Wer in China-Onlineshops auf der Suche nach günstigen Tablets ist, stößt womöglich über das Alldocube iPlay 50. Wir haben es auf Herz und Nieren geprüft – wo das Tablet einstecken muss, zeigt unser Test.
Billige China-Tablets haben fast schon einen Ruf für sich. Viele Hersteller neigen in diesem Zusammenhang dazu, maßlos übertriebene Spezifikationen im Verkaufsinserat oder sogar direkt im Betriebssystem anzugeben, um den Kunden zu täuschen. Der Frust war groß, als dieser nach vier Wochen Lieferzeit ein sorglos verpacktes Billig-Tablet erhielt, das zwar mit 128 GByte Speicher warb, in der Realität mit viel Glück aber gerade mal ein Achtel davon hatte. Und so etablierte sich bei vielen Menschen die Meinung, dass man Tablets vielleicht doch bei renommierten Herstellern wie Samsung und Apple kaufen sollte.
Ein Gerät, das diesen Vorurteilen nicht entspricht, ist das Alldocube iPlay 50. Das Tablet des chinesischen Herstellers verspricht für den günstigen Preis ab 108 Euro so einige Schmankerl. Das Tablet bietet ein 10,4 Zoll großes IPS-Display, einen 6000 mAh starken Akku und reines Android 12. Im Test stellt sich zwar heraus, dass das Gerät besonders beim ersten Punkt eine eher mäßige Leistung ablegt, dafür aber an anderen Stellen punkten kann. Welche das sind, zeigen die nachfolgenden Zeilen.
Weitere gute, aber erschwingliche Tablets zeigen wir in der Top 10: Die besten Tablets 2023 bis 250 Euro – Samsung an der Spitze. Noch günstigere Alternativen zeigen wir im Ratgeber Billige Tablets unter 100 Euro: Schrott oder günstiges Entertainment? Passendes Zubehör findet sich im Ratgeber Tablet-Ständer für Couch, Nachttisch und Küche ab 5 Euro.
Lob Nummer Eins. Das Design des Alldocube iPlay 50 kann man zusammenfassend als „günstig, aber hochwertig“ bezeichnen. Auf den ersten Blick mutet es hier nicht an, ein Tablet mit einem Kaufpreis von unter 150 Euro zu sein. Die Vorderseite besteht aus Glas – keinem Plastik, was bei dem Preis tatsächlich nicht selbstverständlich ist – und die Rückseite aus sauberem, schönem Aluminium. Es fühlt sich gut in den Händen an, es ist geschmeidig und überraschenderweise nicht allzu kalt. Diese Material- und Designwahl kennen wir sonst nur von hochwertigen Tablets und iPads – ein großer Vorteil dieses Geräts.
Die kleine Kamera ist auf der Rückseite oben links in einer kleinen Hervorhebung eingelassen, zusätzlich gibt es auf der linken Seite einen Plastikrand, der den Empfang von Funksignalen ermöglicht. Spannend positioniert ist der Audiojack, der in der rechten unteren Ecke eingelassen ist (wenn man von vorne auf das Gerät schaut). Die Anschlüsse und der Lautsprecher befinden sich ebenfalls unten, oben die drei Tasten. Der Schlitz für die SIM-Karte und microSD-Karte ist an der rechten Kante. Die Displayränder auf der Vorderseite sind übrigens nicht wirklich dünn, aber auch nicht inakzeptabel dick, alles im grünen Bereich.
Die Gerätemaße betragen 24,6 × 15,6 × 0,82 Zentimeter, das Tablet wiegt 475 Gramm. Es fühlt sich dadurch in Zusammenspiel mit dem hochwertigen Design edel an, ist aber noch nicht zu schwer, um in einer Hand gehalten zu werden. Lediglich das Gehäuse knarzt auf der rechten Seite ein wenig zu stark, womöglich ist dieses Manko aber auf unser Modell limitiert.
