Berti ist freier Technikjournalist. Seit 15 Jahren testet er alles Smarte und Digitale, das er in die Finger kriegt. Dazu nimmt er Stellung und gibt Tipps. So entstand sein Beiname "RatgeBerti". Seine Begeisterung für den Technikjournalismus hat er im Jahr 2005 während des Studiums der…
Autos werden immer größer, aber Amazons Alexa-Speaker fürs Fahrzeug-Cockpit wird kleiner. Was das bringt und für wen sich die zweite Generation von Echo Auto lohnt, klärt der Test.
„Liebling, Amazon hat den Auto geschrumpft“. Ja, genau, „den“ Auto. Schließlich handelt es sich um einen Smart Speaker. Er ist allerdings kein Alexa-Lautsprecher (Ratgeber) für einen Raum zu Hause, sondern für den Fahrgastraum des Autos. Genau wie die erste Generation Amazon Echo Auto (Testbericht) von 2020, stellt Echo Auto 2 eine Verbindung zwischen dem Lautsprechersystem des Fahrzeugs und dem eigenen Smartphone her.
Das ist interessant für alle, die kein Autoradio mit Apple Carplay und Android Auto haben oder schlicht Alexa den Alternativen vorziehen. Mehr dazu erklären wir im Ratgeber Android Auto, Apple Carplay & DAB+ nachrüsten: Displays, Moniceiver & Receiver. Mittels eingebauter Mikrofone akzeptiert das Zubehör Alexa-Sprachbefehle und startet auf Wunsch Musik, Anrufe oder eine Navigation. Erledigte Aufgaben bestätigt das Gerät über einen eigenen Mini-Lautsprecher.
Die neue Generation ist kleiner als die Erste und soll sich leichter im Cockpit montieren lassen. Um herauszufinden, wie nützlich sich Echo Auto 2 ins Armaturenbrett einfügt und während der Fahrt assistiert, haben wir auf der Straße getestet.
Um schlankere Maße zu schneidern, hat Amazon den neuen Echo Auto halbiert. Er haust nicht mehr in einem Zigarettenschachtel-großen Gehäuse, sondern in zwei kleineren in jeweils der Form eines USB-Sticks sowie Sturmfeuerzeugs. Beide sind durch ein Kabel verbunden. Das kleinere Gehäuse ist 23 Millimeter breit, 52 Millimeter hoch und 15 Millimeter tief. Es beherbergt eine Taste, die Alexa aufweckt und eine, die sie dauerhaft auf taub schaltet sowie einen LED-Balken. Das größere Gehäuse ist 35 Millimeter breit, 57 Millimeter hoch und 14 Millimeter tief. Dabei handelt es sich um die Lautsprecherbox für Alexas Antworten, sofern sie diese nicht auf den Autolautsprechern ausgibt.
Beides zusammen wiegt 61 Gramm und ist damit sogar minimal schwerer als das Original, das 45 Gramm auf die Waage bringt. Wegen der Aufteilung trägt der Neuzugang aber optisch nicht dicker auf. Nur das kleine Gehäuse ist im Normalfall auf dem Armaturenbrett befestigt und somit zu sehen. Das größere Gehäuse kann in einer Nische der Mittelkonsole verschwinden, wo es nicht auffällt.
Ein USB-A-Kabel versorgt Echo Auto 2 mit Energie. Für den Fall, dass das Fahrzeug keinen USB-Slot hat, inkludiert Amazon ein Netzteil, das in den Zigarettenanzünder passt. Dieses hat außer USB-A einen zweiten Slot mit USB-C, der parallel ein Smartphone aufladen kann. Als Übertragungsweg für Daten sieht Amazon in erster Linie Bluetooth vor. Fehlt eine Funkverbindung, lässt sich ein mitgeliefertes 3,5-Millimeter-Klinkenkabel in die Aux-Buchse des Autoradios und in die Lautsprecherbox von Echo Auto 2 stöpseln.
Alexas benötigten Kontakt zu den Webservern von Amazon kann Echo Auto 2 nicht selbst herstellen. Ein Mobilfunkmodul gibt es nicht. Wie schon bei der ersten Generation kapert der Sprachdienst die Internetverbindung des Smartphones.
