Neben einem lichtstarken Objektiv bietet die PoE-Überwachungskamera Annke NC800 auch smarte Erkennungsfunktionen. Wie gut sie in der Praxis funktioniert, zeigt der Test.
Annke bietet mit der Night-Chroma-Serie wie der NCD800 (Test) und dem PTZ-Modell (Bestenliste) NCPT500 (Testbericht) Überwachungskameras mit besonders lichtstarken Objektiven. Über F1.0-Blenden fällt sehr viel Licht auf die 1/1.8" großen Sensoren, sodass Nachtaufnahmen ohne Zusatzbeleuchtung in Farbe gelingen und das fast ohne Rauschen. Anders als die NCD800, die mittels zweier Objektive Einzelaufnahmen zu einem Gesamtbild mit einem horizontalen Sichtfeld von 180° zusammenfasst, ist die 4K-Überwachungskamera (Bestenliste) Annke NC800 nur mit einem Objektiv ausgestattet. Als OEM-Hersteller von Hikvision-Kameras richten sich die Annke-Modelle in erster Linie an professionelle Anwender, die Überwachungskameras für eine unternehmensweite Sicherheitslösung suchen. Und dafür ist die Annke NC800 dank ONVIF-Support (Ratgeber) inklusive NAS- und NVR-Unterstützung (Ratgeber) sowie smarter Erkennungsfunktionen wie Linienüberschreitung und Gesichtserkennung hervorragend geeignet. Außerdem können Anwender die Annke-Überwachungskameras in einem lokalen Netzwerk betreiben, ohne dass sie auf eine Cloud angewiesen sind. Damit bieten die Modelle gegenüber Überwachungskameras mit Cloudzwang wie von Ring oder von Arlo einen besseren Schutz der Privatsphäre und ein höheres Sicherheitsniveau.
Die Annke NC800 gibt es als Bullet- und als Turm-Variante. Letztere misst im Durchmesser 14 cm und wiegt knapp 900 Gramm. Die Überwachungskamera ist gegenüber Staub und starkem Spritzwasser nach IP67 geschützt und in einem Temperaturbereich zwischen -30 °C und 60 °C einsatzbereit.
Mit Strom wird die Kamera über Ethernet versorgt (PoE, 802.3af). Sie kann aber auch über ein optional erhältliches 12-Volt-Netzteil in Betrieb genommen werden. Unser Testmodell steckt in einem typischen Turret-Gehäuse, das mit den mitgelieferten Schrauben sicher an einer Wand oder Decke montiert werden kann.
An der Unterseite des Gehäuses befindet sich hinter einer mit Torx-T10-Schrauben montierten Abdeckung ein microSD-Card-Slot, der entsprechende Speicherkarten mit einer Kapazität von bis zu 256 GByte aufnimmt. Aber auch ein NAS- oder ein NVR-System stehen als alternative Speichermöglichkeiten für Videos parat.
Neben dem microSD-Card-Slot sitzen noch eine serielle Schnittstelle und eine Reset-Taste. Einen Lautsprecher bietet sie nicht und damit auch keine Gegensprechfunktion.
Für die Inbetriebnahme der Kamera sieht der Hersteller die App Annke Vision vor. Da es sich bei der Annke NC800 aber um ein OEM-Modell von Hikvision aus der Color-Vu-Linie handelt, ist sie auch mit der App Hik-Connect for End User kompatibel. Allerdings bietet die Annke-App mit Web-Configuration noch einige zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten. Wer die Möglichkeiten der Kamera voll ausreizen möchte, muss allerdings entweder einen Browser oder die Desktop-Anwendung Guarding Vision (macOS und Windows) oder Annke Vision (Windows) verwenden. Alternativ können Anwender auch die Hikvision-Anwendung iVMS-4200 nutzen.
Ein Installationsassistent in der App erleichtert die Inbetriebnahme der Kamera. Initiiert wird das Setup über das Plus-Zeichen rechts oben in der App und der Auswahl von „QR-Code scannen“. Mit dem Smartphone scannt man anschließend den QR-Code der Kamera. Nach wenigen Konfigurationsschritten (siehe auch Bildergalerie) ist die Kamera mit der App verbunden. Die Inbetriebnahme gelingt aber auch über den Browser oder die Desktop-Anwendung.
Die in der Kamera integrierte Bewegungserkennung differenziert zwischen Menschen, Fahrzeugen und anderen sich bewegenden Objekten. Zudem können Anwender den Bewegungsbereich und die Empfindlichkeit der Erkennung definieren. Auch eine Datenschutzzone können sie definieren, der bestimmte Bereich der Aufnahme schwärzt. Damit kann sie DSGVO-konform betrieben werden, wenn sie etwa auf einen öffentlichen Bereich oder auf ein fremdes Grundstück ausgerichtet ist.
