Anycubic’s Wash & Cure Plus verspricht eine saubere und schnelle All-in-one-Lösung für die Nachbearbeitung von SLA-3D-Modellen. Wir haben die XL-Waschstation getestet und verraten, ob sich der Kauf lohnt.
Da SLA-Drucker ihre Modelle in einem Bad aus flüssigem Harz entstehen lassen, müssen diese nach Druckende von überschüssigem Resin gereinigt werden. Zudem ist die Oberfläche nach dem Druck noch weich und benötigt eine Nachbehandlung mit UV-Licht. Neben zahlreichen DIY-Lösungen und der Sonne als UV-Lichtquelle bietet Anycubic unterschiedliche All-in-One-Geräte zur Modellaufbereitung an. Der Aufbau vereint Magnetrührer, Waschbehälter, reflektierende Drehscheibe und UV-Härtekammer in einem Gerät.
Beide Hauptfunktionen, Waschen und Härten, setzen dabei auf denselben Drehmotor. Je nach Betriebsart treibt er den Magnetrührer an oder dreht die Plattform für eine gleichmäßige UV-Bestrahlung. TechStage hat die große Station Wash & Cure Plus für XL-Modelle aus den SLA-3D-Druckern Photon Mono X, X2, M3 Plus, M3 Premium und M3 Max getestet. Diese hat uns Anycubic zur Verfügung gestellt. Dieser Einzeltest gehört zu unserer Themenwelt 3D-Drucker.
Die Wash & Cure Plus ist selbsterklärend in der Bedienung und nach dem Auspacken sofort einsatzbereit. An der Vorderseite finden wir einen Taster, eine digitale Anzeige sowie einen Drehknopf. Der erste Knopf ist für die Wahl des Betriebsmodus: Wash steht für Waschen und Cure für Härten. Über die digitale Timer-Anzeige und Drehknopf kann ein Zeitraum zwischen 1 und 60 Minuten gewählt und gestartet werden. Die Vertiefung auf der Oberseite der Plattform bietet sicheren Halt für den mitgelieferten Waschbehälter. Dieser hat ein mächtiges Fassungsvermögen von 8,5 Litern und ist bei Nichtgebrauch luftdicht verschließbar. Das schwarze Rührwerk am Boden wird über zwei starke Magneten im Inneren der Plattform angetrieben. Damit die Modelle nicht in dem Rührwerk zerhäckselt werden, gibt es einen Waschkorb und ein zusätzliches Gitter. Der Waschkorb bietet genügend Platz für große lose Modelle, zusätzlich kann hier auch die Bauplattform der größeren SLA-Drucker auf Höhe von circa 6,5 Litern eingesetzt werden. Der zweite Rahmen ist eine Bauplattform-Halterung und wird auf der Höhe von 8,5 Liter eingerastet. Diese Variante ist für extra lange Modelle im XL-Format gedacht.
Die Station wird nach dem Waschen mit wenigen Handgriffen zur UV-Härtekammer umgebaut. Hierfür einfach den Waschbehälter verschließen und entfernen, Bodenreflektor einlegen und Drehteller aufstecken. Für Modelle mit großer horizontaler Oberfläche kann die schmale LED-Säule mit ihren 20 Facettenlinsen im oberen Viertel nach vorn klappen. Durch die Kombination aus Bodenreflektor, durchsichtigem Drehteller und einklappbarer LED-Säule bietet die Wash & Cure Plus optimale Bedingungen für eine möglichst gleichmäßige UV-Härtung von allen Seiten. Auf der Rückseite der Säule versteckt sich wieder ein Tür-Sensor, der die UV-Härtung nur dann startet, wenn die Sichtschutzhaube geschlossen ist.
Eigentlich kann man nach dem Drucken direkt loslegen und die noch mit einem Harzfilm überzogenen Objekte direkt in der Waschstation platzieren – eigentlich. Wer nicht ständig das teure Lösungsmittel austauschen oder reinigen möchte, sollte allerdings die Vorwäsche außerhalb der Wash & Cure Plus erledigen, um die Modelle von einem Großteil des überschüssigen Harzes zu befreien. Eine Füllung von Isopropanol (6 bis 9 Liter) reicht dann, je nach Modellgröße, für circa 30 bis 80 Waschvorgänge. Bei solchen Mengen Lösungsmittel sollte man direkt größere Gebinde kaufen. Privat haben wir gute Erfahrungen mit dem Isopropanol (99,9 %) von Höfer Chemie gemacht. 10 Liter kosten knapp 38 €, 20 Liter 68 Euro.
Bleibt trotz Waschgang ein unregelmäßiger glänzender Schimmer auf dem Modell zurück, wird es Zeit für einen Wechsel. Das verschmutzte Lösemittel kann einfach aufbereitet werden, indem es in einem durchsichtigen, verschlossenen Behälter in die Sonne gestellt wird. Es bildet mit der Zeit ein flüssiger weißer Schleim, der sich am Boden absetzt. Nach einigen Tagen bis Wochen kann der klare, oben schwimmende Alkohol abgegossen und erneut verwendet werden. Bei geöffnetem Behälter trocknet der restliche Schleim innerhalb weniger Wochen und kann anschließend im Hausmüll entsorgt werden.
