Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Guerilla-PV, Balkonkraftwerk oder Stecker-PV – wer danach sucht, findet nicht nur fertige Sets. Das erschwert den Vergleich. Wir haben uns ein eigens für uns zusammengestelltes Set von JW Solar angeschaut.
Wer im Internet nach Möglichkeiten sucht, seine Stromkosten zu senken, findet einerseits Stromspartipps, mit denen sich problemlos 130 Euro Stromkosten einsparen lassen. Und man findet mit sogenannten Balkonkraftwerken Mittel, um selbst Strom zu generieren – kostenlos dank Sonnenlicht. Das Problem: Selbst, wer wegen der Anbringung der PV-Module keine Schwierigkeiten mit seinem Vermieter hat, wird nicht zuletzt von der schieren Flut an Balkonkraftwerken erschlagen, die es im Internet zu finden gibt. Und oftmals sind es nicht einmal vollständige Pakete, die man zuhause einfach auspackt, ggf. zusammenschraubt und an die heimische 230V-Steckdose anschließt. Denn oft gibt es Shops, die nicht nur Komplettsets anbieten, sondern Einzelteile, die für den Betrieb einer Stecker-PV-Anlage nötig sind. Das beinhaltet neben den Solarmodulen natürlich den Mikrowechselrichter, aber auch Aufständerung, Verlängerungskabel, Schutzkappen und sonstigen Kleinkram. Nicht jeder Händler kann dabei mehr Service als der Discounter nebenan bieten, denn oft fehlen schlichtweg Kapazitäten, um den Kunden wünschenswerte Beratung bieten zu können. Wir haben uns ein Balkonkraftwerk von JW Solar angeschaut, das der Händler für uns zusammengestellt hat.
Typisch für einen Online-Händler: Interessenten landen nach kurzer Suche im Online-Shop von JW Solar, der sich nicht nur an Privatleute wendet, sondern auch an Business-Kunden. Außerdem finden sich hier nicht nur Balkonkraftwerke und Zubehör dafür, sondern generell alles, was man für eine große PV-Anlage auf dem Dach braucht. Das Angebot speziell für Balkonkraftwerke ist unter einem eigenen Menüpunkt zu finden und eher übersichtlich. Das liegt auch daran, dass hier nicht alle Komponenten zu finden sind, sondern lediglich Aufständerung, verschiedene Befestigungsmöglichkeiten, Komponenten für den Anschluss an eine Wieland-Steckdose sowie einiges an BKW-Zubehör von Ecoflow samt Speicher (Testbericht). Der Rest findet sich unter anderen Menüpunkten, etwa einzelne PV-Module. Aber es gibt auch einige Angebote an Fertig-BKWs, die uns aber wegen knapp bemessener Peak-Leistung der Solarpanele oder der Verwendung von auf 600 Watt begrenzten Mikrowechselrichtern nicht immer zusagen. Wir haben daher – das ist schließlich der Vorteil von Shops mit einem breiten PV-Angebot – ein unserer Meinung nach besser dimensioniertes Set angefragt und JW Solar hat geliefert – im doppelten Wortsinn.
An der Technik des zusammengestellten BKWs haben wir absolut nichts zu meckern. JW entschied sich für zwei Module Trina Solar Vertex S mit schwarzem Rahmen und je 425 Watt Leistung, dazu ein Mikrowechselrichter von Hoymiles HM-800 mit bis zu 800 Watt. Statt der normalerweise typischen Valkbox 3 als günstige Aufständerung auf ein Flachdach (die wir zuerst ausprobierten) beinhaltet das Set sogar ein wesentlich stabileres K2-System für Flachdach und Garten – gerade für Gegenden mit starkem Wind, etwa an der Küste, ist das von Vorteil. Hinzu kamen ein 5 Meter langes Kabel zum Anschluss des Wechselrichters an die Steckdose und ein MC4-Verlängerungskabel (3m) zum bequemen Anschluss der Module an den WR. Eine Schutzkappe, die den freibleibenden Anschluss des WR vor Staub und Feuchtigkeit schützt, ist ebenfalls dabei. Die DTU-WLite, ein kleiner Funk-Dongle, zum Auslesen des WR und der Steuerung per App, ist ebenfalls im Paket enthalten.
