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Amazfit Bip S im Test: 50-Euro-Schnäppchen mit GPS in Apple-Optik

Amazfit Bip S Aufmacher
VORTEILE
  • Gute Verarbeitung, präzise Messwerte
  • Lange Akkulaufzeit
  • Preis
NACHTEILE
  • Schlechtes Display
  • Keine Apps installierbar

Günstig und viereckig wie die Apple Watch: Die Bip S von Amazfit will für wenig Geld Smartwatch-Fans für sich gewinnen. Ob die leichte Uhr das Zeug zu einer echten Smartwatch hat oder doch eher als Fitnesstracker eingestuft werden muss, zeigt dieser Test.

Für gerade mal knapp 50 Euro schickt Huami die Amazfit Bip S ins Rennen. Schon beim ersten Blick wird deutlich, dass man dafür beim Display Abstriche hinnehmen muss. Ein flüchtiger Check der Ausstattungstabelle lässt hoffen: Denn die Bip S kommt mit GPS und Glonass daher und wurde aus gleichermaßen leichtem wie hochwertigem Polycarbonat gefertigt. Als echtes Kaufargument lockt zudem die lange Akkulaufzeit von bis zu 40 Tagen.

Dass man für gerade mal 50 Euro keine Wunder erwarten darf, ist wahrscheinlich jedem klar. Ob die Amazfit Bip S gravierende Schwächen hat oder doch ein richtiges Schnäppchen ist, das klärt unser Test in unserer Themenwelt Smartwatches.

Modellvarianten

Käufer der Huami Amazfit Bip S haben lediglich bei der Farbe die Wahl: Die leichte Uhr ist ansonsten immer mit dem 1,28 Zoll großen Display und identischer Ausstattung zu haben. Erhältlich ist die Smartwatch in Orange, Pink, Schwarz und Weiß. „Orange“ bedeutet, dass das Display orange umrandet und die Krone einen orangen Tupfer hat, der Rest der Uhr und das Armband sind in einen sehr dunklen Petrol-Ton getaucht. Die Armbänder bestehen jeweils aus Kunststoff.

Design und Tragekomfort

Durch das geringe Gewicht von gerade mal 31 Gramm inklusive Armband ist die Bip S extrem leicht und macht sich am Handgelenk nicht bemerkbar. Das weiche, 20 Millimeter breite Armband schmiegt sich angenehm an die Haut und passt sowohl an schmale als auch an kräftigere Handgelenke, der Verschlussmechanismus ist funktional. Die Bänder der weißen, orangen und rosafarbenen Modelle bestehen aus Silikon. Eine spezielle Molekulargittertechnik soll dafür sorgen, dass diese schmutzabweisend sind. Das schwarze Armband unserer Testuhr wurde aus thermoplastischem Polyurethan (PTU) gefertigt. Huami hat seine Uhr im klassischen Apple-Look gehalten. Das Gehäuse aus Polycarbonat ist zweifarbig eingefärbt und sehr leicht, aber trotzdem stabil. Der seitliche Druckknopf aus Edelstahl wurde mit CNC-Maschinen bearbeitet, sandgestrahlt und dezent eingefärbt, um ihn dem Farbschema der Uhr anzupassen. Beim schwarzen Modell wird dies jedoch kaum sichtbar. Die Verarbeitungsqualität der Bip S ist für eine Smartwatch dieser Preisklasse sehr gut. Sie ist 5 ATM wasserdicht und kann damit problemlos zum Schwimmen getragen werden.

