Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Der Amazift Helio Ring ist eine minimalistische Alternative zur Smartwatch und günstige Alternative zur Konkurrenz. Wie gut der smarte Ring sich in der Praxis schlägt, zeigt der Test.
Mit dem Helio Ring bringt Amazfit seinen ersten smarten Ring auf dem Markt, um die Konkurrenz aus Galaxy Ring oder Oura Ring das Fürchten zu lehren. Preislich unterbieten die Chinesen das Modell der Koreaner deutlich – was die Features angeht, scheint Gleichstand zu herrschen.
In erster Linie bietet sich der smarte Ring an, um den Schlaf zu überwachen, tägliche Aktivitäten zu erfassen und den Puls kontinuierlich zu messen. Wer ungern eine Smartwatch oder einen Fitness-Tracker trägt, findet hier eine kompakte Lösung fürs Gesundheits-Tracking. Ob der Ring ab 109 Euro hält, was er verspricht, zeigt der Test.
Auf den ersten Blick hat man mit dem Helio einen einfachen Ring vor sich. Im Detail fallen dann aber einige Unterschiede auf zu den Modellen von Samsung oder Oura: Ein gepunktetes Muster auf der Oberseite sowie eine kleine Kerbe, welche auf die Stelle mit den Sensoren hindeutet, die sich auf der Unterseite des Fingers befinden sollten. Insgesamt wirkt der Helio etwas wuchtiger als die Modelle der Konkurrenz. Die Farbe liegt zwischen Silber und Gold.
Der Ring besteht aus einer Titanhülle mit integrierten Sensoren auf der Innenseite, die in eine Kunststoffschicht gehüllt sind. Vor dem Kauf sollte man sorgfältig Maß nehmen, denn es gibt den Ring lediglich in drei Größen: Für einen Fingerumfang von 60,3 mm dient Größe 8, für 66 mm Größe 10 und für 71 mm Größe 12. Mit 4 g ist er angenehm leicht – ein Vorteil von Titan.
Amazfit rät generell dazu, den Ring am Zeigefinger zu tragen, was im Alltag aber eher unpraktisch ist. Zwangsweise stößt man ständig an Gegenstände oder verkratzt diese im schlimmsten Fall. Laut Amazift kann man ihn aber auch am Ring- und Mittelfinger tragen. Wir haben das größte Modell genutzt. Dieses saß an einer eher schlanken Männerhand auch auf dem Zeigefinger noch recht locker.
Im Prinzip ist der Helio Ring ein abgespeckter Fitness-Tracker. Weder für ein GPS-Modul noch NFC war Platz in dem knappen Raum. Der Ring ist mit einem PPG-Sensor (Photoplethysmographie) zur optischen Pulsmessung, einem Temperatursensor sowie einem EDA-Sensor (Electrodermal Activity) zur Messung des Hautwiderstands ausgestattet. Dazu kommen ein 3-Achsen-Beschleunigungssensor und 3-Achsen-Gyroskop. Damit sind also Bewegungsdaten in Form der Schrittzählung möglich. Neben der Aktivität misst der Ring auch den Schlaf. Obendrein erfasst der Ring standardmäßig den Herzschlag alle 10 Minuten.
Um den Ring zu nutzen, ist die Zepp-App erforderlich, die auch für Smartwatches von Amazfit zum Einsatz kommt. Sie ist kompatibel mit Android und iOS und bereitet die Daten umfangreich auf. So zählt die App die zurückgelegten Schritte und die Herzfrequenz.
Für Sport ist der Ring weniger geeignet – beim Kraftsport etwa stört er an Hanteln. Zudem wäre er für die Pulsüberwachung beim Cardio-Training unpraktisch, da man diese in der App jedes Mal nachschauen müsste. Eine automatische Erkennung von Aktivitäten gibt es nicht, man muss also eine Trainingssession in der App starten. Der Helio Ring ermöglicht die Aufzeichnung von Aktivitäten wie Joggen, Laufbandtraining, Gehen oder Radfahren.
Mangels GPS ist die Routenaufzeichnung nur in Verbindung mit dem Smartphone möglich. Die Schrittzählung erschien uns recht genau und weichte im Vergleich zu einer Huawei Watch Fit 3 (Testbericht) nur rund 5 Prozent ab. Die Pulsmessung wich bei einer mäßigen und konstanten Belastung nur rund 3 Prozent vom Fitness-Tracker von Huawei ab und ist damit recht präzise. Messungen des Stress-Levels wirkten auf uns allerdings nicht immer nachvollziehbar. Gelegentlich überrascht uns die App mit einem Hinweis auf eine „emotionale“ Reaktion – während wir etwa auf der Couch lagen und ein eher langweiliges Fernsehprogramm genossen.
