Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Der Aoostar N100 ist mit 16 GB RAM und vielen Anschlüssen erfreulich gut ausgestattet für 165 Euro. Wie er sich in der Praxis schlägt, zeigen wir im Test.
Der Aoostar N100 gehört zu den Mini-PCs mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis. Namensgebend ist der solide, aber freilich nicht überragende Prozessor Intel N100. Dazu gesellt sich mit 16 GB bemerkenswert viel Arbeitsspeicher (RAM). Diese Ausstattung sucht für unter 190 Euro ihresgleichen. Die Hardware ist damit noch besser aufgestellt, als beim beliebten, günstigen Mini-PC T8 Plus, der nämlich nur 8 GB RAM an Bord hatte. Die Zeichen stehen gut, dass wir hier erneut einen richtigen Preis-Leistungs-Kracher im Test haben. Doch lassen wir vor der Euphorie im Testbericht die Praxiseindrücke sprechen.
Aufgrund der Umstellung der Marke Aoostar wird das System nun baugleich unter dem neuen Herstellernamen Aoostar verkauft. Getestet haben wir ihn noch als Aoostar N100, das Testgerät hat uns Geekbuying zur Verfügung gestellt.
Im Aoostar N100 sitzt ein Intel N100. Der Quad-Core-Prozessor ist uns bereits von vielen anderen, günstigen Mini-PCs bekannt. Leistungstechnisch steht er in der Tradition der früheren Celeron-Prozessoren. Mit vier Kerne (vier Threads) bei maximal 3,4 GHz und einer TDP von schlappen 6 Watt ist er entsprechend dezent unterwegs, ein Leistungsschub zu Celerons ist dennoch deutlich spürbar.
Besonders auffällig sind die 16 GB an DDR5-4800-RAM. Nicht nur sind 16 GB für diesen Preis richtig viel & selten, sondern gerade auch der DDR5-Standard, der deutlich höhere Geschwindigkeiten bietet. Leider aber ist der RAM nicht erweiterbar, da es sich um fest verlötete LPDDR5-Chips handelt. Die 512 GB große M.2-NVMe-SSD ist dafür zugänglich und lässt sich austauschen. Sie schreibt laut unseren Ergebnissen in Crystaldiskmark mit Geschwindigkeiten von 1722 MB/s und liest mit 1768 MB/s. Für eine NVMe-SSD ist das weder schnell noch langsam, für einen so günstigen Mini-PC jedoch phänomenal. Andere Modelle setzen hier bereits auf M.2-SATA-SSDs oder gleich nur noch auf Flash-basierten eMMc-Speicher.
Das Anschlussangebot weiß uns gerade angesichts des Preises zu gefallen. So gibt es hier gleich zwei Ethernet-Ports für eine stabile LAN-Verbindung. Dadurch eignet sich der Mini-PC auch für den Einsatz als Firewall-Appliance. Praktisch ist der Reset-Button zum Zurücksetzen des BIOS, sofern dies einmal notwendig sein sollte – ein beliebtes Extra bei Aoostar, das wir bei vielen Mini-PCs des Herstellers finden. Einzig schmerzt uns das Fehlen von USB-C, was in diesem Preisbereich allerdings nicht erwartbar ist. Bei den Drahtlos-Schnittstellen setzt der Aoostar N100 mit Wi-Fi 5 und Bluetooth 4.2 leider auf veraltete Standards.
Der Aoostar N100 liefert im Alltag mit Windows eine flüssige Performance. Im Benchmark PCmark 10 erreicht das gesamte System rund 3200 Punkte, was vollkommen solide ist und sogar schon zu den besten Ergebnissen im Budget-Bereich gehört. Erwartbar aber ist, dass die Grafik-Performance das größte Defizit aufweist. Messen lässt sich das durch die differenzierte Auswertung auch über den Benchmark 3Dmark TimeSpy. Hier kommt das System auf 378 Punkte, was primär an der iGPU mit nur 331 Punkten liegt. Die CPU liegt mit 1983 Punkten deutlich weiter vorn.
