Mit der PoE-Überwachungskamera Annke NC500 gelingen farbige Nachtaufnahmen ganz ohne Zusatzbeleuchtung. Was das OEM-Hikvision-Modell sonst noch kann, zeigt der Test.
Unter Night Chroma (NC) vermarktet Überwachungskamerahersteller Annke besonders lichtstarke Modelle. Dabei reicht das Angebot von einfachen Kameras wie der NC500, über 4K-Varianten wie der NC800 (Testbericht) bis zu Ausführungen mit Doppelobjektiv wie der Annke NCD800 (Testbericht). Letztere sorgt für eine Panoramasicht mit einem Blickwinkel von 180° und kann damit sogar als Alternative für PTZ-Überwachungskamera (Bestenliste) dienen.
Die Annke NC500 ist der Nachfolger der NC400 (Testbericht) und löst diese als Einstiegsmodell der Night-Chroma-Serie ab. Sie ist als Turm- und klassische Bullet-Variante verfügbar. Der integrierte 1/3-Zoll-CMOS-Sensor zeichnet Videos mit maximal 3072 × 1728 Pixel und 20 fps auf. Bei 1920 × 1080 steigt die Bildrate auf 25 fps. Als Codec stehen neben H.264 auch die platz- und bandbreitensparende Varianten H.265 und H.265+ parat. Zur Verbesserung der Bildqualität unterstützt die Kamera Wide Dynamic Range (WDR) sowie Backlight- und Highlight Compensation (BLC, HLC), was besonders bei schwierigen Lichtverhältnissen für klare und kontrastreiche Bilder sorgt (siehe Bildergalerie). Zudem bietet die Überwachungskamera eine digitale Rauschunterdrückung (3D DNR) zur Reduzierung von Bildrauschen und Fehlern bei der Farbmischung. Auf eine Gegensprechfunktion müssen Anwender bei der NC500 mangels Lautsprecher verzichten. Dafür kann sie dank Onvif-Kompatibilität auch mit Dritthersteller-Software wie Synology Surveillance Station (Testbericht) und Smart-Home-Systemen (Bestenliste) wie Home Assistant (Testbericht) betrieben werden. Anders als bei Cloud-gebundenen Überwachungskameras verbleiben die Daten dabei unter der Kontrolle des Anwenders (Ratgeber).
Mit Strom wird die Annke NC500 über das Netzwerkkabel (PoE) oder über ein 12-Volt-Netzteil (nicht im Lieferumfang) versorgt. Idealerweise ist für den Betrieb also ein PoE-Injector oder ein PoE-Switch nötig. Alternativ können professionelle Anwender die NC500 auch mit einem Netzwerkvideorekorder (NVR) und integrierten PoE-Ports verwenden (Ratgeber).
Mit Abmessungen von 76,6 × 76,6 × 164,4 mm fällt die Annke NC500 relativ kompakt aus. Trotzdem bringt sie mit 430 g ein ordentliches Gewicht auf die Waage. Das ist dem robusten Gehäuse aus Metall geschuldet, das tadellos verarbeitet ist. Gegenüber Wettereinflüssen ist die PoE-Überwachungskamera nach IP67 geschützt und laut Hersteller im Temperaturbereich zwischen -30° und 60° Celsius einsetzbar. Das Objektiv mit einer Brennweite von 2,8 mm bietet ein horizontales Sichtfeld von 96°, vertikal sind es 52° und diagonal 113°. Obwohl die Blende mit F1.0 sehr lichtstark ist und bereits bei 0,001 Lux Videos auch nachts in Farbe aufzeichnet, bietet die Kamera noch eine zusätzliche LED für eine Ausleuchtung bei extremer Dunkelheit.
Im Lieferumfang ist neben einer englischsprachigen Kurzanleitung, einer Bohrschablone sowie drei Schrauben und Dübeln zur Befestigung noch ein wasserdichter Schutz für die Ethernetkabelverbindung enthalten.
