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Blink XT im Test: kabellose Videowanze von Amazon

Blink XT im Test: kabellose Videowanze von Amazon
VORTEILE
  • Einfache Einrichtung
  • Simple App
NACHTEILE
  • Keine Anzeige der Batteriekapazität
  • Mittelmäßige Bildqualität
  • Nur 2,4-Ghz-WLAN

Die Blink-Kameras von Amazon wollen Videoüberwachung für jedermann liefern. Wir testen die Überwachungskameras und finden in der Praxis ein paar Stolpersteine.

Laut Eigenwerbung garantieren Blinks Überwachungskameras „entspannte Sicherheit”. Alles soll drahtlos arbeiten, einfach funktionieren und mit einem Batteriesatz soll die Kamera obendrein bis zu zwei Jahre funktionieren. Bei uns im Test gab es allerdings schon nach zwei Wochen die erste Batteriewarnung und die Einfachheit von Blink hatte ebenfalls Tücken.

Wir haben das Blink-System mit zwei Kameras und einem Sync-Modul getestet. Die schwarzen Blink-XT-Kameras unterscheiden sich von den weißen Blink-Kameras (ohne XT) unter anderem durch ihre Wetterfestigkeit, eine höhere Videoauflösung (1920×1080 statt 1280×720 px) und eine Infrarotleuchte für diskrete Nachtaufnahmen. Nachts filmen können die weißen Kameras auch, allerdings beleuchten sie dafür die Szenerie mit einer weißen LED. Die rund 30 Euro Aufpreis pro Kamera für die XT-Variante sind unseres Erachtens daher auch für den Inneneinsatz gut angelegtes Geld.

Da die Blink-Kameras zur Amazon Produktfamilie gehören, ist eine Steuerung per Alexa möglich. Ansonsten ist das Blink Ökosystem überschaubar. Es gab anfänglich eine fernsteuerbare Sirene („Panic Siren“ ), die wurde allerdings eingestellt. Der Käufer muss sich also nur entscheiden, welche Variante er bevorzugt und wie viele Kameras er einsetzen möchte. Jedes Sync-Modul kann zehn Kameras verbinden, man kann die Blink (ohne XT) und die Blink XT beliebig mischen. Für den reibungslosen Betrieb braucht das Heimnetz eine stabile Upload-Rate von mindestens 2 Mbit/s.

Lieferumfang und Montage

Der Kamerahalter wird an der Rückseite einfach eingeklickt. Unter Normalbedingungen reicht das, für den Außeneinsatz dürfte es etwas robuster sein.

Der Inhalt der Box ist überschaubar: Neben dem Sync-Modul und dem dazugehörigen Netzteil enthält es die Kameras, die Kamerahalter, Batterien und jeweils ein Schräubchen pro Kamera. Das Sync-Modul muss nur mit Strom versorgt werden, bei der Kamera ist etwas Montagearbeit erforderlich, bevor sie in Betrieb gehen kann. Das Einlegen der Batterie ist knifflig. Man braucht ein wenig Übung, um die Rückwand der Kamera zu öffnen, weil die Gummidichtungen satt schließen.

Die Kamerahalter werden in die Rückseite eingeklickt und über eine einzelne Schraube mit der Wand verbunden. Die Verstellmöglichkeiten des einfach konstruierten Halters sind begrenzt: Man kann die Kamera nur nach vorne kippen. Weil der Halter sowohl in der Kamera als auch in der Wand beweglich gelagert ist, kann man damit jede beliebige Ausrichtung einstellen. Insgesamt ist der Halter von einfacher Qualität. Für ein ruhiges windgeschütztes Plätzchen ist er ausreichend. Für Örtlichkeiten, die beispielsweise starkem Wind ausgesetzt sind, ist er unseres Erachtens weniger geeignet. Ein Gewinde für einen Stativanschluss beziehungsweise entsprechende Halter gibt es leider nicht. Dabei ist eine sichere Befestigung erforderlich, um die Zahl der Fehlalarme zu begrenzen.

Wer die Wetterfestigkeit der Kamera nicht braucht, kann statt der Batterien den USB-Anschluss an der Rückwand für die Stromversorgung nutzen. In Normalausrichtung der Kamera kommen sich dann allerdings Stromkabel und Kamerahalter in die Quere. Es wäre sinnvoller gewesen, die USB-Buchse an eine Kameraseite zu legen. Bei der Installation sollte man generell auf die korrekte Ausrichtung der Kamera achten. Die App kann eine Ansicht des Videos später nämlich nicht drehen.

