabdrucksensor, der mit Windows Hello zum Login genutzt werden kann. Er speichert bis zu zehn Fingerabdrücke, sodass auch mehrere Personen in der Familie oder im Büro mit dem PC arbeiten können. Unter Windows 11 Pro ist das kein Problem.
Was die drahtlosen Schnittstellen angeht, finden sich mit Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.2 aktuelle Funkstandards an Bord des Acemagician TK11-A0 – gut, dass hier nicht gespart wurde.
Zunächst sei gesagt, dass auch bei diesem PC kein Installationsdatenträger beiliegt. Gleiches gilt für den Sticker mit dem Windows-Key, der früher auf den Gehäusen von Laptops und PCs klebte. Heutzutage ist das unüblich, da der Produktschlüssel im BIOS hinterlegt ist und bei Neuinstallation automatisch abgerufen wird. Wer den Key jedoch sichern möchte, kann sich mit Tools wie dem Magical Jelly Bean Keyfinder behelfen. Was die Installationsdateien für Windows 11 angeht, kann man diese ganz einfach bei Microsoft herunterladen.
Die Inbetriebnahme des Rechners ist gewohnt einfach. Nach dem Start beginnt die Einrichtung von Windows 11 Pro. Das Betriebssystem ist bereits vorinstalliert. Für die Anmeldung ist es am besten noch keine Netzwerkverbindung herzustellen. Dann ist eine Einrichtung ohne Microsoft-Konto möglich. Alle Treiber sind vorinstalliert.
Nachdem wir alles eingerichtet haben und den Acemagician TK11-A0 zum ersten Mal einloggen, sticht zunächst sein ungemein praktischer Fingerabdrucksensor hervor. Dadurch können sich Nutzer einfach mit Windows Hello ohne Kennwort bequem und sicher anmelden. Im Alltagsbetrieb möchten wir das nicht mehr missen. Mini-PCs mit dieser Fähigkeit sind jedoch leider rar gesät.
Kommen wir nun zum Abprüfen der Leistung. Im Benchmark PCmark 10 erreicht das Gerät mit i7 einen Wert von knapp 4700 Punkten. Die i5-Variante liegt etwa 180 Punkte darunter. Das ist kein überragend gutes Ergebnis, bei Weitem aber auch nicht schlecht und schwachbrüstig. Zumindest gilt das für die Seite des Prozessors, womit man im Alltag in Homeoffice und Büro viel Spaß haben wird. Das gilt auch noch in einigen Jahren, denn die Leistungsreserven dürften selbst unter anspruchsvolleren Nachfolgeversionen von Windows 11 ausreichen. Die längerfristige Nutzbarkeit des Systems wird aber auch durch die gute Erweiterbarkeit von RAM und SSD gewährleistet.
Auf Seiten der Grafikeinheit ist unser Enthusiasmus aber deutlich gedämpft. Denn Intel-Chips sind traditionell schwächer als die AMD-Konkurrenz, was auch hier gilt. Von Intels Iris-Xe-Chip sind also keine Wunder zu erwarten, womit sich das Einsatzfeld auf Büroanwendungen beschränkt. Für anspruchsvollen Videoschnitt oder Gaming ist hier nicht zu sprechen.
Das kann man in diesem besonderen Fall aber schlagartig ändern. Denn der TK11-A0 hat eine weitere Seltenheit zu bieten: Einen Thunderbolt-Anschluss. Solche Ports sind so schnell, dass die Geschwindigkeit die Anbindung einer externen Grafikkarte (Ratgeber) ermöglicht. Damit kann man die Grafikleistung deutlich erhöhen, was die Zukunftsfähigkeit des Systems weiter sichert. Denn sollte der Rechner einmal etwas aus der Puste kommen, kann man ihm so einen Leistungspush geben.
Ein Wermutstropfen, der im Betrieb aufgefallen ist, ist die Lautstärke des Lüfters. Dieser ist teilweise etwas nervig, da er sich immer wieder intervallmäßig zuschaltet. Somit haben wir phasenweise fast komplette Stille und dann auf einmal wieder Lärm. Insgesamt ist der Lüfter die meiste Zeit über kaum wahrnehmbar oder gar störend. Schade ist, dass das Lüftermanagement statt dauerhaftem Betrieb der Lüfter auf geringer Stufe sich für schubweise Kühlung entscheidet. Im Vergleich waren manche Geekom-Modelle, die für laute Lüfter bekannt sind, wie der Geekom AS5 oder Geekom AS6 (Testbericht), aber deutlich lauter.
Der Mini-PC kommt im quadratischen Design daher, das fast schon etwas klobig wirkt, vor allem wenn man andere, deutlich handlichere Mini-PCs, wie die GMKtec Nucbox M2 (Testbericht), damit vergleicht. Von einem Mini-PC erwarten Anwender natürlich keine designtechnischen Highlights.
Das Gehäuse besteht aus schwarzem/dunkelgrauen, matten Kunststoff. Dieser zieht aufgrund der matten Haptik und der Farbe enorm schnell Fingerabdrücke und Fettflecken an. Die Anschlüsse sind auf der vorderen und hinteren Seite verteilt. Der Ein- und Ausschalter ist gleichzeitig das Lesegerät für den Fingerabdruck und leuchtet nach dem Start in Grün. Alles in allem macht der Mini-PC einen wertigen, wenn auch nicht übermäßig hübschen Eindruck. Mit der mitgelieferten Vesa-Halterung kann der Mini-PC hinter dem Monitor verschraubt werden.
Der Acemagician TK11-A0 ist in der i5-Variante mit 32 GByte RAM und 512 GByte SSD-Speicher aktuell für 439 Euro bei Amazon verfügbar. Die Ausstattung dafür ist ordentlich, allein schon wegen des Thunderbolt-Anschlusses. In der hier getesteten i7-Ausstattung ist das Modell derzeit bedauerlicherweise überall ausverkauft. Wir befürchten eine baldige Auslistung aller Varianten des TK11-A0 zugunsten neuerer Modellreihen oder eines Nachfolgers. Der Mini-PC ist bereits mehr als zwei Jahre auf dem Markt. Generell ist die Verfügbarkeit bei Herstellern aus Fernost aber ein schwieriges Thema und kann sich innerhalb kurzer Zeit verändern. Die Entwicklung ist daher unvorhersehbar.
Der Acemagician TK11-A0 ist ein gut ausgestatteter Mini-PC, bei dem vorwiegend der Thunderbolt-4-Anschluss und der Fingerabdrucksensor hervorstechen. Während ersterer dem System einen längerfristigen Betrieb durch Anschluss einer externen Grafikkarte ermöglicht, ist zweiteres eine ungemein angenehme Erleichterung im Alltag.
Die Leistung des Systems ist durchschnittlich gut, das Design etwas klobig. Die Leistung liegt im soliden Mittelfeld, es fehlt aber bei der Grafikpower sehr. Bemerkenswert ist das Potenzial der Grafikanschlüsse, denn per Thunderbolt und Displayport sind Displays mit bis zu 8K-Auflösung möglich. Das ist nicht nur beeindruckend, sondern auch unter weit teureren Mini-PCs eine Seltenheit.
Ungünstigerweise ist der Lüfter teilweise etwas nervig, der im Intervall immer mal wieder für Lärm sorgt, der sich aber im Verhältnis zu Geekom-Geräten sonst in Grenzen hält. Alles in allem bietet der Mini-PC ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis und weiß mit seinen Annehmlichkeiten zu gefallen. Gerade der Fingerabdrucksensor hat sofort unsere Herzen gewonnen.
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