Außerdem können sie festlegen, was bei einem Alarm passieren soll: Zum einen kann man sich per E-Mail oder Push darüber benachrichtigen lassen oder Videos auf ein Speichermedium hochladen und Lichtblitzalarm auslösen. Letztere wird über zwei LEDs unter jedem Objektiv realisiert.
Mit Anpassungen dieser Einstellungen generiert die Annke NC800 im Test so gut wie keine Fehlalarme. Sie erkennt Menschen und verschickt entsprechende Warnmeldungen per Pushbenachrichtigungen, bleibt aber bei Haustieren wie einer Katze stumm.
Neben diesen auch von anderen Überwachungskameras bekannten Einstellmöglichkeiten bietet die Annke NC800 noch zusätzliche Alarmfunktionen. Sie beinhalten unter anderem eine Linienüberquerungserkennung: Hierfür zeichnet man eine Linie in den von der Kamera überwachten Bereich und sobald diese überschritten wird, erfolgt ein Alarm. Optional alarmiert die Kamera, wenn Personen in einen zuvor definierten Bereich ein- und austreten (Bereichseingangs-/-ausgangserkennung).
Zudem erkennt die Kamera über die Option Szenenänderungserkennung, ob ein Angreifer die Kamera dreht, sodass sie den Überwachungsbereich aus den „Augen“ verliert. Wird das Objektiv der Kamera verdeckt (Sabotageüberwachung), bemerkt sie das ebenfalls und versendet eine Benachrichtigung.
Zur Steigerung der Bildqualität bietet die Annke NC800 zahlreiche Funktionen: Wide Dynamic Range (WDR), Backlight Compensation (BLC) und Highlight Compensation (HLC). Meistens kann man nur eine dieser Methoden verwenden, um Aufnahmen bei ungünstigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht zu verbessern.
Vorkonfigurierte Bildparameter stehen unter Szene parat. Hier können Anwender zwischen Normal (Standardeinstellung mit BLC oben und HLC mit Level 50), Hintergrundbeleuchtung (WDR ein mit Level 50), Frontbeleuchtung und Schwachlicht auswählen. Letztere passen zur Verbesserung der Bildqualität die Parameter Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Schärfe an. Zudem stehen noch zwei Szenen für benutzerdefinierte Einstellungen zur Verfügung. Da die optimale Einstellung der Szenen abhängig von Jahres- und Tageszeit sind, kann man unter Bildparameterwechsel pro Monat festlegen, wann sie aktiviert werden sollen. Damit bietet die Kamera zu jeder Zeit die optimalen Einstellungen für eine möglichst perfekte Bildqualität.
Die Funktionen zur Steigerung der Bildqualität stehen allerdings nur über den Zugriff per Browser oder Desktop-Anwendung zur Verfügung. Mit der Annke- oder der Hikvision-App lassen sich nur einige wenige Parameter wie Auflösung, Videoqualität, Datenrate und Video-Codec (H2.65 oder H.264) festlegen.
Die verschiedenen Funktionen zur Steigerung der Bildqualität sind in der Praxis relevant und erleichtern die Identifizierung erkannter Objekte bei schwierigen Lichtverhältnissen (siehe auch Bildergalerie).
Kommen wir nun zum absoluten Highlight der Annke NC800: der Bildqualität. Die Nachtaufnahmen suchen ihresgleichen respektive gleichen denen der mit Doppel-Objektiv ausgestatteten NCD800 (Testbericht) oder dem Full-HD-Modell NC400 (Testbericht).
Mit dem sehr lichtempfindlichen 2,8-mm-Objektiv, bietet die Kamera farbige Nachtaufnahmen ohne Zuhilfenahme der integrierten LED-Beleuchtung. Und dank digitaler Rauschunterdrückung entstehen auch nachts Aufnahmen, als wären sie bei Tag aufgenommen worden. Sagenhaft. Bei der maximalen Belichtungsdauer von 1/3 stehen allerdings die Bildverbesserungsverfahren WDR (Wide Dynamic Range), BLC (Backlight Compensation und HLC (Highlight Compensation) nicht zur Verfügung.
Doch angesichts der gebotenen Qualität sind diese bei Nachtaufnahmen nahezu irrelevant. Es gibt aber einen Haken: So sind die Aufnahmen mit 1/3 Belichtung zwar nahezu rauschfrei, doch sinkt dann die Bildwiederholrate auf wenige fps ab. So kann man mit diesen Einstellungen zwar tolle Nachtaufnahmen machen, aber wenn eine Person durchs Bild läuft, kann man diese so gut wie nicht mehr erkennen. Erst ab geringerer Belichtungszeit von 1/25 werden Videos mit der maximalen Bildwiederholrate von 25 fps aufgezeichnet. Dann sind auch Personen wieder gut zu erkennen, doch nimmt das Rauschen dann zu.
