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Autel Evo Nano Plus im Test: hervorragende Video-Drohne – mal nicht von DJI

Autel Evo Nano Plus
VORTEILE
  • tolle Flugeigenschaften
  • sehr hohe Foto- und Videoqualität
  • lange Flugdauer
  • einfache Bedienung
NACHTEILE
  • hoher Preis
  • sperriger Controller
  • Automatische Rückkehr bei 25 Prozent Restkapazität

Die Video-Drohne Evo Nano Plus von Autel Robotics nimmt 4K-Videos auf, verfügt über GPS und bietet eine lange Flugzeit. TechStage hat den direkten Konkurrenten zur DJI-Mini-Serie getestet und zeigt, ob sich der Kauf lohnt.

Im Bereich Video-Drohnen ist DJI der unangefochtene Marktführer. Neben mehreren tausend Euro teuren Profi-Drohnen konnte der Hersteller besonders mit den unter 250 g leichten Modellen Mini 2 (Testbericht) und Mini 3 (Testbericht) viele neue Fans gewinnen. Neben Xiaomi mit der Fimi X8 Mini (Testbericht), steht nun der nächste Hersteller bereit, dem Platzhirsch DJI Konkurrenz zu machen.

Dieser Test gehört zu unserer Themenwelt Drohne. Hier testen wir neben teuren Video-Drohnen auch einfache Modelle für Einsteiger und geben Tipps, wie viel Geld man investieren sollte. In diesem Einzeltest geht es jetzt um den aktuell wohl stärksten Konkurrenten zur DJI-Mini-Serie: die Evo Nano Plus. Deren Hersteller Autel Robotics (kurz Autel) hat schon einige Drohnen im Angebot, wir hatten bisher aber keine Möglichkeit diese zu testen. Das ändert sich jetzt. Das Review-Sample hat uns der Hersteller für den Test zur Verfügung gestellt.

Design und Lieferumfang

Im Hinblick auf Design geht Autel keine neuen Wege, sondern verlässt sich bei seiner Drohne auf das von DJI und zahlreichen anderen Herstellern bewährte Klappsystem der Ausleger. Das spart Platz und ermöglicht den Transport der gesamten Ausrüstung in einer sehr kompakten Tasche. Der kleine Quadrocopter ist mit vier bürstenlosen Motoren mit klappbaren Propellern ausgestattet. Diese sind direkt mit den Motoren verschraubt und verfügen über kein Schnellwechselsystem. Das ist allerdings bei allen Mini-Video-Drohnen so, um Gewicht zu sparen.

Unterhalb der Nase der Nano Plus sitzt die 4K-Kamera an einem dreiachsigen Gimbal. Oberhalb der Kamera sind zwei Kameras zur Hinderniserkennung installiert – genauso löst das auch DJI bei etwa der Mini 3. Auf der Rückseite befinden sich der Einschub für den Akku, eine USB-C-Schnittstelle, ein microSD-Slot und zwei weitere Kameras zur Hinderniserkennung. Auf der Unterseite sind neben einem kleinen Lüfter noch ein Ultraschallsensor und zwei weitere kleine Kameras als Orientierungshilfe zu finden.

Autel Evo Nano Plus

Zusammengefaltet misst die Evo Nano Plus gerade einmal 14 x 9 x 6 cm, auseinandergeklappt ist die Drohne dann knapp 26 x 33 x 6 cm groß und damit vergleichbar zur Mavic-Mini-Serie von DJI. Das Gewicht ist mit 249 g identisch zur Konkurrenz. Die Verarbeitung unseres Modells ist tadellos, das Modell ist zwar leicht und filigran, aber trotzdem stabil und verwindungssteif. Der glänzend glatte, orange Kunststoff wirkt im Vergleich zur rauen Oberfläche einer Mavic weniger hochwertig.

Der schwarze Handsender ist deutlich moderner gestaltet als der Standard-Sender von DJI. Design und Haptik erinnern an einen Xbox-Controller und so liegt die Fernsteuerung super in der Hand. Die beiden Steuersticks sind für den Transport abschraubbar. Leider gibt es weder Ersatzknüppel im Lieferumfang noch eine Aufbewahrungsmöglichkeit direkt am Sender und so muss man aufpassen, die kleinen Metallsticks nicht zu verlieren. Ein weiterer Negativpunkt ist das aus unserer Sicht unglückliche Design der Smartphone-Halterung. Diese ist derart klobig, dass der Controller im direkten Vergleich zu DJI sogar noch etwas größer ist – obwohl er auf den ersten Blick kompakter wirkt. Neben den beiden Steuerhebeln stehen am Sender ein Power-Button, vier Bedientasten und ein Rad zur Ausrichtung der Kamera zur Verfügung. Das für das Livebild zuständige Smartphone wird per USB-C angeschlossen. Zusätzlich steht ein zweiter USB-C-Port zum Laden des Handsenders bereit.