Display

Das 1,28 Zoll große transflektive Farbdisplay gehört garantiert nicht zu den Stärken der Huami-Watch. Selbst wenn man die mehrstufig anpassbare Helligkeit auf den maximalen Level einstellt, ist es teilweise zu dunkel und nur schwer abzulesen. Schwarz tendiert je nach Blickwinkel ins Blau-Gräuliche, die Farben haben wenig Dynamik, Schriften sind ausgefranst und nicht perfekt zu erkennen. Im Zeitalter brillanter AMOLED-Displays sieht der Bildschirm der Bip S wie ein Modell aus vergangenen Zeiten aus. Daran sind auch die magere Auflösung mit 176 x 176 Pixel und die eingeschränkte Darstellung von gerade mal 64 Farben schuld. Positiv: Die Uhrzeit ist permanent abzulesen, und das Panel wird durch ein recht robustes 2.5D Corning-Gorilla-Glas geschützt. Das reine Display (ohne Rand) mit einer Diagonalen von 3,1 Zentimeter gehört zu den eher kleineren Vertretern. Durch einen längeren Druck auf den Bildschirm kann man das Zifferblatt wechseln, vier Watchfaces sind vorinstalliert, rund 40 andere können nachträglich heruntergeladen werden. Zwei der bereits installierten Zifferblätter sind personalisierbar und zeigen dann nur die gewünschten Informationen an.

Ausstattung

Die Ausstattung der Amazfit Bip S ist überschaubar: Spätestens anhand der Tatsache, dass sich auf ihr keine Apps installieren lassen, wird deutlich, dass es sich bei ihr mehr um einen Fitnesstracker als um eine Smartwatch handelt. So erfasst die Uhr lediglich die Schritte, verbrannte Kalorien und die Herzfrequenz. Sie hat eine simple Wettervorhersage für den eigenen Wohnort an Bord, zudem einen Musikplayer, um Songs vom Smartphone abzuspielen, wenn eine Bluetooth-Verbindung vorhanden ist, sowie einen Timer, einen Wecker und einen Kompass. Eingehende Nachrichten wie SMS oder WhatsApp werden auf dem Display angezeigt, eine Möglichkeit zum Antworten gibt es jedoch nicht. Bei Anrufen vibriert das Gehäuse. Zur Navigation kommt ein GPS-Chip von Sony zum Einsatz.

Zum Prozessor und zum Arbeitsspeicher macht Huami keine Angaben. Als Betriebssystem fungiert Amazfit OS. Die Bip S arbeitet mit Smartphones ab Android 5.0 sowie iOS 10.0 zusammen. Im Gehäuse werkelt neben einem 3-Achsen-Beschleunigungs- auch ein 3-Achsen-Geomagnetsensor. Zudem setzt Huami einen optischen BioTracker ein. Indem sie den ganzen Tag die Herzfrequenz einschließlich Ruheherzfrequenz und Herzfrequenzintervallen misst, versucht die Bip S den Gesundheitszustand des Uhr-Trägers zu analysieren. Dazu nutzt sie das so genannte PAI-System (Personal Active Intelligence) mit einem Huami zufolge wissenschaftlich fundierten Gesundheitsscore. Ziel soll das regelmäßige Erreichen eines Wertes von mindestens 100 PAI sein. Denn dann, so heißt es, besteht ein maximaler Schutz vor Herzkrankheiten und anderen Lebensstilerkrankungen.

Um das Thema Schlaf kümmert sich die Bip S ebenfalls. Über die „Zepp“-App wird eine Schlafpunktzahl ermittelt, die eine Aussage über die Qualität des Schlafs geben soll. Darüber hinaus schlüsselt die App den Schlaf in Tiefschlaf-, Leichtschlaf- und Wachphasen auf und ermöglicht einen Überblick über die Schlafregelmäßigkeit.

Zusatzfeatures wie das Herunterladen von Apps, mobiles Bezahlen oder einen Sprachassistenten bietet die Huami Amazfit Bip S nicht.

Bedienung

Die Uhr wird per Touch- und Wischgesten bedient. Das Menü ist klar aufgebaut. Über den rechten Druckknopf gelangt man in die Untermenüs und zum Startbildschirm zurück. Farbige Symbole helfen dabei, sich leichter zurechtzufinden, Schlagwörter wie „Status“ oder „Herzfrequenz“ sind allerdings sehr klein geschrieben und schwer ablesbar. Gerade bei Wischgesten reagiert das Display nicht immer sofort – entweder mit leichter Verzögerung oder ab und zu auch gar nicht, dann muss man den Befehl erneut ausführen.

Am Bedienkonzept gibt es hingegen nichts zu kritisieren, das ist plausibel und intuitiv, sodass man sich in der Amazfit-Uhr auf Anhieb zurechtfindet.