Die Inbetriebnahme der Annke NC500 ist auf verschiedene Weise möglich, und zwar ohne sich beim Hersteller registrieren zu müssen. Entweder nutzt man dafür die mobile App Annke Vision, den Desktop-Client oder einen Browser. Am einfachsten gelingt das Set-up mit der mobilen App Annke Vision. Da es sich bei der Annke NC500 um ein OEM-Hikvision-Modell handelt, können Anwender auch das Tool SADP (Download) verwenden, um die Kamera am Desktop zu aktivieren. SADP identifiziert das Gerät samt IP-Adresse, wenn es am selben Router wie der Rechner angeschlossen ist. Anschließend kann man für Inbetriebnahme und Konfiguration neben dem Desktop-Client Guardian Vision (Windows, Mac OS) auch einen Browser oder die Hikvision-Anwendung IVMS 4200 (Windows, Mac OS) verwenden. Insgesamt ist die Inbetriebnahme einfach und nach wenigen Sekunden abgeschlossen (siehe auch Bildergalerie).
Anders als noch der Vorgänger NC400 differenziert die NC500 bei der Bewegungserkennung zwischen Menschen, Fahrzeugen und anderen sich bewegenden Objekten. Mit der Begrenzung auf Personen haben wir im Test keine Fehlalarme registriert.
Wie Reolink-Überwachungskameras bietet die NC500 zahlreiche Benachrichtigungsmöglichkeiten. Push-Benachrichtigungen funktionieren nur in Verbindung mit der mobilen Anwendung Annke Vision, wenn man angemeldet ist. Ohne Annke-Konto kommen keine Pushbenachrichtigungen am Smartphone an. Ferner kann man sich noch per E-Mail oder einem FTP-Upload von einem Ereignis berichten lassen. Eine akustische Warnung am Gerät entfällt, da die Annke NC400 keinen Lautsprecher besitzt.
Von teureren Annke-Modellen wie FCD600 (Testbericht) oder NCD800 (Testbericht) bekannte Alarmmöglichkeiten wie Linienüberquerungserkennung oder Bereichseingangs-/-ausgangserkennung bietet die NC500 nicht. Aber über eine Sabotageüberwachung, wenn etwa das Objektiv verdeckt oder die Position der Kamera verändert wird, verfügt die NC500 genauso wie die teureren Varianten. Auch informiert sie über illegale Anmeldeversuche, wenn jemand versucht, sich über den Browser bei der Kamera erfolglos anzumelden.
Das absolute Highlight der Kamera ist die Bildqualität (siehe auch Bildergalerie). Egal, ob bei Gegenlicht oder bei Dunkelheit: Die Annke NC500 überzeugt tagsüber und auch nachts mit farbigen und kontrastreichen Videos. Bei Dunkelheit reicht das lichtstarke Objektiv in vielen Fällen für eine farbige Nachtsicht, ohne die LED an der Vorderseite aktivieren zu müssen. Dadurch lassen sich etwa Gesichter wesentlich leichter erkennen, da sie nicht von einer Zusatzbeleuchtung überbelichtet werden. Die Bildqualität ist allerdings abhängig, wie viel Restlicht zur Verfügung steht. Zur Not kann man den integrierten LED-Scheinwerfer (Spotlight) dazuschalten, sodass Aufnahmen klarer werden.
Die bereits in der Standardkonfiguration ausgezeichnete Bildqualität kann zudem noch mit verschiedenen Funktionen wie Belichtungseinstellungen, Tag/Nachtumschaltung, Gegenlichteinstellungen und Weißabgleich verbessert werden, sodass damit die Identifizierung erkannter Objekte bei schwierigen Lichtverhältnissen erleichtert wird. Allerdings können die bildverbessernden Funktionen wie Wide Dynamic Range (WDR), Backlight Compensation (BLC) und Highlight Compensation (HLC) in der Regel nicht gemeinsam genutzt werden und funktionieren nur, wenn die Belichtungszeit bei 1/25 oder niedriger liegt. Einen automatischen Bildparameterwechsel nach Monaten und Tageszeiten, was bei unterschiedlichen Tageslängen von großem Vorteil ist, unterstützt die Kamera, anders als die teureren Varianten FCD600 und NCD800, leider nicht.