Bei dem uns zur Verfügung gestellten Modell handelt es sich um das sogenannte Premium-Bundle. Dieses beinhaltet neben Drohne, Controller, Ladegerät und Akku noch zwei zusätzliche Flugakkus und eine geeignete Umhängetasche – welche ebenfalls stark an die der Mavic Mini erinnert. Das Kunststoff-Chassis unserer Drohne ist knallig orange. Alternativ gibt es das Fluggerät auch in Grau und Weiß. Was uns gut gefällt, ist der Propeller-Schutz, der die Luftschrauben während des Transports fixiert und gegen Beschädigungen schützt. Dieser ist so nahezu identisch auch bei der Mini 2 verfügbar. Bei der Mini 3 hat DJI darauf verzichtet.

Autel Evo Nano Plus: Lieferumfang des Sets.

Technische Ausstattung

Die Evo Nano Plus ist trotz der geringen Größe und einem Preis von knapp 800 Euro hervorragend ausgestattet. Neben der stabilisierten Kamera mit ½-Zoll-Bildsensor und 4K-Auflösung stehen GPS inklusive automatischer Heimkehrfunktion, automatisches Tracking, vorgefertigte Flugmanöver und sogar eine Hinderniserkennung nach vorn, hinten und unten zur Verfügung. Nur seitwärts und nach oben ist die Evo Nano blind. Neben der Sensorik sitzt auf der Unterseite außerdem eine Signal-LED, welche die Sensorik bei bodennahen Manövern unterstützt.

Der kompakte Multicopter hält so nicht nur präzise die Position, er hat auch immer einen Teil der Umgebung im Blick, was verhältnismäßig sichere Flüge erlaubt. Das ist vor allem für ungeübte Piloten und Einsteiger praktisch, hilft aber auch Profis. Erkennt die Nano Evo Plus ein Hindernis, bremst sie davor ab und bleibt stehen, was im Test zuverlässig funktioniert. Lediglich im Sport-Modus ist die Hinderniserkennung nicht aktiv – hier würden Hindernisse bei hohen Geschwindigkeiten schlicht zu spät erkannt. Beim Aktivieren des Sport-Modus bekommt der Pilot aber einen deutlichen Warnhinweis. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Autel mit 54 km/h an. Selbst bei Wind fliegt die Nano Plus stabil, zumindest bis zu einer Windgeschwindigkeit von Stärke 5 (frische Brise mit 30 bis 35 km/h).

Die Kamera der Nano Plus nutzt einen 1/2-Zoll-CMOS-Sensor mit einer festen Blende von f/2,9. Zum Vergleich: Die Mavic 2 Zoom oder eine Gopro Hero 8 nutzen einen deutlich kleineren 1/2,3-Zoll-CMOS-Sensor. Ein optisches Zoom ist nicht vorhanden. Videos sind in 2K und 4K mit bis zu 30 fps und FHD-Aufnahmen mit bis zu 60 fps möglich. Die maximale Bitrate beträgt 100 MBit/s. Eine praktische Besonderheit der Autel-Drohne: Wer will, kann während der Videoaufzeichnung auch gleichzeitig Fotos in festen Zeitabständen von fünf, zehn oder fünfzehn Sekunden aufnehmen. Fotos landen wahlweise mit 12 oder 48 Megapixel im JPEG- und/oder DNG-Format auf der Speicherkarte. Neben dem Automatik-Modus stehen auch manuelle Einstellungen zur Verfügung. Die maximale Belichtungszeit für etwa Nachtbilder liegt bei satten acht Sekunden. Bei besonders kontrastreicher Umgebung können Fotos auch als HDR aufgenommen werden.

Zur Übertragung des Live-Bilds kommt das herstellereigene System Autel SkyLink zum Einsatz. Die maximale Reichweite zur Steuerung der Drohne liegt laut Autel bei bis zu 10 km. In der Praxis können wir zumindest bei Entfernungen von bis zu 1000 m eine stabile Verbindung und flüssiges Livebild bestätigen. Obwohl solch große Entfernungen in der Praxis wenig sinnvoll erscheinen, sorgen sie für eine sehr hohe Ausfallsicherheit in üblicher Reichweite. Das Livebild auf dem Smartphone hat bis zu einem Kilometer Reichweite eine Auflösung von maximal 2K. Bei über 1000 m sinkt diese dann auf 720p mit ebenfalls 30 fps.