Werkzeug für die Installation ist nicht im Paket, jeder Haushalt sollte aber einfache Dinge wie ein paar Schraubenschlüssel oder Schraubendreher parat haben, weshalb wir das nicht als Nachteil sehen. Anders ist das bei der fehlenden Bedienungsanleitung, die Anfänger spätestens beim Anschluss der PV-Module an den Wechselrichter, der Einrichtung der DTU-WLite oder beim Aufbau der K2-Aufständerung vermissen werden. Wer sich mit den Hoymiles-Komponenten nicht auskennt, kommt um ausgiebiges Googeln nicht herum – das kostet Zeit und Nerven. Ansonsten passt alles, die einzelnen Komponenten wurde ordentlich verpackt zeitnah geliefert – zumindest theoretisch. Mehr dazu am Ende des Tests.
Der Aufbau der K2-Aufständerung ist ohne Vorkenntnisse mangels Aufbauanleitung eher schwierig. An Werkzeug wird hier aber außer einem passenden Inbus-Schlüssel nichts benötigt. Im Gegensatz zu den einfachen Systemen von Van de Valk (Valkbox) setzt das K2-System außerdem eine Montage direkt am vorgesehenen Aufstellungsort voraus, da es sich nach der Montage nicht mehr großartig bewegen lässt. Wenn man weiß, wie es geht, ist die eigentliche Installation aber beinahe noch einfacher als bei der Valkbox, da bei K2 viel gesteckt und selbstständig arretiert wird. Insgesamt ist das K2-System, das auch für große Aufdach-PV-Anlagen Verwendung findet, wesentlich stabiler als die günstige Valkbox. Dafür ist die günstigere Aufständerung flexibler bei der Aufstellung. Während das K2-System bei unserem BKW ausschließlich eine Positionierung der PV-Module in einer Reihe nebeneinander erlaubt, lassen sich Module mit Valkbox-Aufständerung einzeln frei positionieren, solange die Verkabelung ausreichend lang ist. Wir haben das bei anderen BKWs genutzt, um weniger maximale, dafür aber mehr und über einen längeren Zeitraum verteilte Leistung von der Sonne zu beziehen – etwa ein Modul nach Süd, eins nach West.
Während bei einer Valkbox große lose Unterlagen dabei sind, deren gummiartiges Material an eine Unterlage für eine Waschmaschine erinnert, setzt das K2-System zum Schutz von Flachdach und Aluschienen auf Gummi. Die Beschwerungen werden bei der Valkbox auf den genannten Unterlagen platziert, bei K2 werden extra Zusatzhalterungen (SpeedPorter) für eine Beschwerung gegen Wind benötigt und angebracht. Die Solarmodule werden anschließend mit Klemmen besonders stabil an den Schienen befestigt, bei der Valkbox werden sie Halterungen direkt an den Rahmen der Module geschraubt. Dabei ist das K2-System flexibler und ist nicht auf eine bestimmte Modul-Größe festgelegt. Bei der uns vorliegenden Valkbox ist eigentlich nur eine Modulbreite von 98 bis 100 Zentimeter gedacht, nur durch Umdrehen der Befestigungsklammern ist die Verwendung von breiteren Modulen möglich. Allerdings liegt dann das Gewicht der Module auf dem schwächeren inneren Teil des Rahmens, was in unseren Augen auf Dauer suboptimal ist.
Der Mikrowechselrichter wird am besten vorher schon an einem der Solarmodule oder der Unterkonstruktion befestigt, sodass er durch die Module gegen Umwelteinflüsse geschützt ist und nicht auf dem Boden liegt. Hierfür fehlte uns im Set eine Befestigungsmöglichkeit, woraufhin wir ein zusätzliches Loch in den Rahmen eines der PV-Module gebohrt und den WR daran mittels eigener Schrauben und Unterlegscheiben befestigt haben. Anschließend wird nun jedes Solar-Modul mit seinen beiden MC4-Steckverbindungen an eine Seite des Hoymiles-Wechselrichters gesteckt. Vertun kann man sich dabei nicht, da die Stecker nur genau so passen, wie es richtig ist. Sollten die Kabel zu knapp werden, hilft das 3 Meter lange Verlängerungskabel. Das 5 Meter lange Kabel mit dem Schuko-Stecker auf der einen Seite kommt dann an den WR und nach der korrekten Positionierung der Module in die Steckdose – und schon produziert man seinen eigenen Strom.