Mit einem iPhone 12 Pro Max und einem Mini Cooper lässt sich Echo Auto 2 im Test schnell und einfach einrichten. Grundsätzlich funktioniert Amazons Auto-Speaker mit den meisten Bordentertainmentsystemen und Smartphones mit Android 8 oder iOS 14 aufwärts. Mobilgeräte und Fahrzeuge, zu denen keine Bluetooth-Verbindung möglich ist, zeigt Amazon in einer Liste. Abhilfe können FM-Transmitter (Ratgeber) oder Kassettenadapter schaffen. Beides muss man sich extra besorgen, Amazon liefert nichts davon mit.
Sind die Voraussetzungen erfüllt, reichen für das Setup wenige Handgriffe. Man versorgt den Echo Auto 2 mit Energie und öffnet die Alexa-App auf dem Smartphone. Die Software findet den Smart Speaker von allein und fordert per Schaltfläche zum Start des Einrichtungsvorgangs auf. Ein Druck auf die Aktionstaste des Echo Auto 2 macht ihn mit dem Smartphone bekannt. Anschließend wählt man den Verbindungsweg zu den Autolautsprechern. Außer Aux und Bluetooth stehen dafür Apple Carplay und Android Auto zur Auswahl. Letztere beiden Optionen tun aber auch nichts anderes, als Signale per Bluetooth durchzuschleusen. Im Test nutzen wir Apple CarPlay. Für die Routen-Navigation legt man fest, ob ein Alexa-Sprachbefehl Apple Karten oder Google Maps aufruft.
Für die Montage im Auto muss man bei der zweiten Generation nicht mehr eine Halterung in einen passenden Lüftungsschlitz klemmen. Stattdessen findet das Mikrofon-Gehäuse magnetisch auf einem Sockel Halt, der wiederum mittels mitgelieferter Klebepunkte auf dem Armaturenbrett haftet. Für das Lautsprechergehäuse ist keine Halterung vorgesehen. Im Zweifelsfall baumelt es in der Mittelkonsole herum.
Der neue Montageansatz eignet sich auch für Autos, deren Lüftungsschlitze keinen stabilen Halt bieten. Ein alter Schönheitsfehler bleibt aber bestehen: Kabelsalat entsteht im Cockpit. Denn neben der Strippe des Alexa-Speakers benötigt man in der Praxis auch ein Ladekabel, damit dem Smartphone-Akku während des Internetverkehrs nicht die Puste ausgeht.
Auf diese Weise ins Cockpit eingebaut, aktiviert man Amazons Sprachdienst mit bewährtem „Alexa …“-Weckruf oder einer Gehäusetaste. Wer das Smartphone neben dem Lenkrad befestigt, hat zudem mit den extra großen Schaltflächen des Auto-Modus‘ der Alexa-App Zugriff auf einige Funktionen für Musik, Navigation und Telefonate.
Im Startbildschirm des Auto-Modus‘ kann man einen zuvor ausgewählten Track pausieren und fortsetzen sowie zum nächsten und vorherigen springen. Per Schnellzugriff lässt man sich direkt nach Hause navigieren oder gelangt ins Anrufe-Menü. Weitere Reiter am unteren Bildschirmrand bieten Zugriff auf favorisierte Kontakte, Audioinhalte, Smart-Home-Geräte und Routen.
In die Bordsoftware des Autos bindet sich Amazon hingegen nicht ein. Auf dem Fahrzeugdisplay gibt es keine Schaltflächen für Alexa-Funktionen, selbst wenn Echo Auto 2 über Apple Carplay oder Android Auto eingebunden ist. Allerdings war es im Test möglich, bei Google Maps via Alexa ein Ziel einzugeben, auch wenn das iPhone per Carplay verbunden war.
Die Fahrzeug-Version von Alexa kann praktisch all das, was sie auch auf einem heimischen Smart Speaker beherrscht. Auf Zuruf streamt sie Musik von einem verknüpften Dienst, recherchiert Webwissen, ruft jemanden an, startet Drop-In-Anrufe zu Alexa-Lautsprechern oder schaltet ein Smart-Home-Gerät. Mündlich die Klimaanlage oder die Heizung einzuschalten, kurz bevor man zu Hause eintrifft, ist somit kein Problem.