Nach dem Auspacken und Einrichten des Alldocube iPlay 50 scrollt vielleicht der ein oder andere durch die Menüs, installiert die ein oder andere App, spielt vielleicht ein Spiel oder schaut sich ein paar Videos an. Rasch dürften diese Personen merken: Da stimmt etwas nicht. Um festzustellen, dass sich das alles ein wenig „fad“ anfühlt, benötigten wir nach dem Auspacken keine fünf Minuten. Leider ist es so – der 10,4 Zoll große IPS-Bildschirm des iPlay 50 leidet unter chronischer Farbblässe, als hätte man es ein paar Mal zu heiß in der Waschmaschine gewaschen. Das Gerät lächelt uns zwar mit dem großen und in Innenräumen auch ausreichend hellen Panel an, bei näherer Betrachtung macht das Display allerdings allzu viel Spaß.
Das Panel löst immerhin mit soliden 2000 × 1200 Pixel auf, das ist eine gerade noch ausreichende Auflösung für ein 10,4 Zoll großes Tablet. Gestört hat uns neben den wirklich ausgewaschenen Farben auch die niedrige Gesamthelligkeit des Panels – mit 345 cd/m² nicht wirklich hoch, wobei man anmerken muss, dass es in dieser Preisklasse die wenigsten besser machen. Außerdem ist das Display-Panel an den „abgerundeten“ Ecken nicht sauber, sondern uneben geschnitten, als hätte es jemand von Hand mit einer Schere schneiden wollen – wahrscheinlich auch dem Preis verschuldet. Ein weiterer Nachteil ist das Fehlen von Widevine-Level-1-Unterstützung – das bedeutet, dass Inhalte auf Netflix und Co. nur in SD-Qualität, also mit 480p zu streamen sind. Kostenfreie Plattformen wie YouTube sind davon nicht betroffen. Die Blickwinkelstabilität ist ausgeprägt und angenehm anzusehen.
Es gibt wenige Stellen, an denen Tablet-Hersteller so gerne sparen, wie an der Kamera. Für uns ist das auch im Gegensatz zu Smartphones ein zu vernachlässigendes Kriterium. Beim iPlay 50 befindet sich auf Vorder- und Rückseite jeweils genau eine Linse. Die Hauptkamera auf der Rückseite löst mit nicht gerade umwerfenden 8 Megapixeln auf, die Auflösung der Frontkamera beträgt 5 Megapixel. Mehr, als dass die entstehenden Fotos nicht zu gebrauchen sind, muss man hier nicht wirklich sagen. Andere preiswerte Tablets machen das aber auch nicht besser. Die Farben sind ähnlich schwach ausgeprägt wie beim Display, alles scheint unscharf und distanziert zu sein. Videoaufnahmen sind mit maximal mit 1080p bei 30 fps möglich – das ist in Ordnung. Die Frontkamera eignet sich höchstens für Videoanrufe, bei denen die Kameraqualität nicht ausschlaggebend ist.
Angetrieben wird das Alldocube iPlay 50 von einem Unisoc Tiger T618-Prozessor. In dieser Preisklasse ist der Chip häufiger vertreten und liefert immer passable Ergebnisse. Beim iPlay 50 ist es nicht anders: Das Tablet schneidet im PCmark mit seinen 7700 Punkten durchschnittlich gut ab, für den Alltag ist die Performance mehr als ausreichend und ist auf einem Level mit dem Samsung Galaxy Tab A8 (Testbericht). Abgesehen von Casual Games wie Angry Birds oder Fruit Ninja ist es fürs Gaming weniger gedacht, wie der 3Dmark-Test „Wild Life“ mit 740 Punkten zeigt. Im Alltag bestätigt sich die Erfahrung der Benchmarks – reguläre Aufgaben sind wirklich ausführbar, an größeren Spielen wie PUBG scheitert es jedoch.