Die 2-Zellen-Lipos haben eine Nennkapazität von 2250 mAh (17,3 Wh) und eine Nennspannung von 7,7 Volt. Die maximale Flugdauer liegt laut Hersteller bei 28 Minuten. In der Praxis – mit leichtem Wind und einigen sportlichen Passagen – haben wir gute 18 Minuten Flugzeit erreicht, bevor sich die Evo Nano Plus zum ersten Mal auf den Heimweg machen wollte. Wer die Rückkehr abbricht und nicht sofort landet, erreicht Flugzeiten von etwa 23 Minuten. Damit liegt die Flugzeit etwa auf Augenhöhe mit Mini 2 oder Mini 3 von DJI.

Zur Steuerung von Flug und Foto- sowie Videoaufnahmen kommt die App AutelSky zum Einsatz. Die Oberfläche der Software ist trotz zahlreicher Funktionen einfach zu bedienen und insgesamt übersichtlich und verständlich aufgebaut. Auch hier geht der Hersteller kein Risiko ein und setzt auf eine Bedienoberfläche, die dem Konkurrenten DJI sehr ähnlich ist. Das ist zwar wenig innovativ, so finde man sich aber auf Anhieb gut zurecht.

Anders als bei den neuen Drohnen von DJI, bekommen Autel-Piloten keine Hinweise auf sich nähernde Flugzeuge oder Helikopter. Außerdem ist man mit der Evo Nano Plus anonym unterwegs. Anders als DJI, werden die Fluge hier nicht getrackt und die Flugdaten stehen auch keinen Behörden zur Verfügung.

Flug-Charakteristik

Auch wenn wir in Bezug auf Flugeigenschaften schon oft enttäuscht wurden – die Autel Evo Nano Plus verblüfft uns im Praxistest mit hervorragenden Flugeigenschaften und zeigt deutlich, dass nicht nur DJI Drohnen bauen kann. Reaktionsgeschwindigkeit, Flug-, Steig- und Sinkgeschwindigkeit sind mit der Mini 2 vergleichbar und damit absolut genial. Auch wie schnell die Drohne nach dem Einschalten einsatzbereit ist, gefällt uns richtig gut. Zwischen dem Anschalten von Copter und Sender und dem Satfix (inklusive des Speicherns der Startposition) vergehen nur knapp 30 Sekunden.

Die Spitzengeschwindigkeit im Sport-Modus kann zwar nicht ganz mit der Konkurrenz von DJI mithalten, um ein Fahrrad zu verfolgen, ist das Tempo von knapp unter 60 km/h aber mehr als ausreichend. Auch in den zahmeren Flug-Modi normal und smooth macht das Steuern richtig viel Freude. Für Videoaufnahmen sind diese Modi ohnehin besser geeignet, da hier ruhigere Manöver möglich sind. Die Sensoren zur Hinderniserkennung arbeiten während der Testflüge sehr zuverlässig. Fliegt die Drohne niedrig oder in Richtung eines Hindernisses, gibt es zuerst einen Alarm in der App. Reagiert der Pilot nicht darauf, bremst die Drohne selbstständig ab und bleibt stehen. Automatisches Ausweichen, wie bei der Mini 3, ist nicht möglich. Selbst bei kräftigerem Wind reagiert die Drohne stets zuverlässig und bleibt gut steuerbar.

Autel Evo Nano Plus neben DJI Mini 2.

Die automatische Rückkehr bei leerem Akku, Funkabriss oder auf Befehl des Piloten, funktioniert zuverlässig und sehr präzise. Start- und Landepunkt liegen im Test nur knapp 40 cm auseinander. Allerdings beginnt die Drohne leider schon bei 25 Prozent Restkapazität mit dem Rückflug – egal, ob die Drohne gerade 500 m oder nur 10 m entfernt ist. Da der Heimflug aber bequem per Fingerzeig in der App abgebrochen werden kann, ist das in der Praxis zwar nervig, aber problemlos.

Zudem können Objekte und Personen markiert werden, um sie automatisch zu verfolgen oder die Kamera im manuellen Flug selbstständig darauf auszurichten. Das funktioniert je nach Kontrast und Umgebungslicht erfreulich gut. Die ersten Testflüge machen auf jeden Fall Lust auf weitere Experimente mit der Funktion.