Sport und Fitness

Huami hat der Amazfit 17 Sportmodi spendiert. Dazu zählen unter anderem Outdoor- und Indoor-Laufen, Radfahren, Gehen, Schwimmen im Pool oder im offenen Gewässer, Yoga, Badminton, Fußball und Tischtennis.

Zurückgelegte Routen etwa beim Joggen oder Radfahren werden durch das integrierte GPS aufgezeichnet. Das Signal wurde im Test sehr schnell gefunden. Trainings lassen sich im Menüpunkt „Aktivitätsverlauf“ auch nachträglich aufrufen. Auf dem Uhren-Display wird die Strecke abgebildet, zudem hat man unter anderem Zugriff auf die Gesamtzeit, die Geschwindigkeit pro Kilometer, die Herzfrequenz und die verbrannten Kalorien. In der „Zepp“-App werden das Tempo, die Herzfrequenz und der Pulsbereich zusätzlich grafisch aufbereitet. Hier legt man auch die persönlichen Ziele fest – wie viele Schritte will man pro Tag gehen, welches Gewicht strebt man an, wie viele Kalorien sollen verbrannt werden und wie viele Stunden möchte man schlafen? Neben dem PAI-Wert gibt die App zudem Auskunft zum Stresslevel und zur Schlafqualität. Die Anwendung ist übersichtlich gestaltet und sehr informativ, das passt.

Die Messgenauigkeit der Amazfit erwies sich im Test als ordentlich. Bei der Schrittzahl zeigte sie im Schnitt sieben bis zehn Prozent zu viel an, das ist ein gutes Ergebnis. Plausibel und im Einklang mit anderen Referenzmessungen waren die Werte der Herzfrequenz.

Akku

Die verbaute Lithium-Ionen-Polymer-Batterie leistet 200 mAh und hielt bei uns im Test bei normaler Nutzung etwas länger als zwei Wochen durch, was ein super Wert ist. Huami zufolge sind bis zu 40 Tage drin, bei dauerhafter GPS-Nutzung ist hingegen nach maximal 22 Stunden Schluss.

Geladen wird die Bip S in einem kleinen Adapter, in den die Uhr eingesetzt wird. Dieser bezieht den Strom per USB beispielsweise von einem Computer. Ein vollständiger Ladevorgang dauert etwa 2,5 Stunden.

Preis

Huami selbst verkauft die Amazfit Bip S für knapp 45 Euro. Auch im Internet bei Online-Händlern bewegt sich die Uhr in diesem Preissegment, zum Teil kostet sie paar Euro mehr, mitunter etwas weniger. Die Preisspanne fällt generell sehr gering aus.

Fazit

Die Huami Amazfit Bip S ist für den niedrigen Preis hochwertig verarbeitet und punktet durch zuverlässige Messergebnisse und eine lange Akkulaufzeit. Das Display ist unterdurchschnittlich, zu dunkel und alles andere als farblich brillant. Da sie keine zusätzlichen Apps erlaubt, ist die Bip S eher ein Fitnesstracker und keine Smartwatch. Auch wenn sie im Apple-Watch-Design daherkommt, sollte man sich von der Optik nicht irritieren lassen. Wer sich die Bip S unter der Prämisse zulegt, sie als preiswerte Sportuhr ohne viel Schnickschnack zu nutzen, macht hingegen keinen Fehler.

Wer allerdings eine vollwertige Smartwatch erwartet, der wird etwas enttäuscht sein. Hier empfehlen wir eher einen Blick auf Konkurrenten wie die Themenwelt Smartwatch. Für den Preis kann man allerdings wenig machen, "echte" Smartwatches bekommt man kaum unter 150 Euro. Eine spannende Konkurrenz ist die Oppo Watch (Testbericht) oder natürlich die Apple Watch Series 6 (Testbericht), von der die Amazfit Bip S so sehr inspiriert ist. Weitere Alternativen zeigen wir im Artikel Testsieger: Die besten Smartwatches, Sportuhren und Fitness-Tracker.