Software: Installation

Die App zeigt die Signalstärke zwischen Kamera und WLAN beziehungsweise zum Sync-Modul an. Besonders zuverlässig ist diese Anzeige nicht. Bei diesem Screenshot war die Signalstärke schon nicht mehr ausreichend für LiveView.

Das Softwareangebot für das Blink System ist ähnlich überschaubar wie das Hardwareangebot: Es gibt je eine App namens Blink Home Monitor für iOS und Android, der Amazon-eigene Android-Ableger Fire OS wird ebenfalls unterstützt. Desktop-Software gibt es ebenso wenig wie einen Webzugriff. Wobei ein Webzugriff bei einer vollständig Cloud-basierten Lösung durchaus naheliegend gewesen wäre. Dieses beschränkte Softwareangebot sieht auf dem Papier dürftig aus, in der Praxis ist diese Selbstbeschränkung durchaus sinnvoll.

Der Grund: Aus Marketinggründen bieten viele Unternehmen Software für möglichst viele Plattformen an. In der Praxis scheitern selbst große Anbieter dann regelmäßig daran, auf allen Plattformen eine ähnliche Softwarequalität oder wenigstens vergleichbare Features anzubieten. Somit erspart Amazon seinen Kunden das mühselige Durchprobieren verschiedener Anwendungen und Zugriffswege. Man installiert die passende App auf seinem Smartphone oder Tablet und kann loslegen. Welche Sprachen Blink unterstützt, ist unklar. Im Test hatten wir die deutsche und die englische GUI, die je nach gewählter Systemsprache angezeigt werden.

Die App führt den Anwender gut durch die wenigen Schritte der Installation. Am aufwendigsten ist noch das Anlegen eines Accounts für den Cloud-Zugriff. Wir hatten am Anfang Probleme, das hauseigene Netzwerk zu finden. Des Rätsels Lösung: Das Hausnetz lief ursprünglich nur auf 5 GHz, die Blink-Geräte sind allerdings ausschließlich mit WLAN im 2,4-GHz-Band kompatibel. Nachdem dem Aktivieren des 2,4-GHz-WLAN auf der Fritzbox lief es dann ohne Problem. Um die IP-Adresse braucht man sich nicht zu kümmern, die beziehen die Blink-Kameras per DHCP. Was natürlich voraussetzt, dass ein entsprechend konfigurierter Router im Netz ist.

Die Blink-App zeigt die Signalstärke von Hausnetz und Sync-Modul an. Wirklich Verlass ist auf die Anzeige nicht. Bei uns brach der Livestream reproduzierbar nach einer Entfernung von etwa 15 Metern zwischen Kamera und Sync-Modul bzw. WLAN-Router ab. Laut App war in dieser Entfernung (inklusive einer geschlossenen Tür) noch eine ausreichende Signalstärke vorhanden. Man muss also ausprobieren, in welcher Entfernung die Kamera noch zuverlässig arbeitet.

Software: Features

Die Blink-Home-App ist konsequent auf einfache Bedienung ausgelegt. Was im Gegenzug bedeutet, dass man mit ihr nicht einmal ein Foto knipsen und herunterladen kann. Mit dem Fotografieren-Button aktualisiert man nur das Vorschaubild für die Live-Ansicht. Das ist nämlich nie aktuell.

Bei häufigem Einsatz füllt sich der Cloudspeicher zügig. Mit automatischen Löschintervallen kann man die Zahl der Videos im Speicher begrenzen. Der gelbe Punkt weist auf noch nicht abgerufene Videos hin.

Die App lässt den Anwender über den Batteriestatus im Unklaren. Es gibt anscheinend nur die beiden Modi „Ok” und „Dead”, eine Prozentanzeige fehlt. Dafür gibt es zügige Rückmeldungen, wenn sich das Benutzerverhalten nicht mit dem von Amazon prognostizierten Einsatzszenarien deckt. Dann droht eine vorzeitig entleerte Batterie. Wir hatten schon nach zwei Wochen eine Batteriewarnung auf dem Smartphone. Allerdings war die Kamera auch im Eingangsbereich einer Wohnung montiert und wurde sehr häufig aktiviert. Die App gibt dem Benutzer entsprechend Tipps an die Hand, wie er seine Einstellung optimieren kann. Aussagen zur prognostizierten Restlaufzeit gibt es leider nicht.