Die Bedienung der automatisierten Flug-Modi (Quickshots) funktioniert ähnlich wie bei DJI. Der Pilot markiert auf dem Smartphone das zu umkreisende Objekt und wählt dann das Manöver aus, etwa Circle. Nun zählt ein Countdown herunter und die Evo Nano Plus beginnt mit dem Rundflug in die gewählte Flugrichtung. Insgesamt stehen aber weniger dieser halbautomatischen Flugmanöver zur Verfügung als bei DJI – macht aber nichts – zumindest wir steuern generell lieber selbst. Die ebenfalls verfügbaren Hyperlapse-Videos und HDR-Fotos bieten weitere kreative Gestaltungsmöglichkeiten.

Bildqualität

Die Bildqualität der Evo Nano Plus mit dem 1/2-Zoll-Sensor ist großartig und muss sich nicht vor einer Mavic 2 Pro mit dem großen 1-Zoll-Sensor verstecken. Selbst ohne Nachbearbeitung und bei Nutzung der automatischen Aufnahmeeinstellungen entstehen beeindruckende Foto- und Videoaufnahmen. Diese können aus unserer Sicht locker mit dem Bildmaterial aus der Mini 2 mithalten. An den riesigen Dynamikumfang der Aufnahmen mit der DJI Mini 3 kommen sie aber nicht ganz heran. Generell finden wir die Aufnahmen häufig einen Tick zu dunkel – in der Nachbearbeitung ist dies aber besser als eine Überbelichtung. Im Vergleich zum Bildmaterial aus DJI-Drohnen empfinden wir die Aufnahmen als insgesamt etwas kontrastreicher und schärfer. Bei Videos ist eine gewisse Unschärfe zwar ganz sexy, gerade für Fotos finden wir die Evo Plus aber absolut großartig.

Wer die höchstmögliche Qualität aus dem ½-Zoll-Sensor herauskitzeln möchte, sollte die Aufnahmeparameter manuell einstellen und für Fotos unbedingt das RAW-Format wählen. Das macht zwar im Nachhinein mehr Arbeit, die Ergebnisse sind allerdings umso überzeugender. Die gezeigten Bilder wurden allerdings alle im Automatik-Modus und im JPEG-Format aufgenommen.

Aus dem RAW-Bild kann man noch einiges herausholen..

Varianten und Preis

Neben der von uns getesteten Premium-Bundle gibt es die Evo Nano Plus auch einzeln mit Handsender und nur einem Akku. Auch Zubehör wie Propellerschützer sind erhältlich. Im Vergleich zum reichhaltigen Angebot für DJI-Drohnen, ist das Angebot aber äußerst übersichtlich. Immerhin: Bei der Suche nach Zubehör sind wir auf viele Ersatzteile gestoßen. Die Versorgung mit Ersatzteilen ist also gesichert.

Fazit

Autel Robotics hat bei der Evo Nano Plus fast alles richtig gemacht. Die kleine Drohne bleibt nicht nur unter der 250-g-Grenze, sie bietet zudem einfache Bedienung, großartige Flugeigenschaften, lange Flugzeiten und eine erstklassige Bildqualität. Lediglich der hohe Preis stört.

No-Name-Drohnen und auch die Xiaomi Fimi X8 Mini (Testbericht) lässt die Evo Nano bezüglich Leistung weit hinter sich. Zur gelungenen DJI Mini 2 (Testbericht) hat Autel auf jeden Fall locker aufgeschlossen – da hier keine Flugdaten weitergereicht werden, finden wir die Nano Plus sogar einen Tick besser. Mit der Mini 3 (Testbericht) kann es die kleine Autel-Drohne aber noch nicht ganz aufnehmen. Neben schnelleren Flügen bietet diese eine etwas bessere Bildqualität und dank der Hochformataufnahmen auch mehr kreative Möglichkeiten.

Einzig mit dem hohen Preis von fast 800 Euro tun wir uns schwer. Der Preis ist zwar hinsichtlich der Leistung gerechtfertigt, anders sieht es dann aber mit Blick auf die Konkurrenz aus. Die aus unseren Augen vergleichbare DJI Mini 2 gibt es bereits ab 433 Euro. Die neue und besser ausgestattete DJI Mini 3 Pro ab 830 Euro. Sogar die im direkten Vergleich etwas schwächere, aber dennoch empfehlenswerte Xiaomi Fimi X8 Mini gibt es ab 530 Euro.

Eine richtig geniale Drohne, die aus unserer Sicht nur leider etwa 200 bis 300 Euro zu teuer ist. Wer geniale Flugeigenschaften, großartige Bildqualität und Anonymität will, ist mit der Autel Nano Evo Plus trotzdem bestens beraten.