Mit einem kostenpflichtigen Abo erhalten wir zudem Zugriff auf den Zepp Trainer sowie Zepp Aura. Der Zepp Trainer ist ein KI-gestützter Chatbot, der Fragen zu unserem Training beantwortet. Zepp Aura bietet Einschlaf- und Meditationshilfen über die App, etwa entspannende Musik und Hintergrundgeräusche. Auch Aura verfügt über einen Chatbot, der uns bei der Auswahl von Soundkulissen unterstützt. Zepp Trainer kostet rund 4 Euro im Monat, das Jahresabo ist günstiger. Zepp Aura Premium liegt bei 10 Euro im Monat.
Der Schlaf wird unterteilt in leichten, tiefen und REM-Schlaf – wie auch bei Smartwatches. Basierend aus den Schlaf- wie Aktivitäts-Daten der letzten 24 Stunden gibt die App einen Bereitschafts-Grad wieder – sprich: wie fit und belastbar man sein sollte. Der PAI-Wert in der Zepp-App wiederum fasst Herzfrequenz, tägliche Aktivitäten und physiologische Daten zu einem Gesundheitsindikator zusammen. Ein Wert ab 100 gilt laut Amazfit als gesundheitsfördernd. Gleichzeitig dient PAI als motivierendes Gamification-Element für das Training.
Die große Stärke liegt bei der Nutzung im Schlaf, dort ist ein Ring deutlich bequemer als eine sperrige Uhr. Nachts störte jedoch das grüne Aufleuchten des PPG-Sensors (Photoplethysmographie) die Partnerin des Autors dieses Tests ein wenig. Allerdings tut sich der Ring wie schon die meisten Fitness-Tracker aus unsern Tests schwer damit, Wachphasen verlässlich zu erkennen.
Die vielleicht größte Schwachstelle im Vergleich zur Konkurrenz von Samsung ist die Akkulaufzeit. Die Akkukapazität reicht je nach Größe des Rings von 16,5 bis 20,5 mAh. Wir haben das große Modell getestet und mussten ihn alle drei Tage aufladen. Fitness-Tracker hingegen halten bis zu zwei Wochen durch. Der Galaxy Ring kommt auf knapp eine Woche. Misst man noch zusätzlich den annähernden Blutsauerstoff, reduziert sich die Laufzeit abermals deutlich.
Mit dem Ladepad ist der Ring in rund zwei Stunden aufgeladen. Dabei muss man genau darauf achten, dass er richtig ausgerichtet ist. Eine weiße LED leuchtet, wenn die Ladung läuft. Ein Netzteil liefert Amazfit nicht mit, nur das Ladepad selbst. Dieses verfügt über einen USB-C-Anschluss, benötigt aber ein Netzteil mit USB-A-Port. In unserem Test hatten wir Probleme mit einem Netzteil mit USB-C auf USB-C, was vermutlich damit zusammenhängt, dass diese Power Delivery (PD) unterstützen, das Ladegerät des Helio Ring aber nicht.
Mit einer stolzen UVP von 300 Euro war der Amazfit Helio Ring zum Marktstart immerhin nur halb so teuer wie der Galaxy Ring von Samsung. Mittlerweile ist der Preis auf 109 Euro gesunken.
Der Amazfit Helio Ring ist eine kompakte Alternative zu Smartwatches und Fitness-Trackern, die besonders bei der Schlafüberwachung und dem Alltags-Tracking punkten. Dank seines leichten Titangehäuses und der umfassenden Zepp-App bietet er eine umfassende Schlafanalyse und motivierende Gesundheitsstatistiken, etwa den PAI-Wert. Der Ring ist eine Option für Minimalisten, die kein klobiges Wearable am Handgelenk möchten. Die App ist übersichtlich und umfangreich, die meisten Messungen weitgehend nachvollziehbar.
Dennoch hat der Helio Ring einige Schwächen, die ihn vorwiegend für Sport-Enthusiasten weniger interessant machen. Dazu gehört die kurze Akkulaufzeit von nur drei bis vier Tagen, das Fehlen von GPS oder NFC oder die Einschränkungen beim Sport-Tracking. Letztlich bietet der Ring also nicht alle Features eines preiswerten Fitness-Trackers, bietet jedoch ein sehr kompaktes Format.
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