Nach dem Vorwaschgang den gefüllten Waschbehälter mittig auf der Wash & Cure Plus platzieren und die vorgewaschenen Modelle im Waschkorb ablegen. Nach dem Einschalten startet die Station zunächst im Wash-Modus. Nun die gewünschte Zeit per Drehknopf einstellen und den Spülvorgang starten. Jetzt läuft das Rührwerk hörbar an und verwirbelt das Lösemittel. Für eine gleichmäßige und zuverlässige Reinigung auch in Engstellen wechselt das Rührwerk minütlich die Drehrichtung. Trotzdem empfehlen wir bei besonders filigranen Drucken zwischenzeitlich die Position im Waschkorb zu ändern. Je nach Modellgröße waschen wir die Teile zwischen 15 und 30 Minuten. Bei mittelgroßen Drucken mit geradlinigen Oberflächen reichen auch kürzere Waschgänge für perfekte Ergebnisse. Kleine, filigrane Modelle, wie Tabletop-Figuren, werden durch den starken Wirbel im Korb hin und her geschleudert. Hier ist es ratsam, sie noch an der Bauplattform haftend zu waschen, um Beschädigungen zu vermeiden.
Im zweiten Schritt geht es dann ans Nachhärten der noch weichen Ausdrucke. Bevor es losgeht, ist allerdings Geduld gefragt. Bei der Härtung von noch nassen Modellen entstehen schnell unschöne weißliche Trocknungsränder, die es zu vermeiden gilt. Deswegen müssen die gereinigten, noch feuchten Modelle, erst einmal ordentlich trocknen, bevor es zur Nachhärtung geht. Im Zweifel kann man mit Druckluft nachhelfen, letztlich verflüchtigt sich der Alkohol aber schon innerhalb weniger Minuten. Während die Modelle trocknen, bauen wir die Station um: Waschbehälter abnehmen, Drehteller aufsetzen und per Tastendruck auf den Cure-Modus wechseln – fertig.
Jetzt die trockenen Modelle möglichst zentriert auf der Plattform aufstellen, je nach Modell die LED-Säule abknicken und dann die gelbe Schutzhaube aufsetzen. Für die Oberflächenhärtung reichen meist wenige Minuten UV-Belichtung. Bei durchsichtigen Harzen und hellen Farben, insbesondere Weiß, sollte die Belichtung so kurz wie möglich gewählt werden, da helles und transparentes Resin schon nach wenigen Minuten anfängt zu vergilben. Für die endgültige Aushärtung reichen in der Regel schon 15 bis 45 Sekunden.
Insgesamt hat der Hersteller Anycubic mittlerweile drei unterschiedliche Waschstationen im Angebot. Die sehen sich zwar extrem ähnlich, doch es gibt aber einige technische Unterschiede zwischen der ersten Generation Wash & Cure (Ratgeber) und der neuen Wash & Cure 2.0, respektive der hier vorgestellten Wash & Cure Plus.
Die neue Station 2.0 hat eine bessere LED-Aufteilung und die Strahlkraft wird zusätzlich durch LED-Facettenlinsen verstärkt. So ausgestattet verbraucht die Station 2.0 nur 25 Watt und damit 15 Watt weniger. Die Bedienung per Drehschalter gefällt uns ebenfalls besser. Das Fassungsvermögen ist mit 3,5 Litern identisch zur ersten Generation, doch die Abmessungen des Waschbehälters haben sich etwas verändert.
Die Wash & Cure Plus ist für 3D-Modelle aus den größeren SLA-Druckern, wie dem Anycubic M3 Plus (Testbericht) konzipiert. Sie misst einen fast doppelt so großen Waschraum wie die kleine Wash & Cure Station und fasst das Dreifache an Lösemittel. Die Cure-Funktion der Plus-Variante verbessert die Belichtung auf die Modell-Oberseite zusätzlich durch den klappbaren LED-Ausleger.
Die reguläre Wash & Cure 2.0 Station kostet rund 110 Euro und reicht für Modelle der kleinen SLA-Drucker bis zu einer Größe von 120 × 74 × 165 mm vollkommen aus.
Wer mit den größeren SLA-3D-Druckern wie Anycubic Photon Mono X, X2, M3 Plus/ Premium und Max (Testberichte) druckt, tut sich selbst einen Gefallen, wenn er die 100 Euro mehr in die Wash & Cure Plus Station investiert. Selbst bei nicht so großen 3D-Modellen ist ein größerer Spielraum beim Waschvorgang angenehmer.
Die ältere erste Generation gibt es aktuell beim Hersteller für schlanke 69 Euro. Der Preis ist nur begrenzt im Zuge der Osterangebote verfügbar.
Eine Wash & Cure Station ist kein Muss! Für diejenigen, die erst mal ins SLA-Drucken reinschnuppern möchten, reicht für die Reinigung auch Pinsel, Tupperware-Box und für die Härtung die UV-Strahlen der Sonne.
Aber dauerhaftes SLA-Drucken ohne Wash & Cure Station ist ein mühsames Geschäft. Die Reinigung per Hand ist auch nicht vergleichbar mit der dauerhaften starken Reinigungskraft des Magnet-Rührwerks. Der kontinuierliche Flüssigkeits-Wirbel mit wechselnder Drehrichtung befreit Modelle gänzlich von Harz. So ist die Nachbearbeitung einfach und bequem. Im Vergleich zur Arbeit ohne Waschstation halten sich auch Verunreinigungen am Arbeitsplatz in Grenzen.
Die sehr gleichmäßige Belichtung und Härtung von allen Seiten schließt die weiche Modelloberfläche und verleiht ihnen abweisende Härte. Für Anwender, die häufig und viel drucken, ist Wash & Cure eine echte Arbeitserleichterung und bietet zudem ordentliche Struktur in der Aufbereitung von SLA-Druckmodellen.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.