Wie viel das ist, bekommt man über die Hoymiles-App „S-Miles Installer“ heraus. Nach dem kostenlosen Erstellen eines Accounts muss zuerst die DTU-WLite aus dem Lieferumfang eingerichtet werden. Diese Datebase Transaction Unit verbindet sich mit dem WLAN des Hauses und gibt so Informationen des Wechselrichters über die App an den Benutzer weiter. Dafür muss in der App zuerst virtuell ein neues BKW erstellt werden, anschließend werden DTU und WR dort integriert. Beides geschieht normalerweise einfach über die Kamera des Smartphones, mit deren Hilfe die QR-Codes oder Seriennummern der beiden Geräte eingescannt werden. Tipp: Sollten seltsame Fehlermeldungen wie „S/N falsch“ trotz korrekter Eingabe auftauchen, muss man auf der Startseite der App ganz unten auf den mittleren Reiter wechseln (von „Anlagen“ zu „B&W“), dort auf den Button „Netzwerkkonfig“ klicken und eine Verbindung mit der DTU aufbauen. Danach sollten solche Falschmeldungen verschwunden sein.
Generell ist die App auf den ersten Blick unübersichtlich und an vielen Stellen nicht gerade selbsterklärend. Dennoch bietet sie Einblick in alle wünschenswerten Auswertungen und wenn man sich an ihren Aufbau gewöhnt hat, ist alles Wichtige mit wenigen Klicks ersichtlich. So führt sie Buch über Gesamt-, Wochen-, Monats- und Tagesproduktion an Strom und bereitet das schön grafisch auf, außerdem kann man sich die Leistung der einzelnen Module anschauen. Das ist besonders dann interessant, wenn sie nicht gleich ausgerichtet sind. Da der mitgelieferte Hoymiles HS-800 über zwei MPPTs (Maximum Power Point Tracker) verfügt, agieren die beiden Solarmodule als einzelne Strings und entsprechend unabhängig voneinander. Dadurch wird die Leistung eines Moduls nicht durch temporär schwächere Leistung des anderen künstlich beschnitten. Über die App lässt sich zudem die maximale Watt-Zahl des WR reduzieren – etwa von den bald erlaubten maximal 800 Watt auf derzeitig erlaubte 600 Watt. Das wird überdies wichtig, wenn man mehr als zwei Solarpanele verwenden und entweder einen größeren oder zwei HS-800 (oder mehr) Wechselrichter verwenden möchte. Dann können Nutzer das über die App so einrichten, dass die maximale Leistung nicht überschritten wird, sie durch die zusätzlichen PV-Module aber länger zur Verfügung steht. Etwas schade: Die App aktualisiert Daten nur alle 15 Minuten. Wer sekundengenaue Zahlen sehen will, sollte eine Strommess-Steckdose zwischen BKW und Steckdose stecken. Die besten Geräte dafür haben wir in unserem Beitrag Die besten Strommmessgeräte: Energie sparen & Etrag von BKWs erfassen aufgezählt.
Wir haben das Balkonkraftwerk von JW Solar während des Tests auf einer Valkbox-Aufständerung für Flachdächer platziert, da wir so flexibler bei der Ausrichtung der beiden PV-Module waren. Außerdem kam die versprochene K2-Aufständerung erst kurz vor Veröffentlichung dieses Artikels und somit zu spät. Tatsächlich erlaubte uns die flexiblere Aufstellung nach Süd-Südwest und West eine größere Gesamtausbeute an Energie und so konnten wir mit dem JW-Solar-Set insgesamt knapp 90 KWh innerhalb von 31 Tagen im August und September erstellen. Dabei zu berücksichtigen sind mehrere Dinge: Einerseits war der Standort für die Panels suboptimal, sodass sie Sonne nur zwischen etwa 8:30 Uhr und 18 Uhr ausgesetzt waren, also rund 9,5 Stunden. Außerdem wurde das BKW nahe der Nordsee getestet, wo es weniger Sonneneinstrahlung und gefühlt im Schnitt schlechteres Wetter mit Wolken und „sonnenfreien“ Tagen als im Rest der Republik gibt.