Dennoch erzielt die Kamera mithilfe von WDR, BLC und dieser Einstellung nachts noch eine gute Darstellungsqualität – und zwar in Farbe. Und wem die Klarheit der nachts aufgenommenen Videos nicht ausreicht, schaltet einfach die integrierte LED-Beleuchtung hinzu (siehe auch Bildergalerie).
Mit einer maximalen Auflösung von 3840 × 2160 Pixel bietet die Annke NC800 auch beim Zoomen genügend Reserven (siehe auch Bildergalerie). Das Sichtfeld ist mit 102° horizontal, 52° vertikal und 124° diagonal aber nur guter Durchschnitt. Die Arlo Ultra 2 bietet mit einem diagonalen Sichtfeld von 180° deutlich mehr. Allerdings ist deren Objektiv längst nicht so lichtstark, sodass für farbige Nachtaufnahmen grundsätzlich die integrierte LED für Helligkeit sorgen muss.
Für die Inbetriebnahme der Überwachungskamera sind die mobilen Anwendungen von Annke oder Hikvision völlig ausreichend. Aber zur Konfiguration schöpfen sie das Potenzial der Annke NC800 bei Weitem nicht aus. Erst mit den Desktop-Anwendungen Guarding Vision (alternativ IVMS 4200 oder Annke Vision für Windows) oder auch per Browser können Anwender die Leistung der Kamera voll ausreizen. Die bereits erwähnten Funktionen zur Steigerung der Bildqualität sind dabei nur ein Beispiel. Auch in anderen Bereichen wie Netzwerkeinstellungen finden Anwender umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten etwa bezüglich DDNS, Ports, NAT, SNMP, FTP, E-Mail, HTTPS und QoS.
Problematisch erweisen sich im Test die mobilen Apps Annke Vision und Hik Connect, die den Stream mit voller Auflösung (HD) nicht immer fehlerfrei darstellen (siehe Bildergalerie), während das mit den Desktop-Apps nicht passiert. Auch die mobile App DS-Cam für die Synology Surveillance Station hat keinerlei Schwierigkeiten den 4K-Stream darzustellen.
Was die Integration der Kamera in Smart-Home-Systeme anbelangt, gibt es gute und schlechte Nachrichten. Digitale Sprachassistenten wie Amazon Alexa und Google Assistant unterstützt die Kamera zwar, aber die Darstellung des Livestreams auf einem smarten Display (Ratgeber) wie Amazon Echo Show gelingt im Test nicht.
Dafür kann die Annke dank ONVIF-Support in Smart-Home-Zentralen mit entsprechender Unterstützung wie Homey Pro (Testbericht) oder Open-Source-Lösungen wie Home Assistant (Test) problemlos eingebunden werden. Und zwar nicht nur partiell als Auslöser für bestimmte Routinen, sondern inklusive Zugriff auf die Bilddaten. Mit Home Assistant und dem Add-on Frigate können Anwender sogar den Livestream der Kamera betrachten und einen leistungsfähigen Videorekorder in Verbindung mit der Annke realisieren. Das gelingt freilich auch mit anderen Onvif-Kameras (Ratgeber).
Wer statt Home Assistant lieber eine vorkonfigurierte Lösung wie Synology Surveillance Station (Test) einsetzt, darf sich ebenfalls freuen: Im Test hat die Einbindung der Annke auf Basis des integrierten Hikivision-Profils einwandfrei funktioniert (siehe auch Bildergalerie).
Die Annke NC800 gibt es als Bullet- in Weiß und als Turm-Version auch in Schwarz und kostet reglär 350 Euro. Im Annke-Shop ist sie aktuell für 280 Euro erhältlich.
Die Annke NC800 hinterlässt im Test einen hervorragenden Eindruck. Wie bei der NCD800 überzeugt vorrangig die erstklassige Bildqualität. Vor allem nachts liefert die Kamera ein Bild, das begeistert. Allerdings muss man mit den Bildverbesserungseinstellungen etwas rumprobieren, um ein perfektes Ergebnis zu erhalten.
Und auch die Einbindung in Smart-Home-Zentralen und die vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten hinsichtlich Netzwerk und Benachrichtigungen überzeugen. Die schnelle Reaktionsgeschwindigkeit der Kamera steht ebenfalls auf der Habenseite. Die saubere Verarbeitung und das robuste Gehäuse komplettieren den positiven Gesamteindruck.
Insgesamt ist die Annke NC800 also für alle empfehlenswert, die auf der Suche nach einer leistungsfähigen PoE-Überwachungskamera mit 4K-Auflösung (Bestenliste) und smarten KI-Funktionen sind.
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