Sämtliche bildverbessernden Funktionen können Anwender jedoch nur per Browser oder Desktop-Anwendung konfigurieren. Mit der Annke-Vision-App sind hingegen nur einige wenige Parameter wie Auflösung, Rauschunterdrückung, Datenrate und Video-Codec (H2.65 oder H.264) einstellbar. Insgesamt ist die Bedienung der Annke NC500 nicht so einfach wie bei anderen Überwachungskameras, etwa von Reolink oder Eufy. Das liegt weniger an der nur in Englisch vorliegenden Bedienoberfläche (nur die App ist größtenteils auf Deutsch), sondern an den vielen Konfigurationsoptionen, die zudem per Browser nur unter Windows zur Verfügung stehen. Während es für Mac OS noch einen Desktop-Client gibt, mit dem man die NC500 vollständig konfigurieren kann, muss man unter Linux einige Einschränkungen, wie die fehlende Anzeige des Livestreams, in Kauf nehmen.
Dank eines microSD-Card-Slots, der entsprechende Speicherkarten mit bis zu einer Größe von 256 GB unterstützt, speichert die Annke NC500 Videos und Bilder lokal. Alternativ können Anwender die Überwachungskamera auch mit Dritthersteller-Software wie Synology Surveillance Station nutzen, sodass Videos und Bilder zentral gespeichert werden und auch dann noch vorhanden sind, wenn jemand die Kamera stiehlt.
Während zahlreiche Consumer-Kameras, wenn überhaupt, nur rudimentäre Unterstützung zur Einbindung in Smart-Home-Zentralen bieten, sieht es bei der Annke NC500 dank Unterstützung des Onvif-Standards deutlich besser aus. So hat man etwa mit Homey Pro (Testbericht) Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen der Kamera und kann Automatisierungen auf Basis des Verbindungsstatus und sämtlicher Alarmmeldungen der Kamera einstellen. Unter Home Assistant kann man zudem noch auf den Livestream zugreifen. Über ein Standard-Hikvision-Profil lässt sich die NC500 auch in Synology Surveillance Station integrieren. Auf eine Steuerung per Sprache über digitale Assistenten wie Amazon Alexa oder Google Assistant muss man allerdings verzichten. Im Test hat zwar die Koppelung mit Amazon Alexa funktioniert, doch ein Livebild der Kamera wollte am Echo Show 8 nicht erscheinen.
Annke verlangt für die NC500 regulär 140 Euro. Aktuell ist sie für etwa 80 Euro im Online-Shop des Herstellers und bei Ebay für 74 Euro erhältlich. Für den professionellen Einsatz mit kontinuierlicher Aufnahme bietet Annke ein Set aus vier NC-500-Überwachungskameras mit 8-Kanal-NVR für 456 Euro im Angebot. Einen NVR mit vier PoE-Ports gibt es bereits für unter 90 Euro.
Als Alternative für die NC500 zeigen wir in folgender Tabelle weitere Überwachungskameras mit besonders lichtstarken Objektiven.
Die Annke NC500 ist für einen Preis von etwa 74 Euro ein No-Brainer, wenn es um farb- und kontrastreiche Nachtaufnahmen geht: Keine andere Überwachungskamera in dieser Preisklasse kann mit der Annke in dieser Disziplin mithalten. Die hervorragende Verarbeitungsqualität und das robuste Gehäuse stehen ebenfalls auf der Habenseite. Positiv ist auch, dass dank Onvif-Kompatibilität die Kamera zudem Anschluss an NAS-Systeme und Software von Drittherstellern findet. Wer Datenschutz schätzt, freut sich, dass man sich für die Nutzung der Hersteller-Anwendungen nicht registrieren muss. Eine Hersteller-App wird nicht einmal für den Betrieb der Kamera benötigt, ein Browser reicht aus.
Allerdings muss man mit der Annke NC500 auch auf einiges verzichten: Hierzu zählen eine Gegensprechfunktion und die Sprachsteuerung über einen digitalen Assistenten. Anders als bei den meisten Consumer-Überwachungskameras ist die Bedienung der NC500 nicht ganz so einfach.
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