Höchstleistung waren hier dennoch respektable knapp 4,5 KWh an den besten Tagen. Insgesamt ergibt das im Schnitt mehr als 2,5 KWh pro Tag, hochgerechnet aufs Jahr wären das über 900 KWh. Aufgrund des sogenannten „Tal der Tränen“, also der wesentlich schlechteren Erträge in den Monaten November bis Februar, dürfte diese Zahl in der Realität, wenn überhaupt, nur an perfekten Standorten erreicht werden – und dann vermutlich in einer besseren Ost-West-Aufstellung bei steilerem Winkel als der, den die Valkbox vorgibt. Aber selbst, wenn man nur 600 KWh ansetzt und das gegen den derzeit (wegen der Strompreisbremse) maximalen KWh-Preis von 0,4 Euro rechnet, ergibt das eine Ersparnis von rund 240 Euro im Jahr. Das bedeutet, dass sich das JW-Balkonkraftwerk nach guten 2,5 Jahren amortisiert hat und anschließend quasi bares Geld verdient.
Selbst, wenn man konservativ mit einer Amortisation erst nach 5 Jahren rechnet, lohnt sich auch dieses Balkonkraftwerk von JW Solar absolut. Denn Hoymiles gibt auf seine Mikrowechselrichter standardmäßig 12 Jahre Garantie und auch Trina Solar gibt mindestens 10 Jahre Garantie auf seine Module. Voraussetzung bei der Rechnung ist natürlich, dass ein möglichst großer Teil des produzierten Stroms im eigenen Haushalt verbraucht wird, denn die Einspeisung ins Stromnetz wird bei einem BKW normalerweise nicht vergütet bzw. lohnt sich wegen der hohen Kosten zum Schaffen der nötigen Voraussetzungen nicht. Für mehr Eigenverbrauch kann hier eine Powerstation (Bestenliste) sorgen, die allerdings zusätzlich Geld kostet und den Amortisationszeitpunkt ggf. weiter nach hinten verschiebt. Balkonkraftwerke gibt es auch gleich mit Speicher im Set.
Ein Wort zum Abschluss: Während unserer zeitweisen Zusammenarbeit mit JW Solar, die unser Testgerät gestellt haben, verlief nicht alles nach Plan. So kam es trotz mehrfachen, netten Mail- und Telefonkontaktes einige Male zu Missverständnissen und es gab Komplikationen beim Versand. Das möchten wir aber nicht überbewerten. Denn bei JW Solar handelt es sich um ein kleines Unternehmen mit deutlich weniger als 10 Mitarbeitern, das wie bei vielen anderen Branchen auch unter Fachkräftemangel leidet. Außerdem ist der Großteil der Bewertungen über die Firma positiv. Wir gehen – in dubio pro reo – davon aus, dass wir die Ausnahme von der Regel waren und einfach Pech hatten.
Das Angebot von JW Solar mit der ultrastabilen K2-Aufständerung für Flachdach und Garten kostet knapp 651 Euro.
Das Balkonkraftwerk für Flachdach und Garten, das JW Solar für uns zusammengestellt hat, punktet mit guter Technik und ultra-stabiler K2-Aufständerung. Die Gesamtleistung der Vertex-Module von Trina Solar liegt mit 850 Watt schön hoch und der Hoymiles-Mikrowechselrichter gehört unserer Meinung nach abgesehen von der etwas komplizierten Einrichtung and Bedienung zu den Besten am Markt.
Mehr zum Thema gibt es in unserer Themenwelt Photovoltaik. Mobile Solargeneratoren und Stromspeicher zeigen wir etwa in unserer Bestenliste der Powerstations. Bei der Einschätzung der Grundlast und beim Erkennen von Energiefressern helfen Smarte Zwischenstecker und Energiemessgeräte (Ratgeber). Weiteres Einsparpotenzial zeigt unser Artikel Strom & Geld sparen: Vom Balkonkraftwerk bis zum smarten Duschkopf. Hilfreich beim Sparen sind zudem Die besten Photovoltaik-Deals: Powerstation, Solarpanel, Balkonkraftwerk & Co.
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