Begleitet wird der Chip von vier bis sechs Gigabyte LPDDR4x-Arbeitsspeicher, unser Testgerät hatte zudem einen internen Speicher von 64 Gigabyte, je nach Variante sind hier allerdings bis zu 128 Gigabyte möglich. Der interne Speicher ist über den hybriden Kartenslot erweiterbar – dann kann man aber keine SIM-Karte zur gleichen Zeit nutzen. Die Konnektivität erfolgt bei diesem Gerät über Wifi 5 und Bluetooth 5.0 sowie optional über 4G dank des integrierten SIM-Karten-Slots. Dieser Aspekt ist auf jeden Fall hervorzuheben, da Mobilfunkkonnektivität bei diesem Preis wirklich keine Selbstverständlichkeit ist. Telefongespräche können auch über VoLTE geführt werden. Um das eingebaute UKW-Radio zu nutzen, muss man ein Kopfhörerkabel in den Klinkenanschluss stecken. Die verbauten Mikrofone und Lautsprecher sind brauchbar, aber bieten kein Soundfeuerwerk. Sie sind dem Preis angemessen.
Ein großer Kritikpunkt beim Alldocube iPlay 50 ist leider das Betriebssystem, wie bei vielen anderen chinesischen Geräten auch. Wir freuen uns zwar, dass hier reines Android 12 ohne unnötige zusätzliche Benutzeroberfläche zum Einsatz kommt, allerdings ist die installierte Version stark veraltet. Auf unserem Testgerät ließ sich zwar das Google Play-Systemupdate vom 5. Mai 2023 installieren, allerdings war der Sicherheitspatch vom 5. September 2022 und damit beinahe ein Jahr alt. Das ist so alt, dass es langsam unsicher wird.
Auch spannend: In den Einstellungen gibt es keine Option, nach einem Systemupdate zu suchen und es gibt dafür auch keine zusätzliche App. Ein paar Tagen nach dem Einrichten des Tablets wurde uns allerdings die Nachricht angezeigt, dass ein Update zur Verfügung stünde – nach der Installation war der Sicherheitspatch jedoch gleich, die Changelogs sind nichts aussagend.
Worauf das Alldocube iPlay 50 hingegen stolz sein kann, ist die Akkulaufzeit. Da das Gerät einen relativ dunklen Bildschirm und einen energiesparsamen Chip verwendet, kommt man hier im Battery-Test von PCmark auf knapp 10 Stunden. Der Wert ist gut, in der reellen Nutzung überträgt sich das auf rund anderthalb Tage regulärer Nutzung ohne die Notwendigkeit, das Gerät neu wiederaufzuladen. Aufgeladen wird über ein USB-C-Kabel mit 10 Watt, das ist gerade noch okay, dauert aber rund 3,5 Stunden.
Das Alldocube iPlay 50 mit 6/128 GByte in Schwarz kostet mit dem Coupon-Code BGTSRWT618 beim chinesischen Händler Banggood bis zum 31.08.2023 nur 129 Euro. Die Variante mit 4/64 GByte gibt es mit dem Code BGTSRWT6184 ab 108 Euro. Geliefert wird aus Lagerbeständen aus Tschechien.
Insgesamt handelt es sich beim Alldocube iPlay 50 um ein solides Einsteiger-Tablet, das insbesondere für Unterhaltung, zum Surfen im Web und für E-Mails bestens geeignet ist. Der niedrige Preis rechtfertigt die allermeisten Probleme, wobei wir uns über ein qualitativ etwas hochwertigeres Display natürlich gefreut hätten. Wer ein gutaussehendes und ordentlich verarbeitetes Tablet für unter 150 Euro sucht, den wird das iPlay 50 nicht enttäuschen.
Gute Alternativen mit Widevine Level 1 sind das Samsung Galaxy Tab A8 (Testbericht), Lenovo Tab M10 Plus (Testbericht) sowie mit LTE das Blackview Tab 11 (Testbericht). Weitere Alternativen zeigt unsere Top 10: Die besten Tablets 2023 bis 250 Euro – Samsung an der Spitze. Wem das noch zu teuer ist, sollte einen Blick auf diesen Ratgeber werfen: Billige Tablets unter 100 Euro: Schrott oder günstiges Entertainment?
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