Ablesen lässt sich daran im Vergleich aber auch etwas anderes. Der mit gleicher CPU ausgestattete T8 Plus erreicht fast 500 CPU-Punkte mehr, die Grafik liegt circa 10 Punkte niedriger als hier. Der T8 Plus lässt der CPU also mehr Freilauf, der Aoostar N100 hingegen der Grafik. Der Minix Z100 – ebenfalls mit dem N100 ausgestattet, aber passiv gekühlt – liegt in allen drei Ergebnissen deutlich zurück. Alles in allem zeigt sich hier auch erneut: Grafik ist bisher nicht Intels Stärke, gerade günstige Grafiken sind aber generell schwächer. Dass es auch anders geht, zeigt AMD. Für den Kontrast: Blickt man auf Mini-PCs um 300 Euro mit integrierten Grafikeinheiten von AMD, wie dem Ouvis AMR5, kommt diese auf über 1200 Punkte – eine vollkommen andere Welt. Gibt man noch mehr bei AMD aus, bekommt man sogar iGPUs, mit denen man aktuelle Spiele gut in Full-HD zocken kann.
Zum Schluss möchten wir bei der Leistung noch den enorm flotten Bootvorgang loben – das System benötigt vom Erscheinen des Boot-Screens bis zum geladenen Homescreen unter sieben Sekunden. Ansonsten bringt das vorinstallierte Windows 11 Pro die üblichen Bloatware-Apps um Spotify und Co. mit, zusätzliche Software ist aber nicht vorhanden. Unser seit Auffälligkeiten bei Fernost-Mini-PCs üblich gewordener Virentest mit Microsoft Defender endete ohne Befund.
Die Betriebslautstärke des Aoostar N100 ist tadellos. Auch nach einem mehrstündigen Betrieb mit Prime95 unter Vollauslastung von CPU und RAM bleibt das System so leise wie kühl. Wir messen nur knapp über 30 Dezibel bei einem Meter Abstand, direkt am Gehäuse sind es etwa 34 Dezibel. Im normalen Windows-Betrieb sind die Lüfter nahezu unhör- und messbar. Angesichts der effizienten Hardware hätte uns ein anderes Ergebnis aber auch enttäuscht. Andere Mini-PCs mit dieser CPU sind ähnlich leise, teils bieten sie sogar eine vollkommen lüfterlose Passiv-Kühlung, wie der Minix Z100.
Die Zugänglichkeit ans Gehäuseinnere ist nach Lösen von vier Schrauben durch Abnehmen des Unterbodens gegeben. Die Bodenplatte wirkt etwas zu dünn und lässt sich bei verschlossenem Zustand ohne viel Aufwand nach innen drücken – das macht keinen stabilen Eindruck. Das restliche Kunststoffgehäuse aber ist solide und knarzt nicht, die glatte Beschichtung fühlt sich allerdings billig an und nutzt sich an den Kanten bereits nach kurzer Zeit ab. Das Gehäuse hat mit 130 x 130 x 60 Millimeter Standardmaße für einen Mini-PC und lässt sich per VESA-Mount hinter einem Monitor anbringen.
Der Aoostar N100 kostet in unserer Testvariante mit 16/512 GB normalerweise 190 Euro. Aktuell bekommt man ihn ab 149 Euro mit 8 GB RAM und 256 GB SSD, mit 16 GB RAM sind es inzwischen knapp 200 Euro.
Aliexpress führt den Aoostar N100 aktuell schon in der Basisausstattung (8/256 GB) für 133 Euro.
Der Aoostar N100 ist im Budget-Bereich ein ganz herausragendes Paket in Hinsicht auf die Preis-Leistung. Satte 16 GB RAM sind für einen Preis von unter 190 Euro eine absolute Seltenheit und umso mehr noch, wenn es sich dann um schnellen DDR5-RAM handelt.
Die Leistung des System ist für den Preis extrem gut und kann auch bei 100 Euro teureren Modellen noch mithalten. Defizite gibt es aber erwartbar bei der Grafik, die am untersten Leistungsende steht. Die gebotenen Anschlüsse erfüllen unsere Erwartungen, zwei Ethernet-Ports sind eine willkommene Besonderheit. Insgesamt handelt es sich hier um ein sehr attraktives, günstiges PC-Gesamtpaket, das sich für Einsätze als Homeoffice-Rechner, Smart-Home-Zentrale oder Firewall-Appliance nicht zu schade ist. Die Lüfterlautstärke ist vollkommen annehmbar, die Verarbeitung dem Preis entsprechend, aber solide. Vermisst haben wir nur einen USB-C-Port, für die Preisklasse ist der aber auch nicht selbstverständlich.
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