Die beste Methode,m die Batterie zu schonen, besteht in einer zurückhaltenden Nutzung. Um das zu erreichen, muss man die Zahl der aufgezeichneten Videos reduzieren, den Gebrauch des IR-Strahlers und die Länge der Videos begrenzen. Über Zeitpläne kann man die Kamera zu bestimmten Zeiten aktivieren oder deaktivieren. Man kann die Kamera auch nur bei Bedarf aktivieren, beispielsweise im Urlaub. Die Activity Zones, mit denen bestimmte Bildbereiche von der Bewegungserkennung ausgenommen werden, sind im Beta-Status und arbeiten unzuverlässig. Alle Einstellungen werden auf Kameraebene vorgenommen. Wer mehrere Kameras hat, kann diese einzeln in der App konfigurieren.

So löblich wir es finden, dass Amazon nicht der Feature-itis verfällt: Ein Knopf, um aus der Live-Ansicht die Videoaufzeichnung zu starten, hätte der App nicht geschadet. Wenn die Kamera aufzeichnet, kann man nicht zeitgleich Live View aktivieren. Dann gibt es nur die Fehlermeldung „Camera is busy”. Unterbrechen kann man die Aufzeichnung nicht. Man kann Live View erst starten, wenn die Kamera nicht mehr aufzeichnet. Solange Live View aktiv ist, zeichnet die Kamera nicht auf. Wer per Live View einem Einbrecher zuschaut, muss also parallel mit Bordmitteln Screenshots für die Polizei machen. Das ist eine ärgerliche Einschränkung der App und geht bei der ebenfalls zu Amazon gehörenden Ring-Überwachungskamera (optional mit Solarpanel, im Test) besser.

Wer einen Einbruch bei sich daheim in voller Länge dokumentieren möchte, wird mit Amazon Blink nicht glücklich. Videoclips sind auf maximal 60 Sekunden Länge begrenzt.

Beim Einsatz mehrerer Kameras sind weitere Einschränkungen zu beachten. Live View kann immer nur für eine Kamera angezeigt werden. Es ist nicht möglich, die Streams verschiedener Kameras parallel zu betrachten. Alle Videoschnipsel landen im gleichen Ordner und lassen sich nicht nach Kameras filtern. Wenn man mehrere Kameras parallel betreibt, kann das schnell unübersichtlich werden. Parallele Videoaufzeichnungen sind möglich. Tipp: Wer mehrere Kameras hat, sollte diese entsprechend benennen und gegebenenfalls mit einem Label am Gehäuse versehen. Die Seriennummer der Kamera ist nämlich nur sichtbar, wenn man den Batteriedeckel öffnet. Ohne eigenes Label ist es schwierig, die einzelnen Kameras auseinander zu halten.

Kamera & Bildqualität

In typischen Einbruchsszenarien ist eine perfekte Ausleuchtung selten gegeben. Die Bildqualität der Blink XT ist unter diesen Bedingungen entsprechend. Man kann aber erkennen, wer auf dem Bild ist. Mehr muss eine Überwachungskamera nicht können.

Die hübschen Screenshots der App auf Google Play sind allesamt erheblich nachbearbeitet. Sie zeigen nämlich scharfe kontrastreiche Standbilder, auch von schnellen Bewegungen und bei schwierigen Lichtverhältnissen. Das wird den bescheidenen Fähigkeiten der Kamera nicht gerecht. Es handelt sich um eine Winzkamera mit einem extrem weitwinkligen Objektiv, das entsprechende Verzeichnungen verursacht. Außerdem werden die Videobilder für die Cloud-Synchronisierung mit leistungsschwacher Hardware mehr oder weniger in Echtzeit stark komprimiert. Bei diesen Rahmenbedingungen kann man realistisch keine gute Bildqualität erwarten.

Bei guten Lichtverhältnissen sehen die Videos zumindest auf dem Smartphone noch ganz akzeptabel aus. Die Ernüchterung kommt, wenn man das Video herunterlädt und auf dem großen PC-Monitor anschaut. Das ist dann schon sehr grieselig und unter Qualitätsaspekten gruselig. Bei wenig Licht sinkt die Bildqualität naturgemäß weiter ab. Für ein grobkörniges Fahndungsfoto reicht die Qualität aber immer, vorausgesetzt, das Motiv bewegt sich nicht zu schnell. Schnelle Bewegungen produzieren verwaschene Bilder, die eignen sich dann oft nicht, um jemanden zu identifizieren. Alles in allem bewegt sich die Blink XT qualitativ in dem Bereich, den man bei so einer kleinen Kamera erwarten würde.