Im Test hört Alexa genauso zu und reagiert ebenso wie auf einem Smart Speaker, der zu Hause steht. Dass Amazon bei der neuen Generation von Echo Auto die Zahl der Mikrofone von acht auf fünf reduziert hat, erweist sich nicht als Nachteil. Unsere Zurufe kommen problemlos an. Eine aufgedrehte Lüftung und die Hintergrundgeräusche des Verkehrs beeinträchtigen das Sprachverständnis nicht. Dadurch ist Alexa im Auto in vielen Aspekten den Alternativen Google Assistant und Siri ebenbürtig.
Allerdings im Test als unterlegen erweist Amazons Sprachdienst bei der mündlichen Eingabe von Routenzielen. Vereinzelt versteht sie Straßennamen falsch oder gar nicht, während Googles und Apples Dienste damit keine Probleme haben. Zuverlässig navigiert Alexa nur zu Favoriten wie „nach Zuhause“ oder „zur Arbeit“.
Und noch ein Manko: Erteilen wir der Alexa-App eine Standortfreigabe, saugt der Zugriff auf das GPS spürbar am Smartphone-Akku. Dabei braucht Amazon die aktuellen Koordinaten lediglich, um einen Suchservice für das geparkte Auto anzubieten. Trotzdem fragt sie innerhalb weniger Tage energiezehrend dutzende Male den Standort ab. Wer das unterbindet, hat kaum einen Nachteil, denn die eigentliche Navigation läuft ohnehin über Apples und Googles Routenführer. Eine Parkplatzmarkierung bieten sie ebenfalls.
Zum Marktstart veralngt Amazon 55 Euro für den Echo Auto 2. Die vorherige Generation ist noch als Restposten zu haben. Sie reicht aus, wenn kein Platzmangel auf dem Armaturenbrett herrscht. Funktional kann das Original nicht weniger als das Nachfolgegerät. Günstiger als die Nachrüstung eines Autoradios mit eingebautem Apple Carplay oder Android Auto ist Amazons Alexa-Speaker für Fahrzeuge in jedem Fall.
Mit Echo Auto 2 lässt sich Alexa sehr einfach während der Fahrt nutzen, auch ohne das Smartphone entsperrt und die App offenzulassen. Wegen der kompakteren Bauweise ist Amazons autotauglicher Smart Speaker für viele Interessierte attraktiver geworden. Durch die neue Klebemontage und das Facelift lässt sich Echo Auto 2 flexibler befestigen und unauffälliger verstauen als das Original.
Allerdings muss man weiterhin den Anblick zweier sich übers Armaturenbrett schlängelnder Kabel verkraften, wenn man außer Echo Auto auch das benötigte Smartphone bestromen will. Autoradios mit Apple Carplay und Android Auto sind zweifellos die aufgeräumteren Nachrüstlösungen für eine Sprachbedienung im Fahrzeug. Mehr dazu im Ratgeber Android Auto, Apple Carplay & DAB+ nachrüsten: Displays, Moniceiver & Receiver.
Auf Siri und Google Assistant zu setzen ist zudem bei der Navigation von Vorteil. Alexa versteht Straßennamen nicht so gut wie sie. Weil Siri und Google Assistant direkt vom Sperrbildschirm des Smartphones aus zuhören, bleiben sie auch ohne extra Bordzubehör im Auto erreichbar – anders als Alexa.
Wiederum für Alexa spricht die besonders fahrtaugliche App-Ansicht mit leicht zu treffenden Schaltflächen für Musik, Anrufe, Navigation und Smart Home. Das allein bietet aber wenig Anreiz zu Amazons Angebot zu wechseln. Wirklich interessant bleibt es auch in der zweiten Generation nur für diejenigen, die sich im Alexa-Universum zu Hause fühlen und den Sprachdienst während der Fahrt uneingeschränkt nutzen möchten. Dafür ist Echo Auto 2 eine empfehlenswerte Lösung.
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