Die Bildqualität ist selbst bei totaler Dunkelheit dank Infrarotstrahler ausreichend. Für ein Fahndungsfoto kann man den Screenshot eines Videoframes durchaus benutzen, für mehr aber auch nicht.

In der Blink XT arbeitet ein passiver Infrarot-Bewegungsmelder, der systembedingt nicht durch Glasscheiben blicken kann. Laut Hersteller erkennt dieser Bewegungen bis zu einer Entfernung von 6 Metern. Das können wir bestätigen, allerdings klappte das in unserem Testszenario, einer vollgestellten Wohnung nur, wenn wir die Empfindlichkeit auf die höchste Stufe 9 stellten. Bei dieser Einstellung gab es bei im Test permanent Fehlalarme, die Standardeinstellung 5 war diesbezüglich robuster.

Die optimale Einstellung für eine Umgebung zu finden, kann herausfordernd sein. Der Bewegungssensor erkennt nämlich Personen, die direkt auf ihn zugehen eher schlecht, seitliche querende Passanten hingegen gut. Wobei man Überwachungskameras typischerweise so anbringt, dass sich ein Einbrecher darauf zubewegt. Man möchte ja ein Porträt von dem Eindringling haben. In der Standardeinstellung 5 ist im Test die Kamera oft erst angesprungen, wenn wir nur noch eine Armlänge entfernt waren.

Apropos Armlänge Abstand: Eine aktive Blink-Kamera ist gut zu orten. Es gibt immer eine blaue Aktivitätsleuchte, eine rote Infrarot-Leuchte bei Nacht und zu jederzeit ein deutlich hörbares Relais-Knacken, wenn die Kamera anspringt. Den Infrarotstrahler kann man abschalten oder dimmen, für die übrigen Licht- und Lärmquellen gilt das nicht. Für heimliche Aufnahmen eignet sich der Blink XT also nicht. Aber auch das kann ja der Abschreckung dienen.

Fazit

Amazons Blink-System richtet sich nicht an Technik-Enthusiasten, sondern an typische Normalanwender, welche sich nicht groß einarbeiten möchten. Die Kameras in Betrieb zu nehmen ist simpel, der Betrieb komfortabel. Die genaue Abstimmung des Bewegungsmelders kann in Abhängigkeit vom Einsatzort allerdings etwas dauern. Wenn es einmal läuft, braucht man sich um nichts zu kümmern, außer sehr gelegentlich Batterien auszuwechseln.

Der Preis für den Komfort ist weitgehender Kontrollverlust: Man hat nicht einmal die theoretische Möglichkeit, die Hardware ohne Cloud zu nutzen. Die Kameras sind vollständig abhängig von den Amazon Servern. Es bleibt abzuwarten, wie lange die Infrastruktur bei Amazon vorgehalten wird. Kurz- und mittelfristig braucht man sich da höchstwahrscheinlich keine Gedanken zu machen. Als potenzielles Erbstück eignen sich die Blink-Kameras folglich nicht, aber das gilt für andere Technik-Gadgets wie Smartphones gleichermaßen. Es wäre unseres Erachtens kundenfreundlicher, mit einer garantierten Laufzeit von zum Beispiel zehn Jahren zu werben, als die Kunden diesbezüglich im Unklaren zu lassen.

Insgesamt tun wir uns schwer, das Blink-System als vollwertige Überwachungskamera einzustufen: Unseres Erachtens ist es eher ein schickes Abhörgerät (aka Wanze), das auch Videoschnipsel produzieren kann. Diesen Job erledigt die Blink ordentlich. Der Live View übers Internet ist ebenfalls praktisch. Wer überprüfen möchte, ob der Hund gerade daheim brav im Körbchen liegt oder verspielt ins Sofa beißt, der wird die Blink-App zu schätzen wissen. Einsatzszenarien außer Haus sind ebenfalls möglich, es sollte sich allerdings um Örtlichkeiten mit geringem Publikumsverkehr handeln. Ob ein Multikamera-Setup via Blink sinnvoll ist, hängt vom Einsatzzweck ab. Hier gibt es diverse Einschränkungen, allen vor die fehlende Unterstützung für parallele Livestreams.

Insgesamt also ein System für Einsteiger oder Anwender mit klar definierten Einsatzszenarien. Wer mehr Leistung möchte, oder mehr Flexibilität braucht, sollte sich bei anderen Anbietern umschauen.